Duane Magnani -
Zeugen Jehovas in unserer Nachbarschaft
Vortrag, 19.5.2001 in
Hannover (Projekt B (Beröa))
Guten Abend!
Es macht mir Freude,
heute abend vor Ihnen eine Ansprache zu einem Thema zu halten, das
mir sehr am Herzen liegt: Jehovas Zeugen.
Wie viele von Ihnen
sind schon von Zeugen Jehovas in ihrer Nachbarschaft besucht worden?
... Über die Hälfte von uns, und das bedeutet, die Hälfte von uns
wird noch von Zeugen Jehovas besucht werden.
Jehovas Zeugen sind
eine der aktivsten religiösen Gruppen auf der Welt. In Deutschland
haben sie über viele Jahre ein schnelles Wachstum gehabt, aber
jetzt stagnieren sie etwas. Sie sind eine der ältesten, wie wir es
nennen: pseudochristlichen Sekten; sie begannen 1879 mit der
Zeitschrift Wachtturm. Und die Zeitschrift Wachtturm wird jetzt veröffentlicht
... diese Ausgabe ist in 22.398.000 Exemplaren gedruckt worden. Und
sie hat eine Begleitzeitschrift, Erwachet!, die in etwa derselben
Auflagenhöhe veröffentlicht wird. Das bedeutet, dass die
Zeitschriften Wachtturm und Erwachet! die Zeitschriften mit der größten
Auflagenhöhe auf der Welt sind. Und jeder Zeuge Jehovas ist
verpflichtet, mehrmals pro Jahr an Ihre Türe zu klopfen. Und wenn
das bei Ihnen bisher nicht der Fall war, dann waren Sie wohl gerade
nicht zu Hause.
Aber Jehovas Zeugen
verbreiten nicht einfach nur Zeitschriften in der Nachbarschaft.
Jehovas Zeugen kommen nicht an die Tür, um Spenden zu sammeln. Die
Zeugen Jehovas kommen an die Tür, um Sie zu kriegen. Und wenn es
heißt, Sie sehen keine Schwierigkeiten mit diesen friedlichen
Leuten, die in Ihr Wohngebiet kommen, wo ist da das Problem?
Nun, vor Ihrer Tür
lauert eine Gefahr. Jehovas Zeugen im allgemeinen gesehen sind
Menschen, die von der Gesamtgesellschaft isoliert sind. Ich habe
einige Zeit bei dieser Zusammenkunft damit verbracht, darüber zu
sprechen, dass Jehovas Zeugen beispielsweise glauben, das Ende der
Welt stehe nahe bevor. Das ist eine große Triebkraft, ein Grund, an
unsere Türen zu klopfen, weil das Weltende bald kommt. Und es ist
ihnen ein großes Anliegen, dass die Menschen, die sie besuchen,
auch Zeugen Jehovas werden, so dass sie überleben können. Jehovas
Zeugen sind so sehr damit beschäftigt, an die Türen zu klopfen,
dass sie wenig Zeit für viele andere Dinge haben.
Ein Beispiel: In
Deutschland besteht für Zeugen Jehovas eine 10% geringere
Wahrscheinlichkeit, dass sie das Abitur machen. In Deutschland haben
14% der Bevölkerung einen Universitätsabschluss. Aber nur 5% der
Zeugen Jehovas besuchen auch nur eine Universität. Und warum ist
das so? Das liegt wiederum daran, dass sie glauben, das Ende stehe
bald bevor. Alles dreht sich um das Ende der Welt. Als ehemaliger
Zeuge Jehovas war ich bereit, meine Universitätsausbildung aus
diesem Grunde abzubrechen.
Wenn sie nun denken,
dass dieser Glaube bei Jehovas Zeugen so radikal und so befremdend
ist -- wie bekommen sie die Leute dazu, sich ihnen anzuschließen?
Weil viele Menschen einsam sind, weil viele Menschen Freunde haben möchten,
weil viele Menschen Gemeinschaft in einer Gruppe haben möchten. Und
Jehovas Zeugen erfüllen diese Bedürfnisse. Viele Menschen sind
auch an geistigen Dingen interessiert, und Jehovas Zeugen führen
mit ihnen ein kostenloses Heimbibelstudium durch. Aber das
kostenlose Heimbibelstudium wird Sie eine Menge kosten! Es wird Sie
Ihre Zeit kosten, vielleicht ist der Preis Ihre Familie, es mag zu
einer Scheidung kommen, es mag Sie Ihre Kinder kosten, weil die
keine Zeugen Jehovas werden möchten, es mag Sie Ihren Arbeitsplatz
kosten. Und wenn Sie an Christus glauben, mag es Sie um das Leben
bringen. Warum? Weil sie den falschen Christus haben.
