Eine Überlebende
im Gästebuch
Ich bin heute Nacht hier, weil ich nicht wusste, was ich sonst tun oder zu wem ich gehen konnte. Ich war schon vorher hier, aber das ist schon etwas her. Ich lese jetzt schon seit Stunden, und wenigstens konnte ich schließlich zu weinen aufhören. Ich hatte tatsächlich "gehofft", ich käme aus meinem häuslichen "Gefängnis" (körperlich und auch seelisch behindert) und würde es heute Abend zum Gedächtnismahl schaffen. (Ich bin eine Zeugin Jehovas, die einen Gemeinschaftsentzug hat und immer noch hofft, den Weg zurück zu finden, weil ich die biblischen Wahrheiten, die ich dort lernte, glaube; und ich bin auch jemand, die als Kind unzählige Male vergewaltigt und belästigt wurde - allerdings nicht durch Zeugen Jehovas).
Dann habe ich mir heute Oprah angesehen
[Anm.d.Übers.: Eine Talkshow im amerikanischen Fernsehen], und es ging über den augenblicklichen "Sexskandal" der katholischen Kirche, was für mich nichts Neues ist. Ich wuchs als Katholikin auf. Unser "perverser Onkel", der im [Priester-]Seminar gewesen war, belästigte alle Kinder in unserer "großen katholischen Familie", und die Cousinen noch dazu.
Nichts davon ist "neu" für mich. Warum habe ich mir dann die Seele aus dem Leib geweint bei der Oprah-Show? Weil der Schmerz in einem nie aufhört; weil die Erkenntnis, wie vermurkst man wegen des sexuellen Missbrauchs ist, einen nie verlässt; wegen der Herzschmerzen, weil die Wachtturm-Gesellschaft ja schließlich nicht vollkommen ist - da ihr großer "Skandal" als NÄCHSTER aufgedeckt wird ... Und obwohl ich bei allen Opfern sexuellen Missbrauchs stehe, reißt es mir dennoch die Eingeweide aus dem Leib, dass der Ort, wo ich so wunderbare biblische Wahrheiten erfuhr, derselbe ist, der bereits bedrückte Geister noch weiter niedergedrückt hat, indem die Dinge geheim gehalten wurden usw. (So, wie es die katholische Kirche getan hat - die mich trotz acht Jahren als Kind in einer katholischen Schule ÜBERHAUPT KEINE biblischen Wahrheiten gelehrt hat - nicht einmal den Namen Gottes).
NICHTS IST VERHEERENDER für ein Missbrauchsopfer, als dass jemand einem sagt, man dürfe "es nicht erzählen" oder man dürfe "nicht darüber reden" usw. Opfer/Überlebende MÜSSEN ERMUNTERT werden, darüber zu REDEN!!! Als unser "Familienskandal" 1992 (in einer Familie aus Nichtzeugen) hochkam, sagte mir mein Vater, ich dürfe "mit niemandem darüber reden", und dann schob er meiner Mutter die Schuld zu ("Deine Mutter will nicht, dass du darüber redest!" ... Der Feigling!), und dafür habe ich ihn verachtet. Und das ist es, was Vergewaltiger oder Kinderschänder auch tun - sie bestehen darauf, dass man nichts sagt ... Meiner hat mir mit seiner Faust auf meinem Schambein gesagt, wenn ich "rede", würde er es "festsetzen, so dass ich nie Kinder bekommen" könne. Was wusste ich schon als kleines, dickes 11-Jähriges Kind? Man liegt einfach da, gelähmt, immer wieder, so oft der Kinderschänder einen haben will; wie ein Schaf, das zur Schlachtbank geführt wird; vor Entsetzen kann man nicht sprechen; manchmal winselt man, aber meistens "blendet man sich aus" - man starrt aus dem Fenster oder konzentriert sich auf einen Gegenstand im Zimmer; und ja, wenn man jung oder traumatisiert genug ist, kann man die Erinnerungen verdrängen; und Jahre später, wenn man bereit ist, die Welt auseinander zu reißen und es von den Hausdächern zu schreien, wird einem wieder gesagt, man solle es geheim halten. NEIN!!!
