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Kindesmissbrauch, religiöse Sonderrechte und die Trennung von Kirche und Staat

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von Marci A. Hamilton , FindLaw-Sonderkolumnistin, für CNN.com 

Sollte die katholische Kirche eigenständig das Problem des Kindesmissbrauchs "bereinigen"? Sie führen Besorgnisse an, die Einmischung in eine religiöse Einrichtung würde die verfassungsgemäße Trennung von Kirche und Staat gefährden und diese ansonsten geehrte Einrichtung fühlte sich beleidigt. Die Kirche hatte jedoch wenigstens achtzehn Jahre Zeit gehabt, wahrscheinlich noch länger, sich zu säubern - schließlich brach der Skandal in Louisiana im Jahre 1984 aus. 

Die Kirche tat alles andere, als ihr Haus zu säubern, sie schloss in den 80er und 90er Jahren ihre Fenster. Sie "löste" die sexuellen Probleme ihrer Priester, indem sie straffällig gewordene Priester versetzte - damit konnten sie einer neuen Ernte frischer Opfer nachstellen, die in Glauben und Furcht gefangen waren. Wenn eines der Opfer oder ihre Familien sich beschwerten, wurden sie eingeschüchtert und/oder mit Geld abgefunden. 

Eine harte Charakterisierung? Ja, aber eine zutreffende - und eine notwendige, wenn wir die langsam aufkommende Argumentation bekämpfen sollen, die Kirche solle in Ruhe gelassen werden, oder schlimmer, sie habe das verfassungsmäßige Recht, in Ruhe gelassen zu werden. Inmitten dieses Skandals ist eine solche Argumentation furchterregend, und Hinweise auf die wirklichen Kosten für die Kinder, wenn man die Kirche in Ruhe lässt, sind ein wichtiger Grundton. 

Es besteht kein Grund, die gesellschaftliche Reaktion auf diesen Skandal als Entweder-Oder anzusehen - entweder übernimmt die Regierung praktisch die katholische Kirche, oder sie weigert sich, sie anzurühren. Sowohl die Kirche als auch die Regierung tragen jetzt die Verantwortung, sicherzustellen, dass es nie mehr Kindesmissbrauch gibt oder dass wenigstens schwere Strafen ausgesprochen werden, wenn er doch geschieht. Die Verfassung liefert für keinen von beiden eine Entschuldigung, sich vor dieser Verantwortung zu drücken. 

Religionsfreiheit, wie ihre Verfasser sie sahen, hatte ihre Grenzen im Strafgesetz

Die Religionsfreiheit fordert von der Regierung nicht, angesichts von unwiderlegbaren, gewichtigen und unerträglichen Beweisen für ein konzertiertes Unternehmen, kriminelle Handlungen zu fördern, zurückzuweichen - besonders wenn diese Handlung Kindesmissbrauch ist, begangen an unschuldigen, verletzlichen Opfern ohne die Macht, zu protestieren, oder die Fähigkeit, sich zu verteidigen. 

Zur Zeit der Abfassung der US-Verfassung WIEDERHOLTEN Religionsführer immer wieder, die Religionsfreiheit fordere die Freiheit des Glaubens und der Anbetung. Doch sie betonten ebenso leidenschaftlich, wenn dieser Glaube in offene, für andere schädliche Handlungen ausbreche, könne der Staat den Übeltäter zu recht bestrafen. Als die Verfassung die Religionsfreiheit garantierte, glaubte niemand, dass sie auch einen Freibrief gäbe, religiös motivierte Verbrechen zu begehen. 

Das stimmte für die überragende Menge der christlichen Religionsgemeinschaften. Gläubige sollten nicht vor der Macht des Gesetzes geschützt werden. Es wurde vielmehr von ihnen erwartet, dass sie der Gesellschaft Vorbilder waren; sie sollten dem Guten des Ganzen zu dienen versuchen, indem sie davon Abstand nahmen, das Gesetz zu verletzen und andere zu schädigen. Das war bestimmt. 

Über zweihundert Jahre später haben wir verschiedene Wesenseinheiten, die die Hände ringen über das, was die Regierung der katholischen Kirche zumutet, als ob sich die Regierung von dem angerichteten Schaden abwenden sollte. Sie begreifen es einfach nicht. Der einzige Weg, diese Gesellschaft für jeden geschlossen und sicher zu machen, ist, Strafgesetze für Gläubige wie für jeden anderen gültig zu machen. 

Wenn die Auferlegung so schwerwiegend ist, dass sie eine erhebliche Bürde für die Religion darstellt, dann sollen die Gläubigen mit dem Gesetzgeber um eine Anpassung streiten - eine Gesetzessonderregelung. Der Gesetzgeber kann diese Forderungen dann erwägen und gegen das Allgemeinwohl, darunter die entscheidenden Interessen von Kindern, abwägen. 

Wenn Religion und Kindeswohl im Streit liegen, gewinnt die Religion zu oft

Warum ist es in dieser Gesellschaft so, dass wir bereit gewesen sind, religiösen Einrichtungen entgegenzukommen und dabei das Kindeswohl zu gefährden? In juristischen Konflikten vor dem Supreme Court und in unserer Gesetzgebung, neigen religiöse Einrichtungen und religiöse Eltern dazu, zu gewinnen, selbst wenn das bedeutet, dass die Kinder verlieren. 

