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Duane Magnani - Ich war ein Zeuge Jehovas

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Vortrag, 19.5.2001 in Hannover (Projekt B (Beröa)

Hallo! Vielen Dank dafür, dass Sie mich eingeladen haben, heute abend vor Ihnen zu sprechen. Viele Grüße von meinen Brüdern und Schwestern in Kalifornien; von meiner Frau, die böse auf mich war, weil ich sie nicht mitgebracht habe, weil ich ihr am Telefon erzählt habe, welch wunderbare Menschen Sie sind und welche wunderbare Zeit ich hier hatte, angefangen in München.

Ich möchte Ihnen etwas über meine Herkunft erzählen. Heute abend erzähle ich von mir selbst. Ich hoffe, das wird Ihnen eine Vorstellung davon vermitteln, wie der Lebensstil der Zeugen Jehovas aussieht. Darf ich zuerst fragen: Wie viele von Ihnen sind schon von Zeugen Jehovas aufgesucht worden? ... Und wie viele von Ihnen haben mit Jehovas Zeugen gesprochen, als sie an Ihre Tür kamen? ... Schätzen Sie sich glücklich. Nicht viele Menschen möchten mit Jehovas Zeugen reden, und deswegen nehmen sie als Sekte an Zahl zu.

Ich selbst bin in einer ungläubigen Familie aufgewachsen. Wir sind hin und wieder zur Unitarierkirche gegangen. Wir haben an ein soziales Evangelium, nicht an das christliche Evangelium, geglaubt. Was ihre Bibelkenntnis angeht, so haben sie sich schwer getan, das 1. Buch Mose zu finden. Mein Vater gehörte früher dem Militär an und war gutmütig und in unserem Wohnort gut angesehen.

Meine Mutter wurde eines Tages von einer Nachbarin mit der Zeitschrift Wachtturmbesucht. Sie interessierte sich sehr dafür, dass das Ende bald kommen sollte und Jehovas Zeugen sich an einem Paradies mit Tieren und lächelnden Kindern erfreuen würden. Mein Vater war darüber nicht sehr glücklich. Obgleich meine Mutter ihm die wunderbaren Dinge über Jehovas Zeugen zu erklären versuchte, betrachtete mein Vater sie als sehr komische Leute. Er beschloss, meiner Mutter auszureden, mit Jehovas Zeugen zu studieren. Er hat ihr gesagt, das seien ganz unpatriotische Leute, die in der Ortschaft nicht gut angesehen waren, und er wolle einfach nicht, dass sie damit etwas zu tun habe. So beschloss er, in der Bibel zu lesen und sich über die Lehren der Zeugen Jehovas zu informieren.

Eines Tages, als er bereit war, setzte er sich mit dieser Nachbarin zusammen und verbrachte den ganzen Tag damit, über die Lehren der Zeugen Jehovas zu reden. Sehr schnell merkte er bei diesem Gespräch, dass er nicht viel über die Heilige Schrift wusste, und so verbrachte er die meiste Zeit damit, ihr zuzuhören. Sie war sehr geschickt darin, Bibelstellen zu verdrehen, Bibelstellen aus dem Textzusammenhang zu reißen und mit der Zeitschrift Wachtturm alles mögliche zu beweisen. Und so wurde mein Vater ein Zeuge Jehovas.

Und ich wurde etwa im Alter von fünf Jahren ein Zeuge Jehovas. Da hatte ich meine letzte Geburtstagsfeier, die letzte Weihnachtsfeier, das letztes Ostern, den letzten Valentinstag und alle anderen Feiertage zum letzten Mal. Ich war bald von der übrigen Gemeinde und den Kindern sozial isoliert. Die vielleicht längsten Gespräche mit Nichtzeugen hatte ich an Türen, wenn ich den Wachtturm anbot. Sehen Sie, Zeugenkinder dürfen außerhalb des Schulhofes nicht mit Kindern spielen, die keine Zeugen sind. Man lehrt die Zeugen Jehovas, jeder außer ihnen sei böse und könne ihnen geistig schaden.