Ich kann es nicht ertragen. Der Schmerz geht nie weg. Nicht einmal in meinem Alter. Mit fast 50 Jahren, würde man denken, geht das weg ... es geht aber nicht weg.
Es ist so traurig, so SEHR traurig: Wenn ich lese, was Opfer/Überlebende unter den Zeugen Jehovas mitgemacht haben, kann ich es wirklich glauben (dass die Ältesten usw. versuchen, es unter Verschluss zu halten), weil ich früher selbst Zeugin Jehovas war und daher weiß, dass es sehr wichtig ist, den Ruf der Versammlung rein zu halten. Ja, ich kann sehen, wie Älteste und andere in Machtstellungen sich dem beugen können, selbst wo es Kinder betrifft.
Verdammtes Gerede von Verleumdung! Wenn ich wieder in der Versammlung wäre und hörte, dass ein Bruder (oder jemand anderer) ein Kinderschänder ist, ich wäre NICHT in der Lage, meinen Mund zu halten. Ich würde es jedem erzählen!!!!!
Wo bleiben wir dann, hier draußen, ausgeschlossen, aber doch mit dem von Herzen kommenden Wunsch, "dazuzugehören" und sich von diesen Dingen loszureißen? Ich möchte den Zeugen Jehovas/der Wachtturm-Gesellschaft/der Bibel und der Literatur so vertrauen können, wie ich es einmal getan habe aber ich frage mich, wie ich je wieder zurückfinden soll, als Mensch und auch seelisch gesehen.
Ich weiß, dass es überlall Perverse gibt. Warum bin ich dann überrascht, dass es sie auch bei den Zeugen Jehovas gibt? Ich weiß es nicht … es tut nur so weh, das ist alles.
Dies war der einzige Ort, von dem ich wusste, dass ich heute Abend hierher kommen konnte ... Eine Ausgestoßene/doppelt ein schwarzes Schaf (der Missbrauch war nicht meine Schuld, wohl aber der Gemeinschaftsentzug).
Ich weiß auch, dass das mit den Seelendoktoren stimmt … dass die Gesellschaft einem davon abrät usw., obwohl ich glaube, dass sie sich in den letzten Jahren diesem Gedanken mehr geöffnet hat, weil sie erkannt hat, dass sie nicht befähigt ist, mit den Narben aus solchen Dingen klarzukommen. Aber damals, als ich noch eine Zeugin Jehovas war, ging ich zu einem "Bruder", der Psychologe war, weil ich glaubte, ich sei "verrückt", aber nicht wusste, warum. (Ich hatte damals das Puzzle noch nicht zusammengesetzt.) Ich habe mich bei dem Besuch beim Doktor hysterisch benommen, und anstatt seine "psychologische Weisheit" zu gebrauchen und zu verstehen zu versuchen, was vielleicht passiert war, begann er, mich ANZUSCHREIEN. Ich muss eigentlich nicht noch extra betonen, dass ich jahrelang glaubte, ICH sei "schlecht und verrückt" ... Jahre später hat mir ein Arbeitskollege, der mit diesem Psychologen/"Bruder" bekannt war, erzählt, er hätte mich all die Jahre zuvor schlechtgemacht und seinen Zeugen-Jehovas-Freunden erzählt, sie sollten sich von mir fernhalten, weil ich "verrückt" sei. (Sind Gespräche zwischen Arzt und Patienten nicht vertraulich? Oder gilt das nicht für "Psychologen", die Zeugen Jehovas sind?) Ja … wie auch immer, ich gebe den Zeugen Jehovas als Ganzen keine Schuld. Es sind immer Einzelpersonen, die Mist machen, egal welchen "Status" sie haben.
Ich kann so nicht mehr weiterleben, so vereinsamt. Ich weiß, das ist nicht gesund und sollte auch nicht so sein. Viele Male sehe ich mich, wie ich Älteste anrufe und mich mit ihnen unterhalte. Ich wüsste nicht einmal, wo ich anfangen sollte. Ich lese hier heute Abend etwas auf dieser Website davon, dass Älteste nicht geschult sind, Menschen mit einer Depression oder seelischen Problemen Rat zu geben oder sich um sie zu kümmern. Und das habe ich schon immer gemeint (aber ich habe es nie geschrieben gesehen), und das lässt mich noch mehr zögern, an sie heranzutreten.
