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Missbrauchsprozess bringt neue Anklagen zu Tage

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Im Gefolge einer im September gegen Versammlungen der Zeugen Jehovas in Mid-Valley eingereichten Klage hat sich ein weiterer Mann gemeldet, der behauptet, sein Kind sei von derselben Person sexuell missbraucht worden.

In einer im September im Kreisgericht von Benton County eingereichten Klage forderte Tyler C. Davidow, 24, 3 Millionen Dollar Schadensersatz. Die Klage ist eine in einer Reihe von Massenklagen gegen Jehovas Zeugen, die eine texanische Anwaltskanzlei plant.

Davidow behauptet, ein Mann namens Troy Christian McKenzie, heute 34, habe ihn 1984 missbraucht. Gemäß der Klage waren Davidow, McKenzie und die Mütter beider Jungen alles Zeugen Jehovas.

In der Klage Davidows wird behauptet, als Cathy Davidow 1985 vom Missbrauch ihres Sohnes erfuhr, sei sie zu den Ältesten ihrer Kirche gegangen und sie hätten ihr gesagt, sie solle keine Anzeige bei der Polizei erstatten, damit sie die Sache intern behandeln könnten. Die Ältesten sprachen die Sache nie an, wird in der Klage behauptet. Tyler und Cathy Davidow lehnten beide ein Interview ab.

Ein Anwalt der Wachtturm-Gesellschaft sagte, die Ältesten der Versammlungen der Zeugen Jehovas in Albany und Corvallis hätten keine Vorstellung davon gehabt, dass Kinder in ihrer Herde missbraucht worden seien. 

"Die Ältesten wussten nicht davon und waren nicht dafür verantwortlich", sagte Philip Brumley, allgemeiner Rechtsbeistand der Wachtturm-Gesellschaft, der Zentrale der Zeugen Jehovas in New York.

Nachdem Davidows Klage eingereicht war, meldete sich John Muir, ein früheres Mitglied der Versammlung Corvallis, und behauptete, McKenzie habe auch seinen Sohn Eli missbraucht. 

Als Cathy Davidow den Missbrauch an ihrem Sohn den Ältesten meldete, wurden andere Eltern nicht über die Anschuldigungen gegen McKenzie informiert, sagte Muir. Aber Muir hörte von einem anderen Kirchenmitglied von der Anschuldigung. Er hörte auch, dass Davidow nicht der einzige Junge war, der missbraucht wurde - und dass Muirs Sohn eines der Opfer war.

Schockiert ging Muir zu den Ältesten und bat sie, ihm zu sagen, was sie wussten.

"Als ich um Informationen bat, sagte man mir, das brauchte ich nicht zu wissen. Das hätte keinen Sinn", sagte er.

Da begannen Muir und seine Frau, sich jahrelang zu fragen, wie sie mit der Situation umgehen sollten. 

"Sagen Sie mir, wie fragt man einen 4-Jährigen, was man mit ihm gemacht hat?" sagte Muir. "Erinnert er sich noch? Vielleicht hat er das so tief im Gedächtnis vergraben, dass er sich an nichts erinnert."

Nachdem Muir mit dieser Unsicherheit jahrelang lebte, sprach er schließlich mit seinem Sohn darüber. Eli erzählte seinem Vater, er sei missbraucht worden, könne sich an den Vorfall aber nicht mehr sehr deutlich erinnern.

Muir hatte Kontakt mit der texanischen Anwaltskanzlei aufgenommen, die den Fall gegen die Kirche der Zeugen Jehovas betrieb, aber zu diesem Zeitpunkt noch keine eigene Klage eingereicht.

Eli ist heute 25, und das Gesetz in Oregon besagt, dass Zivilklagen wegen Kindesmissbrauchs vor dem 15. Geburtstag des Opfers eingereicht werden müssen. Doch John und Eli Muir beschlossen, sich in jedem Fall zu melden, um andere zu ermutigen, die vielleicht missbraucht wurden. Auch wenn in ihrem Fall juristisch nichts geschieht, meint Muir, was passierte, sei verkehrt gewesen.

"Dieser Junge durfte weiter durch die Versammlung ziehen", sagte er. "Andere Familien hatten keine Kenntnis davon, dass sie einen Kinderschänder in ihrer Mitte hatten."

