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 Tagung Fecris in Barcelona

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in Kurzform möchte ich von der sehr gelungenen Tagung der Fecris in Barcelona berichten. 

Das Thema des Seminars lautete:

"Sekten - Prävention für Kinder und Teenager"

Die Unterthemen lauteten: 

  • Auswirkungen auf die physische und psychische Gesundheit der Kinder 

  • Soziale Rehabilitation 

  • Methoden und existierende oder geplante Unterrichtshilfen zur Prävention 

  • Der Schutz der Kinder im Zivil- und im Strafrecht 

Die Tagung begann am Samstag, dem 11. Mai 2002 um 14.00 Uhr und dauerte bis Sonntag, 12. Mai 2002 um 16.00 Uhr. 

Zu dem ersten Unterthema gab es bemerkenswerte Vorträge von der Französin Hayat El Mountacir und eines Herrn Bratislav Petrovich. Frau El Mountacir ist Autorin eines Buches über Kinder in Sekten und hat zugesagt Kids e.V. ein Exemplar zu schicken. Sie interessierte sich auch sehr für unsere Arbeit bei Kids e.V. 

In ihrer Rede beschrieb sie die negativen Auswirkungen, welche Kinder in Sekten und destruktiven Kulten erleiden müssen. Es hat den Anschein, dass Frankreich auch mit staatlichen Mitteln den Einfluss der Sekten stärker bekämpft als beispielsweise in Deutschland. Die strikte Trennung von Kirche und Staat begünstigt offenbar in Frankreich den Kampf gegen die Sekten, da diese sich nicht auf irgendwelche Sonderrechte als Religionsgemeinschaft berufen können. 

Herr Petrovich berichtete, dass in den Gebieten Ex-Jugoslawiens die Sekten in das nach dem Krieg entstandene "geistige Vakuum" getreten seien und von daher großen Zuwachs hätten. Die vom Krieg noch traumatisierte Gesellschaft sei besonders anfällig gegenüber Heilslehren, welche Sekten und andere destruktive Kulte verbreiteten. 

Der Brite Ian Haworth ist Leiter eines Informationscenters über Sekten in England und Herausgeber eines Heftes mit dem Titel: "Cults, a practical guide". Er hat insbesondere für Schulen dieses Heft konzipiert und gibt den Lehrern Anleitungen und Hilfen wie sie das Thema Sekten im Unterricht in geeigneter Form den Schülern näher bringen können. 

Ich selbst habe in meinem Redebeitrag zum Thema "Sektenzugehörigkeit und deren Auswirkungen auf das Recht der elterlichen Sorge" gesprochen. Der Vortrag kann bei Kids e.V. angefordert werden. 

Die englische Anwältin Simonetta Hornby gab ähnlich wie in meinem Redebeitrag praktische Hinweise für den Umgang mit Gerichten. Sie hob hervor wie wichtig es sei sich in gerichtlichen Verfahren auf die Rechte der Kinder zu berufen, welche verkörpert sind in der europäischen Konvention zum Schutz der Menschenrechte. Sie gab den eindringlichen Rat niemals frontal und pauschal in gerichtlichen Verfahren eine Sekte anzugreifen und diese zu verdammen. Wichtig sei es, sich mit den Auswirkungen der Sektenzugehörigkeit auf die Menschen, insbesondere auf die Kinder auseinander zu setzen und herauszuarbeiten inwieweit die Menschenrechte bzw. Grundrechte der Kinder durch die Sekten gefährdet seien, wobei immer am Einzelfall ausgerichtet argumentiert werden müsse. 

Frau Anne Fournier aus Frankreich, welche in einer interministeriellen Kommission in Zusammenarbeit mit dem französischen Erziehungsministerium arbeitet, erklärte in ihrem Redebeitrag, sie sei gegen die Bildung von Aussteigergruppen in abgeschlossenen Häusern, weil dort wieder eine Art Ghetto geschaffen werde. Sie vertrat die Auffassung die psychologische Behandlung von Sektenaussteigern müsse nicht unbedingt speziell auf Ex-Sektenmitglieder ausgerichtet sein. Sie sprach sich auch für einen fairen Umgang beispielsweise mit den in Frankreich ebenfalls sehr stark verbreiteten Zeugen Jehovas aus, was erheblichen Widerspruch bei anderen Teilnehmern aus Frankreich auslöste. Hier gibt es offenbar in Frankreich eine ähnliche Debatte wie in Deutschland mit der AJS (Stichwort: Dialog mit den Sekten?).