So ist zum Beispiel der Geistlichkeit - denen, die dem höchsten Guten dienen sollten - eine Ausnahme von Staatsgesetzen gewährt worden, die andere Sorgeberechtigte von Kindern verpflichten, Kindesmissbrauch zu melden. Der Preis für diese Ausnahme ist nicht nur, dass Kindesmissbrauch vielleicht unangezeigt bleibt; die Ausnahme neigt auch dazu, die Chance zu zerstören, das er bestraft wird, wenn er später angezeigt wird - aufgrund der unrealistischen Verjährungsfristen in so vielen Bundesstaaten. 

Beispielsweise erlaubt diese Ausnahme der katholischen Kirche, die hauchdünne, aber für einige überzeugende Verteidigung "Das Gesetz hat nicht von uns verlangt, die Sache anzuzeigen" als Grund anzugeben, dass der Staat sich nicht in Kirchenangelegenheiten einmischen sollte. Doch die Pflicht zu einer Anzeige mutmaßlichen Kindesmissbrauchs wird es dem Staat ermöglichen, automatisch von der Kirche die Informationen zu erhalten, die er benötigt - ohne die unfaire Last tragen zu müssen, eben jene Beschuldigungen, die er untersuchen will, erst beweisen zu müssen. 

Der unangebrachte Spielraum für die Religion, wo Kinder betroffen sind, macht nicht vor der Kirche Halt - weit entfernt. Beispielsweise ist Eltern der Christian Science und der Zeugen Jehovas eine Ausnahme von der Anklage medizinischer Vernachlässigung gewährt worden, auch wenn ihre Kinder leicht zu behandelnde Krankheiten haben und leiden. Und im Musterfall Wisconsin gegen Yoder urteilte der Supreme Court, dass eine Amish-Familie trotz der Schulpflicht in Wisconsin das Recht hatte, ihre Kinder in der 8. Klasse aus religiösen Gründen von der Schule zu nehmen. 

Die Ansicht von Richter Douglas: Auch Kinder haben Rechte und Interessen

Im Fall Yoder schrieb Richter Douglas eine besonders interessante abweichende Meinung, die heute wichtige Fragen aufwirft. Er argumentierte, das Gericht sollte den Fall nicht so schnell als einen allein zwischen den Amish-Eltern und dem Staat behandelt haben. Es habe eine dritte Partei gegeben: das Kind. 

Was, wenn das Kind trotz der Wünsche und religiösen Überzeugungen der Eltern zur High School gehen wollte? Was, wenn die schwerkranke Tochter einer Familie, die an Gesundbeterei glaubt, trotz des Einspruchs ihrer Eltern einen Arzt sehen will? 

Für Douglas war das Kind keine Schachfigur, sondern eine Person mit Rechten. Jetzt, wo wir entdecken, dass zu viele Priester sich an so vielen Kinder vergangen haben, ist seine Botschaft unsere Aufmerksamkeit wert. Douglas wies darauf hin, wie leicht die Gesellschaft die Interessen von Kindern unberücksichtigt lässt, und diese Interessen sind in Gefahr inmitten der aufkommenden Theorie, die Kirche sollte ihr eigenes Haus säubern. 

Es gibt einen richtigen Weg, mit diesem Problem umzugehen, und er ist in der Verfassung vorgeschrieben. Sowohl Regierung als auch Kirche müssen ins Geschäft einsteigen. 

Die Kirche hat einen weiten Spielraum, sich zu säubern, und sie sollte dies sofort und um ihrer selbst willen öffentlich tun - sowohl weil es das Rechte ist, und weil die Regierung, wenn sie es nicht tut, eine Grundlage haben wird, sich noch mehr in Kirchenangelegenheiten einzumischen, als es gegenwärtig gerechtfertigt ist. Doch gleichzeitig hat die Regierung die Macht und die Verpflichtung, Kinderschänder und alle, die durch Vertuschen Beihilfe zum Missbrauch leisten. Die Gesetzgebung hat auch die Macht, die Ausnahmen von der Anzeigepflicht auszurotten, die die Regierung und die Öffentlichkeit in Unkenntnis über diese teure soziale Frage gehalten haben. Sie sollte auch die Verjährung in solchen Fällen verlängern oder abschaffen. 

Wenn die Säuberung der Kirche diesmal wirklich funktioniert, wird die Regierung Zeit haben, sich den anderen in dieser Gesellschaft zu widmen, die Kindern nachstellen, und das ist nur zum Guten. In einer idealen Welt würde sich die Kirche selbst überwachen, und hätte trotz Anzeigepflicht nichts zum Anzeigen. 

Doch das ist nicht unsere Welt. Und wenn die Kirche nicht beginnt, sich selbst besser als in den vergangenen Jahrzehnten zu überwachen, wenn sie Kenntnis von Missbrauch hat und wenig oder nichts tut, wird und sollte die Regierung bereitstehen. Die Verfassung und ihre Begründer hatten die Absicht, dass Kirche und Staat Partner im Streben nach dem Wohl der Öffentlichkeit sein sollten. Manchmal muss der eine den anderen überprüfen, wenn er vom Kurs abkommt. 

Übersetzung für Kids e.V.

 

Update: 

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