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Das Buhlen um die Gunst Hitlers

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von Raymond Franz

Die antisemitische Einstellung der ZJ

Außer daß die ZJ (Zeugen Jehovas) pro Wehrdienst eingestellt waren, gab es noch einen anderen Aspekt ganz auf der Linie Hitlers. Die Zeitschrift Erwachet! vom 22. 8. 1995, Seite 9, behauptet:

"Jehovas Zeugen gehörten zu den ersten Opfern des NS-Staates, aber sie verurteilten auch entschieden die Grausamkeiten, die an Juden, Polen, Behinderten und anderen begangen wurden." 

Der Quellenverweis fehlt hier, und außerdem war die Einstellung der ZJ zu Juden ganz anders, als sie es darlegen und zugeben würden: sie war antisemitisch. Mir ist bis heute nicht klar, warum sich Hitler so an den Juden vergriffen hat. Sie waren durchschnittliche Staatsbürger, die vielleicht andere kulturelle Ansichten vertraten, sich aber als deutsche Staatsbürger bekannten, dem Staat dienten, Steuern zahlten und ihren militärischen Staatspflichten nachkamen. Ein Grund war bestimmt der unbegründbare Haß und sicherlich auch das Geld, das neue Besitzer suchen würde, wenn man die Juden ausrotten könnte.

Der Vorwurf, den man ständig hörte, war, daß die Juden einen "raffenden Geist" hätten. Wörter wie raffen, Gier usw. waren immer im Munde des Hitlerregimes, wenn es um die Juden ging. Sicherlich gab es unter Juden, wie auch bei anderen, Personen, die mit unseriösen Mitteln arbeiteten.

Doch hatten nicht die meisten ihr Geld ehrenhaft mit Fleiß und Würde verdient? Und war das Hitlerregime nicht die Gier in Person? Jeder vernünftig Denkende konnte den Wahnsinn sofort durchschauen.

War die Wachtturm-Organisation fähig, diese Ungerechtigkeit anzuprangern? War sie fähig, für die Menschenwürde dieser Menschen einzutreten? So behauptet es Erwachet!: die ZJ "verurteilten auch entschieden die Grausamkeiten, die an Juden, Polen, Behinderten und anderen begangen wurden." Wo und wie konkret? Auf dem berühmten Kongreß, der am 25. Juni 1933 in Berlin-Wilmersdorf stattfand, wurde eine besondere öffentliche Erklärung verabschiedet. In dieser Erklärung heißt es:

"Dieser Kongreß deutscher Männer und Frauen, friedlicher und ordnungsliebender Bürger aus allen Teilen des Landes, die alle miteinander ernsthaft an dem höchsten Wohl des deutschen Volkes mitarbeiten, hat sich heute, den 25. Juni 1933, offiziell in Berlin versammelt und erklärt freudig seine völlige Ergebenheit gegenüber Jehova Gott."

Wie die Zeugen Jehovas "alle miteinander ernsthaft an dem höchsten Wohl des deutschen Volkes mitarbeite[te]n", macht dieses Traktat dann sehr schnell deutlich. Bevor man zum Kern der Sache kommt, heißt es:

"Als Jesus zu den Juden kam, um ihnen die Wahrheit kundzutun, war es die jüdische Geistlichkeit, das heißt die Pharisäer und Priester, die ihn heftig bekämpfte."

Und jetzt werden die Zeugen Jehovas deutlich:

"Juden Wenn in unserer Literatur der Ausdruck 'Geistlichkeit' gebraucht wird, so bezieht sich dieser Ausdruck auf solche angeblichen Religionslehrer, Priester und Jesuiten, die unrechtmäßige politische Mittel anwenden, um ihre Zwecke zu erreichen, und die sogar ihre Kräfte verbinden mit solchen, die Gott und den Herrn Jesus Christus verleugnen. Das ist dieselbe Klasse, die Jesus als seine Verfolger bezeichnete. Wir üben keine Kritik an aufrichtigen Religionslehrern."

Wer ist die Klasse, "die Jesus als seine Verfolger bezeichnete"? Die nächste Überschrift gibt die Antwort:

"Juden".

Und jetzt werden die Zeugen Jehovas überdeutlich:

"Es sind die Handelsjuden des Britisch-Amerikanischen Weltreiches, die das Großgeschäft aufgebaut und benutzt haben als ein Mittel der Ausbeutung und der Bedrückung vieler Völker."

Das ist genau die Linie des Hitlerregimes gewesen. Das sind Formulierungen, die dem deutschen Volk bekannt waren. Die Juden, das sind die Bösen, die Ausbeuter und Bedrücker. Sicher haben einige ein Großgeschäft aufgebaut, aber waren sie auch nicht die Brötchengeber vieler Menschen, die sonst arbeitslos gewesen wären? Daß es auch unseriöse darunter gab: kein Zweifel - aber daß es auch sehr viele sozial denkende Menschen unter Juden gab und gibt, wird total unterschlagen.

