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Verwandte kämpfen, um Tötungen zu verstehen

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M. Cole

Der Glaube beherrschte das Leben von Robert und Janet Bryant. Eine Glaubenskrise trieb sie von Kalifornien nach Oregon. Der Glaube an sich selbst schuf dann ein Leben in Yamhill County, von dem die meisten Leute nur träumen. 

Vier kontaktfreudige und entschlossene Kinder, für die die Mutter sorgte. Pläne, ein Haus auf einem Stück Land zu bauen, das ihnen ohne Belastung gehörte. Ein blühendes neues Unternehmen. Rechnungen wurden bezahlt - sogar vor der Fälligkeit. 

Und doch nahm Robert Bryant, der nach allem, was man hörte, ein liebevoller Ehemann und Vater war, irgendwann nach 19:30 Uhr am 23. Februar ein 12-Kaliber-Gewehr und tötete fast schon zeremoniell seine Frau, seine beiden Söhne und seine beiden Töchter. Dann erschoss er sich selbst. Beamte des Sheriffs von Yamhill County entdeckten die Leichen im Haus der Familie am Donnerstag. 

Die Polizei, Nachbarn und trauernde Verwandte klärten am Samstag immer noch die Umstände, die zu einem der schlimmsten Massenmorde in Oregon führten. Der Mann, der den Bryants ihr Fertighaus verkaufte, sagte, er habe am 21. Februar mit Robert Bryant über eine Reparatur gesprochen. Bryant war gutmütig wie immer, sagte er. 

Es gibt noch kein eindeutiges Motiv für den Mord/Selbstmord, außer dass er vielleicht, wie Janet Bryants Schwester andeutete, der verzweifelte Versuch von Robert Bryant war, die Kinder von seinen Eltern und anderen Verwandten in Kalifornien fernzuhalten. Die Familie hatte sich vor drei Jahren von ihnen entfremdet - nach einem gewaltsamen Bruch mit ihrer Versammlung der Zeugen Jehovas. 

Robert und Janet Bryant waren beide 37 Jahre alt, als sie starben. Der älteste Sohn, Clayton, war 15; Ethan, 12; Ashley, 9; und die Jüngste, Alyssa, war 8. Ihr Umzug in die Gegend von McMinnville im vergangenen Sommer war vermutlich ein Neuanfang. 

Robert Bryant wuchs in Shingle Springs auf, einer Landegemeinde etwa 72 km östlich von Sacramento, wo sich die Häuser zwischen Pferderanchen und Gebirgsausläufer schmiegen. Seine Eltern, Keith und Arlene Bryant, hatten ihre drei Söhne und Töchter im Königreichssaal der Zeugen Jehovas in El Dorado County erzogen. 

Robert traf Janet auf einer privaten High School, die mit der Kirche verbunden ist. 

Verheiratet, als sie gerade Anfang 20 waren, hielt das Paar wöchentliche Bibelstudien und Gebetsversammlungen in ihrem Haus ab, einem braunen Haus im Stil einer Ranch, das sie gemietet hatten, ehe sie es im Jahre 1997 kauften. Ihr gepflegtes Anwesen stand an einem Kiesweg namens Pleasant View Lane und bestand aus knapp 2 Morgen Land mit Blick auf das Tal von Sacramento. An dunstfreien Tagen konnte die Familie aus ihren Vorderfenstern den Mount Diablo sehen. 

Nachbarn erinnerten sich, wie sie die Bryant-Kinder den Kiesweg mit dem Fahrrad auf- und abfahren sahen, und wie Janet Bryant die Kinder oft zum Schulbus an der Ecke brachte. Die Bryants hatten eine Zeitlang einen Privatlehrer für ihre Kinder, doch schließlich entschieden sie, alle bis auf den ältesten Jungen auf eine öffentliche Schule in Kalifornien zu schicken. 

Mit seinem Vater und seinen Brüdern zusammen hatte Robert Bryant eine Landschaftsgärtnerei, und er wurde oft gesehen, wie er seinen weißen Pickup mit Rasenmäher auf dem Anhänger fuhr. Er arbeitete unter der Woche und an Wochenenden, egal, wie das Wetter war, sagte ein Nachbar. 

"Er schien sehr liebevoll und sehr freundlich zu sein, und er hat seine Kinder immer auf dem Kopf getätschelt", sagte Dana Jones, die im Haus nebenan wohnte. 