An alle, die keine Ahnung haben: Symptome für sexuellen Missbrauch zeigen sich "auf bestimmte Weise" ... (Wer soll das auch verstehen, wenn er nicht aufgeklärt wurde oder es selbst mitgemacht hat?) Hier ein paar Beispiele (in meinem Fall):
ANTWORTEN (MIT MIKROFON) BEIM WACHTTURMSTUDIUM UND/ODER BEI DER DIENSTVERSAMMLUNG: Ich konnte NIE meine Handheben und bei den "großen" Zusammenkünften antworten. Und wenn ich dann doch mal die Hand hob und die ganze Aufmerksamkeit auf mich richtete, um meine Antwort zu hören, wenn der Bruder kam und das Mikrofon vor mich hielt - ich fühlte mich, als seien alle Augen AUF mir und ich sei NACKT und ENTBLÖSST. Ich konnte das Gefühl nicht überwinden, und ich VERSUCHTE auch zu antworten, aber nach einer Zeit gab ich es auf. Es war zu schmerzlich.
ANGESEHEN ODER ANGESTARRT WERDEN: Wenn mich jemand "anstarrte", flippte ich aus und wurde SO WÜTEND, dass ich ihn manchmal anschrie: "WAS STARRST DU MICH AN?" Ich wusste nicht einmal, warum ich so handelte (zumindest damals wusste ich es nicht - heute verstehe ich es vollkommen, da ich seit meinem Gemeinschaftsentzug eine Menge Bücher zum Thema sexueller Missbrauch gelesen habe). Ich bin sogar einmal auf dem Parkplatz vor dem Königreichssaal ausgerastet. Ein Bruder aus einer anderen Versammlung ließ einen Freund wissen, dass er an mir interessiert war. Er fing also an, in unsere Versammlung zu kommen. Und er stand an der Rückwand des Saales herum und starrte zu mir herüber usw. Das passierte eine Woche nach der anderen. Als ich einmal am Sonntagnachmittag eine Zusammenkunft verließ, folgte er mir bis auf den Parkplatz, und ich konnte spüren, dass er hinter mir herging, und da rastete ich vollkommen aus - ich drehte mich um, um ihn anzusehen, ging rückwärts, um von ihm wegzukommen, und schrie die ganze Zeit über: WAS WILLST DU VON MIR? LASS MICH IN RUHE!!! (Es war dieses wochenlange "Anstarren" und "Herumschleichen" - ich konnte das nicht mehr aushalten.) Doch auch dann habe ich nicht verstanden, warum ich so handelte. Ich habe mich nur um so mehr selbst gehasst. (PS: Damals war ich 30 Jahre alt. Ich möchte nicht, dass jemand denkt, ich oder dieser Bruder seien Teenager gewesen.)
IM KREIS SITZEN bei Buchstudien: Ein weiteres Gebiet, wo es mir den Magen umdrehte und ich Schwierigkeiten bei Zusammenkünften hatte, waren die kleinen, "begrenzten" Buchstudien in den Häusern der Leute. Ich konnte das nie ertragen, aber während dieser Jahre wusste ich nicht, WARUM. Jeder saß in einem Kreis, und das bedeutete, dass da andere im Raum waren, die mich "ansahen". Ich konnte es nicht ERTRAGEN, "angesehen" zu werden - selbst wenn die anderen eigentlich nicht MICH ansahen, EMPFAND ich es so, als TÄTEN sie es. Ich habe in diesen "Kreisen" beim Buchstudium JAHRE mit herunterhängendem Kopf verbracht, und es hat mir den Magen umgedreht, und ich konnte nicht aufsehen oder den Kopf hochnehmen. Ich habe die Minuten gezählt, bis es vorbei war und ich "FLIEHEN" konnte - an die frische Luft, weg von den "Augen". Glücklicherweise hatte ich manchmal die "Kontrolle" über die Sitzanordnung (wenn es im Haus einer Schwester war, die eine Freundin war), dann habe ich die Stühle wie bei einem Auditorium hingestellt, in REIHEN statt im Kreis, so dass man hintereinander saß statt in einem Kreis, wo einen das Gegenüber ansehen konnte. (Die Leute haben keine Ahnung, was wir durchmachen, um die Qual zu vermeiden, "angeschaut" oder "gesehen" zu werden usw.) Schließlich wurde ich "schlau" und ging nur zu Buchstudien im Königreichssaal - da saß man garantiert nicht in der Runde, es gab genug "Luft", da die kleine Buchstudiengruppe in dem großen Saal einem das Gefühl gab, man sei "freier", habe mehr "Raum" als in den kleinen Wohnungen der Leute und als bei der "Menge" in den großen Zusammenkünften am Sonntag oder Donnerstagabend.
