Ein Beispiel für den Gebrauch der
Wachtturm-Lehre von der theokratischen Kriegführung
Dies ist
eine kurze Übersicht über die dreisten Ausflüchte in einem Schriftsatz, der bei
Gericht in Abilene, Texas, „im Interesse von Marcus Rayes, einem Kind, Nr.
6936-C, und zur Erhärtung von Froilan Rayes motion in limine“ eingereicht
wurde. Soweit ich sehe, wurde der Schriftsatz von der Wachtturm-Anwältin Carolyn
Wah verfasst, und so will ich mich auf sie als Verfasserin
beziehen.
Bei der
Darstellung dessen, was sie als meine Legitimationen und Beweise angibt,
verdreht Wah in fast allen Punkten offen die Tatsachen und macht Ausflüchte.
Offensichtlich aus diesem Grund hat Wah die meisten dieser Behauptungen in ihren
späteren Schriftsätzen nicht mehr angeführt. Zuerst behauptet sie, aufgrund
meines Hintergrundes hätte ich nicht die nötige Erfahrung, um als
Sachverständiger zu gelten. Bis dato hat mich jedes Gericht als Sachverständigen
anerkannt. In mehreren Dutzend Fällen, in denen ich in dieser Rolle tätig war,
hat die Gegenseite ständig versucht, das Gericht dazu zu bringen, mich als
ungeeignet zu erklären – ohne Erfolg in allen Fällen bis auf diesen einen und
diejenigen, in denen, wie ich verstehe, auch ein verleumderischer Brief von
Frls. Wah eingereicht wurde. Sie unterstellt, um als Sachverständiger zur
Untersuchung der seelischen Gesundheit von Zeugen Jehovas aufzutreten, müsse man
als Kinderpsychologe „approbiert“ sein, aber dies liefert bestenfalls begrenzte
subjektive Erfahrung. Mein Beruf ist in erster Linie das Lehren an Colleges und
die Forschung, und meine Schlussfolgerungen stammen großenteils aus meinen
empirischen Untersuchungen und meiner Durchsicht der vorhandenen
Forschungsergebnisse. Sie stammen teilweise aus über einem Jahrzehnt Erfahrung
mit der Arbeit für verschiedene psychiatrische Krankenhäuser unter der Leitung
von approbierten Psychologen oder Beratern. Ich habe auch mehrere Hundert
Auftritte in Radio und Fernsehen zu psychologischen Themen und meiner Forschung
auf diesem und damit verwandten Gebieten gehabt.
Was meinen
akademischen psychologischen Hintergrund angeht, so hatte ich über 141 Stunden
in Psychologie und 191 in Soziologie, zwei Master- und Doktorgrade sowie das
Äquivalent von über drei Dr. phil. in sozialwissenschaftlicher Kursarbeit. Über
die Hälfte meiner Anerkennungsstunden am College sind Stunden in Kinder-,
Entwicklungs-, beratender und klinischer Psychologie sowie in psychologischer
Forschung und auf verwandten Gebieten. Ich war außerordentlicher Professor für
Psychologie und habe über ein Jahrzehnt lang Psychologie und Soziologie für
Hochschulabsolventen und Studenten gelehrt und bin Verfasser von über einem
Dutzend Büchern, Buchkapiteln und Monographien auf diesem Gebiet. Ich war die
meiste Zeit der 1980er Jahre als außerordentliches psychologisches Mitglied beim
State Board of Psychology registriert und war seit meiner eigentlichen Berufung
Collegelehrer. Ich war damals nicht konzessioniert, eigenständig zu arbeiten,
aber ich habe immer unter jemand anderem gearbeitet. Daher ist es die Absicht
der Dokumente von Wah, vorsätzlich irrezuführen (Seite 26, Zeilen
1-11).
Wah
behauptet sogar, die Leute, für die (und unter denen) ich gearbeitet habe, seien
fragwürdig. Damit gibt sie zu verstehen, ich hätte nicht unter der Aufsicht
approbierter Psychologen und Ratgeber gearbeitet. Juristisch gesehen muss ich
dies aber tun. Ihr Beweisstück A bemerkt, ein „Dr. Richard Miller” habe keine
Konzession als Psychologe. Der Grund dafür ist, dass Dr. Miller (sein voller
Name ist Kenneth Richard Miller) unter dem für Ratgeber zuständigen
Gesetz approbiert ist, weil sein Spezialgebiet richtigerweise unter das Gesetz für Ratgeber, nicht unter das
Gesetz für Psychologen fällt.
Hätte Frl. Wah an das Konzessionierungsbüro für Ratgeber geschrieben, wie es in
der Antwort der Konzessionierungskommission für Psychologen auf ihren Brief
nahgelegt wurde, hätte sie gefunden, dass das der Fall ist. Nicht an das Büro zu
schreiben, ist genauso unmoralisch, wie schreiben und in bezug auf das Ergebnis
lügen, indem man sich so verhält, als sei das die Unwahrheit. Die zweite Person,
Gentry (Seite 52, Zeile 7), ist, wie ich in den Berichtigungen zu meiner
beeideten Aussage bemerkt habe, falsch buchstabiert (Seite 3). Er ist nicht
unter Gentry aufgeführt, und das erklärt die erhaltene Antwort (5). Da das
meiste meiner Forschung und Praxiserfahrung in Psychologie sich in Ohio und
Michigan abspielte, ehe das Approbationsgesetz in Kraft trat (das erste
Gesetz galt in Ohio erst ab Mitte der 1970er Jahre), konnten viele Leute, unter
denen ich damals arbeitete, nicht approbiert sein.
Wah
entstellt damit die Situation in grober Weise. Sie hat sicher nicht nur
an die Personen geschrieben, deren Namen vom Berichterstatter des Gerichts
falsch buchstabiert wurden oder die unter dem Gesetz für Psychologen nicht
approbiert waren. Wah erwähnt keine der Personen, unter denen ich
hauptsächlich gearbeitet habe, wie ich in meiner Aufstellung angemerkt habe
(Seite 24, Zeile 23 bis Seite 25, Zeile 8). Der weitaus überwiegende Teil meiner
Arbeit fand unter Dr. William Beausay und Dr. Richardo Girona statt (der in der
Aufstellung auch falsch buchstabiert wird), und beide waren konzessionierte
Psychologen. Daher ist ihre Schlussfolgerung, ich hätte nicht wie erforderlich
unter seriösen und/oder konzessionierten Therapeuten gearbeitet, eine grob
irreführende und verleumderische Anschuldigung. Sie weiß, dass sie falsch ist,
doch sie zog es vor, diese verdrehte Ansicht vor Gericht zu
präsentieren.