Einer meiner traurigen Tage war, als sie mich aus dem Leichtathletikteam der Schule nahmen. Ich hatte den Sport geliebt, insbesondere das Laufen. Ich war der schnellste Läufer in der Schule, und die einzige Zeit, wo ich danach noch die Möglichkeit zu laufen hatte, war, als ich von Hunden in der Nachbarschaft gejagt wurde. Ich weiß nicht, ob sie mich oder den Wachtturm haben wollten, aber hinter irgend etwas waren sie her.

Mein Leben bestand aus fünf Zusammenkünften pro Woche, dann waren da noch die Abende, wo ich mich auf mein Studium vorbereitete, und samstags und sonntags gingen wir an die Türen klopfen. Ich kann Ihnen sagen, dass ich alle Lehren der Wachtturm Bibel- und Traktat-Gesellschaft so glaubte, als kämen sie von Gott. Der Kern meines Glaubens war, dass die gute Botschaft vom Königreich der Welt gepredigt werden müsse und dann käme das Weltende. Nach wie vor ist es das Wichtigste für einen Zeugen Jehovas, auf einer paradiesischen Erde zu leben. Obwohl ich ein wahrer Gläubiger war, habe ich mich gelangweilt. Es gab nicht viel, das mich herausforderte. Und so habe ich mich darin zu üben versucht, im Königreichssaal wach zu bleiben. Diese Langeweile führte dazu, dass ich mit sechzehn Jahren die Zeugen Jehovas verließ. Zu der Zeit begannen alle Zeugen Jehovas, mich zu ächten, sich gegen mich zu wenden.

Während dieser Zeit begann der Vietnamkrieg. So stand ich vor der Wahl: Entweder konnte ich vielleicht in Vietnam sterben, oder ich konnte ganz sicher in Harmagedon sterben, das bald käme. Ich habe mich entschieden, in Vietnam zu sterben. Für mich gab es sowieso keine Hoffnung, da ich ja die Zeugen Jehovas verlassen hatte. Aber so wie Gott es wollte: Ich starb weder in Vietnam noch sonstwo, und Harmagedon war immer noch nicht gekommen.

So beschloss ich, ich müsse etwas mit dem Rest meines Lebens tun. Ich beschloss, Rechtsanwalt zu werden. So begann ich mit dem Studium, und nach drei Jahren bekam ich einen interessanten Brief von meiner Mutter. Wie man so sagt: Man kann jemand aus den Zeugen Jehovas herausbekommen, aber die Zeugen aus etwas herauszubringen, ist eine ganz andere Sache. Als ich diesen Brief von meiner Mutter bekam, hieß es dort, dass ich noch achtzehn Monate zu leben hatte. Weil nämlich gemäß zuverlässiger Bibelchronologie das Ende der Welt im Oktober 1975 kommen sollte. Ich habe gedacht, dass das nicht fair sei. Schließlich hatte ich nur noch ein Jahr zu studieren, ich kam gut zurecht, und ich hatte gerade die große Liebe meines Lebens getroffen. Und ich dachte: Was soll ich jetzt tun? Nun, die logische Entscheidung war, entweder ich lebe noch achtzehn Monate oder ich werde ein Zeuge Jehovas, dann kann ich ewig leben. Was sollte ich also tun? Die Entscheidung war einfach: Ich beschloss, bis zum Ende der Welt an die Türen zu klopfen. Ich überredete meine Freundin, mich zu heiraten, weil ich das nicht allein tun wollte, und wir sind zum Königreichssaal gegangen und ich wurde wieder Zeuge Jehovas.

Ich wollte aber kein einfacher Zeuge Jehovas sein, ich hatte ja viel Zeit nachzuholen. Daher wollte ich Vollzeit-Zeuge Jehovas werden und an jede Tür in der ganzen Nachbarschaft klopfen, in der ganzen Stadt, und wenn möglich, auch im ganzen Bundesstaat. Sehen Sie, Jehova liebt Menschen, die an Türen klopfen. Das dachte ich jedenfalls.