Dieses Gefühl, als ob es einem die Eingeweide herausreißt, diese Wut - das kam auch in anderen ähnlichen Gelegenheiten hoch, so z.B. bei der Arbeit. Ich habe so viele, viele Jahre so gelebt und doch nicht verstanden, WARUM ich so empfand. (Ja, ich WUSSTE immer, dass ich vergewaltigt und belästigt worden war, aber ich habe nie eins und eins zusammengezählt ... Ich hatte diese Gefühle noch nicht mit ihrem Ursprung, dem Missbrauch, in Beziehung gebracht). Auf der Arbeit musste ich meinen Schreibtisch oft in einem "offenen Bereich" haben, wo die Klienten im Warteraum saßen. Ich konnte kaum arbeiten, wenn ich ihnen den Rücken zuwandte, weil ich ihre "Augen" auf meinem "Rücken" fühlte. Der innere Stress baute sich bis an den Punkt auf, wo ich mich mit meinem Bürostuhl umdrehte und diese "unschuldigen" Leute anschrie, die warteten, und sie beschuldigte, mich "anzustarren".
Selbst meine besten Freundinnen in den Jahren als Zeugin Jehovas pflegten zu sagen: Die Frau/Freundin: "Du bist so wütend ..." Der Mann/Freund: "Du bist wie ein ungeschliffener Diamant." Ich habe wirklich GEHASST, dass ich so ein wütender Mensch war, aber damals hatte ich keine Idee, WARUM das so war.
EIN GEFANGENER IM EIGENEN KÖRPER: Nicht in der Lage zu sein, sich "frei zu bewegen", ist ein weiteres Symptom. In meiner Zeit vor den Zeugen, als "Weltmensch", konnte ich, wenn ich in Clubs und Bars ging, NICHT "frei herumgehen" wie andere Leute. Oh, wie ich mich danach SEHNTE, einfach nur aufzustehen und "frei herumzugehen"! FREI "herumzugehen"! Ich musst nach einem Stuhl suchen, nach einem Barhocker oder nach einem Tisch, um mich dann sofort hinzusetzen und mich nicht mehr zu bewegen. Wenn ich "herumging", hatte ich das Gefühl, ich sei nackt und entblößt, doch auch sitzen bleiben zu "müssen" fühlte sich an, als sei ich in der Falle. Später, als ich in die Wahrheit kam, war es in Königreichssälen dasselbe - ich habe mich, wenn ich einmal im Gebäude war, am Literaturtisch buchstäblich "ANGEKLAMMERT" - da fühlte ich mich "sicher" - und ich habe mich nicht davon weg bewegt, bis ich zu einem freien Stuhl lief. Ich konnte auch WÄHREND einer Zusammenkunft nicht aufstehen und den Gang entlang gehen, dann war ich "entblößt" (auch wenn ich wirklich zur Damentoilette MUSSTE, bin ich nicht gegangen - der Weg war zu schmerzhaft, das Entblößtsein, wenn man AUFSTEHT und alle anderen sitzen usw.)
Heute Nacht habe ich gelesen, wie jemand auf dieser Website schrieb (ich glaube, bei Zerschundene Lämmer), der seelische Stress so vieler Jahre habe seinen Tribut an ihrem Körper gefordert. Das ist so richtig. Wenn man das ganze Leben lang so herumläuft mit den Schultern "vor Spannung eingezogen", weil man fühlt, wie einen "Augen" hinter einem "anstarren", dann macht das eindeutig die Gesundheit kaputt.