Die Familie Bryant hatte Freude an der Jagd, am Fischen und an Campingausflügen. Sie besuchten zusammen mit Robert Bryants Eltern, seinen beiden Brüdern und seiner Schwester regelmäßig die Gebetsversammlungen, sagte Mark Messier, ein Ältester der Versammlung. 

Robert Bryant war "herzlich, sehr bescheiden, sanft und demütig", sagte Messier. 

Gemäß ihrer offiziellen Website glauben Jehovas Zeugen, dass die Bibel das inspirierte, unfehlbare Wort Gottes ist, dessen wahrer Name Jehova ist. Sie glauben, dass Jesus der Sohn Gottes ist, aber nicht Gott gleich oder Teil einer Dreieinigkeit. Die Mitglieder sind in Versammlungen organisiert, die in Königreichssälen ihren Gottesdienst haben, und sie glauben, dass sie in den letzten Tagen leben, bevor Gott ein Königreich auf Erden aufrichtet. 

Vor drei Jahren wurde Robert Bryant, der ein Ältester der Kirche geworden war, zunehmend ernüchtert über das, was er als Heuchelei unter den Mitgliedern ansah. Er beschloss, die Religionsgemeinschaft zu verlassen, einer derer Grundsätze es ist, nichts anzuzweifeln. 

Die Entscheidung veranlasste die anderen Kirchenältesten, ein Komitee zusammenzustellen, was dann schließlich zu Bryants "Gemeinschaftsentzug" von der Kirche und zu seiner Isolation von seinen Angehörigen und Freunden führte. 

Die Praktik, von Nichtzeugen Ächten genannt, gründet sich auf eine Bibelstelle, die die Gläubigen auffordert, mit jemandem keinen Umgang zu haben, "der Bruder genannt wird, wenn er der Unmoral oder der Habsucht schuldig ist, oder wenn er ein Götzendiener, Trunkenbold oder Räuber ist - mit so jemandem nicht einmal zu essen." 

"Er wurde ausgeschlossen, weil sein Verhalten nicht in Übereinstimmung mit biblischen Grundsätzen war", sagte Messier. "Wenn solche Leute einen bestimmten Weg einschlagen wollen, dann trennt man sich von ihnen und hofft, dass sie ihren Irrtum einsehen." 

Die Frau des Geächteten, Janet Bryant, machte sich Sorgen über den Ausschluss ihres Mannes. Sie war verärgert, als Mitglieder der Versammlung sich weigerten, im Supermarkt zu grüßen. Sie litt unter Erschöpfung und war wie ausgebrannt, sagte Sharon Roe, ihre jüngere Schwester. 

"Sie war sehr zerrissen", sagte Roe. "Aber sie war die Art von Mensch, der seine Gefühle für sich behält, und sie war stark für ihre Kinder." 

Obwohl Robert und Janet Bryant gemieden werden sollten, versuchten die Großeltern und Tanten und Onkel der Kinder, den Kontakt mit den Kindern aufrecht zu erhalten. Sehr zu Robert Bryants Verdruss, sagte Messier, hatten die Verwandten sogar rechtlichen Rat eingeholt, ob die Großeltern von ihnen besucht werden durften. 

Weil die meisten Kunden seiner Gartenbaufirma Zeugen Jehovas waren, verlor Robert Bryant Aufträge, als er von der Kirche geächtet wurde. Im Januar 2000 machte er Bankrott. Gerichtsunterlagen führen 234.008 Dollar Schulden gegenüber 203.776 Dollar Aktiva auf, meistenteils Kreditkartenschulden. 

Die Aktive der Bryants bestanden aus einem 92er2 Chevrolette-Pickup, einem 97er Chevrolette-Lieferwagen, einem 6 Meter langen Reiseanhänger, zwei Katzen, 11 Küken, einem Schaf, sechs Kaninchen und einem Welpen. Auf der Liste standen auch zwei 12-Kaliber-Gewehre und zwei Jagdgewehre. 

Im März 2001 verließ Bryants Vater die Landschaftsgärtnerei und erschwerte damit Bryants Möglichkeit, in Kalifornien seinen Lebensunterhalt zu verdienen, weiter. 

"So wie er das schilderte, waren sie wirklich abscheulich in dem, was sie ihm angetan haben", sagte Albert Clary, der auf der anderen Straßenseite von Robert und Janet Bryant in Shingle Springs lebte. 

