CORAL GABLES
Lehrerin und Helferin vor wütendem Richter
Richter erlegt einer
Lehrerin und ihrer freiwilligen Helferin hohe Kaution auf, weil
sie 6-Jährige wegen Fehlverhaltens festbanden.
VON
MATTHEW I. PINZUR UND CHARLES SAVAGE
Eine ältere Lehrerin und ihre Freiwillige im
Klassenzimmer, beschuldigt, ungezogene Schüler an Stühle und eine
Tafel festgebunden zu haben, erhielt am Freitag von einem Richter
aus Miami-Dade
County eine höher als übliche Kaution auferlegt – und einen
verbalen Nachschlag. Vonda Christie,
Hauptlehrerin an der Grundschule von Coral
Gables, wurde eine
50.000-Dollar-Kaution auferlegt, die sie gegen 14:00 Uhr
hinterlegte. Sie wird beschuldigt, in fünf Fällen Kinder
misshandelt zu haben, aber die Polizei sagte, sie habe nur
zugesehen, während die Helferin Ivon Nieves
Marrero die fünf Schüler, alle 6 Jahre
alt, wegen ungebührlichen Verhaltens Ende August und Anfang
September festband.
Marrero
wird in fünf Fällen der Kindesmisshandlung und Freiheitsberaubung
beschuldigt. Ihr wurden 100.000 Dollar Kaution auferlegt, sie war
Freitagabend immer noch in Gewahrsam.
„Was wir
hier haben, sind fünf ungeheuerliche Fälle von
Kindesmisshandlung“, sagte Kreisrichter Gerald Klein in Erwiderung
auf die Forderung nach einer geringeren Kaution von
Yery Marrero,
der die Freiwillige vertritt, aber nicht mit ihr verwandt ist.
„Ich habe viel Achtung vor Ihnen, aber nicht vor Ihrer Mandantin.“
Marrero
stand seit Februar wegen Kokainbesitz, Einbruch und schwerem
Diebstahl unter Bewährung. Eine E-Mail von Christie an den Richter
in diesem Fall zeigte, dass sie Marreros
Vorgeschichte kannte und sie dennoch im Klassenzimmer arbeiten
ließ. „Wer weiß, mit welchen weiteren Informationen sie noch
einverstanden sein musste“, sagte Ronald
Manto, Christies Anwalt. „Ob das ein Verbrechen darstellt
oder nur schlechtes Urteilsvermögen, ist ein anderes Thema.“
Anwälte beider Frauen haben die Anschuldigungen bestritten und
nahegelegt, die Eltern der Schüler
versuchten, einen Prozess gegen das Schulsystem von
Miami-Dade herbeizuführen. „Kinder
dieses Alters können dazu gebracht werden, fast alles zu sagen“,
sagte Manto. „Kinder sind keine sehr
guten Zeugen.“
UNTERSTÜTZUNG FÜR DIE LEHRERIN
Viele
Eltern in der Nachbarschaft von Coral
Gables, wo Christie in ihrer ganzen
15-Jährigen Laufbahn als Lehrerin tätig war, kamen nach der
Verhaftung am Donnerstag zu ihrer Verteidigung. Alita Patterson,
deren Tochter vor mehreren Jahren in Christies Klasse war, nannte
sie eine „verständnisvolle, fürsorgliche und freundliche“
Lehrerin, die Überstunden nahm, um ihrer Tochter beizubringen, in
ihrer eigenen Geschwindigkeit zu lesen. Patterson sagte, Christie
habe sich auch um einen seelisch gestörten Jungen gekümmert,
dessen Familie zerfallen war. „Sie hat ein kleines System, die
Kinder zu belohnen, die ihre Klasse verlassen haben“, sagte
Patterson. „Meine Tochter ist jetzt in der fünften Klasse, aber
wenn sie das Zeugnis schafft, geht sie und zeigt es Frau Christie
und bekommt eine Belohnung – einen Bleistift, ein Tagebuch. So
halt sie Kontakt zu diesen Kindern all die Jahre hindurch.“
Patterson
sagte auch, dass Christies Bestrafungsmethoden immer in so etwas
wie Extrahausaufgaben bestanden, nichts Körperliches. Sie sagte,
sie glaube nicht, dass die Lehrerin etwas mit dem Festbinden zu
tun habe – und egal, die Anklagen seien schwülstig. „Ich glaube
nicht, dass jemanden festzubinden Kindesmisshandlung ist“, sagte
sie. „Unangemessen? Absolut. Kindesmisshandlung? Absolut nicht.“
Darby Plummer,
Vorsitzende des Elternbeirates der Grundschule von
Coral Gables
Elementary, sagte, sie kenne Christie,
seit beide Studentinnen an der Coral
Gables High School waren.
