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Selbstmord am Tag
der Taufe
Im
Kongreß der Zeugen Jehovas in Rom begeht ein Junge
Selbstmord. Über tausend getaufte Anhänger im
Schwimmbecken
Der
Glaube war nicht genug um Eloi Barrero Perez zu retten,
seine Hoffnungen sind auf dem Asphalt hinter der Kurve
Nord vom Olympischen Stadium in Rom zerschellt.
Es
ist halb zehn Uhr vormittags, im großen
Fussballstadion beginnen die 70'000 - 80'000 Zeugen
Jehovas den zweiten Tag ihres internationalen
Kongresses, während der junge spanische
"Bruder" aus Valencia seine 28 Jahre hoch auf
den Zaun der obersten Stufenreihe bringt und sie dann
25 Meter runter mit einem Schrei begleitend
zerschmettert. Jemand versucht ihn noch zurückzuhalten
aber ohne Erfolg, genauso vergebens, wie das Rennen zum
Spital S. Giacomo ist.
Es
sind keine 24 Stunden vorbei als die Zeugen zur
Religion ermuntert hatten, um die Depression zu
besiegen. Jetzt klingt dieser Suizid- Sturz fast schon
wie ein spöttischer Widerspruch und die Besorgnis der
Organisatoren liest man ihnen ins Gesicht.
Die
Hypothese des Unfalls dauert nicht lange, nur die Zeit,
die es braucht für eine kleine Nachprüfung. Die Zuständigen
der Ambulanz, die dem Jungen erste Hilfe leisteten,
zeigen auf den Zaun dort oben mit ausgebreiteten Armen,
als würden sie sagen, daß man von dort oben nicht
versehentlich runterstürzt. Später erklärte der
Verantwortliche der knappen 3000 spanischen
Delegierten, Oscar Martinez, daß es dem Jungen
schlecht ging, er war in Behandlung und am Abend zuvor
hatte er sein Unbehagen einem Freund anvertraut und
sogar Anspielungen auf einen Selbstmord gemacht. Dieser
Zeuge spricht von Schizophrenie, schlimme Krankheit,
die vielleicht den Selbstmord erklärt, eine Handlung,
- unterstreicht er - " die wir natürlich
verurteilen".
Es
geschah gerade dort im Sektor der Spanischsprechenden,
als Bestätigung des bekannten heißen Temperamentes,
dem farbigsten, lebendigsten, mit den Frauen in
Flamenco-Tracht.
Niemand,
der dort im Publikum saß, scheint die Tragödie
gesehen zu haben, aber jemand, der dort entlang dem höchsten
Olympischen Gang vorbeiging, zeigte der Ehefrau den
genauen Ort des Geschehens.
Gerade
heute, ein Festtag für über tausend Taufkandidaten.
Ihnen gilt der einzig rhythmische Applaus der großen
Menge, während sie um Mittag in Gefolge gegen den Foro
Italico gehen. Hier, anstelle des Jordans ist ein
weniger tiefes Schwimmbecken - zu wenig Wasser für
diese Menschenschar - ; Die Rolle des Täufers übernehmen
die "Ältesten" wartend in hüfthohem Wasser
mit einem weißen Hemd, das auf der nassen Haut klebt.
Es sind nur Männer, da das Priesteramt, für die
Zeugen Jehovas wie auch für die Katholiken, die Frauen
ausschließen, obwohl der Frauenanteil in der langen
Reihe der Taufkandidaten denjenigen der Männer bei
weitem übersteigt. Ins Bad einer nach dem anderen,
zwei Finger, um die Nasenlöcher zu schließen, den
Kopf schnell eintauchen und los geht's aufgeregt als wären
sie frisch verheiratet, auf dem Weg werden sie begrüßt
mit den Glückwünschen auf ein "gutes
christliches Leben". So ist es für die 76- jährige
Gina Perinetti, und auch für die 12- jährige Deborah
von Sansepolcro, die ihren Vater anruft: "Ich bin
glücklich, meinem Schöpfer zu dienen".
Es
ist in dieser Gemeinschaft, wo man sich kennen lernt,
heiratet, Freundschaften aussucht, man spricht hier die
gleiche biblische Sprache. Manchmal aber entscheidet
man sich auszusteigen: in voller Freiheit, versichern
alle Anhänger, die man interviewt hat, hingegen erzählt
jemand, der dies durchgemacht hat: "Es ist ein großes
Drama, es heißt die Verbindung mit der ganzen früheren
Existenz zu brechen, ein schwieriger emotionaler
Weg".
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