Muir ist kein Zeuge Jehovas mehr. Er sagte, er sei mehrere Jahre nach dem Missbrauchsvorfall wegen einer nicht damit in Verbindung stehenden Sache on der Kirche "ausgeschlossen" worden. 

Er weiß, dass die Ältesten nicht die Absicht hatten, Missbrauch zuzulassen. Aber er denkt, die Kirchenpolitik habe erbärmlich versagt, als es um die Behandlung von Missbrauch ging.

"Ich würde sagen, in den meisten Fällen leisten sie gute Arbeit", sagte er. "Aber in diesem Fall haben sie nicht nur schlechte Arbeit geleistet, sondern selbst noch den Kindern Schaden zugefügt. Sie ließen die Kinder künftiger Schädigung ausgesetzt."

Brumley, der Anwalt der Wachtturm-Gesellschaft, sagte, man könne den Ältesten nicht die Schuld für Taten geben, die andere begehen. Er sagt, McKenzie sei nicht einmal offiziell Versammlungsmitglied gewesen, obwohl er vielleicht einige Zusammenkünfte besucht habe.

"Unseres Wissens war er nie getaufter Zeuge", sagte Brumley.

Kimberlee Norris, eine der texanischen Anwältinnen, die Klagen gegen Zeugen Jehovas einreicht, macht geltend, die Kirche schaffe eine Gelegenheit für Missbrauch. Eine Vorschrift, sagt sie, besagt, Kirchenmitglieder müssten Probleme, die andere Mitglieder betreffen, den Kirchenführern statt der Polizei melden. Eine weitere Vorschrift fordere zwei Augenzeugen für einen Vorfall, ehe der Beschuldigte bestraft werden könne. 

Sie behauptet, dass McKenzie Davidow missbrauchte, als der Teenager in Oregon war, keine Folgen zu gewärtigen hatte und weiterhin Missbrauch betrieb.

Norris lieferte Gerichtsprotokolle, die zeigen, dass McKenzie in Alaska wegen sexuellen Missbrauchs im Gefängnis saß.

McKenzie wurde 1994 in Alaska überführt, einen kleinen Jungen sexuell missbraucht zu haben. Er wurde zu drei Jahren Gefängnis verurteilt, aber zweieinhalb Jahre davon wurden zur Bewährung ausgesetzt. Er wurde als guter Kandidat für eine therapeutische Behandlung für Sextäter angesehen und durfte unter der Bedingung nach Oregon umziehen, dass er unter Bewährung blieb und sich der therapeutischen Behandlung für Sextäter unterzog. 

1995 und 1996 empfahl die Bewährungshilfe in, dass die Bewährung widerrufen werde. Sein Therapeut schrieb einen Brief, in dem es hieß, McKenzie sei "ein chronischer Pädophiler, der für die Gemeinschaft extrem gefährlich ist."

McKenzie räumte ein, er habe Zusammenkünfte der ZeugenJehovas besucht, wo er Kontakt zu vielen männlichen Jugendlichen hatte, ohne dass sein Bewährungshelfer das erlaubt hatte oder er einen zugelassenen Aufpasser für die Versammlungen hatte. 

"Dies ist insofern besonders bedeutsam, dass McKenzie zugab, dass er die Opfer durch die Versammlungen der Zeugen Jehovas kennen lernte", schrieb ein Bewährungshelfer.

McKenzie hat gegenwärtig in Anchorage Bewährung und konnte nicht für einen Kommentar ausfindig gemacht werden.

Es gibt in dem Fall noch keine Gerichtstermine.

Im Oktober wurden Dokumente aus einem Lager in Philomath beschlagnahmt und in versiegeltem Umschlag beim Kreisgericht von Benton County hinterlegt. Gemäß Gerichtsaufzeichnungen enthält der Umschlag Zeitschriften und Dokumente, die McKenzie gehören und vielleicht Beweise für seine Taten enthalten.

Brumley sagte, seine Mandanten würden die Beschuldigungen weiterhin bestreiten.

"Wir fühlen mit Tyler wegen des Leids, das er erlitten haben mag, aber wir sind überzeugt, dass weder die Wachtturm-Gesellschaft noch ein Versammlungsältester für das verantwortlich sind, was er behauptet", sagte Brumley.

Übersetzung für Kids e.V. Leverkusen

 

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