HASS AUF DEN EIGENEN NAMEN: Die meisten Menschen mögen ihren Namen und ihre Identität. Ich habe meinen Namen immer verachtet - ich konnte meinen Namen nie laut aussprechen. Das kann ein wirkliches Problem im Leben sein! Wenn man mich nach meinem Namen fragt, sage ich immer nur meinen Vornamen. Wer darauf besteht, meinen Hausnamen zu erfahren, der wird ihn separat hören, aber ich werde meine beiden Namen nie ZUSAMMEN aussprechen. Mir dreht sich der Magen um - warum??? Ich hatte NICHT DEN BLASSESTEN SCHIMMER. Alles was ich wusste: Ich konnte ihn nicht laut aussprechen. Ich habe auch bei Leuten den Telefonhörer aufgelegt, die anriefen und ahnungslos fragten: "Mit wem spreche ich bitte?" Und wenn ich im PTSD bin, kann ich nicht die Wörter herausbringen, weder einzeln noch zusammen [Anmerkung des Übersetzers: PTSD ist das posttraumatische Stresssyndrom nach extremen seelischen Belastungen.] Ich habe also immer aufgelegt. Dieses "Geheimnis um meinen Namen" wurde schließlich gelöst (wie so viele der genannten "Geheimnisse"), als ich in dem Buch Inzest und die Nachwirkungen bei Frauen las, dass viele Missbrauchsopfer IHREN NAMEN HASSEN. - (Ist das ein Wunder, warum?) - Es nimmt nicht den Schmerz, aber es hilft zu VERSTEHEN, WARUM ich alle Jahre dieses "Namensgefühl" hatte.
Wie habe ich es dann je geschafft, in den Dienst zu gehen? Merkwürdig genug, aber das war leichter: Nur zu zweit oder zu dritt, und an der Tür "einer gegen einen" - man selbst und der Wohnungsinhaber - nicht annähernd so "furchterregend", als im Setting einer beschränkten Gruppe "entblößt" zu sein. Aber wenn ich gerade eine PTSD-Phase durchmachte, bin ich nicht rausgegangen.
Und wie war es mit Kongressen? Die habe ich wirklich gemocht!! Das waren wirklich meine Lieblingszusammenkünfte. Das waren SEHR GROSSE Gruppen, und da kann man sich "in der Menge verlieren", und das war O.K. für mich. Es wird nicht erwartet, dass man ins Mikrofon hinein Antworten gibt oder so, und man sitzt nicht "im Kreis". Wow! Ich habe allerdings immer mein Möglichstes getan, einen Sitz vorne in der Nähe der Bühne zu bekommen, wo man "atmen" konnte, RAUS aus diesen einengenden Theatersitzen, wo alle wie Sardinen gepackt sitzen.
(Übrigens: Wenn ich Wörter in Großbuchstaben schreibe, dann will ich sie betonen; ich will nichts "herausschreien".)
Weitere Symptome: Wenn man eher eine Nachteule ist - Eine "Überlebende" sagte mir vor Jahren einmal, ihr Therapeut habe ihr gesagt, die meisten Missbrauchsfälle passierten zwischen 22 Uhr und 2 oder 3 Uhr; "Überlebende" sind also eher Nachteulen - wach zu bleiben ist "sicherer", als zu einer "normalen" Zeit schlafen zu gehen. Suizidversuche von Teenagermädchen sind ein sicheres Zeichen, dass sie missbraucht wurden. (Ich habe es als Teenager zweimal versucht, aber "damals" hat nicht einmal jemand danach gefragt ...)
Erst 1991, ein Jahr nach meinem Gemeinschaftsentzug, begann ich, Bücher über sexuellen Missbrauch zu lesen und "die Puzzleteile zusammenzufügen". Da ich kein Geld für wirkliche Fachleute hatte, fand ich mich in von anderen Kirchen "geförderten" Beratungszentren wieder; die haben nämlich nur 10 Dollar berechnet. Und ich hatte wegen der "religiösen Bindung" immer starke Schuldgefühle, wenn ich zu diesen Beratern ging, so ging ich nur ein paar Mal. Ich war auch bei "weltlichen" Psychologen und Psychiatern, und ich muss sagen, die sind auch keine Hilfe. Einige von ihnen waren tatsächlich recht kalt und herzlos. Wo liegt also die Hilfe? Ich denke immer noch, wenn man Jehova auf seiner Seite hat, dann ist alles erträglicher.