Die
Behauptungen bezüglich des „Lebenslaufs“
Ohne
jegliche empirische Stütze oder auch nur theoretische Argumente zur Stützung
ihrer Behauptungen, und nicht in der Lage, meine Zusammenfassung der empirischen
Untersuchungen zur seelischen Gesundheit der Zeugen zu widerlegen, griff Wah
lieber den Überbringer an. Dieses unmoralische Vorgehen beeinträchtigt das Ziel
des Gerichts, für Gerechtigkeit zu sorgen, ein Ziel, das es erforderlich macht,
dass man ihm zutreffende Informationen über Streitpunkte vorlegt. Wah behauptet,
ich hätte meine Eignungen vorsätzlich falsch dargestellt, wobei sie als
Grundlage für ihre völlig irreführenden Behauptungen einen „Lebenslauf“ nimmt,
den sie in der Aufstellung produzierte und von dem ich damals ausdrücklich
sagte, er sei unrichtig (Seite 18, Zeile 18; Seite 19 bis Seite 21; Seiten
156-157). In diesem Lebenslauf waren die Daten für die Veröffentlichung aller
meiner Bücher eindeutig unrichtig:
Fragesteller: So erkennen Sie also, dass einiges stimmt, aber
nicht alles, ist es das, was Sie sagen?
Antwort: Ja.
Fragesteller: Oder glauben Sie, jemand hätte daran herumgepfuscht?
(Seite19, Zeilen 1-5)
Fragesteller: Gab es andere Unstimmigkeiten, auf die mit diesem
speziellen Lebenslauf hingewiesen wurde?
Antwort: Nun, einige hier, ich kann einige von den Bemerkungen
hier nicht lesen.
Fragesteller: Aber auf der Grundlage dessen, was sie wissen: Sie
wollen sagen, einige der Informationen sind zutreffend, andere
unzutreffend?
Antwort: Nun, einiges trifft zu, ja.
Fragesteller: Zur Quelle: Sind sie die
Informationsquelle?
Antwort: Ich weiß nicht, ob ich die Quelle bin ... (Seite 20,
Zeilen 1-10)
Fragesteller: Erkennen Sie das als Ihren
Lebenslauf?
Antwort: Ich erkenne das als einen Lebenslauf, den Richard Burk
(sic) mit der Behauptung vorlegte, da seien gewisse Unrichtigkeiten in meinem
Lebenslauf, was nicht stimmte.
Fragesteller: Okay. (Seite 21, Zeilen 15-20)
Fragesteller: Nur um die Sache abzuschließen: Hier habe ich einen
anderen Lebenslauf. Da steht „Dr. phil. Jerry Bergman“, mit der Anschrift, die
Sie angegeben haben. Könnten Sie die Identität
feststellen?
Antwort: Der sieht wie einer aus, den ich geschrieben habe. Das
Problem damit ist, wie ich in der Vergangenheit gefunden habe, ist, [dass] ich
einen Lebenslauf schreibe, der ist in einer Textverarbeitung, und es ist leicht,
das wieder aufzurufen und leichte Änderungen zu machen und das wieder zu Papier
zu bringen, und ich bin ziemlich sicher, das ist in der Vergangenheit mehrmals
passiert, und ich sehe das als äußerst unmoralisch an.
Fragesteller: Sie sagen also, jemand anders habe Ihren Lebenslauf
zu Papier gebracht?
Antwort: In dem Lebenslauf, den Sie hier gezeigt hatten, den
Richard Burk (sic) vorgelegt hat, da waren einige Dinge, die zwar nicht wirklich
unrichtig waren, aber sie waren nicht ganz klar, und zu denen habe ich auch
gesagt, dass sie immer wieder unklar waren, aber [sie zu berichtigen] scheint
eine fruchtlose Übung zu sein.
Fragesteller: Ich nehme an, die Frage ist wiederum, stammen die
von Ihnen?
Antwort: Ich möchte eigentlich sagen, nein, die stammen nicht von
mir ... Denn wenn ich einen schreiben und Ihnen geben würde, dann würde ich
schon sicherstellen, dass er zutreffend ist, aber die Universität hat viele
Dokumente geschrieben, und das da hat die Anwältin erhalten. Sie hat sich die
Dokumente per Verfügung von der Universität geholt.
Es
ist auch völlig unwahr, dass der Wahrheitsgehalt meiner akademischen Referenzen
während meiner Überprüfung zur Anstellung angezweifelt wurde. Aus den
Aufzeichnungen des Gerichts lässt sich beweisen, dass meine akademischen
Referenzen für eine Überprüfung zur Promotion angezweifelt wurden, das
Fakultätskomitee zu meinen Gunsten entschied und ich promoviert wurde. Bei einem
beiläufigen Blick auf den Lebenslauf, der zu meiner Verfügung vorgelegt wurde,
bemerkte ich, dass mein Name und einige meiner Referenzen aufgeführt waren, aber
ich bemerkte auch einige Ungenauigkeiten, eine Schlussfolgerung, die ich damals
und auch in den Korrekturen meiner Aufstellung ausdrücklich von mir gab. Hier
bemerkte ich (Seite 2):
Seite 18, Zeilen 1-3: Es gibt nicht einen „einzigen Unterschied“, sondern
dieser Lebenslauf schien mir zuerst ein vor 11 oder 12 Jahren verfasster
Entwurf zu sein, und ich nahm an, es war der, der Fragen bezüglich seiner
Genauigkeit aufwarf, aber diese Vermutungen wurden alle von dem akademischen
Gremium des College, das mich promovierte, abgewiesen. Seite 21, Zeilen 15, 18.
Jetzt, wo ich die Gelegenheit habe, mir diesen speziellen Lebenslauf anzusehen,
ist es offensichtlich, dass er viele unrichtige Informationen enthält, die ihn
verwirrend erscheinen lassen und die ich offensichtlich nicht gutgeheißen habe.
Die Irrtümer ändern nicht unbedingt etwas in der einen oder anderen Richtung an
meinen Leistungen, sie sind einfach falsch. Beispielsweise auf Seite 7: Der
Buchtitel ‘Helping Students Through Feedback’ wurde vom Herausgeber auf
‘Understanding Educational Measurement and Evaluation’ abgeändert. Des weiteren
sind sowohl Erscheinungsjahr als auch Verlag falsch – es ist nicht Harcourt,
Brace und Jovahovich, sondern das Buch wurde von Houghton Mifflin
herausgebracht, einem ambitionierteren Verleger. Das Buch ‘In Lieu of Prison,
the Community Treatment Project’ wurde nicht von der University of Illinois
Press publiziert, sondern von University Microfilms in Ann Arbor, und es hat
nicht 467 Seiten, sondern annähernd
1.000. Bei dem Buch ‘Instructors Guide’ war ich entgegen der Anmerkung „Nahm nur
Bilder auf“ tatsächlich Koautor. Bei ‘A Nation Without Prisons’ war nicht
Calvert Dodge Koautor, sondern ich verfasste ein Kapitel. Einige andere
Informationen hier sind zutreffend, aber trotzdem ist der frühere Lebenslauf vom
Juni 1979, Nr. 5, Nr. 2, eindeutig zutreffender. Zusätzlich hatte ich eine
beträchtlich höhere Zahl an Veröffentlichungen als hier aufgeführt, deshalb kann
er kaum eine vollständige, genaue Darstellung meiner Arbeit gelten, denn er gibt
zu wenig und auch manches falsch an.