Ich möchte Ihnen eine Vorstellung davon vermitteln, was ich glaubte. Dies hier ist aus meinen eigenen Notizen in der Zeugen-Jehovas-Bibel. Nachdem, was ich mir da notiert hatte, war ich sehr daran interessiert, das Königreich bis zum Ende zu verkünden. Ich war sehr interessiert an der Tatsache, dass es keinen Krieg mehr geben würde, nachdem das Königreich der Zeugen Jehovas aufgerichtet war. Ich wusste, dass ich kein Teil der Welt sein konnte, weil Jesus es auch nicht war. Und je mehr Erkenntnis ich aufnahm -- so meine Notizen --, um so bessere Chancen hatte ich, ewig zu leben. Ich wusste, dass jeder andere außer Jehovas Zeugen sterben würde, und ich glaubte, nach dem, was ich predigte, musste ich auch selbst leben, weil zum Glauben Werke gehören, und nur Gemeinschaft mit Zeugen Jehovas, besonders vor dem Weltende.

Ich habe diesen Zettel erst vor ein paar Wochen wiedergefunden, und er bewies mir, dass ich wirklich ein Zeuge Jehovas war. Als Zeuge Jehovas wusste ich, dass ich die Wahrheit hatte. Und ich hatte einen Plan, wie ich anderen helfen konnte, und dieser Plan wurde von meinen Eltern unterstützt. Mein Vater und meine Mutter kamen zu Besuch und sprachen mit mir darüber, wie man meinen Bruder wieder zu den Zeugen Jehovas zurückbekommen könne. Ich war schon ein Dickkopf, aber mein Bruder war noch sturer. Er hatte Jehovas Zeugen verlasen, als er zwölf Jahre alt war. So entschieden meine Eltern, ich solle meinem Bruder sagen, dass das Ende der Welt bald käme. Wir fuhren also in den Süden Kaliforniens und ich habe den Beweis aus der Zeitung vorgetragen. Ich habe ihm gezeigt, dass sich Erdbeben ereigneten; es gab auf der ganzen Welt Hungersnöte und Seuchen; die Menschen verhungerten -- offenbar waren es nur noch Monate, bis das Ende käme. Und er glaubte mir. Und er beschloss, wieder zu den Zusammenkünften zu gehen.

Aber seine Frau wollte nicht. Zufällig hatte seine Frau christliche Großeltern, und es ergab sich, dass sie jemanden kannten, der einmal Zeuge Jehovas gewesen war. Und der sprach mit meinem Bruder. Etwa eine Woche später bekam ich einen Brief. Darin stand, auch wenn ich gottergeben und aufrichtig sei, hätte ich vielleicht einen Fehler gemacht. Dem Brief war eine Liste beigefügt. Diese Liste hatte die Überschrift "Jehovas Zeugen -- eine nicht-prophetische Organisation". [Anmerkung des Übers.: Magnani greift hier zu einem Wortspiel. Das englische non-prophet klingt genauso wie das englische non-profit - gemeinnützig.]

Etwas, das Sie an den Zeugen Jehovas verstehen müssen, ist, dass sie den Anspruch erheben, Gottes Mitteilungskanal zu sein. Sie glauben sogar, sie seien Gottes Prophet auf Erden. Etwas anderes an Jehovas Zeugen, das Sie auch verstehen müssen, ist, dass die meisten ihre eigene Geschichte als Organisation nur sehr vage kennen. Als ich also diese Liste bekam, war das außerordentlich schockierend für mich. Der erste Eintrag auf der Liste stammte aus dem Jahre 1972. Das war zwei Jahre, bevor ich wieder zu den Zeugen Jehovas ging. Ich möchte Ihnen das vorlesen. Es ist aus dem Watchtower vom 1. April 1972 [Anm. d. Übers.: Wachtturm, 1. Juli 1972, Seite 389]. Es heißt:

There is a real need today for someone to speak as a true representative of God. [Heute besteht ein wirkliches Bedürfnis, dass jemand als wahrer Vertreter Gottes spricht. Anm. d. Übers.: Dieser Satz steht gemäß WTG-CD-ROM nicht im Wachtturm. Es geht dann weiter:] Hat Jehova denn einen Propheten, der ihnen hilft, der sie vor Gefahren warnt und der Künftiges verkündigt? Diese Fragen können bejaht werden ... Wer ist dieser Prophet? ... Es war die kleine Gruppe der Fußstapfennachfolger Jesu Christi, die damals als Internationale Bibelforscher bekannt waren. Heute sind sie als christliche Zeugen Jehovas bekannt.