Das Wichtigste an
Jehovas Zeugen ist, dass sie glauben, sie würden einer Autorität
folgen, die von Gott stammt -- einer Organisation mit Sitz in
Brooklyn, New York, die den Anspruch erhebt, sie allein spreche für
Gott. Im Grunde genommen behauptet die Wachtturm-Organisation, Engel
würden ihr Informationen übergeben, die sie dann den Zeugen
Jehovas weitergeben kann. Wenn das jemand glaubt, warum sollte er
dann eine eigenständige Meinung vorbringen? Das ist es an den
Zeugen Jehovas: Sie denken nicht eigenständig!
Für Christen ist die
geistliche Autorität die Bibel. Und das Wichtigste beim Christentum
ist, dass Jesus Christus der Herr ist. Wie der Apostel Thomas zu
Jesus Christus selber sagte: "Mein Herr und mein Gott!"
Jesus ist der Grundstein des Christentums, er ist der Fels. Für uns
als Christen ist das der Ursprung unserer Gewissheit. Aber für
Jehovas Zeugen ist der Fels die Wachtturm Bibel- und
Traktat-Gesellschaft. Und Jehovas Zeugen unterwerfen sich dieser
Organisation völlig. Und wenn sie in der Zeitschrift Wachtturm
lesen, dann heißt das für sie, dass sie Gottes Wort lesen, seine
eigene Stimme.
Die Zeugen Jehovas
glauben, dass es auf der Erde eine Klasse eines "treuen und
verständigen Sklaven" gibt. Für die, die mit Zeugen Jehovas
reden möchten, um ihnen zu helfen, gebe ich ein Beispiel:
Ich glaube, der größte
Feind der Zeugen Jehovas außerhalb des Evangeliums ist ihre eigene
Geschichte. Da die Hauptlehre der Zeugen Jehovas die von der
"Klasse des treuen und verständigen Sklaven" ist, ist es
für jemanden, der einem Zeugen Jehovas helfen möchte, aus seiner
Gemeinschaft herauszukommen, hilfreich, etwas über diesen
"treuen und verständigen Sklaven" zu wissen. Sie nennen
ihn auch den "klugen und treuen Knecht". Darüber will ich
Ihnen etwas erzählen.
Sie glauben, dass am
Beginn des Christentums die Apostel die ersten Glieder dieser Klasse
des "treuen und verständigen Sklaven" waren. Und in den
vergangenen zweitausend Jahren hat es 144.000 Glieder dieser
besonderen Klasse des "treuen und verständigen Sklaven"
gegeben. Und das sind besondere Zeugen Jehovas. Sie erhalten
Einsichten von Gott. Von ihnen gibt es heute nur noch etwa 9.000
Glieder auf der Erde. Und wenn man bedenkt, dass es sechseinhalb
Millionen Zeugen Jehovas gibt, dann ist das eine sehr kleine Anzahl.
Die Glieder der leitenden Körperschaft in Brooklyn, New, York, die
die Macht über Jehovas Zeugen innehaben, sind Mitglieder dieser
besonderen Klasse. Ohne diese Klasse des "treuen und verständigen
Sklaven" gäbe es keine geistliche Autorität über Jehovas
Zeugen.
Der erste Zeuge
Jehovas der Neuzeit war Charles Taze Russell. Er war es, der die
Zeitschrift Wachtturm ins Leben gerufen hat. Das war im Jahre 1879.
Die neuzeitlichen Zeugen Jehovas haben ein Buch über ihre
Geschichte geschrieben. In diesem Geschichtsbuch wird der Anspruch
erhoben, Charles Taze Russell sei ein Glied dieser Klasse des
"treuen und verständigen Sklaven" gewesen. Es stimmt, zu
Beginn des Erscheinens der Zeitschrift Wachtturm hat Herr Russell
behauptet, ein Glied dieser Klasse zu sein. Aber er wurde zum
alleinigen Verfasser aller Artikel in der Zeitschrift. Und er kam zu
der Überzeugung, er sei das einzige Glied ... er sei der einzige
"treue und verständige Sklave". Mit anderen Worten: Er
begann zu lehren, der "treue und verständige Sklave" sei
keine Klasse, sondern eine Einzelperson, nämlich er selbst. Und so
wurde er auch von allen Zeugen Jehovas ... (die sich damals
Bibelforscher nannten), angesehen.
Wie kann uns dieses
Wissen helfen, Jehovas Zeugen zu helfen?