Plummer sagte, sie habe von Christie
immer als „fürsorglicher, erstaunlicher Person“ gedacht.
„Ich
hoffe, es ist für die Schule, für die Kinder, denen es passieren
konnte, nicht wahr, und für die Kinder, die Zeugen hätten sein
können“, sagte sie. „Und um Frau Christies willen hoffe ich, dass
sie nicht beteiligt war, denn ich denke an ihre Welt, und das
bleibt meine dauerhafte Empfindung. Ich habe einfach die Hoffnung,
dass alles gut enden wird.“ Evelyn Moore, Lehrerin der fünften
Klasse und Gewerkschaftsvertreterin an der Grundschule von
Coral Gables,
sagte, sie habe die höchste Achtung vor ihrer Kollegin und glaube
den Anschuldigungen nicht. Als Leumundszeugnis sagte Moore, sie
sei Adoptivelternteil und fromme Zeugin Jehovas, die nie versucht
habe, anderen ihren Glauben aufzudrängen.
„SURREAL“
„Es ist
fast surreal“, sagte Moore. „Man kann sich einfach nicht
vorstellen, dass das passiert. Wir tun alle ganz genau dasselbe …
Wir verstehen, was es heißt, Schüler zu bestrafen. Wir wissen, wo
die Grenze zu ziehen ist, und so etwas tun wir einfach nicht. Und
wenn Sie mich fragen, ob ich glaube, dass sie so etwas getan hat,
ist die Antwort ein entschiedenes Nein.“ Nach einem
Standardverfahren hat der Bezirk Christie seit Erhebung der
Anschuldigungen einen „anderen Wirkungskreis zugeteilt“. Sie
erhält ihr normales Gehalt von etwa $44.000 für
Verwaltungsaufgaben außerhalb des Klassenzimmers, bis die
Untersuchung abgeschlossen ist.
Die
Personalakte der 38-Jährigen Lehrerin zeigt beständige, aber
unauffällige Leistungsbeurteilungen. Sie war nie zuvor in
Schwierigkeiten, noch habe sie sich besonders hervorgetan, so eine
Kopie im Besitz des Herald. Christie machte im Mai 1988 ihren
Bachelor in Soziologie und
Frühkindererziehung an der Universität von Südflorida. Christie
bewarb sich kurz nach ihrem Abschluss beim Schulbezirk von
Miami-Dade um eine Stelle mit
Grundschülern. Sie sagte auch, sie sei am Trainieren bei
Volleyball und Softball interessiert und würde gerne Clubsponsorin
für Cheerleader sein.
Plummer
sagte, Christie sei an der High School in den Volleyball- und
Softballteams gewesen und habe sich auch bei der studentischen
Selbstverwaltung beteiligt. „Ich habe den Lehrerberuf gewählt,
weil ich den Wunsch habe, Jugendliche in unserer rapide sich
verändernden Gesellschaft zu erziehen und ihnen zu helfen, des
Lesens und Schreibens kundig zu werden, ein wesentliches Werkzeug
für das Überleben“, schrieb Christie in ihrer Bewerbung. Sie bekam
die Stelle.
BEWERTUNGEN
In jeder
jährlichen Bewertung in jeder Kategorie in ihrer Akte – darunter
Führung der Klasse, Lehrer-Schüler-Verhältnis und berufliche
Verantwortung – wurde sie als „annehmbar“ geprüft. Nur wenige
Anmerkungen in ihrer Akte ergänzen die Prüfliste, obwohl ihr
Schulleiter 1992 schrieb: „Frau Christie ist sehr um ihre Schüler
bemüht.“
Übersetzung für Kids e.V.