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Duane Magnani - Zeugen Jehovas in unserer Nachbarschaft

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Vortrag, 19.5.2001 in Hannover (Projekt B (Beröa))

Guten Abend!

Es macht mir Freude, heute abend vor Ihnen eine Ansprache zu einem Thema zu halten, das mir sehr am Herzen liegt: Jehovas Zeugen.

Wie viele von Ihnen sind schon von Zeugen Jehovas in ihrer Nachbarschaft besucht worden? ... Über die Hälfte von uns, und das bedeutet, die Hälfte von uns wird noch von Zeugen Jehovas besucht werden.

Jehovas Zeugen sind eine der aktivsten religiösen Gruppen auf der Welt. In Deutschland haben sie über viele Jahre ein schnelles Wachstum gehabt, aber jetzt stagnieren sie etwas. Sie sind eine der ältesten, wie wir es nennen: pseudochristlichen Sekten; sie begannen 1879 mit der Zeitschrift Wachtturm. Und die Zeitschrift Wachtturm wird jetzt veröffentlicht ... diese Ausgabe ist in 22.398.000 Exemplaren gedruckt worden. Und sie hat eine Begleitzeitschrift, Erwachet!, die in etwa derselben Auflagenhöhe veröffentlicht wird. Das bedeutet, dass die Zeitschriften Wachtturm und Erwachet! die Zeitschriften mit der größten Auflagenhöhe auf der Welt sind. Und jeder Zeuge Jehovas ist verpflichtet, mehrmals pro Jahr an Ihre Türe zu klopfen. Und wenn das bei Ihnen bisher nicht der Fall war, dann waren Sie wohl gerade nicht zu Hause.

Aber Jehovas Zeugen verbreiten nicht einfach nur Zeitschriften in der Nachbarschaft. Jehovas Zeugen kommen nicht an die Tür, um Spenden zu sammeln. Die Zeugen Jehovas kommen an die Tür, um Sie zu kriegen. Und wenn es heißt, Sie sehen keine Schwierigkeiten mit diesen friedlichen Leuten, die in Ihr Wohngebiet kommen, wo ist da das Problem?

Nun, vor Ihrer Tür lauert eine Gefahr. Jehovas Zeugen im allgemeinen gesehen sind Menschen, die von der Gesamtgesellschaft isoliert sind. Ich habe einige Zeit bei dieser Zusammenkunft damit verbracht, darüber zu sprechen, dass Jehovas Zeugen beispielsweise glauben, das Ende der Welt stehe nahe bevor. Das ist eine große Triebkraft, ein Grund, an unsere Türen zu klopfen, weil das Weltende bald kommt. Und es ist ihnen ein großes Anliegen, dass die Menschen, die sie besuchen, auch Zeugen Jehovas werden, so dass sie überleben können. Jehovas Zeugen sind so sehr damit beschäftigt, an die Türen zu klopfen, dass sie wenig Zeit für viele andere Dinge haben.

Ein Beispiel: In Deutschland besteht für Zeugen Jehovas eine 10% geringere Wahrscheinlichkeit, dass sie das Abitur machen. In Deutschland haben 14% der Bevölkerung einen Universitätsabschluss. Aber nur 5% der Zeugen Jehovas besuchen auch nur eine Universität. Und warum ist das so? Das liegt wiederum daran, dass sie glauben, das Ende stehe bald bevor. Alles dreht sich um das Ende der Welt. Als ehemaliger Zeuge Jehovas war ich bereit, meine Universitätsausbildung aus diesem Grunde abzubrechen.

Wenn sie nun denken, dass dieser Glaube bei Jehovas Zeugen so radikal und so befremdend ist -- wie bekommen sie die Leute dazu, sich ihnen anzuschließen? Weil viele Menschen einsam sind, weil viele Menschen Freunde haben möchten, weil viele Menschen Gemeinschaft in einer Gruppe haben möchten. Und Jehovas Zeugen erfüllen diese Bedürfnisse. Viele Menschen sind auch an geistigen Dingen interessiert, und Jehovas Zeugen führen mit ihnen ein kostenloses Heimbibelstudium durch. Aber das kostenlose Heimbibelstudium wird Sie eine Menge kosten! Es wird Sie Ihre Zeit kosten, vielleicht ist der Preis Ihre Familie, es mag zu einer Scheidung kommen, es mag Sie Ihre Kinder kosten, weil die keine Zeugen Jehovas werden möchten, es mag Sie Ihren Arbeitsplatz kosten. Und wenn Sie an Christus glauben, mag es Sie um das Leben bringen. Warum? Weil sie den falschen Christus haben.