Weil nun die heutige
Organisation behauptet, Herr Russell sei nur ein Glied dieser Klasse
gewesen, und als er starb, seien viele Glieder da gewesen, die sein
Werk fortführen konnten -- wenn das also eine ganze Klasse ist, könnten
sie weiterhin ihre geistliche Autorität ausüben, denn egal wer
stirbt, es sind immer noch Glieder übrig. Wenn das aber eine
Einzelperson war und er starb, dann gibt es keine geistliche Autorität
mehr. Um also weiterhin Kontrolle über die Leute auszuüben,
beschloss die Wachtturm-Organisation, diese Vorstellung von einer
Klasse zu schaffen. Mit anderen Worten: Die Wachtturm-Organisation lügt,
was ihre Geschichte angeht. Da Jehovas Zeugen diese Lehre als die
wichtigste von allen ansehen, was haben Sie ihnen bewiesen, wenn Sie
ihnen zeigen können, dass die frühen Zeitschriften sagen, Herr
Russell sei dieser Sklave gewesen? Sie beweisen ihnen, dass sie in
Bezug auf ihre Geschichte lügen. Jeder Zeuge Jehovas weiß, dass
Gott keinen Lügner dazu benutzt, geistliche Autorität auszuüben.
Und die geistliche Autorität starb im Jahre 1916. Damals starb nämlich
Charles Taze Russell. Wie kann es also heute Lehren geben, die sich
seit den Tagen von Charles Taze Russell geändert haben? Wenn es
heute keine geistliche Autorität über Jehovas Zeugen gibt, wenn es
die Klasse des "treuen und verständigen Sklaven" in
Wirklichkeit gar nicht gibt, dann gibt es keinen Grund, dass die
Zeitschrift Wachtturm weiterhin besteht. Dann gibt es keinen Grund,
warum Jehovas Zeugen an unsere Türen klopfen sollten.
Jeder Zeuge Jehovas,
der sich diese historischen Tatsachen besieht, wird, wenn er
aufrichtig ist, bald ein Ex-Zeuge Jehovas sein. Es ist auch nicht
notwendig, dass sich Menschen darüber Gedanken machen, wann
Harmagedon kommt. Im Jahre 1975 haben eine dreiviertel Million
Menschen die Zeugen Jehovas verlassen. Ich sollte mich korrigieren.
Ich sollte sagen: Bis 1979 haben eine dreiviertel Million Menschen
die Zeugen Jehovas verlassen, und zwar wegen der falschen
Prophezeiung, dass das Ende im Jahre 1975 kommen sollte.
Ich hatte die
Gelegenheit, mit Frederick Franz zu reden. Frederick Franz war Präsident
der Wachtturm Bibel- und Traktat-Gesellschaft. Ich habe mit ihm nur
ein paar Minuten lang über den Fehlschlag der Prophezeiung in Bezug
auf das Jahr 1975 geredet. Ich hatte die Gelegenheit, ihn daran zu
erinnern, der Grund dafür, dass die Leute das glaubten, sei der
gewesen, dass der Wachtturm das gelehrt hat. Es war merkwürdig: Wir
sprachen zwanzig Minuten lang miteinander am Telefon, um am Ende des
Gespräches hat er sich gefragt, warum er eigentlich so lange mit
mir geredet hatte. Aber ich kann Ihnen versichern: Es gab viele wie
mich, die mit ihm geredet haben. Im Juli 1979 hat die
Wachtturm-Organisation bei Bezirkskongressen zum erstenmal bekannt
gegeben, dass sie selbst dafür verantwortlich war, dass Jehovas
Zeugen dieser Prophezeiung geglaubt haben. Und im März 1980 gab der
Wachtturm zu, dass er dafür verantwortlich war. Aber das geschah
wiederum erst, nachdem Hunderttausende Menschen jede Hoffnung bezüglich
der Organisation aufgegeben hatten.
Ich möchte gerne
vorlesen, was Jesus über die Wachtturm-Organisation verkündet hat.
Er sagt in Matthäus 7:15: "Nehmt euch vor den falschen
Propheten in acht, die in Schafskleidern zu euch kommen, inwendig
aber sind sie raubgierige Wölfe." Als ich als Zeuge Jehovas an
die Türen klopfte, wurde auch ich so von Jesus Christus
beschrieben. Wie ich bei dieser Zusammenkunft bereits erwähnte,
besteht eine Gefahr, dass Jehovas Zeugen zu Ihnen kommen, darin,
dass sie Familien in der Umgebung zerstören.
Dafür möchte ich,
wenn ich kann, ein Beispiel, wie Familien zerstört werden, geben,
das aus dem Leben gegriffen ist. Es geht um ein kleines Mädchen mit
Namen Leta, das elf Jahre alt war. Ihre Eltern hatten sich getrennt.
Ihr Vater wollte kein Zeuge Jehovas sein, und ihre Mutter war eine.