Im Juni hatte das Paar ihr Haus verkauft, im Schutz der Nacht die Habe verladen und war nach Oregon gezogen, wo Janet Bryant als Mädchen eine Zeitlang gelebt hatte und wo die Familie Urlaub gemacht hatte. Sie haben ihren Verwandten, die Zeugen Jehovas sind, nicht erzählt, wohin sie gingen, sagte Roe. 

Mark Marshall, Versicherungsagent der McMinnville State Farm, sagte, Robert Bryant habe ihm im vergangenen Sommer erzählt, er habe Kalifornien wegen eines Streites mit seiner Kirche verlassen und seine Eltern versuchten, das Sorgerecht für die Kinder zu bekommen, um sie in der Versammlung zu halten. 

Marshall sagte, Bryant habe ihm erzählt: "Wir kommen hierher, um von ihnen wegzukommen." 

Das Geschäft geht besser. Zuerst lebten die Bryants im Portland-Dayton RV Park in Dayton und dann im Olde Stone Village RV Park in McMinnville. 

Im Oktober kam der Landschaftsbau, den Bryant in McMinnville begonnen hatte - oft, indem er von Tür zu Tür neue Kunden warb -, wieder auf Touren. Er machte ein paar große Aufträge und lieferte Vern Skoog, Generaldirektor von Homes America, Unterlagen, die zeigten, dass er 7.500 Dollat monatlich verdiente. 

Das zunehmend besser laufende Geschäft versetzte Bryant in die Lage, einen Vertrag über ein 42.000 Dollar teures 112 Quadratmeter großes doppelt breites Fertighaus abzuschließen. Das Haus sollte auf einer 0,9 Hektar große Parzelle stehen, die das Paar für 96.000 Dollar kaufte. Von dem Grundstück aus gab es einen weiten Blick auf die Gegend, und man konnte Vögel zwitschern und Kühe muhen hören, und auf dem Rasen im Vorgarten äste Wild. Im Dezember hatten die Bryants Haus und Grund bezahlt. 

Marshall schilderte Bryant als jemanden, der "für sein Alter äußerst verantwortungsbewusst" war. Er versicherte zwei Autos und das Haus und vergaß nie die Bezahlung; tatsächlich zahlte er manchmal vor Fälligkeit, sagte Marshall. "Es gibt keinen Grund zu glauben, er war in finanziellen Schwierigkeiten." 

Die finanziellen Forderungen gegenüber Bryant waren aufgrund des vor 15 Monaten in Kalifornien erklärten Bankrotts sogar höher als bei einem normalen Hausbauer. Aber jedes Mal, wenn Skoog Geld für einen anderen ungültigen Scheck forderte, kam Bryant am folgenden Tag mit dem Nötigen zurück, um die Dinge am Laufen zu halten. 

Bryant hatte mitgeteilt, er plane diesen Frühjahr den Bau eines Fachwerkhauses, das an sein Baukastenhaus angrenzen sollte. 

"Alles schien großartig voranzugehen für sie", sagte Skoog. 

Warum hat Robert Bryant dann bloß acht Monate nach dem Beginn ihres neuen Lebens seine Frau und seine Kinder erschossen, die noch im Bett waren? 

Wenn er zu sehr am Leben verzweifelte, warum hat sich dann nicht nur selbst umgebracht und die Familie verschont? 

Niemand kann diese Fragen mit Sicherheit beantworten. 

Bei Tötungen sind selten Kinder betroffen. Morde/Selbstmorde ereignen sich öfter, als manche Leute denken. Wenigstens 159 Einwohner von Oregon waren von 1991 bis 2000 in 75 Fälle von Mord/Selbstmord verwickelt, so Daten der Staatspolizei von Oregon. Von den 75 Fällen beinhalteten 56 einen Mann, der seine jetzige oder frühere Partnerin umbrachte. In nur sieben Fällen jedoch nahm ein Mann seinen Kindern das Leben, bevor er sich selbst umbrachte. 

Ein isolierter Mann ohne Hoffnung, wie Robert Bryant, ist, wenn keine Beziehung mehr zu seinen Verwandten und seiner Kirche besteht, selbstmordgefährdet, sagte Dr. James Hancey, außerordentlicher Professor für Psychiatrie an der Oregon Health and Science University. Wenn es in seinem Leben große Änderungen gegeben hat, z.B. eine neue Arbeit oder einen neuen Wohnort, vergrößert sich der Stress, auch wenn die Änderungen von ihm ausgingen, sagte er. 