Wah holte
diese Dokumente auch hervor, um zu versuchen, meinem Ruf und meiner Integrität
zu schaden, doch in einem weiteren Lebenslauf, den sie bei der beeideten Aussage
auch hervorholte, stimmten die Informationen auf diesen Gebieten. Zum
Beispiel habe ich ausdrücklich den Anspruch erhoben, zu dem Lebenslauf, den
Carolyn Wah in ihrem Schriftsatz mit einreichte, als Autor beigetragen zu haben,
aber nicht Koautor zu sein (Dieser Lebenslauf ist auch im Anhang zu ihrem motion in limine
(Beweisstück im Gegenzug Nr. 1 Seite 17) enthalten. Da
zwischen diesen beiden Dokumenten ein Widerspruch besteht und eins richtig war,
hätte sie doch wohl zumindest anmerken sollen, dass ein Unterschied besteht, und
in Erfahrung zu bringen versuchen, warum. Das hat sie nicht getan, sondern sie
zog den Verfälschten vor, von dem ich ausdrücklich sagte, er sei falsch. Wie ich sagte, war
mein Lebenslauf richtig, und das Dokument, das
Frl. Wah hervorzog, das offensichtlich von „Richard Burke“ vorgelegt wurde, war
falsch.
Antwort: Ich erkenne das als Lebenslauf, den Richard Burke (sic)
vorlegte, der behauptete, in meinem Lebenslauf seien gewisse
Unrichtigkeiten, was nicht stimmte.
Fragesteller: Okay. (Seite 21, Zeilen 15-20)
Ein
ähnlicher Widerspruch bezieht sich auf das zweite Buch, zu dem wiederum die
Information in dem zweiten Lebenslauf zutreffend ist. Es wurde nicht von
Harcourt, Brace und Jovahovich veröffentlicht, wie es in dem Brief von Morey
Raiskin hieß, sondern von Houghton Mifflin Company, einem auf diesem Gebiet
angeseheneren Verlag (6). Wah gibt hier zu verstehen, dass ich die Autorenschaft
an einer Publikation für mich reklamierte, die es gar nicht gebe. Doch
tatsächlich stimmt nur das Datum der Veröffentlichung nicht. Das ist
etwas ganz anderes, als die Veröffentlichung eines Buches zu beanspruchen, das
es nicht gibt. Dies hat Frl. Wah vorsätzlich in verleumderischer Absicht
behauptet, weil ihr Beweisstück I „Lebenslauf“ in diesem Punkt stimmte. Sie
schrieb wohl an den richtigen Verlag, und als sie herausfand, dass die
Information stimmte, hat sie sie vorsätzlich nicht zur Kenntnis genommen. Denn
für das dritte aufgeführte Buch stimmt das Datum der Veröffentlichung auch
nicht. Wie in dem korrekten Lebenslauf angemerkt, wurde das Werk von UMI in Ann
Arbor verlegt. Auch wenn ich für den verkehrten Lebenslauf verantwortlich wäre,
zeigten diese Beispiele höchstens Irrtümer bei Dateneinträgen und keine
falschen Behauptungen, wie Wah unterstellt.
Wahs
Versuch, eine kritische Zeugenaussage zu zensieren
Der motion for limine auf den Seiten 6 bis 9 sagt viel über verschiedene
Auslegungen von Gerichten bezüglich der Rechte der Zeugen, ihre Religion zu
praktizieren. Diese Gerichtsentscheide sind innerhalb gewisser Grenzen gültig,
aber sie wären weitaus weniger wohlwollend, wenn sich die Richter völlig im
klaren über die Glaubenssätze der Zeugen wären, etwas, dem Wah vorbeugen möchte,
indem sie keine Aussage zulässt, die ihren Argumenten widerspricht. Die Gerichte
heißen sicher nicht das „Recht“ gut, auf der Grundlage der Religion die eigenen
Kinder umzubringen, diese Gerichte sind sich aber offensichtlich nicht im klaren
über einige der vielen Tragödien, die die Wachtturm-Lehren bei so vielen
Menschen verursacht haben. Wenn doch, würden sie diese „Rechte“ gewiss nicht
gutheißen.
Wah führt
einige der vielen Gerichtsentscheide an, in denen es heißt, dass „Religion“
nicht die Grundlage für das Sorgerecht sein könne und dass der Staat in dieser
Hinsicht „neutral“ sein müsse. Dennoch bemerken ihre eigenen Anführungen an
zahllosen Stellen, dass religiöse Praktiken untersucht werden können,
wenn beispielsweise (Zitat aus dem Urteil des Berufungsgerichts) „die Lehren und
Praktiken eines solchen Glaubens ungesetzlich und unmoralisch sind, [und] ...
wenn Praktiken eines Antragstellers für das Sorgerecht tatsächlich das
körperliche oder seelische Wohl eines Kindes in schwerwiegender Weise bedrohen
oder den Vormund dazu bringen, ein Kind zu vernachlässigen, dann könnte dies
eine Grundlage dafür sein, einen anderen Vormund zu bestellen.“ (Schriftsatz
Wah, Seite 9) Diese Entscheidung unterstützt den Schluss, gewisse
Wachtturm-Ansichten, die in vielen Ländern ungesetzlich und die unmoralisch
sind, bedrohten tatsächlich das körperliche oder seelische Wohl eines Kindes
in schwerwiegender Weise. Die empirische Forschung stimmt mit dieser
Interpretation überein.