Nun, mit dem, was ich da las, hatte ich soweit wirklich kein Problem. Schließlich war der Grund, warum ich wieder bei den Zeugen Jehovas war, ja das, was der Prophet über das Jahr 1975 gesagt hatte. Aber dann las ich weiter. Die folgende Erklärung stammte aus dem Jahr 1889. Es heißt:

Die Schlacht des großen Tages Gottes des Allmächtigen, die im Jahre 1914 mit dem völligen Umsturz aller gegenwärtigen Herrschaft enden wird, hat bereits begonnen.

Nun, ich wußte wohl etwas über das Jahr 1914, aber ich wusste nicht, dass Gott das Ende der Welt für diesen Zeitpunkt vorhergesagt hatte. Und dann las ich weiter, in einer Veröffentlichung aus dem Jahre 1918 [Anm. d. Übers.: Millionen jetzt lebender Menschen werden nie sterben, deutsch: Zürich und Bern, 1920]. Dort hieß es:

... dass das Jahr 1925 die Auferweckung der treuen Überwinder des alten Bundes und den Beginn der Wiederherstellung markiert, ist es vernünftig zu schließen, dass Millionen jetzt auf Erden lebender Menschen im Jahre 1925 noch auf Erden sein werden.

Jetzt fing die Sache an, mich zu interessieren, und ich wollte herausfinden, was 1925 passierte. Das sagte mir der Watchtower im Januar 1925. Es heißt:

Das Jahr 1925 ist gekommen.

Ich nehme wohl an, damit hatten sie recht! Dann fuhr man fort:

Mit großer Erwartung haben Christen nach diesem Jahr Ausschau gehalten. Viele haben zuversichtlich erwartet, dass alle Glieder des Leibes Christi während dieses Jahres zu himmlischer Herrlichkeit verwandelt werden. Das mag geschehen. Es mag auch nicht geschehen. Zu seiner eigenen Zeit wird Gott seine Vorsätze in bezug auf sein eigenes Volk verwirklichen. Christen sollten sich nicht so viele Sorgen machen, was dieses Jahr bringen mag.

Mir begann schlecht zu werden. Ein paar Ausgaben weiter, im September 1925, hieß es im Watchtower:

Es ist zu erwarten, dass Satan versuchen wird, den Geweihten den Gedanken einzugeben, dass 1925 das Ende der Welt kommen werde.

Und dann, im nächsten Jahr, 1926, schrieb der Watchtower:

Einige erhofften, dass das Ende der Welt 1925 kommen werde. Aber der Herr hatte das nicht gesagt. Das Problem war, dass die Freunde das jenseits aller Vernunft in ihrer Vorstellung aufblähten. Als ihre Vorstellungen dann zerplatzen, waren sie geneigt, alles beiseite zu werfen.

Und da habe ich mich gefragt: Wie handle ich denn eigentlich in bezug auf 1975? Ich war verzweifelt. Aber nur fünf Minuten lang. Und dann sagte ich: Das hat jemand erfunden; das kann nicht stimmen. Das ist doch gar nicht möglich, weil Gottes Organisation nie so etwas schreiben würde. Kein Wunder, dass ich nie etwas davon gehört hatte: Das stimmt ja gar nicht! So habe ich meinen Bruder angerufen. Und ich sagte: "Meine Frau und ich, wir kommen nach Südkalifornien, und ich möchte, dass du den Mann, der das geschrieben hat, in dein Haus holst; dann werde ich ihn bloßstellen." Nun, mein Bruder freute sich, das von mir zu hören.