Es ging da um einen Sorgerechtsprozess. Leta glaubte, dass sie
allein bei ihrer Mutter sicher war, denn Leta war völlig überzeugt,
dass das Ende der Welt bald käme. Um bei ihrer Mutter leben zu können,
beschuldigte Leta ihren Vater nun, er habe sie körperlich
misshandelt. Daher sprach das Gericht Leta der Mutter zu. Doch Leta
machte sich aus der Sache ein Gewissen und beschloss, dem Gericht zu
erzählen, sie habe gelogen. So wurde Leta nun dem Vater
zugesprochen. Der Richter war so wütend auf die Mutter, die Zeugin
Jehovas, dass er sagte, Jehova werde ihre Handlungsweise wohl nicht
gut finden.
Jetzt möchte ich
Ihnen etwas vorlesen, um Ihnen ein Bild davon zu vermitteln, was im
Kopf des kleinen Mädchens vorging. Es ist ein Brief, den Leta an
ihre Mutter schrieb. Sie sagt:
"Liebe Mammi,
ich hab dich lieb. Du fehlst mir so sehr." Und dann sagt sie im
Brief weiter: "Mammi, ich habe Halloween gefeiert."
[Einwurf des Simultanübersetzers: Ich muss ihnen grob schildern,
was Halloween ist, weil wir das nicht haben. Wir sind keine Heiden.
... Halloween ist ein Fest an einem Tag, wo sich die Kinder
verkleiden und gehen von Haus zu Haus und kriegen kleine Geschenke.
Es ist etwa wie Karneval an einem Tag, in einer Weise. Es ist das
Allerheiligenfest ... oder Allerseelen eigentlich, Ende Oktober. Und
das wird überall in Amerika gemacht, aber nicht von den Zeugen
Jehovas. Das ist für die eine Sünde, und das bekennt sie.] Der
Vater, der kein Zeuge Jehovas war, beging natürlich alle Arten von
Feiertagen. Während der Zeit, die Leta beim Vater war, wollte
dieser, dass sie mit ihm zusammen die Feiertage beging. Aber Leta
schreibt ihrer Mutter weiter:
"Ich habe solche
Angst, dass du mich nun nicht bekommst. Ich möchte, dass mir Jehova
noch eine Chance gibt, so dass ich das kann. Ich habe solche Angst,
dass Jehova mich nicht mehr liebt. Was soll ich tun? Ich habe lange
zu Jehova gebetet. Mammi, ich weiß, dass du mir vertraut hast. Es
tut mir so leid. Ich weiß, dass du von mir enttäuscht bist. Ich
bin auch von mir selber enttäuscht. Mammi, bitte, vergib mir. Es
tut mir leid. Ich habe das Gefühl, dass ich dich nicht einmal sehen
kann, weil ich meine, ein Verbrechen begangen zu haben. Und das habe
ich auch. Ich mache mir schreckliche Gewissensbisse."
Und dann redet sie
von zwei ihrer Freundinnen. "Du weißt, dass sich Darby und
Doyenne nicht so ein Gewissen haben wie ich. Mammi, bitte hab mich
lieb. Kann ich noch einmal von vorne wie ein Neugeborenes anfangen?
Dass wir das vergessen, was ich getan habe? Mamma, ich habe solche
Angst! Möchtest du wissen, wie es passierte? Nun, ich wollte es
Papa gleich nach der Schule erzählen, aber er war nicht da. Und da
habe ich es nicht getan. Ich weiß, dass es keine Entschuldigung
gibt. Ich weiß, dass das dumm von mir war. Aber bitte, vergib
mir." Und das alles nur, weil sie einen Feiertag begangen
hatte.
Ich habe einen
Antwortbrief ihrer Mutter an sie. Und für mich als einem ehemaligen
Zeugen Jehovas fasst dieser Brief zusammen, wie eine Mutter ihr Kind
in dieser Situation behandeln würde. Sie schreibt der kleinen Leta:
"In deinem Brief
hast du gesagt, du fühltest dich manchmal, als solltest du
aufgeben. Ich kann verstehen, wie du dich fühlst. Die paradiesische
Erde wird bald Wirklichkeit werden, Kleines. Verlier nicht den
Glauben." So hat die Mutter Leta verständlich machen wollen,
dass Leta zu Recht Angst hatte. Aber wenn sie an ihrem Glauben als
Zeugin Jehovas festhalten würde, dann könnte sie vielleicht das
Ende der Welt überleben und mit ihrer Mutter im Paradies sein.
Ich habe dies so oft
gesehen, dass ich die Zahl nicht mehr weiß. Das ist für mich die
größte Tragödie bei den Zeugen Jehovas.
