Hamburg - "Ich empfinde nur noch Traurigkeit für meine Mutter", sagt die junge
Frau. "Sie hat mich als Kind an eine Psychosekte ausgeliefert".
Morgen wird in der Hansestadt ein außergewöhnlicher Prozess verhandelt: Vivien Krogmann-Lutz (23) verklagt ihre Mutter und ihren Stiefvater, weil die sie als Minderjährige in die Obhut der Scientology Eliteeinheit "Sea-Org" :n England gegeben haben. Das ist eine Organisation, die die Weltherrschaft anstrebt und bei Menschen durch Psychotechniken abhängig macht.
Es ist weltweit das erste Mal, dass ein Kind seine Scientologen-Eltern verklagt.
Als Vivien 13 Jahre alt war, gaben ihre Mutter Susanne-Karola M. (48 Bürokauffrau), und ihr Stiefvater das Mädchen in St. Hill bei London, eine der Europa-Zentralen von Scientology ab und fuhren zurück noch Deutschland. "Ich habe die ersten 14 Tage lang nur geweint", erinnert sich die Groß- und Außenhandelskauffrau.
"Am schlimmsten war für mich, dass völlig fremde Leute, die fast alle nur englisch sprachen, mir befohlen, was ich zu machen hatte. Wie all die anderen Kinder auch, musste ich schwerste körperliche Arbeiten verrichten". Gräben ausheben, Rohre verlegen, bis zu zwölf Stunden täglich. Dächer mit Ziegeln bearbeiten, Müllcontainer schieben, abgehackte Baumstämme wegtragen..... In der Klage heißt es, die Eltern hätten billigend in Kauf genommen, dass Vivien durch die Kinderarbeit schwere gesundheitliche Schäden zugefügt worden seien. Ärztliche Gutachten attestierten der jungen Frau bleibende orthopädische Schäden.
"Wenn ich arbeiten nach Ansicht der Aufpasser nicht richtig ausgeführt hatte, wurde ich bestraft", berichtete Vivien. Ich wurde von den anderen Kindern getrennt, weggesperrt, musste Reste essen". Auch an "guten Tagen" gab es meist nur Haferbrei, Reis und Bohnen.
Vivien durfte nicht zur Schule gehen, wurde auch in St. Hill nicht unterrichtet. Statt dessen musste das Mädchen die Bücher von Scientology-Gründer Ron Hubberd studieren.
In dem Prozess geht es um Schadensersatzansprüche und Schmerzensgeld in Höhe von
73,000 €uro.
Vivien hat den Prozess mit einem Vergleich gewonnen und bekommt 35.000 €uro von den Eltern.
Aufruf:
Den Mut von Vivien begrüßt Kids e.V. sehr und fordert alle jugendlichen Sektenkinder, nennen wir sie einmal so auf, sich Vivien anzuschließen. Nicht in allen derartigen Organisationen ist es der Fall der Schwerstarbeit, aber was sind die seelischen Schäden, verlorene Kindheit, Bestrafungen, Züchtigungen, die auch nicht unerheblich sind usw.
Die Jugendlichen, die sich Vivien anschliessen möchten, sollten sich bei KIDS e.V. c/o Jutta Birlenberg / Bogenstrasse 11 / 51375 Leverkusen / Tel: 0214 55760 Tel: 0214 3102861 Fax: 0214 3102862 ext. Fax: 0214 55775 int. oder per e-Mail:
kidsev@telelev.net melden.
Die neue Gesundheitsministerin Frau Schmidt ist sich dieser Tatsache, was in Zukunft noch auf unser Krankenkassensystem zukommt, nicht bewußt.