So ging ich zu meinen Zeugenfreunden, und ich habe mir alle möglichen Bücher geholt. Rote, blaue, grüne. Und ich habe sogar eine Bibel in mein Auto gepackt. Aber bitte, ich hatte noch gar keine Möglichkeit gehabt, die Bibel zu lesen. Und so fuhren wir hinunter nach Südkalifornien. Mit großer Zuversicht. Bis 2.00 Uhr früh am Samstagmorgen. Da wachte ich mit Todesangst auf. Ich sollte also als Fürsprecher diesen Mann entlarven, und ich hatte keine einzige Seite in der Bibel gelesen. So rief ich, so früh ich konnte, die Ältesten der Ortsversammlung an und sagte: "Ihr müsst mir jetzt helfen. Ihr müsst rüberkommen und mir helfen." Und sie sagten: "Das machen wir gerne." Einer der Ältesten sagte: "Übrigens, wie heißt der Mann, mit dem du reden wirst?" Und ich sagte: "Er heißt Bill Cetnar." Und der Älteste sagte: "Bbbbbb...ill Cetnar?" Er hatte schon von Bill Cetnar gehört. Bill Cetnar war ein hochrangiger Funktionär in der Wachtturm-Weltzentrale gewesen. Und der Älteste sagte: "Bruder Magnani, fahr wieder nach Hause." Und ich sagte: "Ich bin jetzt 500 Meilen gefahren, um mit meinem Bruder zu sprechen. Und ihr wollt, dass ich wieder nach Hause fahre? Ich kann nicht wieder nach Hause fahren, dass wäre zu peinlich. Was soll ich denn dann meinem Bruder sagen?" Und er sagte: "Wenn du Harmagedon überleben willst, dann fahr nach Hause."

Nun, ich wusste nicht, was ich jetzt tun sollte. Die Sache ging schließlich so aus, dass doch ich mit Herrn Cetnar redete. Und die erste halbe Stunde verbrachte ich damit, ihm zu erzählen, dass ich wirklich nicht vorbereitet war. Wenn er also etwas hatte, mit dem ich nicht vertraut war -- nun, das war egal. Er sagte: "Das ist schon gut." Und dann redete er trotzdem weiter. Und er zeigte mir Dinge aus den früheren Büchern und Zeitschriften der Wachtturm-Gesellschaft. Nicht nur eine Liste, ich rede von den Originalbüchern.

Und dann fing er an, über Jesus zu reden. Ich bemerkte, dass meine Frau immer glücklicher aussah. Sie fing an zu lächeln. Und wie die gelächelt hat! Ich habe sie nie so lächeln gesehen. Er unterbrach das Gespräch und sagte: "Mein Herr, ich glaube, Ihre Frau möchte Jesus als ihren Herrn und Erlöser annehmen." Und ich sagte: "In Ordnung, aber machen Sie es schnell." Mit anderen Worten: Der Herr hatte mich genau dort, wo er mich haben wollte. Ich war von dem, was der Mann sagte, hingerissen. Ich war selbst noch nicht bereit, zum Herrn zu kommen. Aber ich war neugierig genug, dem, was er sagte, zuzuhören. Nun, wir verließen das Haus meines Bruders und fuhren nach San Francisco zurück. Meine Frau konnte nicht erwarten, mich zu fragen, wie ich darüber dachte. Herr Cetnar hatte mir sogar ein Buch mitgegeben, das "Apostels of Denial" [Apostel der Verneinung] hieß. Sie wollte wissen, ob ich vorhatte, es zu lesen. Und ich sagte: "Das muss ich nicht." Sie sagte: "Was heißt das: du musst nicht?" Ich sagte: "Weil er recht hat."

Als ich also nach Hause nach San Francisco kam, ging ich hin und kaufte für 200 Dollar christliche Bücher. Und 1974 war das eine Menge Geld. Einen hohen Stapel Bücher. Und ich dachte, ich würde mich in das Christentum einlesen. Und ich las und las -- etwa 16 bis 18 Stunden am Tag. Nach ungefähr einer Woche war ich etwas müde und der Tag war schon zu Ende, ich hatte auch nicht mehr viel Energie. Ich hatte da dieses kleine Buch, das ich aufnahm, "Jesus von Nazareth -- Wer ist das?" Ich begann, durch das Buch zu blättern und fing an, zu weinen. Ich fing an, auf jeder Seite Jesus zu sehen. Und ich begriff, Jesus war dies für mich, das für mich, und er war alles. Es war so, als sei das Dach vom Haus weggeflogen.

