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Oasen der Stille - weg vom Stress


Sent: Wednesday, November 05, 2003 12:57 PM

Subject: Fw: Oasen der Stille

http://www.coopzeitung.ch/index.cfm?Oasen%20der%20Stille&pub=1&rub=2&id=1274

Oasen der Stille

Weg vom Stress. Meditieren. Beten. Ruhe und Stille tanken im Kloster. Im

Zen-Zentrum. Und im Krishna-Tempel in Zürich, wo sich Suchende aller

Religionen treffen.

Franz Bamert

Mein oberstes Ziel war immer viel Geld zu verdienen. Auch auf Kosten

anderer», erzählt der 62-jährige Peter Riffel. «Doch arbeiten, alt und

reich werden und dann sterben - nein, da muss mehr sein», sagt der

ehemalige Immobilienmakler und verbeugt sich ehrfurchtsvoll vor dem Altar

im Krishna-Tempel. So, oder ähnlich wie Riffel fühlen rund 150 Personen,

die jeweils das Krishna-Sonntagsfest in Zürich besuchen. Und ein Fest ist

es allemal: Auf dem Boden sitzend loben die Besucher Gott und führen

Gespräche mit Nonnen und Mönchen, etwa mit Krishna-Premarupa dasa. Der

junge Zürcher lebt seit zwei Jahren als Mönch im Tempel. «In dieser Zeit

habe ich Gott, aber auch mich selber besser kennen gelernt.» Als Mönch hält

er sich an strenge Regeln, etwa den Verzicht auf weltliche Genüsse. «Das

ist kein allzu grosses Problem. Die Regeln verhelfen zu einer ungeahnten

inneren Freiheit, einer Freiheit, die mich näher zu Gott führt.» Dieser

Gott ist keine abstrakte Vorstellung. «Er umfasst alle Lebewesen -

Menschen, Tiere und Pflanzen», erklärt Rasayana dasa, ein anderer

Schweizer, der als Mönch gelebt hat. «So wie Gott ewig ist, ist auch die

Seele ewig. Im Kreislauf von Geburt und Tod wandert sie von einem Körper

zum andern, bis sie durch Läuterung das höchste Ziel erreicht: die Rückkehr

ins ewige Reich Gottes.» Doch das kann dauern. «Was man im einen Leben sät

Gutes und Schlechtes - wird man im nächsten Leben ernten», sagt Rasayana

und bittet zu Tisch. Denn was wäre ein Fest ohne Festessen und so werden im

Tempelhof indische Gerichte serviert. «Jede Tätigkeit, auch das Kochen und

Essen, geschieht zur Ehre Gottes», erklärt Rasayana. Göttlich munden die

indischen Speisen auch Irène Pauli. «Ich bin überzeugte Christin, doch hier

finde ich so etwas wie Seelenfrieden, Ungezwungenheit und Toleranz, die es

sonst kaum mehr gibt. Hare Krishna

Die Wurzeln der Krishna-Bewegung reichen zurück in die Zeit der

altindischen Hochkultur. Die wichtige heilige Schrift Indiens, die

Bhagavad-gita, bildet die Grundlage der monotheistischen Krishna-Bewegung,

welche vor knapp 30 Jahren auch in die Schweiz kam. Die Gläubigen leben

vegetarisch und verzichten auf alle Drogen. In der Schweiz leben rund 1500

Personen nach Krishnas Lehre. Der Tempel an der Bergstrasse 54 in 8030

Zürich ist täglich geöffnet und für jedermann zugänglich. Jeweils am

Sonntag ab 15 Uhr findet ein Gottesdienst mit Essen statt. Infos: Tel.

017640647. Infos: www.krishna.ch, www.govinda-shop.ch

Der lange Weg in die Leere

Der Zen-Weg ist lang und nicht einfach. Doch wer ihn geht, wird reich

belohnt. Coopzeitungs-Journalist Franz Bamert machte den Versuch - in Bad

Schönbrunn.

Im Kopf, der doch leer sein sollte, explodiert schon wieder dieser

gedankenspeiende Vulkan: Der kranke Hund, der FC Basel, Termine ... Dann

greift auch noch Jimi Hendrix zur Gitarre. Er hat sich aus einem Muster an

der Wand gelöst, auf die wir in Zen-Anfängerhaltung halb hockend, halb

kniend, schauen.