Wie Dr. phil. sagen würde: "Einiges kann man nicht heilen. Man kann nur damit umgehen."
Zu lernen, dass "auch das vorbeigeht" (die PTSD-Episoden), hilft ein wenig; zu wissen, dass wir nur "durchhalten" müssen, bis es vorbeigeht ... bis wir in Gottes Königreich alle "vollkommen" gemacht werden - WENN ich es bis dahin schaffe ...
Jahre später begann meine Mutter schließlich, in den Büchern über sexuellen Missbrauch, die ich 1991 gekauft hatte, zu lesen - zumindest versuchte sie es. Sie sagte, das sei "zu deprimierend". Kein Spaß, Mutter, VERSUCHE DANACH ZU LEBEN! - Und mein Vater brach schließlich alle Verbindungen zu seinem "perversen" Bruder (unserem Onkel) ab, aber er hat uns das nie erzählt - es wäre schön gewesen, zu wissen, dass er für uns aufstand; aber nein ... Ich habe es von einem meiner Geschwister erfahren. Übrigens, ich habe damals, 1992 und 1993, diesen Onkel zweimal am Telefon zur Rede gestellt, er lebt in einem anderen Bundesstaat. Niemand sonst wollte es tun. Er empfand keinerlei Reue; er sagte, er habe nichts Falsches getan, obwohl er zugab, alle Kinder missbraucht zu haben; er sagte, er habe sich "bei den Mädchen kaum schmutzig gemacht"; alles, was er bei mir und meiner älteren Schwester getan habe, sei gewesen, "reinzukommen, als wir uns auszogen". Als ich ihn sechs Monate später zum zweiten Mal anrief, war er äußerst hässlich und gemein. Beim ersten Gespräch versprach er, sich Bücher zu kaufen, um etwas über die Auswirkungen von Missbrauch zu erfahren - was alles Lüge war. Sein "wahres Gesicht" zeigt er beim zweiten Gespräch - widerwärtig, voller Hass und hässlich.
Wie sind wir und andere nun mit anderen Symptomen klargekommen? Wie oben gesagt, versuchen wir kreativ, Wege zu finden: *Vermeidet um jeden Preis das Sitzen im Kreis. *Arbeitet nachts, wenn niemand da ist, im Büro. *Wenn ihr tagsüber arbeiten müsst, stellt sicher, dass euer Schreibtisch nicht "auf offener Fläche" steht. *Ändert euren Namen. *Macht niemals alleine "einen Spaziergang", wie "normale" Leute es tun. (Es ist hilfreich, wenn jemand mit euch geht.) *Meidet Mikrofone. *Lasst euren Anrufbeantworter laufen, wenn ihr buchstäblich nicht "reden könnt" (in einer PTSD-Phase). *Erledigt eure Einkäufe, eigentlich das meiste, was ihr tun könnt, abends. Manchmal ist das besser, als bei Tageslicht gesehen zu werden ... und der Vorteil ist, dass der Lebensmittelladen dann ruhig und leer ist, dass ihr nicht lange an der Kasse warten müsst, dass die Straßen leer sind usw. *Betet um die Wechseljahre, wenn eure PTSD-Symptome um euren Menstruationszyklus herum hochkommen, was bei mir der Fall ist/war (eine Therapeutin sagte mir, sie glaube, ich würde den Missbrauch mit jedem Zyklus wiedererleben, da es der Mann, der mich missbraucht hatte, gewesen sei, der mich über die "Periode belehrt" habe.) Gott sei dank kommen sie jetzt mit nahender Menopause immer weniger häufig, obwohl ich kürzlich wieder ein komaähnliches fötales Träume erlebte, nachdem die Periode fünf Monate lang nicht gekommen war. Es war so, als zerre man mich zur "Hölle". Ich kann das nicht mehr aushalten. Ich halte bis zu dem Tag durch, an dem sie nicht mehr kommt.