Wah führt
des weiteren den Fall Knighton an. Dort heißt es, die abschließende Aussage
eines Elternteils ohne „unterstützende direkte Beweise durch Sachverständige
oder sonst wie“, dass der Glaube und die Praktiken des anderen Elternteils dem
Kind schwerwiegenden körperlichen oder seelischen Schaden zufügten ... „habe zu
der verfassungsmäßig zulässigen Überprüfung der Orthodoxie der religiösen
Überzeugung [dieses Elternteils] geführt“. (Seite 10). Das Gericht entschied,
dies stelle einen fundamentalen Fehler dar, der ein Berufungsgrund sei,
indem es offenbar argumentierte, der Ausschluss einer Sachverständigenaussage
über den möglichen Schaden der Praktiken einer Religion sei unangebracht. Dies
verstößt gegen die ganze Absicht des Schriftsatzes von Wah, weil nach dem
Urteil dieses Berufungsgerichts über Glauben und Religionen, darunter die Kirche
Gottes, die Siebten-Tags-Adventisten, die Weltweite Kirche Gottes und andere,
keine dieser Kirchen gegenwärtig das glaubt, was hier von Bedeutung ist. Hier
geht es um solche Überzeugungen, die sich
eindeutig auf das Kindeswohl
auswirken, und alle wichtigen Forschungsergebnisse und anerkannten
Autoritäten kommen zu dem Schluss, dass die Wachtturm-Lehren einen negativen
Einfluss auf das typische als Zeuge erzogene Kind haben (Bergman
1990).
Andere
Ablehnungen meiner Zeugenaussage
Dann
behauptete Wah, ich „versuchte, meine Meinungen anzubieten“. (Kursiv von
mir). Ich biete die Ergebnisse meiner eigenen ausgedehnten Forschung und eine
zusammenfassende Übersicht über annähernd 4.000 andere Forscher und Kommentare
zu dieser Frage an. Diese Schlussfolgerung gründet sich auf eine ausgedehnte
Forschung und ein erschöpfendes Studium der wichtigen veröffentlichten
Forschungen. Sie gründet sich auch auf meine ausgedehnten Forschungen sowohl in
meiner beruflichen Eigenschaft als Forscher wie auch auf meine langjährige
Beschäftigung in verschiedenen psychiatrischen Kliniken. Ein Praktiker kann nur
persönliche Erfahrungen berichten, und der hauptsächliche Hintergrund
und die Grundlage für meine Schlussfolgerung sind empirische Untersuchungen. Ein Forscher berichtet die Ergebnisse nicht nur
seiner individuellen Erfahrungen, sondern der Erfahrungen vieler Leute wie auch
die empirischen Daten.
Wah
behauptet auch in verleumderischer Weise, ich hätte mich mit jeder Form von
Prozessen auf „alle möglichen
Zeugen Jehovas eingeschossen und benutzte die Zivilgerichte als Mittel, um
meinem persönlichen Ärger gegen den Wachtturm Luft zu machen ...“ (Seite 13).
Diese Behauptung ist offensichtlich falsch: Ich habe nur mit Fällen zu
tun, in denen die Anwälte oder prozessführenden Parteien glauben, ich könne
einen positiven Beitrag leisten, um die anstehenden Interessen ehrlicherweise zu
unterstützen. Ich habe in einer kleinen Zahl all der Fälle ausgesagt, zu denen
ich als Berater zugezogen wurde. Wah unterstellt, ich würde in nicht objektiver,
völlig einseitiger Art einen Feldzug gegen den Wachtturm führen und gegen ihn
anschreiben. Entgegen den Behauptungen Wahs befinde ich mich kaum in einem
„Kreuzzug“. Es ist so, wie sie sagt: Als mein Buch Jehovah’s Witnesses and
Kindred Groups, an Historical Compendium and Bibliography herausgegeben
wurde, hatte ich nur vier Artikel veröffentlicht, die sich mit den religiösen
Überzeugungen und Praktiken der
Zeugen Jehovas befassten. Andererseits hat Duane Magnani weit mehr
veröffentlicht, eine Tatsache, die sie auch kritisiert. Hätte ich viel mehr
Artikel publiziert, hätte sie diese Tatsache kritisiert. Wah behauptet auch,
meine Ansichten seien „befangen, voller Vorurteile und intolerant gegenüber
Jehovas Zeugen“. Das spiegelt entweder grobes Lügen wider oder grobe Unkenntnis
meiner Arbeit.
Ich habe
Dutzende von Artikeln verfasst, die offen die Zivilrechte der Zeugen verteidigen
und die überhandnehmende Verfolgung verurteilen, die sie weltweit erleiden
(Siehe Anhang). In den Vereinigten Staaten bin ich von Amnesty
International befragt worden, das
tätig ist, um der weltweiten Verfolgung der Zeugen durch Regierungen ein Ende zu
bereiten. Eine Durchsicht der Artikel, die ich veröffentlicht habe, wie auch der
Einleitung zu meinem bei Garland Press verlegten Buch offenbart, dass die
meisten meiner Artikel nicht negativ, sondern beschreibend und historisch
sind. Der Wachtturm selbst hat wiederholt betont, dass die Zivilrechte der
Zeugen in vielen Ländern verletzt worden sind, und führt in seinem Index der
Veröffentlichungen Hunderte von Artikeln zu diesem Thema
auf.
Wah bemerkt
auch (Seite 13), dass ich einmal das Pseudonym „Havor Montague“ benutzt hätte,
aber sie sagt nicht, wann oder warum. Ich habe den Namen vor über einem
Jahrzehnt benutzt, und der Grund ist, dass ich damals ein aktiver Zeuge war.
Selbst in einer wissenschaftlichen Besprechung muss ein Zeuge ein Pseudonym
benutzen, andernfalls würde man ihm die Gemeinschaft entziehen. Die absolute
Kontrolle des Wachtturms über das Leben der Zeugen geht so weit, dass jemand in
der Gefahr steht, ausgeschlossen zu werden, auch wenn er nur wissenschaftliche
Daten zusammenfasst und interpretiert. Das bedeutet, jemand wird völlig von den
Zeugen abgeschnitten, selbst von seiner eigenen Familie, den Freunden,
Verwandten usw., die Zeugen sind. In meinem Fall waren das die meisten
Angehörigen und Familienmitglieder. Das Trauma dieser Erfahrung ist so groß,
dass viele Menschen deswegen Selbstmord begangen haben.