Aber manchmal gibt es
auch Gutes zu berichten. Ich möchte Ihnen schnell von Christine und
ihren Kindern erzählen. Christine war eine ehemalige Zeugin
Jehovas. Sie hatte zwei Kinder, ein Mädchen und einen Jungen,
Stephanie und Matthew. Sie waren neun und elf Jahre alt. Und sie
ging von Jehovas Zeugen weg, aber ihre Kinder wollten nicht gehen.
Das hatten sie schließlich schon immer geglaubt, und sie konnten
nicht verstehen, warum Mammi keine Zeugin Jehovas mehr sein wollte.
Daher brachte Christine ihre Kinder zu uns. Wir hatten ein Video,
"Jehovas Zeugen -- eine gemeinnützige [oder "nicht
prophetische"; im Englischen klingt non-profit ähnlich wie
non-prophet, und Magnani macht daraus ein Wortspiel; der Übers.]
Organisation". Das Video zeigte die ganze Geschichte der Zeugen
Jehovas von den Tagen Charles Taze Russells bis heute. Das war recht
dramatisch. Es war ein 45-minütiges Video, und die Kinder haben es
sich zweieinhalb Stunden lang angesehen. Zuerst wollten sie es nicht
sehen, aber dann haben sie es alle paar Minuten angehalten und
Fragen gestellt. Sie waren sehr interessiert, besonders an den
Terminen für Harmagedon. Tatsächlich hat der kleine Matthew einen
Freund angerufen und ihm erzählt, wie viele Male das Ende der Welt
vorhergesagt war. Nun, nach dem Video wollte keines der beiden
Kinder mehr ein Zeuge Jehovas sein. Matthew beschrieb auf folgende
Weise, wie es ist, ein Zeuge Jehovas zu sein. Er hat gesagt:
"Ich war in ein Glas gesteckt und meine Arme waren ganz
verkrampft. Jetzt bin ich aus dem Glas heraus und kann wieder meine
Arme bewegen." Und er sagte: "Ich möchte Pfadfinder
werden." Stephanie sagte: "Ich möchte eine
Geburtstagsfeier haben." Ihr größtes Problem war allerdings,
dass sie nicht wusste, was sie bei der Geburtstagsfeier anziehen
sollte. "Mama, soll ich da einen Rock anziehen, oder was
sonst?" Und so kamen die Kinder aus der Situation, sich Sorgen
um das Ende der Welt zu machen, in eine andere Situation, wo sie
sich Sorgen machten, was sie bei einer Geburtstagsfeier anziehen
sollten. Drei Tage, nachdem sie sich das Video angesehen hatten,
kamen die Kinder mit einem vom Gericht bestellten Berater zusammen.
Und was glauben Sie, bei welchem Elternteil sie leben wollten?
Christine war jedenfalls sehr erfreut.
Wie können wir
Menschen vor Zeugen Jehovas in der Umgebung schützen? Es gibt
mehrere Möglichkeiten; eine davon ist ganz einfach: Es gibt
Aufkleber, auf denen steht: Bitte keine Besuche von Zeugen Jehovas.
Den Zeugen Jehovas hat man in ihrer Literatur gesagt, sie sollten
die Wünsche des Wohnungsinhabers respektieren. Man kann ja nicht
direkter werden, als einen Aufkleber an der Tür oder am Türpfosten
zu haben, auf dem es heißt: Bitte keine Besuche von Zeugen Jehovas.
Natürlich heißt es da: Bitte!
Viele Menschen in
Ihrer Umgebung sind sich der Gefahren, über die wir hier gesprochen
haben, nicht bewusst. Wie wäre es dann mit einem einfachen Traktat:
Gefahr an Ihrer Tür!, mit Fragen und Antworten darüber, wie
Jehovas Zeugen leben? Für Pfennige nur können Sie Ihre
Nachbarschaft schützen. Das bedeutet: Mit jedem Aufkleber werden
mehrere Menschen vor Jehovas Zeugen geschützt. Das ist etwas, das
Sie tun können, um Ihre Nachbarschaft zu schützen. Die
Wachtturm-Organisation war so sehr wegen dieser Aufkleber besorgt,
dass sie sogar Artikel gegen sie in ihrer Literatur hatte. Als wir
damit begannen, die kleinen Aufkleber herzustellen, bin ich selbst
durch die Nachbarschaft gelaufen, um zu sehen, ob die Leute sie
haben wollten. Sie wollten sie nicht nur, einige haben sie mir
direkt aus den Händen gerissen. Und manche nahmen mehr als einen
Aufkleber, damit sie auch ihre Verwandten vor Jehovas Zeugen schützen
konnten. Doch die meisten Menschen denken nicht daran, ihre Familie
zu schützen; die meisten Menschen wollen einfach nur in Ruhe
gelassen werden. Und da funktionieren die Aufkleber auch.