Das Wichtigste an Jehovas Zeugen ist, dass sie glauben, sie würden einer Autorität folgen, die von Gott stammt -- einer Organisation mit Sitz in Brooklyn, New York, die den Anspruch erhebt, sie allein spreche für Gott. Im Grunde genommen behauptet die Wachtturm-Organisation, Engel würden ihr Informationen übergeben, die sie dann den Zeugen Jehovas weitergeben kann. Wenn das jemand glaubt, warum sollte er dann eine eigenständige Meinung vorbringen? Das ist es an den Zeugen Jehovas: Sie denken nicht eigenständig!

Für Christen ist die geistliche Autorität die Bibel. Und das Wichtigste beim Christentum ist, dass Jesus Christus der Herr ist. Wie der Apostel Thomas zu Jesus Christus selber sagte: "Mein Herr und mein Gott!" Jesus ist der Grundstein des Christentums, er ist der Fels. Für uns als Christen ist das der Ursprung unserer Gewissheit. Aber für Jehovas Zeugen ist der Fels die Wachtturm Bibel- und Traktat-Gesellschaft. Und Jehovas Zeugen unterwerfen sich dieser Organisation völlig. Und wenn sie in der Zeitschrift Wachtturm lesen, dann heißt das für sie, dass sie Gottes Wort lesen, seine eigene Stimme.

Die Zeugen Jehovas glauben, dass es auf der Erde eine Klasse eines "treuen und verständigen Sklaven" gibt. Für die, die mit Zeugen Jehovas reden möchten, um ihnen zu helfen, gebe ich ein Beispiel:

Ich glaube, der größte Feind der Zeugen Jehovas außerhalb des Evangeliums ist ihre eigene Geschichte. Da die Hauptlehre der Zeugen Jehovas die von der "Klasse des treuen und verständigen Sklaven" ist, ist es für jemanden, der einem Zeugen Jehovas helfen möchte, aus seiner Gemeinschaft herauszukommen, hilfreich, etwas über diesen "treuen und verständigen Sklaven" zu wissen. Sie nennen ihn auch den "klugen und treuen Knecht". Darüber will ich Ihnen etwas erzählen.

Sie glauben, dass am Beginn des Christentums die Apostel die ersten Glieder dieser Klasse des "treuen und verständigen Sklaven" waren. Und in den vergangenen zweitausend Jahren hat es 144.000 Glieder dieser besonderen Klasse des "treuen und verständigen Sklaven" gegeben. Und das sind besondere Zeugen Jehovas. Sie erhalten Einsichten von Gott. Von ihnen gibt es heute nur noch etwa 9.000 Glieder auf der Erde. Und wenn man bedenkt, dass es sechseinhalb Millionen Zeugen Jehovas gibt, dann ist das eine sehr kleine Anzahl. Die Glieder der leitenden Körperschaft in Brooklyn, New, York, die die Macht über Jehovas Zeugen innehaben, sind Mitglieder dieser besonderen Klasse. Ohne diese Klasse des "treuen und verständigen Sklaven" gäbe es keine geistliche Autorität über Jehovas Zeugen.

Der erste Zeuge Jehovas der Neuzeit war Charles Taze Russell. Er war es, der die Zeitschrift Wachtturm ins Leben gerufen hat. Das war im Jahre 1879. Die neuzeitlichen Zeugen Jehovas haben ein Buch über ihre Geschichte geschrieben. In diesem Geschichtsbuch wird der Anspruch erhoben, Charles Taze Russell sei ein Glied dieser Klasse des "treuen und verständigen Sklaven" gewesen. Es stimmt, zu Beginn des Erscheinens der Zeitschrift Wachtturm hat Herr Russell behauptet, ein Glied dieser Klasse zu sein. Aber er wurde zum alleinigen Verfasser aller Artikel in der Zeitschrift. Und er kam zu der Überzeugung, er sei das einzige Glied ... er sei der einzige "treue und verständige Sklave". Mit anderen Worten: Er begann zu lehren, der "treue und verständige Sklave" sei keine Klasse, sondern eine Einzelperson, nämlich er selbst. Und so wurde er auch von allen Zeugen Jehovas ... (die sich damals Bibelforscher nannten), angesehen.

Wie kann uns dieses Wissen helfen, Jehovas Zeugen zu helfen?