Blacks
juristisches Lexikon (5. Auflage, Seite 914) sagt, ein motion in limine
sei ein „schriftlicher Antrag, der gewöhnlich vor oder zu Beginn eines
Geschworenenprozesses zum Schutz vor voreingenommenen Fragen oder Aussagen
gestellt wird.“ Vorurteil bedeutet vorverurteilen, d.h. ein Urteil auf der
Grundlage unzulänglichen Wissens ohne hinreichende Untersuchung oder Bewertung
zu treffen oder buchstäblich im Voraus urteilen. Es meint nicht ein gut
untersuchtes oder wohlbegründetes Urteil. Mein Engagement bei den Zeugen seit
den frühen 1950er Jahren beinhaltete über 20 Jahre Tätigkeit. Ich beendete auch
mehrere Studien, darunter eine Dissertation über Zeugen und seelische Gesundheit
plus Themen zur Psychologie und Maßregelung im allgemeinen, die von der Wayne
State University, Abteilung Statistik und Auswertung und Soziologie, angenommen
wurde (einer meiner Lehrer war Dr. Frank Hartung, ein angesehener Kriminologie,
der die Doktorarbeit guthieß), und eine Arbeit zur Erlangung des Master of Arts
über die Zeugen an der Bowling Green State University. Ich habe wohl über 4.000
Quellen zu Rate gezogen (diese Bibliographie wurde als separater Band bei
Garland Press in New York verlegt) und buchstäblich Hunderte von Forschern,
Untersuchern, Psychologen, Sozialarbeitern und Angestellte von
Besserungsanstalten für meine Forschung interviewt, dessen Ergebnis über hundert
Artikel waren. Daher können meine Schlussfolgerungen wohl kaum für
„voreingenommen“ gehalten werden. Offensichtlich hat mich Wah angegriffen, weil
sie meine Forschung oder die Ergebnisse meiner Forschung nicht angreifen konnte
– oder die Tatsache, dass die ganze ausgedehnte Forschung ohne Ausnahme zu dem
Ergebnis kommt, dass die Rate der seelischen Erkrankungen bei den Zeugen
deutlich oberhalb des Durchschnitts liegt. Zugegebenermaßen variieren die
besondere Rate und die Richtigkeit in diesen Untersuchungen, aber in ihren
Ergebnissen sind sie dennoch einheitlich.
Blacks
juristisches Lexikon sagt ferner, „der Zweck eines solchen Antrages sei es, die
Einführung von Themen in den Prozess abzuwenden, die irrelevant, nicht statthaft
und nicht vorurteilsfrei sind.“ Angesichts des oben angeführten Urteils des
Berufungsgerichts, das entschied, die Aussage von Sachverständigen sei
notwendig, ist die Gewährung eines solchen Antrages nachteilig. Alle
Sachverständigen, die nicht offen logen, wären zu demselben Schluss gekommen, zu
dem ich kam, wenn nur die Daten berücksichtigt worden wären. Dieser Schluss ist
vermeidbar, und Wah hat offensichtlich kein Schutzmittel
dagegen.
Wahs
Verdrehung der empirischen Forschung
Wah (Seite
17) behauptet, ich sei zu dem Ergebnis gekommen, dass „Jehovas Zeugen eine
höhere Suizidrate und ein höheres Vorkommen von Schizophrenie hätten – auf der
Grundlage einer australischen Untersuchung, in dem die Samplegröße fünfzig
Zeugen Jehovas betrug“. Meine Ergebnisse gründen sich nicht auf diese
Untersuchung, sondern auf Dutzende von Untersuchungen, darunter mehrere
empirische Studien, die sich ausdrücklich mit der seelischen Gesundheit der
Zeugen befassten. Meine Schlussfolgerung gründet sich auch auf die
Wachtturm-spezifische Lehre und eine Bewertung der Untersuchung, die die
Ergebnisse dieser verschiedenen Lehren auf die seelische Gesundheit erörterte,
wie die strenge Isolation, die der Wachtturm seinen Mitgliedern auferlegt. Wah
deutet an, die Größe des Samples von 50 Zeugen Jehovas in der
australischen Untersuchung sei fragwürdig. In diesem Fall ist 50 nicht die Größe
des Samples, sondern die Größe der Population, was etwas ganz
anderes ist. Auch eine Samplegröße „n“ von 50 ist eine respektable Samplegröße,
wenn eine stichhaltige Sampletechnik benutzt wird. Die Gesamtzahl der Zeugen in
Australien (24.160 im Jahre 1983) und damit die Anzahl der aufgrund seelischer
Probleme hospitalisierten Zeugen ist gering (Seite 95, Zeile 23; Seite 96, Zeile
6). Die Samplegröße ist ein Faktor, der gewöhnlich nur von untergeordneter Bedeutung ist, wenn das Sample mit Hilfe einer wirkungsvollen Sampletechnik
gewonnen wurde. Ein Beispiel sind die Gallup-Umfragen, bei denen manchmal nur
Samplegrößen von wenigen hundert benutzt werden, bei denen jedoch aus diesem
geringen Anteil unglaublich genaue Schlüsse auf die Bevölkerung der gesamten
Vereinigten Staaten gezogen werden können (elektronische Messungen haben
gezeigt, dass diese Samplegröße zu einem so großen Niveau an Genauigkeit geführt
hat, dass bei Präsidentschaftswahlen seit dem Alf Landon-Fehlschlag in den
1930er Jahren kein einziger Misserfolg mehr vorgekommen
ist!).
Wah führt
in ihrem Versuch, ihre Ansicht zu verteidigen, dass Zeugenkinder aus der
Wachtturm-Umgebung Nutzen ziehen können, nur eine Untersuchung an, die
Dewing-Untersuchung, die zeigte, dass Zeugenkinder kreativer seien. Diese
Untersuchung ergibt in keinem Falle die Schlussfolgerung, in ihren
kreativen Fähigkeiten seien die Zeugenkinder generell höher als der
Durchschnitt, wie Wah durchblicken lässt. Es kann allerhöchstens daraus
geschlossen werden, dass eine Einzeluntersuchung aufgezeigt habe, dies könne der Fall sein (Seite 98, Zeile 14). Des weiteren akzeptiert Wah die
Ergebnisse dieser Untersuchung, die eine weitaus geringere Samplegröße
„n“ als die Spencer-Untersuchung hat. Diese Einzeluntersuchung basiert auf einer
großartigen Totalanzahl von vier Zeugen aus einem Sample von 394 Leuten.
Sorge über die Größe wäre angebracht bei n = 4, was beträchtlich kleiner
ist als die Population von 50. Die entscheidende Grenzlinie für die Größe eines
Samples scheint bei 30-32 zu liegen, darunter scheint Vorsicht angebracht
zu sein. Für Samples über 30 kann man oft zu einer gültigen Reihe von
Schlussfolgerungen kommen, wenn die Sampletechnik zulänglich ist.
Wah
unterstellt, die Untersuchung Dewings sei stichhaltig, weil ihre Ergebnisse den
Wachtturm zu stützen scheinen. Dewings Untersuchung kommt zu dem Schluss,
der Grund, warum Zeugen kreative Fähigkeiten entwickelt hätten, sei, dass sie merklich anders
und Teil einer sichtbaren Minderheit seien. Isoliert von
anderen, sind Zeugen gezwungen, die Welt in einer anderen Weise zu betrachten,
weil sie einen radikal anderen Platz in ihr einnehmen. Ihre Untersuchung, auf
die ich in meiner Arbeit zurückgriff, stützt eindeutig meine Ergebnisse über die
Auswirkungen des Glaubensgebäudes der Zeugen auf ihre seelische Gesundheit,
besonders die Normen, die soziale Isolation wie auch Verfolgung
erzwingen.