Jetzt möchte ich mit
Ihnen über etwas reden, das umstritten ist. In, ab heute gerechnet,
etwa einem Monat wird es eine internationale Nachricht geben, mit
der jeder in diesem Raum vertraut ist. In den Vereinigten Staaten
gibt es eine große Nachrichtensendung mit Namen "Dateline".
Und in diesem Programm wird die Wachtturm Bibel- und
Traktat-Gesellschaft bloßgestellt werden. Sie wird als jemand
entlarvt, der Pädophilen Schutz bietet. Wenn ich am Montag wieder
in die Vereinigten Staaten zurückfliege, werde ich eine Konferenz
leiten. Einer der Hauptredner bei dieser Konferenz wird William
Bowen sein. Herr Bowen ist ein Zeuge Jehovas. Er geht zu den
Zusammenkünften, er geht jetzt noch in den Königreichssaal. Und er
hat eine Website. Wenn Sie sich die Adresse aufschreiben wollen: Sie
werden sie sehr interessant finden. Die Adresse ist: www.silentlambs.
Ich werde jetzt einen Brief vorlesen, den er an die Presse
geschrieben hat. Sie werden dann schon erkennen, warum er sich so
große Sorgen macht. Er sagt:
"Ich schreibe
Ihnen, um ein Thema anzusprechen, das den religiösen Glauben überschreitet
und eine Wirklichkeit offenbart, die jeden Tag Tausende von Kindern
betrifft. Ich war über zwanzig Jahre lang als christlicher Diener tätig.
Ich kann den Mitgliedern meiner Kirche jedoch nicht weiter dienen,
da ich nicht mit einer Kirchenpolitik einverstanden bin, die
durchzusetzen ich als Ältester gezwungen bin. Diese Politik hat
meiner Meinung nach Tausenden Schaden zugefügt, lässt viele ohne
Schutz und bietet direkt Kriminellen Zuflucht.
Ich meine damit die
Kirchenpolitik, Informationen über Pädophile, die Mitglieder sind,
vertraulich zu halten. Diese Pädophilen werden durch einen Kodex
des Schweigens geschützt, wo selbst unmittelbare Angehörige nicht
informiert werden dürfen und in vielen Fällen beschuldigte Pädophile
in verantwortlichen Stellungen in der Kirche bleiben, während ihre
Opfer schweigend leiden oder Sanktionen erwarten können. Diese
Politik ist meiner Meinung nach unethisch und unmoralisch und in
vielen Bundesstaaten ungesetzlich.
Diese Politik wurde
im Wachtturm, einer Publikation meiner Religion, der Zeugen Jehovas,
erklärt. Der Wachtturm, der zehnmillionenfach veröffentlicht und
in über 139 Sprachen auf der ganzen Welt verbreitet wird, sagte in
der Ausgabe vom 1. November 1995, Seiten 28-29, mit Bezug darauf,
wie Kirchenfunktionäre mit sexueller Belästigung umgehen sollten:
Wird die
Beschuldigung zurückgewiesen, sollten die Ältesten dem Ankläger
erklären, dass rechtlich nichts weiter unternommen werden kann. Und
die Versammlung wird den Beschuldigten weiterhin als unschuldig
betrachten. Gemäß der Bibel müssen zwei oder drei Zeugen
vorhanden sein, damit rechtliche Schritte unternommen werden können."
Hier will ich einen
Augenblick halt machen. Stellen Sie sich eine Situation vor, wo Ihr
Kind zu Ihnen kommt und sagt, jemand habe es sexuell belästigt. Sie
gehen nun also mit dieser Anschuldigung ihres kleinen Mädchens oder
Jungen zu den Zeugen-Jehovas-Ältesten, und die Ältesten fragen
Sie: Wie viele Personen waren da als Zeugen zugegen? Und Sie sagen:
Mein kleine Tochter, mein kleiner Sohn wurde von dem Mann
vergewaltigt! Und die Ältesten sagen: Keiner sonst dabei, oder? Und
die Ältesten sagen: Nun, wir brauchen wenigstens zwei oder drei
Personen, die das gesehen haben. Und dann sagen sie: Nun, dann gehen
wir jetzt zu dem guten Mann und sehen, ob er zugibt, dein Kind
vergewaltigt zu haben. Und sie gehen zu dem Mann, und er sagt: Ich
habe nichts getan. Und die Ältesten werfen die Hände in die Luft
und sagen: Dann können wir nichts unternehmen. Und Sie sagen: Würdet
ihr dann wenigstens die Polizei informieren? Und die Ältesten
sagen: Wir glauben, dass er unschuldig ist, solange nicht einige
Leute die Vergewaltigung gesehen haben. Jetzt geht das Zitat weiter:
"Selbst wenn
sich mehr als eine Person an einen Missbrauch durch dieselbe Person
erinnert, ist die Natur dieser Erinnerungen doch zu ungewiss, um
ohne weitere belastende Beweise rechtliche Entscheidungen darauf zu
stützen."