Weil nun die heutige Organisation behauptet, Herr Russell sei nur ein Glied dieser Klasse gewesen, und als er starb, seien viele Glieder da gewesen, die sein Werk fortführen konnten -- wenn das also eine ganze Klasse ist, könnten sie weiterhin ihre geistliche Autorität ausüben, denn egal wer stirbt, es sind immer noch Glieder übrig. Wenn das aber eine Einzelperson war und er starb, dann gibt es keine geistliche Autorität mehr. Um also weiterhin Kontrolle über die Leute auszuüben, beschloss die Wachtturm-Organisation, diese Vorstellung von einer Klasse zu schaffen. Mit anderen Worten: Die Wachtturm-Organisation lügt, was ihre Geschichte angeht. Da Jehovas Zeugen diese Lehre als die wichtigste von allen ansehen, was haben Sie ihnen bewiesen, wenn Sie ihnen zeigen können, dass die frühen Zeitschriften sagen, Herr Russell sei dieser Sklave gewesen? Sie beweisen ihnen, dass sie in Bezug auf ihre Geschichte lügen. Jeder Zeuge Jehovas weiß, dass Gott keinen Lügner dazu benutzt, geistliche Autorität auszuüben. Und die geistliche Autorität starb im Jahre 1916. Damals starb nämlich Charles Taze Russell. Wie kann es also heute Lehren geben, die sich seit den Tagen von Charles Taze Russell geändert haben? Wenn es heute keine geistliche Autorität über Jehovas Zeugen gibt, wenn es die Klasse des "treuen und verständigen Sklaven" in Wirklichkeit gar nicht gibt, dann gibt es keinen Grund, dass die Zeitschrift Wachtturm weiterhin besteht. Dann gibt es keinen Grund, warum Jehovas Zeugen an unsere Türen klopfen sollten.

Jeder Zeuge Jehovas, der sich diese historischen Tatsachen besieht, wird, wenn er aufrichtig ist, bald ein Ex-Zeuge Jehovas sein. Es ist auch nicht notwendig, dass sich Menschen darüber Gedanken machen, wann Harmagedon kommt. Im Jahre 1975 haben eine dreiviertel Million Menschen die Zeugen Jehovas verlassen. Ich sollte mich korrigieren. Ich sollte sagen: Bis 1979 haben eine dreiviertel Million Menschen die Zeugen Jehovas verlassen, und zwar wegen der falschen Prophezeiung, dass das Ende im Jahre 1975 kommen sollte.

Ich hatte die Gelegenheit, mit Frederick Franz zu reden. Frederick Franz war Präsident der Wachtturm Bibel- und Traktat-Gesellschaft. Ich habe mit ihm nur ein paar Minuten lang über den Fehlschlag der Prophezeiung in Bezug auf das Jahr 1975 geredet. Ich hatte die Gelegenheit, ihn daran zu erinnern, der Grund dafür, dass die Leute das glaubten, sei der gewesen, dass der Wachtturm das gelehrt hat. Es war merkwürdig: Wir sprachen zwanzig Minuten lang miteinander am Telefon, um am Ende des Gespräches hat er sich gefragt, warum er eigentlich so lange mit mir geredet hatte. Aber ich kann Ihnen versichern: Es gab viele wie mich, die mit ihm geredet haben. Im Juli 1979 hat die Wachtturm-Organisation bei Bezirkskongressen zum erstenmal bekannt gegeben, dass sie selbst dafür verantwortlich war, dass Jehovas Zeugen dieser Prophezeiung geglaubt haben. Und im März 1980 gab der Wachtturm zu, dass er dafür verantwortlich war. Aber das geschah wiederum erst, nachdem Hunderttausende Menschen jede Hoffnung bezüglich der Organisation aufgegeben hatten.

Ich möchte gerne vorlesen, was Jesus über die Wachtturm-Organisation verkündet hat. Er sagt in Matthäus 7:15: "Nehmt euch vor den falschen Propheten in acht, die in Schafskleidern zu euch kommen, inwendig aber sind sie raubgierige Wölfe." Als ich als Zeuge Jehovas an die Türen klopfte, wurde auch ich so von Jesus Christus beschrieben. Wie ich bei dieser Zusammenkunft bereits erwähnte, besteht eine Gefahr, dass Jehovas Zeugen zu Ihnen kommen, darin, dass sie Familien in der Umgebung zerstören.