Es
trifft zu, dass mehrere Faktoren (siehe Seite 100, Zeile 10) in dem Sample als
Ganzem festgestellt wurden, aber die Schlussfolgerung, diese besonderen Faktoren
träfen auf die Zeugen in ihrer Situation zu, war keines der Ergebnisse
der Untersuchung. Sie tendierten einfach dazu, in der Gruppe als gesamter
gewöhnlicher zu sein, nämlich mit 46% in der als kreativ eingestuften Gruppe im
Vergleich zu 51% in der als nicht kreativ eingestuften Gruppe. Das bedeutet,
Dewing benutzte den Torrance-Test zur Einstufung der Kreativität, ein Test, der
voller Schwierigkeiten steckt und heute nicht mehr benutzt wird. Ein Teil des
Problems ist, dass es sehr schwierig ist, Kreativität zu messen. Und es ist auch
so, wenn die Zeugen als Ganze tatsächlich kreativer als andere sein sollten,
wird ihnen das fast mit Sicherheit Probleme mit dem Wachtturm bringen, wo sie
gezwungen sind, diesen Charakterzug zu unterdrücken. In der Tat mag dies
auch dazu führen, dass sie in der Außengesellschaft Probleme haben. Ein hohes
Niveau an Kreativität mag auch die soziale Anpassung dort nicht ermöglichen, und
in vielen Fällen wird sie sie erschweren. Auch wenn man geneigt ist, dies als
positiven Charakterzug anzusehen, wird er doch durch andere Faktoren
aufgewogen.
Warum
benutzte Wah keine Aussage eines Sachverständigen, der zugunsten ihrer
Behauptung aussagen konnte, dass seelische Krankheiten und die Suizidrate bei
den Zeugen tatsächlich nicht hoch seien? Ursprünglich wollte sie einen Zeugen
Jehovas, der zufällig ein Ratgeber in Kalifornien ist, in den Zeugenstand rufen.
Bei meinen Forschungen hatte ich nicht nur Briefverkehr mit weltlichen
Therapeuten, sondern auch mit den wenigen Zeugen Jehovas, die eine akademische
Ausbildung hatten. Alle Ratgeber, die aktive Zeugen sind und mit denen
ich korrespondiert habe, stimmen mit meinen Ergebnissen in bezug auf die hohe
Krankheitsrate bei den Zeugen überein, und mehrere gaben mir dies auch
schriftlich, darunter Wahs Sachverständiger. Ein Ältester, Dr. Larry Onda, sagte
über die Probleme unter den Zeugen:
Meine
Erfahrung ist seit langem, dass Probleme mit der seelischen Gesundheit [unter
den Zeugen] in diesen letzten Tagen verbreiteter werden. Es scheint, dass
psychotische und neurotische Störungen in meiner Gegend immer mehr überhand
nehmen. Hospitalisierung oder Pflege ambulanter Patienten durch „weltliche“
Fachkräfte haben ihre Umstände verschlimmert … ein Netzwerk von Verbindungen
zwischen den Brüdern, die sich mit der seelischen Gesundheit befassen, könnte zu
effektiveren Wegen führen, wie man diese traumatischen Probleme behandelt. Als
Ältester bin ich gebeten worden, mich mit den Versammlungen, Komitees,
Kreisdienern und Bezirksdienern zu beraten.
Dieser
Vorschlag wurde von der Wachtturm-Gesellschaft rundweg abgelehnt. In einem Brief
des Zeugen Joe E. Arnett hieß es:
... Seelische Störungen sind unter unseren Brüdern eindeutig auf dem
Vormarsch. Es ist offensichtlich, dass die Gesellschaft dies erkennt, wie es
sich an vielen neueren Artikeln und Themen dazu in unseren Publikationen zeigt.
Eine unserer größten Schwierigkeiten als Brüder [Jehovas Zeugen] in diesem Beruf
scheint die Unterrichtung der Brüder [Jehovas Zeugen], darunter einiger
Ältester, über die Tatsache zu sein, dass einige Dienste für seelische
Gesundheit gut und notwendig sind und dass sich seelische Krankheiten sogar in
weltlichen Einrichtungen erfolgreich behandeln lassen.
Als diese
Briefe geschrieben wurden, hatte ich noch nicht formal die Gemeinschaft der
Zeugen verlassen und kann die Frustration bezeugen, die die wenigen Fachleute
unter den Zeugen erlitten, als sie versuchten, mit der völlig unvernünftigen
Sozialpolitik des Wachtturms klarzukommen. Alle diese Bemühungen, selbst unter
Fachleuten bei den Zeugen, wurden von der Gesellschaft großenteils im Keim
erstickt (in Kanada trug sich dasselbe im Zusammenhang mit der Blutfrage zu).
Weiter berichtete Dr. Onda von der vorherrschenden Ansicht, die von der
Gesellschaft in bezug auf seelische Gesundheit gelehrt wird, indem er bemerkte,
er „stimme zu, dass es wichtig sei, die Brüder [Jehovas Zeugen] über die
Vorteile der Dienste für seelische Gesundheit zu unterrichten und nicht bloß
über die Nachteile. Leider gibt es einige [eigentlich eine große Anzahl von
Zeugen, und so hat es die Gesellschaft auch jahrelang direkt gelehrt], die
Psychotherapie als Abtrünnigkeit oder sogar Dämonismus bezeichnen. Aus meiner
eigenen Erfahrung weiß ich, dass viele Freunde in einem Konflikt stehen, wenn
sie erfahren, dass ich Ältester und Psychologe bin. Nur aufgrund der Tatsache,
dass ich Psychologe bin, haben einige mein Geistiggesinntsein angezweifelt.
Daher bin ich äußerst vorsichtig, jemandem meine weltliche Arbeit zu offenbaren
oder darüber zu sprechen.“
Ein
Bericht, den Onda auf der jährlichen Zusammenkunft der „Fachleute“ unter den
Zeugen vorstellte, kam unter anderem zu dem Schluss, dass Jehovas Zeugen
schwerwiegende seelische Probleme haben. In einer Übersicht über das Thema
bemerkte Dr. M. James Penton, ein Zeuge in der fünften Generation, den man wegen
Konflikten aus der Bewegung drängte, die begannen, als er ein für die Zeugen vorteilhaftes Buch schrieb:
Zusätzlich gibt es noch Faktoren, die für das Leben der Zeugen an sich
charakteristisch sind, die zweifellos zu einem gewissen Grad an seelischer
Krankheit führen. Eifrige Pioniere haben bei vielen Gelegenheiten ihre
körperliche und seelische Gesundheit aus einem Geist der Hingabe heraus
geopfert. Einige Älteste und Verkündiger fordern sich bis zum Punkt der
Erschöpfung. Die christliche Lehre der Selbstaufopferung, so bewundernswert sie
zweifellos auch sein mag, verursacht schweren seelischen Stress unter den
meisten frommen Zeugen Jehovas. Gleichzeitig haben auch Attitüden einer
Superfrömmigkeit schädliche Auswirkungen auf einige der Personen, die sie
zeigen, oder zusätzlich auf eine Anzahl derer, die Objekte ihrer „übermäßigen
Gerechtigkeit“ sind.