Natürlich weiß ich nicht, wie es im Himmel aussieht. Aber ich glaube, das war wie ein kleines Stück vom Himmel. Alles, woran ich mich erinnern kann, dass ich es sagte, waren drei Worte: "Es tut mir leid. Es tut mir leid. Es tut mir leid." Ich empfand einen Frieden wie nie zuvor. Und so nahm mich Jesus als sein Kind an. Ich wusste nun genau, wer er war.

Jehovas Zeugen lehren, Jesus sei der Erzengel Michael. Sie lehren, dass er ein Geschöpf Gottes sei. Das ist er nicht. Er ist Gott selbst, der sich so sehr um mich sorgte, dass er kam, um für mich zu sterben. Als ich das tief im Inneren wusste, hat es mein Leben verändert. Und wie sehr bin ich ihm dankbar! Sehen Sie, Gott nahm nicht einfach irgendeinen Engel, einen Vertreter, der zu uns kommen sollte. Er sorgte sich so sehr um uns, dass er selbst gekommen ist. Apostelgeschichte 20:28 sagt uns, dass Gott sein eigenes Blut für uns vergoss. Und das ist für mich das Wichtigste.

Meine Eltern waren freilich außer Fassung. Sie konnten einfach nicht glauben, dass sich innerhalb von ein paar Tagen mein ganzes Leben wieder geändert hatte. Sie flehten mich an, mit den Zeugenältesten zusammenzukommen, um die Sache wieder ins Reine zu bringen. Ich sagte ihnen, das würde ich tun -- unter einer Bedingung: dass ich einen Mitarbeiter von Herrn Cetnar herfliegen lassen kann, damit er an dem Gespräch mit den Ältesten teilnehmen kann. Und dass sollte bei mir zu Hause sein. Einen ganzen Nachmittag lang. Und wenn die Ältesten nach diesem Nachmittag immer noch ihren Standpunkt bewahrt hatten, dann würde ich darüber nachdenken, ob ich wieder zu den Zeugen ginge.

Nun, Sie können sich vorstellen, was geschah. Die Ältesten hatten diese Dinge selbst auch nie gehört. Jemand, der nie ein Zeuge Jehovas gewesen war, saß bei mir zu Hause und erzählte diesen Ältesten innerhalb von drei Stunden mehr über die Zeugen Jehovas, als sie je erfahren hatten. Ich war jetzt um so überzeugter, dass ich richtig gehandelt hatte.

Mein Vater war immer noch unglücklich. Ich habe ihn aufgesucht, und es war ein sehr trauriger Tag. Er hat mir gesagt: "Wenn du nochmal etwas tust, das Jehovas Zeugen so in Verlegenheit bringt, dann bist du nicht mehr mein Sohn." Und innerhalb weniger Monate gründeten wir Witness Inc. Fünfzehn Jahre später nahm auch mein Vater Jesus Christus als seinen Erlöser an.

In unserem Dienst haben wir uns vieler Segnungen erfreut, und wir haben erlebt, wie Tausende von Menschen durch unseren Dienst und durch Dienste, mit denen wir zusammenarbeiten, die Zeugen Jehovas verlassen haben. Wir veröffentlichen eine Menge Stoff über Jehovas Zeugen -- theologischen, soziologischen und so weiter. Wir glauben, der beste Weg, Jehovas Zeugen zu helfen, ist der, ihnen zu zeigen, was ihre Organisation eigentlich lehrt. Wir meinen auch, dass wir die Öffentlichkeit vor Jehovas Zeugen warnen sollten.

Eines der Schlüsselthemen bei Jehovas Zeugen ist die Art und Weise, wie sie Kinder behandeln. So haben wir uns die vergangenen fünfzehn Jahre bei Sorgerechtsfällen engagiert. Wir fanden, dass die allgemeine Öffentlichkeit die Zeugen Jehovas besser verstehen kann, wenn sie versteht, wie sie ihre Kinder behandeln. In den letzten paar Minuten würde ich gerne ein paar Tips für die geben, die mit Jehovas Zeugen über den Herrn reden möchten. Als ich damals die Zeugen Jehovas verließ und ich ihnen sagen wollte, was ich wusste, fand ich mich in einer Anzahl Bibelschlachten mit ihnen.