Dafür möchte ich, wenn ich kann, ein Beispiel, wie Familien zerstört werden, geben, das aus dem Leben gegriffen ist. Es geht um ein kleines Mädchen mit Namen Leta, das elf Jahre alt war. Ihre Eltern hatten sich getrennt. Ihr Vater wollte kein Zeuge Jehovas sein, und ihre Mutter war eine. Es ging da um einen Sorgerechtsprozess. Leta glaubte, dass sie allein bei ihrer Mutter sicher war, denn Leta war völlig überzeugt, dass das Ende der Welt bald käme. Um bei ihrer Mutter leben zu können, beschuldigte Leta ihren Vater nun, er habe sie körperlich misshandelt. Daher sprach das Gericht Leta der Mutter zu. Doch Leta machte sich aus der Sache ein Gewissen und beschloss, dem Gericht zu erzählen, sie habe gelogen. So wurde Leta nun dem Vater zugesprochen. Der Richter war so wütend auf die Mutter, die Zeugin Jehovas, dass er sagte, Jehova werde ihre Handlungsweise wohl nicht gut finden.

Jetzt möchte ich Ihnen etwas vorlesen, um Ihnen ein Bild davon zu vermitteln, was im Kopf des kleinen Mädchens vorging. Es ist ein Brief, den Leta an ihre Mutter schrieb. Sie sagt:

"Liebe Mammi, ich hab dich lieb. Du fehlst mir so sehr." Und dann sagt sie im Brief weiter: "Mammi, ich habe Halloween gefeiert." [Einwurf des Simultanübersetzers: Ich muss ihnen grob schildern, was Halloween ist, weil wir das nicht haben. Wir sind keine Heiden. ... Halloween ist ein Fest an einem Tag, wo sich die Kinder verkleiden und gehen von Haus zu Haus und kriegen kleine Geschenke. Es ist etwa wie Karneval an einem Tag, in einer Weise. Es ist das Allerheiligenfest ... oder Allerseelen eigentlich, Ende Oktober. Und das wird überall in Amerika gemacht, aber nicht von den Zeugen Jehovas. Das ist für die eine Sünde, und das bekennt sie.] Der Vater, der kein Zeuge Jehovas war, beging natürlich alle Arten von Feiertagen. Während der Zeit, die Leta beim Vater war, wollte dieser, dass sie mit ihm zusammen die Feiertage beging. Aber Leta schreibt ihrer Mutter weiter:

"Ich habe solche Angst, dass du mich nun nicht bekommst. Ich möchte, dass mir Jehova noch eine Chance gibt, so dass ich das kann. Ich habe solche Angst, dass Jehova mich nicht mehr liebt. Was soll ich tun? Ich habe lange zu Jehova gebetet. Mammi, ich weiß, dass du mir vertraut hast. Es tut mir so leid. Ich weiß, dass du von mir enttäuscht bist. Ich bin auch von mir selber enttäuscht. Mammi, bitte, vergib mir. Es tut mir leid. Ich habe das Gefühl, dass ich dich nicht einmal sehen kann, weil ich meine, ein Verbrechen begangen zu haben. Und das habe ich auch. Ich mache mir schreckliche Gewissensbisse."

Und dann redet sie von zwei ihrer Freundinnen. "Du weißt, dass sich Darby und Doyenne nicht so ein Gewissen haben wie ich. Mammi, bitte hab mich lieb. Kann ich noch einmal von vorne wie ein Neugeborenes anfangen? Dass wir das vergessen, was ich getan habe? Mamma, ich habe solche Angst! Möchtest du wissen, wie es passierte? Nun, ich wollte es Papa gleich nach der Schule erzählen, aber er war nicht da. Und da habe ich es nicht getan. Ich weiß, dass es keine Entschuldigung gibt. Ich weiß, dass das dumm von mir war. Aber bitte, vergib mir." Und das alles nur, weil sie einen Feiertag begangen hatte.

Ich habe einen Antwortbrief ihrer Mutter an sie. Und für mich als einem ehemaligen Zeugen Jehovas fasst dieser Brief zusammen, wie eine Mutter ihr Kind in dieser Situation behandeln würde. Sie schreibt der kleinen Leta:

"In deinem Brief hast du gesagt, du fühltest dich manchmal, als solltest du aufgeben. Ich kann verstehen, wie du dich fühlst. Die paradiesische Erde wird bald Wirklichkeit werden, Kleines. Verlier nicht den Glauben." So hat die Mutter Leta verständlich machen wollen, dass Leta zu Recht Angst hatte. Aber wenn sie an ihrem Glauben als Zeugin Jehovas festhalten würde, dann könnte sie vielleicht das Ende der Welt überleben und mit ihrer Mutter im Paradies sein.

Ich habe dies so oft gesehen, dass ich die Zahl nicht mehr weiß. Das ist für mich die größte Tragödie bei den Zeugen Jehovas.