All dies
ist der leitenden Körperschaft der Zeugen Jehovas wohlbekannt. Im letzten
Jahrzehnt haben Anwälte, Ärzte und andere Fachleute unter den Zeugen
geschlossene Zusammenkünfte mit Vertretern der leitenden Körperschaft
abgehalten, um juristische und medizinische Fragen in bezug auf ihren Glauben zu
erörtern und um dem höchsten herrschenden Gremium der Zeugen Vorschläge zu
unterbreiten. Bei einer dieser Zusammenkünfte übergab Dr. Lawrence Onda ein
unveröffentlichtes Papier über die „Auswahl der Dienste für seelische
Gesundheit“, in dem er die Aufmerksamkeit auf eine Anzahl von psychiatrischen
Untersuchungen über die seelische Gesundheit der Zeugen lenkte. Er
sagte:
Ich möchte gerne einen weiteren Grund betrachten, warum Jehovas Volk
seelische Probleme hat, aber ich möchte vorsichtig sein, damit nicht einige
die folgenden Aussagen missverstehen. Ich habe gewaltige Liebe, Achtung und
Hingabe für Jehovas wahre Organisation, aber das kann zu einem bestehenden
Problem beitragen oder es beschleunigen, statt es besser zu machen. Welche
biblische Lehre trägt dazu bei, ein Problem schlimmer zu machen? Es ist das
Schuldgefühl. Jehovas Volk ist mit einem höheren Maßstab konfrontiert und steht
damit unter größerem psychologischen Druck. Die „Welt“ sagt, wenn dir etwas
Schuldgefühle bereitet, dann werde es los. Aber wir haben in unseren Familien,
im Alltagsleben und als Personen ein hohes Niveau an christlichem Betragen zu
halten. Wir können nicht etwas Falsches denken, ohne Schuldgefühle zu haben.
Wenn ein Zeuge unausgeglichen wird, dann mag er mutlos werden und sich als
Versager vorkommen, weil er keine Vollkommenheit im Fühlen und Denken und am
Körper erreichen kann. Im wesentlichen heißt das, dass einige der „Freunde“ sich
so sehr bemühen, Jehova zu gefallen, dass sie seelisch krank
werden.
Daher zog
Wah es vor, ihren Sachverständigen nicht bei diesem Prozess aussagen zu lassen,
denn, konfrontiert mit seinen Briefen, wäre Dr. Onda zuzugeben gezwungen, dass
seelische Krankheit ein schwerwiegendes Problem unter den Zeugen ist. Also
herrscht selbst unter den wenigen Fachleuten auf diesem Gebiet, die
Zeugen sind, Übereinstimmung, dass das Thema seelische Gesundheit eine
schwerwiegende und wichtige Sorge darstellt. Da Wah meine Ergebnisse oder
Beweise nicht anfechten kann, greift sie zu der Strategie, mich als Person
anzugreifen. Denn statt einfach die Tatsachen zu berichten und sich zu bemühen,
eine aufgeklärte professionelle Bewertung darüber abzugeben, reagiert Wah mit
solchen Beschimpfungen wie „intolerant“, „voreingenommen“ und „voller
Vorurteile“. (Seite 17).
Wahs
Verdrehung meiner Ansicht über einen Erlaubnisschein für
Eltern.
Wah stellt
die lächerliche Behauptung auf, ich hätte unterstellt, dass „Eltern einen
Erlaubnisschein beantragen sollten, ehe man ihnen erlaube, Kinder zu bekommen.“
Ich habe so etwas ganz eindeutig nicht unterstellt; ich habe in meiner beeideten
Aussage vielmehr entschieden zum Ausdruck gebracht, dies sei nicht meine
Schlussfolgerung, sondern ich hätte diese Ansicht nur untersucht (Seite 104,
Zeilen 55-85). Jemand, der einen Mord untersucht, befürwortet damit noch keinen
Mord. Mein buchlanges Manuskript zu diesem Thema bespricht meine
Schlussfolgerungen ganz klar. Sie hat mich fälschlich in eine Lage gebracht, in
die ich, wie ich entschieden feststellte, nicht gehöre, und dann bemüht sie
sich, die Haltung zu kritisieren, von der sie behauptet, dass ich sie einnähme.
Bei meiner beeideten Aussage drängte sie wiederholt auf „hypothetische“
Situationen und „Schüsse aus der Hüfte“, die sie dann fälschlich so darstellte,
als seine es meine gut durchdachten Ergebnisse, die es aber entschieden nicht
waren.
Diese
Reaktion seitens des Wachtturms ist nicht unerwartet. Meine lange Gemeinschaft
mit den Zeugen, wie auch die Ergebnisse meiner empirischen Forschung, zeigen,
dass sie wiederholt offen lügen. Der Wachtturm lehrt auch, es sei richtig, zu
lügen, um die Organisation zu verteidigen, und in der Tat bemüht sich Frl. Wah
in der fraglichen beeideten Aussage, offen diese Ansicht zu verteidigen (Seite 52, Zeilen 22-25), indem sie bemerkt, der Wachtturm
lehre:
Antwort: Ein Christ
muss immer im Sinn behalten, dass er sich als Soldat Christi in einem
theokratischen Krieg befindet, und er muss zusätzlich Vorsicht walten lassen,
wenn er es mit Gottes Feinden zu tun hat. So zeigt die Bibel, dass es richtig
ist, die Wahrheit vor Gottes Feinden zu verbergen, wenn man damit Gottes
Interessen schützen will.
Fragesteller:
" ">Danke. Wäre diese Sache anders als die
eines Soldaten, der eine Regierung unterstützt und von der gegnerischen Armee
gefangen genommen wird?
Antwort:
Ja.
Fragesteller:
" ">Warum das?
Antwort:
" ">Nun, in dieser Situation, wenn wir
darüber reden, die Wahrheit zu verbergen
, muss man
verstehen, vor wem, und wir reden über Nicht-Zeugen Jehovas als der Kategorie
von Jehovas Feinden, nicht von Jehovas Zeugen natürlich; und man muss verstehen,
" ">vom theokratischen oder
geistigen Krieg her gesehen glauben Jehovas Zeugen, dass alle, die keine Zeugen
Jehovas sind, zum Lager Satans gehören und alle Zeugen Jehovas zum Lager
Gottes
. Das ist
Ihr theokratischer Krieg. Im Fall eines physischen Krieges zwischen Ländern
haben wir nicht diese Situation, wo Leute einander unbedingt anlügen müssen. Wir
haben eine völlig andere Situation.