(Wenn jemand eine EMDR-Therapie mitmacht, würde ich gerne wissen, ob sie geholfen hat. Ich kann hier im Ort niemanden finden, der darin geschult ist. EMDR ist: Eye Movement Desensitization Reprocessing für PTSD [Augenbewegungs-Desensibilisationstherapie]. Für mich macht das eine Menge Sinn.)
An die Betreiber der Website: Entschuldigung, dass ich so ausführlich bin. Ich verstehe völlig, wenn meine Ausführung nicht auf der Website erscheinen, besonders da ich keine Zeugin Jehovas bin und der Mann, der mich missbrauchte, auch kein Zeuge war. Wenn ihr aber denkt, irgendein Teil davon könnte in irgendeiner Weise für irgend jemanden hilfreich sein, dann fühlt euch frei, etwas davon zu bringen. - Wie ich sagte: Ich bin heute nacht auf diese Website gekommen, nachdem ich bei Oprah die Geschichte über die katholische Kirche gesehen habe, weil danach wieder alles in mir hochgekommen ist ... und weil ich weiß, dass die Dateline-Show über die Wachtturm-Gesellschaft kurz bevorsteht ... Ich weiß nicht, wie ich meine schmerzhaften Empfindungen darüber zum Ausdruck bringen soll ... Vielleicht hat sich Jesus so gefühlt, als er im Voraus wusste, das Petrus ihn verleugnen würde, obwohl Petrus ein "guter Freund" war. Er wusste aber auch, dass Petrus "bloßgestellt" würde und wegen seiner Schwäche "leiden" musste ... vielleicht der einzige Weg, diese Empfindung zu beschreiben. So wie wir wissen, dass etwas geschieht, wir aber gleichzeitig "wünschen", es würde vor allem nie geschehen ...
Es gibt ÜBERALL so viel SCHMERZ ... es ist, als fühlte man den Schmerz der ganzen Welt auf einmal ... (Ich höre, dass die Menopause das bei Frauen bewirken kann ...)
(Übrigens: KEINEN DANK an einen der sarkastischen, wütenden Ex-Zeugen-Jehovas-Hasser, die sich zweifellos über mein Klagen freuen werden. Wenn man bei mir in den 11 Jahren als Zeugin Jehovas eine Gehirnwäsche durchgeführt hatte, dann war es das Beste, was mir passieren konnte, weil es das erste Mal war, wo ich aufhörte, ständig zu weinen. Im letzten Herbst bin ich schon einen Monat lang an eine solche Onlinegruppe von Zeugenhassern geraten, bis ich ihren Hass nicht mehr ertragen konnte. Die Gruppe und sie selbst waren widerlich. Sie sind so gemein und hässlich in ihrer Ausdrucksweise (Ich sehe zu viele ähnliche Kommentare in diesem Gästebuch für März). Ich habe NICHT DEN WUNSCH, mich "diesen" Typen von Ex-Zeugen anzupassen. Und ich schreibe diese Zeilen auch nicht "voller Freude" über diese "entsetzliche" Wachtturm-Gesellschaft oder irgendeinen einzelnen Zeugen Jehovas, so wie diese Ex-Zeugen daran Geschmack finden. Ich fühle eher wie die Propheten, denen es das Herz brach über die Vernichtung ihrer geliebten Stadt und ihres Volkes, auch wenn sie im Voraus wussten, das es kommen würde, und dazu noch mit gutem Grund ...)
Wer in solch einem verächtlichen Ton redet und sich über den Untergang der Wachtturm-Gesellschaft freut usw., den kann ich nur mit Jesu Worten bedenken: "Wer von euch ist ohne Sünde? Der werfe den ersten Stein …", und auch mit der Schriftstelle (ich glaube, in den Sprüchen oder im Prediger), die uns warnt, sich nicht über das Elend unserer Mitmenschen zu freuen (selbst wenn sie es "verdienen").
Danke für diese Website, und dass wir hier unsere Gedanken und Empfindungen über solch eine herzzerreißende Sache äußern können.
Höflichst/PTSD
Übersetzung für Kids e.V., Leverkusen