Dann heißt es in der
Zeitschrift weiter:
"Das bedeutet
nicht, dass solche Erinnerungen als falsch (oder als wahr)
betrachtet werden. Aber bei einem Rechtsfall muss man sich an die
biblischen Grundsätze halten."
Mit anderen Worten,
und das will ich jetzt kommentieren: In vielen Fällen, wo Kinder
sexuell belästigt werden, hat das Kind ein enormes Scham- und
Schuldgefühl. Das Kind ist von diesem Erwachsenen, der da diese
schrecklichen Dinge mit ihm angestellt hat, überwältigt. Und
Psychologen und Psychiater sagen uns, dass diese Kinder durchs Leben
gehen, indem sie diese Dinge verdrängen. Das heißt natürlich
nicht, dass jedes Kind die Wahrheit sagt. Aber in vielen Fällen
sagen sie die Wahrheit. Wir kommen auf den Artikel zurück. Es heißt
da:
"Demgemäß ist
einzige Weg, dass jemand innerhalb der Wachtturm-Organisation von
den Kirchenführern des Kindesmissbrauchs überführt werden kann,
ein Geständnis oder eine Aussage zweier Zeugen, die bei dem
Verbrechen zugegen waren. Wenn ein Pädophiler die Beschuldigung
abstreitet, dann wird er von den Kirchenoberen geschützt."
Hier will ich wieder
eine Pause machen und folgendes sagen: Wenn die Ältesten einmal die
Entscheidung getroffen haben, dass der Pädophile unschuldig ist,
dann müssen sich das Kind oder seine Eltern still verhalten. Und
der Grund dafür? Das wird hier gesagt. Der Brief geht weiter:
"Die Kirche
fordert dann von dem Opfer, sich ruhig zu verhalten, wenn es nicht
wegen Verleumdung eines Unschuldigen geächtet werden will."
Hier fügt Herr Bowen
einen Kommentar ein -- und behalten Sie im Sinn, dass dieser Mann
schon seit über vierzig Jahren ein Zeuge Jehovas ist und seit über
zwanzig Jahren Ältester und der Führer der Ortsversammlung war. Er
sagt:
"Ich selbst
glaube, dass ich niemandem innerhalb der Wachtturm-Organisation in
Bezug auf meine Kinder trauen kann. Sollten meine Kinder einen Pädophilen
der sexuellen Belästigung beschuldigen, brauchte er die Sache nur
abzustreiten, und ich als Vater würde mit der Drohung des
Gemeinschaftsentzuges zum Schweigen gebracht, sollte ich versuchen,
etwas zu sagen, um andere vor einem Schaden zu warnen und zu schützen."
Um Zeit zu sparen,
werde ich den Rest nur noch zusammenfassen. Zuerst: Es ist fast unmöglich,
Beweise für eine sexuelle Belästigung von Kindern zu erhalten,
wenn dafür Zeugen vorgebracht werden müssen. Ein Durchschnittspädophiler
wird in seinem Leben wenigstens siebzig Kinder belästigen, ehe er
überführt wird. Tatsächlich werden die meisten Pädophilen nie
erwischt. Und von wie vielen Pädophilen haben Sie gehört, die
freiwillig zugaben, dass sie pädophil sind? Das Problem ist: Die
Zeugen Jehovas, die Eltern sind, wissen nicht, wer in der
Versammlung pädophil ist, weil diese durch die Politik der
Wachtturm-Organisation geschützt werden. So wird die Organisation
wirklich zu einem Paradies, zu einer Zuflucht für Pädophile.
Wie kann es nun
angehen, dass Herr Bowen als Zeuge Jehovas an die Medien schreiben
und ein Zeuge Jehovas bleiben konnte? Wie konnte er eine Website im
Internet haben und ein Zeuge Jehovas bleiben? Ich werde es Ihnen
sagen. Die Wachtturm-Organisation steht vor einer Krise, wie sie sie
noch nie durchgemacht hat. Wenn sie Herrn Bowen loswerden will und
ihn ausschließt, sieht das so aus, als wolle sie ihn zum Schweigen
bringen. Andererseits: Wenn sie ihn weiterhin die Dinge sagen lässt,
die er jetzt sagt, was werden dann andere Zeugen Jehovas denken?