Aber Hancey sagte, warum ein Mann seine Familie umbringt, bevor er Selbstmord begeht, ist schwerer zu begreifen. Er kenne zwar nicht die familiären Einzelheiten der Tragödie um Bryant, und manchmal spielen verdrehte religiöse Ansichten eine Rolle, aber es können auch noch andere Faktoren hinzukommen. 

Messier sagte, Bryants Angehörigen trauerten und seinen durch den Verlust "schockiert". 

"Wir sind durch die Ereignisse niedergeschmettert", sagte der Bruder Lance Bryant in einer vorbereiteten Erklärung. "Wir mochten sie alle gern, und wir werden sie schrecklich vermissen. Wir versuchen, mit allem hier klarzukommen, wir stehen auch der Familie bei." 

Roe sagte, sie habe die Todesnachricht etwa um 2:00 Uhr Freitagnachts gehört, als sie ein Justizbeamter und ein Kaplan besuchten. 

Sie saß in ihrem Wohnzimmer und hörte, wie der Beamte ihr sagte, in Oregon habe es einen Mord/Selbstmordfall um Robert Bryant gegeben. 

"Ich hörte Robert. Ich hörte Janet. Ich hörte Clayton. Ich habe nur gedacht: Das muss doch mal aufhören. Jemand muss doch noch übrig sein. Dann erkannte ich, dass alle sechs tot waren", sagte sie am Samstag. 

"Ich versuche, eine vernünftige Begründung zu finden. Was immer er tat, er muss es getan haben, weil er seine Familie schützen wollte und weil er sie liebte", sagte Roe. "Er hat wohl gedacht, er würde sie beschützten, und das ist alles, was och an Begründung erkennen kann." 

Kritiker haben gesagt, die Praxis des Gemeinschaftsentzuges trenne Familienbande, mache den Einzelnen fertig und könne zu Selbstmorden oder versuchten Selbstmorden führen. Aber Charles Hobart, der seit 50 Jahren Zeuge Jehovas ist und der jetzt vorsitzführender Ältester in der Versammlung Beaumont im Nordosten Portlands ist, sagte, er habe nie von einem Fall im Zusammenhang mit Selbstmord gehört. 

"Ich habe einen Sohn, der ausgeschlossen ist", sagte er. "Wir sehen ihn. Wir haben Enkelkinder und wir wollen den Kontakt nicht verlieren, aber wird nicht sehr oft zusammen." 

Die Hoffnung, wenn jemand einen Gemeinschaftsentzug hat, sagte Hobart, ist, dass er bereut und um Wiederaufnahme in die Versammlung bittet. "Das geschieht häufig", sagte er. Reue und Wiederaufnahme waren offensichtlich nicht das, woran Robert Bryan dachte. 

Die sechs Leichen wurden am Samstag zum Krematorium gebracht. Das Anwesen umgibt immer noch das gelbe Absperrband der Polizei. Ein Holzbrett versperrt den Weg zur Fronttür. Nahe der Tür brennt eine nackte Glühbirne. 

Man konnte an den arglosesten Dingen das zerrissene Leben erkennen. Die Fahrräder der Kinder lagen auf dem Hof umher, darunter ein Mädchenfahrrad mit einem rosa Korb. Ein Fahrradhelm auf dem Boden. Werkzeuge auf der Ladefläche eines weißen Pickup. Ein grüner Anhänger immer noch am Wagen angehängt. 

Es waren auch Zeichen, dass das Leben weitergeht. Vorne eine schwarze Katze. In einer Ecke des Grundstücks ein Topf weißer Blumen, den jemand hinterlassen hat, der seine Achtung erweisen wollte. 

Die Redakteure Janet Goetze, Robin Franzen und Steve Suo schrieben diesen Bericht. Sie können Michelle Cole unter 503-294-5143 oder per E-Mail michellecole@news.oregonian.com erreichen. Sie können Dana Tims unter 503-294-5973 oder per E-Mail danatims@news.oregonian.com erreichen Sie können Emily Tsao unter 503-294-5968 oder per E-Mail emilytsao@news.oregonian.com erreichen Sie können Maxine Bernstein unter 503-221-8212 oder per E-Mail maxineberstein@news.oregonian.com erreichen.

Übersetzung für Kids e.V., Leverkusen

 

Update: 

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