Den anderen 47 Teilnehmern, die im zugerischen Bad Schönbrunn den

Zen-Einführungskurs besuchen, geht es ähnlich. Doch Trost kann keiner

spenden, weil Schweigen zum wohltuenden Begleiter wird. Nur der Zen-Lehrer

Peter Widmer gibt knappe Anweisungen: «Zählen Sie Ihre Atemzüge und bei

zehn fangen Sie wieder von vorne an.» Tönt einfach, wenn nur der Vulkan im

Kopf und die schmerzenden Glieder nicht wären. Die Tage beginnen in aller

Buddhas-Frühe mit dem Gong, der ins Zendo, den Meditationsraum, ruft. Gong,

Klangschale und Klanghölzer setzen bis abends 21 Uhr den fast militärisch

anmutenden Rahmen. Doch mit Schikanen hat das nichts zu tun: «Die strengen

Regeln haben sich im Laufe der Jahrhunderte herausgebildet und es hat sich

gezeigt, dass sie auf dem Weg in die Erfahrung von Leere äusserst hilfreich

sind», weiss Widmer. Doch wer tut sich diesen beschwerlichen Weg in die

Leere an? «Es sind Menschen auf der Suche nach einem Leben jenseits von

Hass, Gier und Angst», weiss Widmer. «Das Hauptziel ist Achtsamkeit

gegenüber sich selber, seinen Mitmenschen und der Umwelt. Wer diesen

lebenslangen Weg geht, erhält einen klaren Blick für das Einfache und

Wesentliche. Es ist keine Flucht, sondern ein Sich-dem-Leben-Stellen.»

Zunächst stellt sich vielen Teilnehmern die Frage nach dem Sinn der Leere,

oder wie man Christentum und buddhistische Zen-Meditation unter einen Hut

bringt: Letzteres ist relativ einfach: Schon die mittelalterlichen

christlichen Mystiker berichten über die tiefe Erfahrung von Leere und

Nichts, die gleichzeitig Erleuchtung durch den Heiligen Geist, Fülle und

Liebe bedeutet. Wer sich verbeugt - und Verbeugungen während des Kurses

sind zahlreich - tut das nicht vor einem fremden Gott, sondern vor der

Schöpfung, seinen Mitmenschen und auch vor der eigenen Würde. Am letzten

Tag sind die Schmerzen immer noch da. Aber sie werden Teil der Meditation.

Auch der gedankenspeiende Vulkan wird ruhiger. Doch der Weg zum Göttlichen

ist erst ansatzweise erkennbar, Zen ist keine Instant-Erlösung. «Nur Üben

bringt einen weiter», sagt Widmer. Also wieder hinsetzen, die körperlichen

und seelischen Schmerzen kommen lassen, Atemzüge zählen. Irgendwann klappt

es. Sicher.

Zen-Spiritualität

Die buddhistische Zen-Meditation ist über 1700 Jahre alt und kam im letzten

Jahrhundert vor allem dank Jesuiten wie Pater Hugo Enomiya nach Europa. Das

Sitzen in Stille befördert nicht in fremde Sphären, sondern ins Hier und

Jetzt. Wichtig ist nicht der letzte oder der nächste Atemzug, sondern

jener, den man gerade vollzieht. Zwischen Buddhismus und Christentum gibt

es grosse Unterschiede, aber auch viele Gemeinsamkeiten. Das Lassalle-Haus

Bad Schönbrunn in Edlibach bei Zug ist ein christlich geprägter Ort der

Spiritualität, der für Menschen aller Kulturen und Religionen offen ist.

Das Kursprogramm ist vielfältig und bietet auch Zen-Grund- und

Weiterbildungskurse an. Die Grundkurse dauern zwei Tage und kosten

inklusive Vollpension 318 Franken. Infos: Tel. 041 7571414. Infos:

www.lassalle-haus.org

Wo Gott nahe ist Auf der Klosterinsel Rheinau/ZH sind Lebens- und

Glaubenskrisen keine

Schande, sondern die Chance für einen Neuanfang.

Eine Welle plätschert träge ans Ufer, der Wind verfängt sich in den Bäumen

und die Vögel geben ein Gratiskonzert. Lärm gibt es nicht auf der Insel

Rheinau. «Eine solche Umgebung erleichtert es den Menschen abzuschalten, zu

sich selber und zu Gott zu finden», weiss Sr. Andrea. Sie steht dem «Haus

der Stille» vor, das Menschen jeden Alters und jeder Konfession offen

steht. «Wer hierher kommt, ist auf der Sinnsuche, will ein Problem lösen

oder einfach einmal Abstand nehmen, innehalten und seine Situation

überdenken.» Auf diesem Weg sind acht Nonnen behilflich - aber nur auf

Wunsch: «Wir drängen uns nicht auf. Jeder Gast kann an unserem Alltag und

unseren Gebeten teilnehmen - oder auch nicht.» Was, mit Verlaub, wissen

Nonnen vom wirklichen Leben ausserhalb der Klostermauern? Bei der

22-jährigen Kunststudentin Rebecca Trösch löst die Frage Heiterkeit aus:

