"Eine
rührende Szene auf dem Kongreß trug sich
am Sonntag, den 10. August, dem "Tag der Kinder", zu. Als das
Vormittagsprogramm begann, hatten sich 15 000 Kinder und Jugendliche " im
Alter von 5 bis 18 Jahren " in der Stadionmitte direkt vor der Bühne
versammelt sowie auf reservierten Plätzen auf einem riesigen Campingplatz,
wo eine weitere Menschenmenge zuhörte. Als Bruder Rutherford, damals
Anfang 70, die Bühne betrat, jubelten und klatschten die Kinder. Er winkte
mit seinem Taschentuch, und die Kinder winkten zurück. Dann sprach er mit
klarer, freundlicher Stimme zur gesamten Zuhörerschaft über das Thema
"Kinder des Königs". Nachdem er über eine Stunde zu allen
Anwesenden geredet hatte, wandte er sich an die Kinder in den reservierten
Sektoren.
"Ihr
alle . . . Kinder", sagte er und schaute auf die strahlenden Gesichter vor
sich, die ihr euch bereit erklärt habt, den
Willen Gottes zu tun, und die ihr eure Stellung auf der Seite der
theokratischen Herrschaft unter Christus Jesus bezogen habt und die ihr Gott
und seinem König gehorchen wollt, steht bitte auf!" Die Kinder
erhoben sich wie e i n Mann. "Seht", rief der Redner voller Freude,
"mehr als 15 000 neue Zeugen für das Königreich!"
Stürmischer Beifall brach los. "Ihr alle, die ihr euer
möglichstes tun werdet, anderen von Gottes Königreich und den damit
verbundenen Segnungen zu erzählen, sagt bitte ja!" Darauf
ertönte ein donnerndes "Ja!"
Als
Höhepunkt verkündete Bruder Rutherford die Freigabe des neuen Buches
Kinder, was mit Freudenrufen und gewaltigem Applaus aufgenommen wurde. Danach
beteiligte sich der Redner, ein hochgewachsener Mann,
an der Verteilung kostenloser Exemplare des Buches, während eine lange
Schlange Kinder auf die Bühne stieg und ein Kind nach dem andern an ihm
vorbeiging. Vielen kamen bei dem Anblick die Tränen. In der
Zuhörerschaft befanden sich an jenem Sonntagmorgen viele Kinder, die ihrem
"Ja!"-Ruf entsprechend lebten. LaVonne Krebs, Merton Campbell
und Eugene und Camilla Rosam gehörten zu den
Kindern, die bei dieser Gelegenheit das Buch Kinder erhielten. 1992 dienten sie
immer noch im Hauptbüro der Gesellschaft und hatten bereits 51, 49, 49
beziehungsweise 48 Jahre im Vollzeitdienst eingesetzt. Einige der Kinder gingen
später als Missionare ins Ausland, darunter Eldon
Deane (Bolivien), Richard und Peggy Kelsey
(Deutschland), Ramon Templeton"
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Was
aber tatsächlich in diesem Buch stand, ist den meisten Zeugen Jehovas
heute nicht bekannt, und es wäre auch für die Wachtturmgesellschaft
peinlich, es zu veröffentlichen. Man ist nicht daran interessiert, dieses
damals so besondere Buch nachzudrucken.
Was
aber stand wirklich drin? Der Stoff in diesem Buch war eingekleidet in das
Gespräch zweier fiktiver junger Leute mit Namen Johannes und Eunice, beide
Zeugen Jehovas. Sie waren verlobt, hatten sich aber entschieden mit dem
Heiraten bis nach dem Hereinbrechen der Neuen Ordnung zu warten, die so nahe
bevorstand. In dem Buch sagte Johannes zu Eunice:
"Es ist unsere Hoffnung, daß in wenig
Jahren unser Ehebund vollzogen werden kann und wir durch des
Herrn Gnade herzige Kinder haben dürfen, die dem Herrn zur Ehre gereichen
werden. Wir können unsere Heirat gut hinausschieben, bis dauernder Friede
auf der Erde Einzug hält. Jetzt dürfen wir unserer Bürde nichts
hinzufügen, sondern müssen frei und für den Dienst des Herrn
gewappnet sein. Wenn die Theokratie in voller Wirksamkeit ist, wird es keine
Last mehr sein, eine Familie zu haben."
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Viele
arme junge Zeugen Jehovas haben das geglaubt und sich daran gehalten.
Hätte das Paar aus dem Buch wirklich gelebt und wäre nicht nur
erfunden gewesen, so hätte die Verlobungszeit ziemlich lange gedauert -
sie würde sogar heute noch andauern. Alle kleinen Mädchen auf dem
Kongress damals wären heute bereits über 70 und damit aus dem Alter
heraus, in dem sie noch Kinder bekommen könnten. Einige Kinder von damals
sind dem Rat jedoch treu gefolgt. Sie haben nie geheiratet und sind jetzt alte
Jungfern und Junggesellen.Und dies alles nur deshalb,
weil die Wachtturmführung der Ansicht war, die Neue Welt stehe unmittelbar
bevor. Ihre Datenberechnungen hatten sich, wie schon öfters, als
Fehlschlag erwiesen.
An
diesem kleinen Beispiel kann man sehen, wohin es führt, wenn man seinen
Glauben statt auf Gottes Wort die Bibel, auf menschliche Weisheit gründet.