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Richter vernichtet Kirche wegen sexueller Vergehen
Von Michele Tydd
Ein Richter in Wollongong startete gestern einen ätzenden Angriff auf
die Versammlung der Zeugen Jehovas in Balgownie, indem er Älteste
anklagte, sexuellen Missbrauch von Kindern nicht angezeigt zu haben.
Richter John Goldring im Bezirksgericht Wollongong sagte, er sei
erstaunt, daß die Polizei keine Maßnahmen gegen die Versammlung
ergriffen habe. Und ich wünschte, sie hätten [es getan]", sagte der zornige
Richter. Der Angriff erfolgte, als er Robert Leslie Souter zu fünf Jahren Gefängnis
wegen sexueller Belästigung zweier Teenager-Knaben vor 20 Jahren
verurteilte.
Richter Goldring sagte, die Versammlungsältesten seien über die
sexuellen Belästigungen durch Souter 1990 unterrichtet und er sei fünf
Jahre später mit "Gemeinschaftsentzug" belegt oder
exkommuniziert worden, ohne irgend eine weitere Maßnahme.
"Die moralische Bestrafung, die durch eine Kirche auferlegt wird,
ist nicht die Strafe, die das Gesetz verlangt", sagte Richter
Goldring.
"Ich kann die Kirche nicht genug kritisieren .... es ist in
diesen Gerichten wohlbekannt, daß Kirchen wegen nichterfolgter
Anzeigen von kriminellen Handlungen kritisiert werden."
"Die Kirche mag geistliche Verantwortung haben, aber sie steht
nicht über der Autorität des Staates", sagte Richter Goldring.
Die Versammlung, die sich in Balgownie traf, war als die
Corrimal-Versammlung bekannt. Sie übersiedelte seitdem nach Fairy
Meadow.
Souter, 46, plädierte für schuldig in einem Fall von Sodomie und
vier Fällen von unsittlicher Belästigung. Dem Gericht wurde erklärt,
die Übertretungen hätten stattgefunden, als Souter und die beiden Opfer Mitglieder der Versammlung in Balgownie
waren. Vom 1978 bis 1980 beging Souter mindestens fünf Übertretungen, vier
davon gegen eines der Opfer.
Das Gericht erfuhr, daß Souter mit den Familien der Knaben bekannt
wurde und ihr Vertauen gewann. Souter beging die sexuellen Akte während
Ausflügen an den Strand und zu den Blauen Bergen. Die Staatsanwältin Ines Chiumento sagte, es sei ein
schwerwiegender Vertrauensbruch gewesen. Souters Anwalt Terry McGill, der die
Versammlung verteidigte, indem er sagte, es habe große Mühe
gekostet, sich um seine Schar zu kümmern, erzählte dem Gericht, sein
Mandant habe seit den Übertretungen unter großen Gewissenbissen
gelitten.
Er sagte, die Ehe Souters sei zerbrochen und er lebe jetzt in einem
anderen Staat.
Richter Goldring sagte, er setze die Strafe herab mit Rücksicht
darauf, daß Souter selbst ein Opfer sexuellen Mißbrauchs gewesen
sei. Er setze einen unbedingten Zeitraum von drei Jahren fest. Der
vorsitzende Älteste der Versammlung der Zeugen Jehovas von Corrimal,
Roger Graham, sagte, er könne über Praktiken, die 20 Jahre zurücklägen,
nichts sagen.
Er sagte jedoch, die heutige Verfahrensweise der Versammlung sei die,
daß man mit den Opfern rede und ihnen Hilfe und Ermutigung anbiete,
um weiterzukommen.
"Wenn sie sich für ein Gerichtsverfahren entscheiden, dann geben
wir ihnen jede Unterstützung, die sie brauchen", sagte Herr
Graham. "Es ist nicht Sache der Kirche, ohne die Zustimmung der
Opfer zu Gericht zu gehen, denn sie sind es, die sich der Befragung
und dem Stress in der Angelegenheit aussetzen müssen."
Fakt-Sendung am 28.08.00
/ 21:00Uhr
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