Weiter heißt es in diesem Traktat:

"Diese Tatsache bezieht sich in Besonderheit auf die Städte London und New York als Hauptstützpunkte des Großgeschäftes. Dies ist in Amerika so offenbar, daß es in bezug auf die Stadt New York ein Sprichwort gibt, das heißt: 'Den Juden gehört die Stadt, die irischen Katholiken beherrschen sie, und die Amerikaner müssen zahlen.' Es wird hierdurch beschlossen, je ein Exemplar dieser Erklärung den hohen Regierungsbeamten ergebenst zu überreichen und sie allgemein zu verbreiten, damit der Name Jehovas immer mehr bekannt gemacht werde.

Watch Tower Bible and Tract Society, Magdeburg"

Auch wenn die Zeugen Jehovas das Traktat mit dem Wunsch abschließen, daß "der Name Jehovas immer mehr bekannt gemacht werde": sicherlich nicht so, indem man Hetze gegnüber einer Gruppierung verbreitet, die sowieso schon viel Leid erdulden mußte.

Und wenn die Zeugen Jehovas sich vornehmen, dieses Traktat "allgemein zu verbreiten", dann ist ihnen damit ernst und sie machen es bekanntlich sehr gründlich. 2.5 Millionen Exemplare dieses Hetztraktates landeten in Briefkästen und schürten den Haß gegenüber den Juden nur noch mehr.

Dieses Dokument aus dem Jahre 1933 beweist: Die Zeugen Jehovas haben ihren Teil dazu beigetragen, daß die Grausamkeiten gegenüber den Juden nicht verurteilt, sondern gutgeheißen wurden. Auch die Zeitschrift Trost vom 15. Juli 1938 beweist, daß die Juden nicht in der Gunst der ZJ standen. Es heiß dort auszugsweise, daß sie "Bundesgenossen in des Teufels Organisation" seien.

Weiter wird gesagt,

"die Juden [wären] ein lebendiges Bild dafür, wie furchtbar es ist, den Segen Jehovas nicht zu besitzen. Abgeschnitten von der Gunst Gottes, sind sie auch hier ohne Ruhe. Wind säend, ernten sie Sturm! Wie lang noch?"

fragte die Zeitschrift abschließend. Nicht mehr lange! Hitler hatte schon seine Pläne mit ihnen, und die ZJ beteiligten sich an der Hetzpropaganda gegen die Juden.

T R O S T

Erklärung

Jeder Krieg bringt namenloses Leid über die Menschheit. Jeder Krieg bringt Tausende, ja Millionen von Menschen in schwere Gewissensnot. Das gilt besonders auch vom jetzigen Krieg, der keinen Erdteil verschont und in der Luft, im Wasser und zu Lande ausgetragen wird. Es ist unvermeidlich, daß in solchen Zeiten nicht nur einzelne Menschen, sondern auch Gemeinschaften aller Art ungewollt verkannt oder auch bewußt falsch verdächtigt werden.

Auch uns Zeugen Jehovas ist dieses Schicksal nicht erspart geblieben. Wir werden als eine Vereinigung hingestellt, die bezwecke oder deren Tätigkeit darauf gerichtet sei. "die militärische Disziplin zu untergraben, insbesondere Dienstpflichtige zum Ungehorsam gegen militärische Befehle, zur Dienstverletzung, zur Dienstverweigerung oder zum Ausreißen zu bewegen oder zu verleiten."

Eine solche Auffassung kann nur vertreten, wer Geist und Wirken unserer Gemeinschaft völlig verkennt oder sie wider besseres Wissen böswillig entstellt.

Wir stellen ausdrücklich fest, daß unsere Vereinigung weder gebietet noch empfiehlt, noch sonst in irgendeiner Weise nahelegt, gegen militärische Vorschriften zu handeln. Derartige Fragen werden weder in unseren Versammlungen noch in den von der Vereinigung herausgegebenen Schriften behandelt. Wir beschäftigen uns überhaupt nicht mit solchen Fragen. Wir erblicken unsere Aufgabe darin, für Jehova Gott Zeugnis abzulegen und allen Menschen die biblische Wahrheit zu verkünden. Hunderte unserer Mitglieder und Glaubensfreunde haben ihre militärischen Pflichten erfüllt und erfüllen sie weiterhin.

Wir haben uns nie angemaßt und werden uns nie anmaßen, in dieser militärischen Pflichterfüllung eine Zuwiderhandlung gegen die Grundsätze und Bestrebungen der Vereinigung Jehovas Zeugen, wie sie in ihren Statuten niedergelegt sind, zu erblicken. Wir bitten alle unsere Mitglieder und Glaubensfreunde, bei der Verkündigung der Botschaft vom Königreiche Gottes (Matthäus 24:14) sich nach wie vor streng auf die Verkündigung der biblischen Wahrheiten zu beschränken und alles zu vermeiden, was Anlaß zu Mißverständnis geben oder gar als Aufforderung zum Ungehorsam gegen militärische Vorschriften mißdeutet werden könnte.

 

Update: 3.11.2002

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