Aber manchmal gibt es auch Gutes zu berichten. Ich möchte Ihnen schnell von Christine und ihren Kindern erzählen. Christine war eine ehemalige Zeugin Jehovas. Sie hatte zwei Kinder, ein Mädchen und einen Jungen, Stephanie und Matthew. Sie waren neun und elf Jahre alt. Und sie ging von Jehovas Zeugen weg, aber ihre Kinder wollten nicht gehen. Das hatten sie schließlich schon immer geglaubt, und sie konnten nicht verstehen, warum Mammi keine Zeugin Jehovas mehr sein wollte. Daher brachte Christine ihre Kinder zu uns. Wir hatten ein Video, "Jehovas Zeugen -- eine gemeinnützige [oder "nicht prophetische"; im Englischen klingt non-profit ähnlich wie non-prophet, und Magnani macht daraus ein Wortspiel; der Übers.] Organisation". Das Video zeigte die ganze Geschichte der Zeugen Jehovas von den Tagen Charles Taze Russells bis heute. Das war recht dramatisch. Es war ein 45-minütiges Video, und die Kinder haben es sich zweieinhalb Stunden lang angesehen. Zuerst wollten sie es nicht sehen, aber dann haben sie es alle paar Minuten angehalten und Fragen gestellt. Sie waren sehr interessiert, besonders an den Terminen für Harmagedon. Tatsächlich hat der kleine Matthew einen Freund angerufen und ihm erzählt, wie viele Male das Ende der Welt vorhergesagt war. Nun, nach dem Video wollte keines der beiden Kinder mehr ein Zeuge Jehovas sein. Matthew beschrieb auf folgende Weise, wie es ist, ein Zeuge Jehovas zu sein. Er hat gesagt: "Ich war in ein Glas gesteckt und meine Arme waren ganz verkrampft. Jetzt bin ich aus dem Glas heraus und kann wieder meine Arme bewegen." Und er sagte: "Ich möchte Pfadfinder werden." Stephanie sagte: "Ich möchte eine Geburtstagsfeier haben." Ihr größtes Problem war allerdings, dass sie nicht wusste, was sie bei der Geburtstagsfeier anziehen sollte. "Mama, soll ich da einen Rock anziehen, oder was sonst?" Und so kamen die Kinder aus der Situation, sich Sorgen um das Ende der Welt zu machen, in eine andere Situation, wo sie sich Sorgen machten, was sie bei einer Geburtstagsfeier anziehen sollten. Drei Tage, nachdem sie sich das Video angesehen hatten, kamen die Kinder mit einem vom Gericht bestellten Berater zusammen. Und was glauben Sie, bei welchem Elternteil sie leben wollten? Christine war jedenfalls sehr erfreut.

Wie können wir Menschen vor Zeugen Jehovas in der Umgebung schützen? Es gibt mehrere Möglichkeiten; eine davon ist ganz einfach: Es gibt Aufkleber, auf denen steht: Bitte keine Besuche von Zeugen Jehovas. Den Zeugen Jehovas hat man in ihrer Literatur gesagt, sie sollten die Wünsche des Wohnungsinhabers respektieren. Man kann ja nicht direkter werden, als einen Aufkleber an der Tür oder am Türpfosten zu haben, auf dem es heißt: Bitte keine Besuche von Zeugen Jehovas. Natürlich heißt es da: Bitte!

Viele Menschen in Ihrer Umgebung sind sich der Gefahren, über die wir hier gesprochen haben, nicht bewusst. Wie wäre es dann mit einem einfachen Traktat: Gefahr an Ihrer Tür!, mit Fragen und Antworten darüber, wie Jehovas Zeugen leben? Für Pfennige nur können Sie Ihre Nachbarschaft schützen. Das bedeutet: Mit jedem Aufkleber werden mehrere Menschen vor Jehovas Zeugen geschützt. Das ist etwas, das Sie tun können, um Ihre Nachbarschaft zu schützen. Die Wachtturm-Organisation war so sehr wegen dieser Aufkleber besorgt, dass sie sogar Artikel gegen sie in ihrer Literatur hatte. Als wir damit begannen, die kleinen Aufkleber herzustellen, bin ich selbst durch die Nachbarschaft gelaufen, um zu sehen, ob die Leute sie haben wollten. Sie wollten sie nicht nur, einige haben sie mir direkt aus den Händen gerissen. Und manche nahmen mehr als einen Aufkleber, damit sie auch ihre Verwandten vor Jehovas Zeugen schützen konnten. Doch die meisten Menschen denken nicht daran, ihre Familie zu schützen; die meisten Menschen wollen einfach nur in Ruhe gelassen werden. Und da funktionieren die Aufkleber auch.

