Ein Gericht in Minnesota entscheidet.
Der unten stehende Artikel bezieht sich auf das neuerliche Urteil des Gerichts in Minnesota im Prozess von Heidi und Amber. Wenn ihr das Urteil sorgfältig lest, werdet ihr bemerken, dass die Grundlage des Urteils nicht war, dass es keinen Missbrauch gegeben habe, sondern es ging um die technische Frage, wie das Gericht die Sache betrachtete. Ebenso müsste man argumentieren: Wenn ein katholischer Priester ein Kind bei sich zu Hause missbraucht, dann ist die Kirche dafür nicht haftbar, weil es nicht in der Kirche passierte. Macht das für euch Sinn? Wir glauben, nein, und aus diesem Grund geht der Fall nun in Berufung an den Minnesota Supreme Court, wo hoffentlich die Logik siegt.
Es ist interessant, anzumerken, dass die Versammlung Annandale am Dienstag über das Urteil des Gerichts eine große Ankündigung verlauten ließ. Es wurde für die Anwesenden als großer Sieg für Jehovas Namen dargestellt. Die Tatsachen zeigen, dass es den Missbrauch gegeben hat, dass er vertuscht wurde und der Pädophile weitere Kinder missbrauchen konnte. Wer hat diese Tatsachen festgestellt? Die Zeugenaussage der Ältesten der Versammlung Annandale in ihren eidesstattlichen Erklärungen gegenüber dem Gericht. Die Wachtturm-Gesellschaft leitete die Ältesten in ihrer Handlungsweise an, die weitere Kinder in Gefahr bringt und einem Kinderschänder Zuflucht gewährt, der ein aktiver Zeuge Jehovas in gutem Ansehen bleibt und im Haus-zu-Haus-Dienst an die Türen argloser Einwohner in der Gegend um Annandale kommt. Die Ältesten der Versammlung Annandale haben zwar zugegeben, das sie zuließen, dass unter ihren Augen Kinder vergewaltigt wurden, aber sie leugnen ein Fehlverhalten, weil sie einer Wachtturm-Anweisung folgten. Die Wachtturm-Gesellschaft bestreitet jegliches Fehlverhalten bei ihrer Politik, die zuließ, dass diese jungen Frauen missbraucht wurden, gibt aber zu, dass es Missbrauch gegeben hat. Sie bietet den Opfern keinerlei Unterstützung, um sie zu entschädigen oder ihnen bei der Genesung von dem Missbrauch, den sie erlitten, zu helfen.
Meint ihr, Jehova ist wirklich stolz auf die Art und Weise, wie sie seinen Namen vertreten haben? Meint ihr, Jehova braucht den Schutz juristischer Spitzfindigkeiten, um Seine Organisation davor zu bewahren, einen rotten Heller auszugeben, um Missbrauchsüberlebenden zu helfen, während die Organisation Tausende an Dollars aus Spendengeldern zu Anwaltskanzleien rüberschaufelt, um Schlupflöcher zu finden, so dass die Opfer ohne Hilfe oder Unterstützung bleiben?
Während sich die Ältesten aus Annandale wegen eines unwichtigen Gerichtsurteils vor den Mitgliedern brüsten, wird sich die Wahrheit doch zu ihrer Zeit vor Geschworenen und Richtern erweisen. Wenn das geschieht, werden die, die Kindern verletzt haben, keinen Platz bei der Rechtfertigung Jehovas haben.
Kirche in Annandale nicht für Missbrauch haftbar
Pam Louwagie, Star Tribune, 10. März 2004
Eine Versammlung der Zeugen Jehovas in Annandale, Minn., ist nicht haftbar, dass eines ihrer Mitglieder vor über zwei Jahrzehnten zwei Kinder sexuell missbrauchte, entschied ein Berufungsgericht in Minnesota am Dienstag. Obwohl Versammlungsälteste eine Missbrauchsanklage erhalten und sie nicht sofort den Behörden gemeldet hatten, war die Organisation, so das Urteil, nicht für den Schutz zweier ihrer Mitglieder verantwortlich, die behaupteten, später von derselben Person missbraucht worden zu sein.
Zwei Mädchen, heute Erwachsene, die in Twin Cities leben, reichten im Jahre 2002 Klage ein. Sie behaupten sie seien Ende der 80er und Anfang der 90er Jahre missbraucht worden, und argumentieren, sie hätten die Lehre der Organisation befolgt und von ihren Sorgen den Ältesten berichtet nicht den Justizbehörden oder jemand anderem. Älteste im Königreichssaal der Zeugen Jehovas hätten ihnen gesagt, sie sollten still sein, sonst verlören sie ihre Mitgliedschaft, behaupten sie.
Die Frauen sagen, die Vorschriften der Organisation hätten sie daran gehindert, sich zu schützen, und gaben der Organisation die juristische Pflicht, sie zu schützen.
Aber in einem von Richter Robert Schumacher geschriebenen und zusammen mit den Richtern Bruce Willis und Wilhelmina Wright beschlossenen Urteil entschied das Gericht, die Organisation habe nicht die Aufsicht oder das Sorgerecht für die Mädchen gehabt, als sich der mutmaßliche Missbrauch ereignete. Dieser soll mehrfach in einem Snowmobil, in einem Auto und im Haus des mutmaßlichen Täters stattgefunden haben, nicht in seiner Funktion als Zeuge Jehovas und nicht auf dem Grundstück der Organisation, argumentierte das Richtergremium.
Jeffrey Anderson, Anwalt aus St. Paul, der die beiden Frauen vertritt, sagte, das Urteil sei „eine tiefe Enttäuschung“ und er erwarte, dass seine Mandanten Berufung einlegen. Anderson sagte, er meine, dass das Urteil den Zeugen Jehovas die Freiheit gebe, nach ihren eigenen Gesetzen zu leben und nicht nach der Vorschrift, die eine Anzeige zur Pflicht macht. „Ich habe die Sorge, wenn sie nicht für das Versäumnis haftbar gemacht werden können, Missbrauch anzuzeigen, was ist dann das Gesetz, das wir haben, noch wert?“ sagte Anderson. Ein Anwalt der Versammlung der Zeugen Jehovas war für einen Kommentar nicht erreichbar.
Übersetzung für Kids e.V.