«Ich hatte das dringende Bedürfnis, ein Time-out zu nehmen, spirituelle

Erfahrungen zu machen.» Natürlich sei sie mit einer Ladung Vorurteile in

das katholische Kloster gekommen. «Dann habe ich realisiert, dass diese

Frauen über sehr viel Lebenserfahrung verfügen. Etwas Besseres als dieser

Aufenthalt hätte mir gar nicht passieren können.» Am frühen Abend streben

Gäste und Klos-terfrauen dem Gebetsraum zu. Einige sitzen während des

Rosenkranzes einfach in Gedanken versunken da: «Wer selber nicht beten kann

oder will», sagt Sr. Renata, «spürt zumindest die Nähe des barmherzigen

Gottes - eines Gottes, der voller Liebe ist und niemanden abweist.» Zugang

zu Gott

Im «Haus der Stille» auf der Klosterinsel Rheinau/ZH finden Menschen Hilfe,

die einen Zugang zu sich selber und zu Gott suchen. Die Klosterfrauen

begleiten Trauernde, Zweifelnde und Verunsicherte auf ihrem Weg. Für einen

Tag oder für mehrere Monate. Willkommen sind auch Menschen, die der Kirche

fern stehen. Kosten pro Tag: 50 Franken inklusive Vollpension. Auskünfte:

Tel. 052 304 99 40, E-Mail: weggem@bluewin.ch Bücher

Das Standardwerk «Kirchen, Sekten, Religionen» hinterleuchtet die schier

unendliche religiöse, esoterische und sektiererische Welt. Georg Schmid und

Georg Otto Schmid behandeln in ihrem Werk auch die Weltreligionen und

Landeskirchen. Verlag TVZ Zürich, 54 Franken.

Der Bildband «Schweizer Klöster» gibt Einblick in elf Frauen- und

Männerklöster. Die Bilder von Georg Stärk und die Texte von Claudia

Schnieper zeigen eine Welt, die Spiritualität und Handarbeit, Berufung und

Beruf miteinander zu vereinen weiss. Mondo-Verlag, 1800 Vevey, Fr. 29.50

und 250 Mondo-Punkte. Im Buchhandel: 55 Franken.

Diese Bücher können Sie auch online bestellen unter:

www.coopzeitung.ch/shop

«Ich öffne meine Türe nicht jedem x-beliebigen Gott»

Georg Schmid, Sektenexperte der reformierten Kirche, über Wege und Irrwege

zu Gott.

Coopzeitung: Krishna, Allah, Jesus, Buddha - kommt es überhaupt darauf an?

Georg Schmid: Gegenfrage: Kommt es darauf an, welchen Menschen man liebt?

Eine wirklich persönliche Religion sucht sich ihren persönlichen Gott.Gott

will - sagt die religiöse Sprache - «in meinem Herzen wohnen». Diese

innerste Türe öffne ich aber nicht jedem x-beliebigen Gott.

Was empfehlen Sie einem Gottsuchenden?

Gute Begleiter. Der spirituelle Weg ist so vertrauenswürdig oder so bizarr

wie die Menschen, die neben mir gehen.

Gibt es eine Faustregel, mit der man Sekten erkennt?

Die Sekte ist eine Gemeinschaft, die sich selber überschätzt. So

verstanden, ist jede Gemeinschaft eine Sekte. Denn alle Gruppen, Kirchen,

Parteien, Vereine, Religionen finden sich selber bedeutungsvoll. Die Sekte

im strengen Sinn des Wortes findet sich selbst über alle Massen wichtig.

Der Himmel hat die Wahrheit in einem Exklusivvertrag der Sekte

zugesprochen. Sie stellt alle Menschen vor die Entscheidung: Entweder

beitreten oder verloren gehen (sprich: zur Hölle fahren).

Warum suchen viele das Heil in obskuren Zirkeln und nicht in den

Landeskirchen?

Landeskirchen wollen allen Menschen alles geben: Vernünftiges Christentum

für Menschen, die auf dem Weg des Glaubens ihren Kopf nicht verlieren

wollen, mystische Gottesnähe für Menschen, die Gott erleben möchten, sozial

engagiertes Christentum für Menschen, die lieber handeln statt diskutieren.

Niemand kann aber allen alles geben. Kleinere Zirkel können ihr Angebot

bestimmten Menschengruppen angleichen. Interview: Franz Bamert


 

 

Update:  29.05.04

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