Jetzt möchte ich mit Ihnen über etwas reden, das umstritten ist. In, ab heute gerechnet, etwa einem Monat wird es eine internationale Nachricht geben, mit der jeder in diesem Raum vertraut ist. In den Vereinigten Staaten gibt es eine große Nachrichtensendung mit Namen "Dateline". Und in diesem Programm wird die Wachtturm Bibel- und Traktat-Gesellschaft bloßgestellt werden. Sie wird als jemand entlarvt, der Pädophilen Schutz bietet. Wenn ich am Montag wieder in die Vereinigten Staaten zurückfliege, werde ich eine Konferenz leiten. Einer der Hauptredner bei dieser Konferenz wird William Bowen sein. Herr Bowen ist ein Zeuge Jehovas. Er geht zu den Zusammenkünften, er geht jetzt noch in den Königreichssaal. Und er hat eine Website. Wenn Sie sich die Adresse aufschreiben wollen: Sie werden sie sehr interessant finden. Die Adresse ist: www.silentlambs. Ich werde jetzt einen Brief vorlesen, den er an die Presse geschrieben hat. Sie werden dann schon erkennen, warum er sich so große Sorgen macht. Er sagt:

"Ich schreibe Ihnen, um ein Thema anzusprechen, das den religiösen Glauben überschreitet und eine Wirklichkeit offenbart, die jeden Tag Tausende von Kindern betrifft. Ich war über zwanzig Jahre lang als christlicher Diener tätig. Ich kann den Mitgliedern meiner Kirche jedoch nicht weiter dienen, da ich nicht mit einer Kirchenpolitik einverstanden bin, die durchzusetzen ich als Ältester gezwungen bin. Diese Politik hat meiner Meinung nach Tausenden Schaden zugefügt, lässt viele ohne Schutz und bietet direkt Kriminellen Zuflucht.

Ich meine damit die Kirchenpolitik, Informationen über Pädophile, die Mitglieder sind, vertraulich zu halten. Diese Pädophilen werden durch einen Kodex des Schweigens geschützt, wo selbst unmittelbare Angehörige nicht informiert werden dürfen und in vielen Fällen beschuldigte Pädophile in verantwortlichen Stellungen in der Kirche bleiben, während ihre Opfer schweigend leiden oder Sanktionen erwarten können. Diese Politik ist meiner Meinung nach unethisch und unmoralisch und in vielen Bundesstaaten ungesetzlich.

Diese Politik wurde im Wachtturm, einer Publikation meiner Religion, der Zeugen Jehovas, erklärt. Der Wachtturm, der zehnmillionenfach veröffentlicht und in über 139 Sprachen auf der ganzen Welt verbreitet wird, sagte in der Ausgabe vom 1. November 1995, Seiten 28-29, mit Bezug darauf, wie Kirchenfunktionäre mit sexueller Belästigung umgehen sollten:

Wird die Beschuldigung zurückgewiesen, sollten die Ältesten dem Ankläger erklären, dass rechtlich nichts weiter unternommen werden kann. Und die Versammlung wird den Beschuldigten weiterhin als unschuldig betrachten. Gemäß der Bibel müssen zwei oder drei Zeugen vorhanden sein, damit rechtliche Schritte unternommen werden können."

Hier will ich einen Augenblick halt machen. Stellen Sie sich eine Situation vor, wo Ihr Kind zu Ihnen kommt und sagt, jemand habe es sexuell belästigt. Sie gehen nun also mit dieser Anschuldigung ihres kleinen Mädchens oder Jungen zu den Zeugen-Jehovas-Ältesten, und die Ältesten fragen Sie: Wie viele Personen waren da als Zeugen zugegen? Und Sie sagen: Mein kleine Tochter, mein kleiner Sohn wurde von dem Mann vergewaltigt! Und die Ältesten sagen: Keiner sonst dabei, oder? Und die Ältesten sagen: Nun, wir brauchen wenigstens zwei oder drei Personen, die das gesehen haben. Und dann sagen sie: Nun, dann gehen wir jetzt zu dem guten Mann und sehen, ob er zugibt, dein Kind vergewaltigt zu haben. Und sie gehen zu dem Mann, und er sagt: Ich habe nichts getan. Und die Ältesten werfen die Hände in die Luft und sagen: Dann können wir nichts unternehmen. Und Sie sagen: Würdet ihr dann wenigstens die Polizei informieren? Und die Ältesten sagen: Wir glauben, dass er unschuldig ist, solange nicht einige Leute die Vergewaltigung gesehen haben. Jetzt geht das Zitat weiter:

"Selbst wenn sich mehr als eine Person an einen Missbrauch durch dieselbe Person erinnert, ist die Natur dieser Erinnerungen doch zu ungewiss, um ohne weitere belastende Beweise rechtliche Entscheidungen darauf zu stützen."

