Königreichssaal in Lukole  Taufe in Lugufu (unten)

 

Säuglings- und Entbindungsstation ein, wenn man bedenkt, dass es in einem Lager mit 48000 Flüchtlingen theoretisch pro Monat zu rund 250 Geburten kommen kann.

 

Geistig gut versorgt

 

Jehovas Zeugen rund um den Erdball fragen sich vielleicht, wie es wohl ihren Glaubensbrüdern in den Lagern Tansanias ergeht. Alles in allem befinden sich dort rund 1200 Zeugen, die 14 Versammlungen und 3 Gruppen zugeordnet sind. Wie geht es ihnen?

                Als diese ergebenen Christen ins Lager kamen, fragten sie als Erstes nach einer Parzelle, auf der sie einen Königreichssaal bauen konnten. Auf diese Weise konnte jeder im Lager wissen, wo er die Zeugen findet und wo sie ihre wöchentlichen Zusammenkünfte abhalten. Im Lager Lugufu gibt es 7 Versammlungen mit insgesamt 659 aktiven Christen. Sonntags werden die Zusammenkünfte dieser 7 Versammlungen gewöhnlich von rund 1700 Personen besucht.

                Die Zeugen in allen Lagern halten sogar größere christliche Kongresse ab. Beim ersten Bezirkskongress im Lager Lugufu waren 2 363 anwesend. Direkt vor dem Kongressgelände hatten die Zeugen ein Taufbecken errichtet. Das Becken

bestand aus einem Loch, das in den Boden gegraben und dann mit Plastik ausgekleidet worden war, sodass das Wasser nicht ablaufen konnte. Mit dem Fahrrad holten die Brüder Wasser aus einem knapp 2 Kilometer entfernt liegenden Fluss herbei. Da sie jedes Mal nur um die 20 Liter transportieren konnten, mussten sie oft hin und herfahren. Insgesamt 56 Taufanwärter, alle schicklich gekleidet, stellten sich nacheinander auf und wurden durch völliges Untertauchen im Wasser getauft. Ein Vollzeitprediger erzählte im Rahmen des Kongressprogramms, er studiere mit 40 verschiedenen Personen die Bibel. Vier von ihnen hatten sich auf jenem Kongress taufen lassen.

                Das Zweigbüro der Zeugen Jehovas sorgt dafür, dass die Zeugen im Lager regelmäßig von reisenden Aufsehern besucht werden. Einer von ihnen erzählt: „Unsere Brüder sind sehr eifrig im Predigtdienst. Sie haben ein großes Predigtdienstgebiet. In einer Versammlung verbringt beispielsweise jeder Zeuge im Durchschnitt 34 Stunden im Monat mit Predigen. Viele studieren mit fünf oder noch mehr interessierten Personen die Bibel. Eine Pionierin [Vollzeitpredigerin] meinte, woanders könne das Gebiet nicht schöner sein. Die Menschen im Lager schätzen unsere Veröffentlichungen sehr."

                Wie gelangen biblische Publikationen in die Lager? Das Zweigbüro sendet sie per Zug nach Kigoma, in eine Stadt am Ostufer des Tanganjikasees, wo sie die Brüder in Empfang nehmen und dafür sorgen, dass sie an die Versammlungen ausgeliefert werden. Manchmal mieten sie einen Kleinlastwagen und bringen die Publikationen selbst in die Lager. Dazu brauchen sie drei bis vier Tage und die Fahrt geht über sehr holprige Straßen.

 

Materielle Unterstützung

 

                Insbesondere Zeugen Jehovas in Frankreich, Belgien und in der Schweiz haben den Flüchtlingen in diesen Lagern sehr viel geholfen. Manche haben die Lager in Tansania mit Genehmigung des Innenministeriums und des UNHCR --SOLLTE MAN ÜBERPRÜFEN-- besucht. Zeugen in Europa sammelten tonnenweise Sojamilch, Kleidung, Schuhe, Schulbücher und Seife. All diese Spenden waren zur Verteilung an alle Flüchtlinge bestimmt, entsprechend dem biblischen Grundsatz: „Lasst uns denn, solange wir günstige Zeit dafür haben, gegenüber allen das Gute wirken, besonders aber gegenüber denen, die uns im Glauben verwandt sind" (Galater 6:10).

                Diese humanitären Bemühungen haben viel Gutes bewirkt, denn etlichen Flüchtlingen konnte geholfen werden. In einem der Lager drückte das Flüchtlingsgemeindekomitee seine Wertschätzung mit folgenden Worten aus: „Im Namen der gesamten Gemeinde ist es uns eine Ehre, Ihnen unseren Dank für die humanitäre Geste auszusprechen, die Ihre Organisation uns drei Mal erwiesen hat . ... Mit der Kleidung konnte 12654 bedürftigen Männern, Frauen und Kindern, ja sogar Neugeborenen ausgeholfen werden . ... Zur Flüchtlingsgemeinde im Lager Muyovozi zählen momentan 37000 Einwohner. Insgesamt wurden 12 654 Personen unterstützt, das sind 34,2 Prozent der Bevölkerung."

                In einem anderen Lager erhielten 12 382 Flüchtlinge jeweils 3 Kleidungsstücke, und an ein weiteres Lager wurden Tausende von Schulbüchern gespendet, die in Primar- und Sekundarschulen sowie in Tagesstätten verwendet werden können. Ein für die Logistik zuständiger Beamter erklärte: „Wir sind für die erhaltenen Spenden sehr dankbar, die der großen Not der Menschen in den Flüchtlingslagern abhelfen. Bei der letzten Ladung erhielten wir 5 Container mit Büchern, die von unseren gemeinnützigen Helfern an die Flüchtlinge verteilt wurden . ... Ganz großen Dank!"

                Sogar in den Zeitungen wurden die Hilfeleistungen kommentiert. Die Sunday News vom 20. Mai 2001 schlagzeilte: „Kleidung für Flüchtlinge in Tansania fliegt ein". Und in der Ausgabe vom 10. Februar 2002 konnte man lesen: „Die Flüchtlingsgemeinde ist für die Spende sehr dankbar, denn einige Kinder, die nicht mehr zur Schule gegangen sind, weil sie keine Kleidung hatten, nehmen nun wieder regelmäßig am Unterricht teil."

 

Eingeengt, aber nicht ohne Ausweg

 

                Bei den meisten Flüchtlingen dauert es ungefähr ein Jahr, bis sie sich an das neue Leben im Lager gewöhnt haben. Sie leben ein einfaches Leben. Die in diesen Lagern wohnenden Zeugen Jehovas verwenden einen Großteil ihrer Zeit damit, anderen Flüchtlingen von der tröstenden guten Botschaft aus Gottes Wort, der Bibel, zu erzählen. Sie sprechen von einer neuen Welt, in der alle „ihre Schwerter zu Pflugscharen schmieden müssen und ihre Speere zu Winzermessern. Nicht werden sie das Schwert erheben, Nation gegen Nation, auch werden sie den Krieg nicht mehr lernen." Dann wird „jeder unter seinem Weinstock und unter seinem Feigenbaum [sitzen], und da wird niemand sein, der sie aufschreckt; denn der Mund Jehovas der Heerscharen selbst hat es geredet". In dieser Welt wird es dank dem Segen Gottes keine Flüchtlingslager mehr geben (Micha 4:3, 4; Psalm 46:9).

 

DER WACHTTURM - 15. FEBRUAR 2003  Seite 10 – 11

 

Wurde von KIDS e.V. gescannt.