Frau Inge Mamay aus Deutschland stellte ihr Projekt "Odenwälder Wohnhof" vor und berichtete von ihrer täglichen Arbeit anhand eines besonders erschütternden Einzelfalles. Der Beitrag fand große Beachtung bei den europäischen Teilnehmern; insbesondere wurde nach der Finanzierung dieses Projektes gefragt. 

Herr Jean-Pierre Jougla, ein französischer Anwalt berichtete von seinem Kampf insbesondere gegen die Zeugen Jehovas. Er erklärte, es gebe in Frankreich sogar ein Gesetz, was den Begriff "Sekte" definiere. 

Ferner gebe es derzeit eine Vereinigung von Juristen und Psychologen, welche ihre Erkenntnisse über Sekten zusammenstellen würden und voraussichtlich demnächst veröffentlichen würden. Man hoffe, dass das Ergebnis dieser Art Studie helfe für Streitfälle bei Gericht. 

Turid Berger und Angelina Dyke aus Norwegen berichteten von einem Aussteigerprogramm in Norwegen mit dem Namen "Go on". Die Initiative zur Schaffung dieses Projektes kam von Jugendlichen, die selbst jahrelang in Sekten ihr Leben verbracht hatten. Turid Berger berichtete eindrucksvoll von 16 Jahren Zugehörigkeit zur Sekte der Kinder Gottes in Norwegen bereits von Geburt an. Ein Mädchen aus dem Projekt berichtete von jahrelangem sexuellen Missbrauch der Kinder durch Erwachsene in dieser Sekte. 

Der Präsident von Fecris, Herr Nokin, hob in seiner Schlussrede die Wichtigkeit der internationalen Zusammenarbeit zum Thema Sekten und deren negative Auswirkungen hervor. Fecris ist in 26 europäischen Ländern durch insgesamt 37 Mitgliedsgruppen vertreten. Fecris hat am 09.06.2001 ein Treffen von europäischen Rechtsanwälten durchgeführt. Das Treffen diente dem Erfahrungsaustausch von Juristen aus 9 europäischen Ländern über den Umgang mit Sekten und sektenähnlichen Gruppierungen. Das Treffen diente dazu die verschiedenen europäischen Rechtssysteme zu vergleichen. Es wurde dann die Forderung erhoben die Richter über die Realität der Sekten aufzuklären. Ziel muss es letztlich sein eine gemeinsame Kultur des Rechtes und der Rechtssprechung zu entwickeln zum Schutz vor Sekten. Es soll ein zivil- und strafrechtliches Netzwerk geschaffen werden um die Hilfe für die europäischen Opfer der Sekten zu vereinfachen und ihnen den Zugang zur Zivil- und Strafjustiz in allen Ländern der Union zu erleichtern. 

Der Präsident erwähnte schließlich noch den großen Informationsbedarf der osteuropäischen Länder, welche sich seit der Öffnung zum Westen hin verstärkt den Aktivitäten der Sekten ausgesetzt sehen. Fecris will auch hier Hilfe anbieten und seine Erfahrungen den osteuropäischen Ländern zur Verfügung stellen. Dies wird nach den Worten des Präsidenten aber keine leichte Aufgabe, da es in Osteuropa eine sehr große Zersplitterung gibt auf Seiten der Sekten, aber auch auf Seiten der Hilfegruppen, wobei diese zum Teil wieder religiös ausgerichtet sind. 

Mit einem besonderen Dank an das katalanische Parlament für die vorbildliche und großzügige finanzielle Unterstützung der Tagung endete diese sehr gelungene Veranstaltung.

 

Update: 

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