Angenommen, dies hier ist eine Bibel. (Das ist eine.) Und angenommen, dies hier ist ein Wachtturm. (Es ist einer.) Jehovas Zeugen lesen die Bibel durch den Wachtturm und durch die Brille des Wachtturms. So können sie nicht wirklich die Bibel sehen. Wie viele von Ihnen haben schon mit Jehovas Zeugen über die Bibel gesprochen? ... Gut. Ist Ihnen aufgefallen, dass Sie sich in einer Bibelschlacht befanden? Das kommt daher, dass die Bibel für Jehovas Zeugen nicht ihr Buch ist. Das ist der Wachtturm. Daher benutze ich bei Jehovas Zeugen gar nicht die Bibel. Ich benutze den Wachtturm. Wenn ich eine Zeitlang mit dem Zeugen Jehovas über den Wachtturm gesprochen habe, sehe ich, dass ein ehrlicher Zeuge Jehovas kein Zeuge Jehovas mehr sein möchte. Wenn er Gott liebt, dann ist es Zeit, Gottes Wort aufzuschlagen. An diesem Punkt habe ich nicht mehr mit einem Zeugen Jehovas zu tun. An diesem Punkt rede ich nicht mehr mit einem Zeugen Jehovas. Ich rede mit jemandem, der ein Ex-Zeuge Jehovas ist. Zwei oder drei Stunden nach Beginn unseres Gespräches. Sie können sich vorstellen, wie sehr er sich jetzt für meine Meinung interessiert. Ich werde nun sein Lehrer.

Sie sehen also, das Problem mit Jehovas Zeugen ist ein Verständigungsproblem. So lange sie Zeugen Jehovas sind, hören sie mir nicht zu. Und was generell passiert: Man verbringt nicht viel Zeit mit einem Zeugen Jehovas. Wo treffen Sie sie? Sie treffen sie an der Tür. Oder wenn Sie einkaufen gehen. Oder zu ganz anderen unpassenden Zeiten. Ich möchte sie bei mir zu Hause haben. Einen ganzen Nachmittag lang. Und an diesem Punkt kann ich sehen, wie Gott wirkt.

Ich möchte Ihnen eine wichtige Schriftstelle vorlesen. Sie steht in 2. Timotheus 2:24-26:

Ein Knecht des Herrn aber soll nicht streiten, sondern gegen alle milde sein, lehrfähig, duldsam, der in Sanftmut die Widersacher zurechtweist, ob ihnen Gott nicht etwa Buße gebe zur Erkenntnis der Wahrheit, und sie wieder nüchtern werden aus dem Fallstrick des Teufels, die von ihm gefangen sind, für seinen Willen.

Sie sehen, für einen Christen gibt es nur einen Mittler zwischen Gott und den Menschen, den Menschen Jesus Christus, der auch Gott war. Deshalb kann man nur dann wirkungsvoll mit Jehovas Zeugen umgehen, wenn man mit ihnen als mit Zeugen Jehovas umgeht. Nicht wie mit vernünftigen Leuten. Nicht wie mit jemandem, wie ich ihn gerne hätte. Ich muss ihn da treffen, wo er sich befindet, und einhalten und Gott an ihm wirken sehen. Ich glaube, sehr viele Zeugen Jehovas könnten da sitzen, wo wir heute abend sind -- wenn eine Sache geschehen würde: wenn die Kirche das wollte. Ich weiß, dass Sie das wollen, aber für mich als Ex-Zeugen ist es eine schlimme Sache, wenn ich sehe, wie Christen den Zeugen Jehovas die Tür vor der Nase zuschlagen. Ist Jesus nicht auch für die Zeugen Jehovas gestorben? Diese Menschen kommen mit der Bibel in der Hand zu uns. Und doch sind wir es, zu denen Jesus sagt: "Ihr seid meine Zeugen." Ich glaube, viel mehr Zeugen Jehovas würden zu Christus kommen. Es kann wohl nicht dabei bleiben, dass Bill Cetnar Duane Magnani Zeugnis gibt. Ich glaube, Leute wie Sie sind es, die diese Organisation zum Wanken bringen. Und das ist der Grund, warum ich in Deutschland bin. Danke!

Copyright der Übersetzung: Kids e.V., Leverkusen

 

Update: 

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