Erinnern Sie sich: Ich habe eine Menge Zeit heute abend damit
verbracht, zu erklären, dass Jehovas Zeugen immer den
Wachtturm-Aussagen zustimmen müssen. Es gibt bei Jehovas Zeugen
kein eigenständiges Denken. Und das, meine Freunde, ist eigenständiges
Denken. Das ist das, was die ganze Organisation vernichten kann,
wenn sie das zulässt. Wenn Herr Bowen also nächste Woche bei
unserer Konferenz zu uns spricht, werden wir wirklich sehr erfreut
sein, weil ein Zeuge Jehovas zu uns spricht. Das ist noch nie
vorgekommen. Wir werden da etwas sehen, auf das wir nicht
vorbereitet sind.
Ich führe diese
Arbeit jetzt seit über einem Vierteljahrhundert durch. Ich habe
noch nie eine solche Gefahr wie diese für die Sekte gesehen.
Stellen Sie sich einmal Leute vor, die Sie anwidern. Stände auf
einer solchen Liste ein Pädophiler nicht weit oben? Stellen sie
sich vor, nachdem die Nachrichtensendung "Dateline"
international herausgekommen sein wird: Sie sind ein männlicher
Zeuge Jehovas, und als ein solcher klopfen Sie an Türen. Wie viele
Menschen werden jetzt die Tür für Sie öffnen? Aber angenommen,
Sie sind eine Frau, eine Zeugin Jehovas. Wie viele Leute werden da
Achtung vor Ihnen haben? Diese Frage ist für die Zeugen Jehovas
verheerend.
Ich habe gehört,
dass die Regierung in Deutschland Jehovas Zeugen unter dem
Blickwinkel als ehemalige Verfolgte ansieht. Wegen des Holocausts.
Stimmt das? Daher gibt es eine Menge Wohlwollen gegenüber Jehovas
Zeugen. Wie kann man das nun ändern? Wenn die
Wachtturm-Gesellschaft jetzt als Schutzorganisation für Pädophile
angesehen wird, dann glaube ich, dass Richter, die ja auch nur
Menschen sind, und Kinderschutzbünde, Rechtsanwälte, die sich der
Sicherheit der Kinder annehmen, und Personen, die in Sorgerechtsfällen
Entscheidungen zu treffen haben, wohl anfangen könnten, Jehovas
Zeugen in einem anderen Licht zu sehen. Da gibt es dann hoffentlich
noch mehr Aufkleber. Ich glaube, der einzige Unterschied bei den
Aufklebern in Deutschland wird sein, dass da zwar steht: "Keine
Besuche von Zeugen Jehovas", aber ohne "bitte". Das
Bild auf dieser Broschüre "Zeugen Jehovas in der
Nachbarschaft" wird die Allgemeinheit nicht respektieren.
Ich habe noch eine
gute Nachricht: Jehovas Zeugen verlieren Anhänger, und in
Deutschland werden sie müde. Auch in den Vereinigten Staaten. Aber
ich denke, da die Zeugen Jehovas kein Datum mehr haben, auf das sie
warten können, und weil ihre Organisation sich sehr damit befasst,
wie die Regierungen sie behandeln, beginnt sie die Bereitschaft zu
zeigen, Kompromisse zu schließen. Ich sehe das in den Vereinigten
Staaten bei Gerichtsfällen. Und ich nehme an, das wird sich im
Verlaufe des Jahrzehnts immer mehr beschleunigen. Wenn ich recht
habe und das Thema Pädophile zum großen Thema wird, dann können
wir erwarten, dass die Zeugen Jehovas drastische Verluste bei ihrer
Anhängerschaft werden hinnehmen müssen. Es werden wieder nur die
wirklich Treuen übrig bleiben. Und das ist schon immer die
Minderheit bei Jehovas Zeugen gewesen. Diejenigen von Ihnen, die
Christen sind, und die dafür beten wollen, denen will ich sagen:
Betet besonders in den nächsten Wochen, ehe die Sendung "Dateline"
gelaufen ist.
Es hat mir Freude
gemacht mit Ihnen diese zwei Tage zusammen gewesen zu sein und Ihnen
diesen Stoff mitzuteilen. Am meisten war ich über die vielen
Kommentare der Anwesenden erfreut, und sie haben mich ermutigt. Es
ist immer ermutigend, Personen wie Jutta Birlenberg zu sehen, die
sich dem verschrieben haben, Jehovas Zeugen zu helfen. Und ich danke
Ihnen, dass ich hier war. Es ist ein wirkliches Vorrecht und eine
Freude, und ich habe manchen guten Freund gewonnen. Wir haben da ein
paar Kataloge und weiteres Material über unseren Dienst, an denen
einige von Ihnen vielleicht interessiert sind. Ich denke nach wie
vor, der größte Feind der Zeugen Jehovas ist ihre eigene
Literatur. Und ein bisschen Information in Ihren Händen kann einer
Menge Menschen helfen. Nochmals vielen Dank für Ihre
Aufmerksamkeit!
Copyright der Übersetzung:
Kids e.V., Leverkusen