Dann heißt es in der Zeitschrift weiter:

"Das bedeutet nicht, dass solche Erinnerungen als falsch (oder als wahr) betrachtet werden. Aber bei einem Rechtsfall muss man sich an die biblischen Grundsätze halten."

Mit anderen Worten, und das will ich jetzt kommentieren: In vielen Fällen, wo Kinder sexuell belästigt werden, hat das Kind ein enormes Scham- und Schuldgefühl. Das Kind ist von diesem Erwachsenen, der da diese schrecklichen Dinge mit ihm angestellt hat, überwältigt. Und Psychologen und Psychiater sagen uns, dass diese Kinder durchs Leben gehen, indem sie diese Dinge verdrängen. Das heißt natürlich nicht, dass jedes Kind die Wahrheit sagt. Aber in vielen Fällen sagen sie die Wahrheit. Wir kommen auf den Artikel zurück. Es heißt da:

"Demgemäß ist einzige Weg, dass jemand innerhalb der Wachtturm-Organisation von den Kirchenführern des Kindesmissbrauchs überführt werden kann, ein Geständnis oder eine Aussage zweier Zeugen, die bei dem Verbrechen zugegen waren. Wenn ein Pädophiler die Beschuldigung abstreitet, dann wird er von den Kirchenoberen geschützt."

Hier will ich wieder eine Pause machen und folgendes sagen: Wenn die Ältesten einmal die Entscheidung getroffen haben, dass der Pädophile unschuldig ist, dann müssen sich das Kind oder seine Eltern still verhalten. Und der Grund dafür? Das wird hier gesagt. Der Brief geht weiter:

"Die Kirche fordert dann von dem Opfer, sich ruhig zu verhalten, wenn es nicht wegen Verleumdung eines Unschuldigen geächtet werden will."

Hier fügt Herr Bowen einen Kommentar ein -- und behalten Sie im Sinn, dass dieser Mann schon seit über vierzig Jahren ein Zeuge Jehovas ist und seit über zwanzig Jahren Ältester und der Führer der Ortsversammlung war. Er sagt:

"Ich selbst glaube, dass ich niemandem innerhalb der Wachtturm-Organisation in Bezug auf meine Kinder trauen kann. Sollten meine Kinder einen Pädophilen der sexuellen Belästigung beschuldigen, brauchte er die Sache nur abzustreiten, und ich als Vater würde mit der Drohung des Gemeinschaftsentzuges zum Schweigen gebracht, sollte ich versuchen, etwas zu sagen, um andere vor einem Schaden zu warnen und zu schützen."

Um Zeit zu sparen, werde ich den Rest nur noch zusammenfassen. Zuerst: Es ist fast unmöglich, Beweise für eine sexuelle Belästigung von Kindern zu erhalten, wenn dafür Zeugen vorgebracht werden müssen. Ein Durchschnittspädophiler wird in seinem Leben wenigstens siebzig Kinder belästigen, ehe er überführt wird. Tatsächlich werden die meisten Pädophilen nie erwischt. Und von wie vielen Pädophilen haben Sie gehört, die freiwillig zugaben, dass sie pädophil sind? Das Problem ist: Die Zeugen Jehovas, die Eltern sind, wissen nicht, wer in der Versammlung pädophil ist, weil diese durch die Politik der Wachtturm-Organisation geschützt werden. So wird die Organisation wirklich zu einem Paradies, zu einer Zuflucht für Pädophile.

Wie kann es nun angehen, dass Herr Bowen als Zeuge Jehovas an die Medien schreiben und ein Zeuge Jehovas bleiben konnte? Wie konnte er eine Website im Internet haben und ein Zeuge Jehovas bleiben? Ich werde es Ihnen sagen. Die Wachtturm-Organisation steht vor einer Krise, wie sie sie noch nie durchgemacht hat. Wenn sie Herrn Bowen loswerden will und ihn ausschließt, sieht das so aus, als wolle sie ihn zum Schweigen bringen. Andererseits: Wenn sie ihn weiterhin die Dinge sagen lässt, die er jetzt sagt, was werden dann andere Zeugen Jehovas denken? Erinnern Sie sich: Ich habe eine Menge Zeit heute abend damit verbracht, zu erklären, dass Jehovas Zeugen immer den Wachtturm-Aussagen zustimmen müssen. Es gibt bei Jehovas Zeugen kein eigenständiges Denken. Und das, meine Freunde, ist eigenständiges Denken. Das ist das, was die ganze Organisation vernichten kann, wenn sie das zulässt. Wenn Herr Bowen also nächste Woche bei unserer Konferenz zu uns spricht, werden wir wirklich sehr erfreut sein, weil ein Zeuge Jehovas zu uns spricht. Das ist noch nie vorgekommen. Wir werden da etwas sehen, auf das wir nicht vorbereitet sind.

Ich führe diese Arbeit jetzt seit über einem Vierteljahrhundert durch. Ich habe noch nie eine solche Gefahr wie diese für die Sekte gesehen. Stellen Sie sich einmal Leute vor, die Sie anwidern. Stände auf einer solchen Liste ein Pädophiler nicht weit oben? Stellen sie sich vor, nachdem die Nachrichtensendung "Dateline" international herausgekommen sein wird: Sie sind ein männlicher Zeuge Jehovas, und als ein solcher klopfen Sie an Türen. Wie viele Menschen werden jetzt die Tür für Sie öffnen? Aber angenommen, Sie sind eine Frau, eine Zeugin Jehovas. Wie viele Leute werden da Achtung vor Ihnen haben? Diese Frage ist für die Zeugen Jehovas verheerend.

Ich habe gehört, dass die Regierung in Deutschland Jehovas Zeugen unter dem Blickwinkel als ehemalige Verfolgte ansieht. Wegen des Holocausts. Stimmt das? Daher gibt es eine Menge Wohlwollen gegenüber Jehovas Zeugen. Wie kann man das nun ändern? Wenn die Wachtturm-Gesellschaft jetzt als Schutzorganisation für Pädophile angesehen wird, dann glaube ich, dass Richter, die ja auch nur Menschen sind, und Kinderschutzbünde, Rechtsanwälte, die sich der Sicherheit der Kinder annehmen, und Personen, die in Sorgerechtsfällen Entscheidungen zu treffen haben, wohl anfangen könnten, Jehovas Zeugen in einem anderen Licht zu sehen. Da gibt es dann hoffentlich noch mehr Aufkleber. Ich glaube, der einzige Unterschied bei den Aufklebern in Deutschland wird sein, dass da zwar steht: "Keine Besuche von Zeugen Jehovas", aber ohne "bitte". Das Bild auf dieser Broschüre "Zeugen Jehovas in der Nachbarschaft" wird die Allgemeinheit nicht respektieren.

Ich habe noch eine gute Nachricht: Jehovas Zeugen verlieren Anhänger, und in Deutschland werden sie müde. Auch in den Vereinigten Staaten. Aber ich denke, da die Zeugen Jehovas kein Datum mehr haben, auf das sie warten können, und weil ihre Organisation sich sehr damit befasst, wie die Regierungen sie behandeln, beginnt sie die Bereitschaft zu zeigen, Kompromisse zu schließen. Ich sehe das in den Vereinigten Staaten bei Gerichtsfällen. Und ich nehme an, das wird sich im Verlaufe des Jahrzehnts immer mehr beschleunigen. Wenn ich recht habe und das Thema Pädophile zum großen Thema wird, dann können wir erwarten, dass die Zeugen Jehovas drastische Verluste bei ihrer Anhängerschaft werden hinnehmen müssen. Es werden wieder nur die wirklich Treuen übrig bleiben. Und das ist schon immer die Minderheit bei Jehovas Zeugen gewesen. Diejenigen von Ihnen, die Christen sind, und die dafür beten wollen, denen will ich sagen: Betet besonders in den nächsten Wochen, ehe die Sendung "Dateline" gelaufen ist.

Es hat mir Freude gemacht mit Ihnen diese zwei Tage zusammen gewesen zu sein und Ihnen diesen Stoff mitzuteilen. Am meisten war ich über die vielen Kommentare der Anwesenden erfreut, und sie haben mich ermutigt. Es ist immer ermutigend, Personen wie Jutta Birlenberg zu sehen, die sich dem verschrieben haben, Jehovas Zeugen zu helfen. Und ich danke Ihnen, dass ich hier war. Es ist ein wirkliches Vorrecht und eine Freude, und ich habe manchen guten Freund gewonnen. Wir haben da ein paar Kataloge und weiteres Material über unseren Dienst, an denen einige von Ihnen vielleicht interessiert sind. Ich denke nach wie vor, der größte Feind der Zeugen Jehovas ist ihre eigene Literatur. Und ein bisschen Information in Ihren Händen kann einer Menge Menschen helfen. Nochmals vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

Copyright der Übersetzung: Kids e.V., Leverkusen

 

Update: 

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