Fragesteller:
" ">Sie sagen also, dass in einem Krieg,
beispielsweise im Zweiten Weltkrieg, deutsche Soldaten, die von amerikanischen
Soldaten gefangen wurden, kein Problem mit Lügen zwischen ihnen
hätten?
Antwort:
" ">Das hängt von den Umständen ab. Der
Hauptbeweggrund im Leben eines Zeugen Jehovas ist, alles zu unterbreiten, was
die Wachtturm-Organisation möchte, das sie unterbreiten. Wenn die Organisation
gesagt hat, dass ein Gegner, d.h. ein Nicht-Zeuge Jehovas, etwas besprechen
möchte, dann ist es die Pflicht des Zeugen Jehovas, nach unserer Erfahrung und
nach den Unterlagen, die wir haben, im Prinzip zu vertuschen, zu lügen, oder zu
verdrehen, damit die Gesellschaft in den Augen dieses Herrn gut
aussieht
.
Frl. Wahs
Fragen zeigen, dass das Überwachungs- und Berichtssystem des Wachtturms von
einer Ausgedehntheit und Genauigkeit ist, dass der alte KGB noch davon hätte
lernen können! Dass sie praktisch alle Fälle eines jeden Prozesses, in den ein
Zeugen verwickelt ist oder war, parat hat, ist verblüffend. Dieses Niveau der
Kenntnis der Prozesse ihrer Mitglieder durch eine zentrale Kirchenorganisation
ist merkwürdig (Seite 40, Zeilen 19, 20; Seite 42, Zeilen 1-25 veranschaulichen
die unglaubliche Kenntnis dieser Fälle).
Die
Wachtturm-Gesellschaft behauptet, es gebe auch positive Auswirkungen ihrer
Lehren (Seite 66, Zeilen 10, 11), darunter die Verurteilung von Drogen und
ähnliches. Ich kenne keine einzige Religionsgemeinschaft, die zum
Gebrauch von Marihuana, Kokain oder Crack ermuntert. Weder die Kommunisten, die
Nazipartei, noch auch der Klu Klux Klan. Ein oft angeführtes Zitat des
französischen Autors LaRochefou sagt: „Böse Ideen wären nicht so böse, wenn in
ihnen nicht auch etwas Gutes wäre.“ Oder: „Böse Menschen wären nicht so
gefährlich, wenn sie nicht auch Gutes in sich hätten.“ Das Urteil, dass eine
Organisation böse ist, bedeutet nicht, dass alle ihre Aktivitäten, auch nicht
die meisten, böse sind. Die meisten bösen Einrichtungen und Menschen tun einige
sehr gute Dinge. Mussolini schuf einen wirkungsvolleren Staat, bis dahin, dass
die Eisenbahn pünktlich wurde; Hitler löste das schwere Arbeitslosigkeitsproblem
in Deutschland; Stalin schuf viele Gelegenheiten für höher bezahlte Arbeit, und
Al Capone verteilte regelmäßig zu Weihnachten Truthühner an die Armen. Der
Schaden dieser Organisationen, denen diese Leute vorstanden, wird in keiner
Weise durch das Gute, das sie vollbrachten, verneint. Eine Mischung aus Gut und
Böse ist oftmals tödlicher als das rein Böse. Gezwungen zu sein, die
Wachtturm-Behauptung stark zu finden, dass eine Ermunterung zur Reinheit ein
Beweis für die Tugenden ihrer Organisation
sei, ist unglaublich (die Nazipartei
bestand fast fanatisch auf Reinheit; selbst in vielen Konzentrationslagern gegen
Ende des Krieges, als die Ordnung nicht mehr aufrechterhalten werden konnte
(Seite 67, Zeilen 8-13).
Wahs
Falschdarstellung meiner Bemerkungen zu
Bluttransfusionen
Was meine
Aussagen zur Blutfrage angeht, so stimmt es, dass ich diese Frage vermeiden wollte, aber es ist entschieden falsch, dass ich „den Zeugen Jehovas dieses
Recht abstreite“ (umschreibend). Zeugen „versuchen nicht, Blut zu vermeiden“,
sie sind vielmehr unter Androhung eines Gemeinschaftsentzuges gezwungen,
praktisch alle Behandlungen kategorisch abzulehnen, bei denen Vollblut oder
Blutbestandteile verwendet werden, selbst Autotransfusionen, die medizinische
Rückführung des Blutes eines Patienten in seinen eigenen Körper. Wenn ein
Zeuge zu dem Schluss kommt, diese medizinische Behandlung sei notwendig und
angemessen und ohne sie sei das Leben des eigenen Kindes in Gefahr, und wenn er
in dieser Hinsicht dann seinem Gewissen folgt, wird er wahrscheinlich
ausgeschlossen. Das Ergebnis wäre: Er könnte nicht einmal im normalen sozialen
Umgang mit seinen eigenen Eltern, Kindern, Verwandten und Freunden, die Zeugen
sind, frei sprechen.
Wah
behauptet tatsächlich, es wäre nicht unvernünftig, wegen der Furcht vor AIDS
eine ganze Klasse lebensrettender medizinischer Behandlungsmethoden kategorisch
abzulehnen. Obwohl die Wahrscheinlichkeit, sich bei einer Transfusion AIDS
zuzuziehen, besteht, liegt die Wahrscheinlichkeit dafür heute bei etwa 1 zu 1/2
Million Transfusionen. Wer behauptet, die völlige Ablehnung einer medizinischen
Behandlung in einer lebensbedrohenden Situation sei aufgrund der Furcht, sich
AIDS zuzuziehen, logisch, der kann auch gleich behaupten, es wäre vernünftig, keinerlei Nahrung aus Konservendosen zu essen, weil man in ein paar Dosen
den Botulismuserreger gefunden habe und man jetzt Todesangst habe. Entsprechende
Sorgen bestehen für alle Nahrungsmittel, selbst für Äpfel, und diese Behauptung
dazu zu verwenden, nichts zu essen, müsste man sicher als irrational
bezeichnen.
Wah bezieht
sich auf den Befund der präsidialen Kommission (Seite 138, Zeile 12), die zu dem
Schluss kommt, es sollten nur vernünftige Strategien eingehalten werden, unnötige Transfusionen von Fremdblut
zu vermeiden. Es ist etwas
ganz anderes, bei einem lebensbedrohlichen Blutverlust eine Behandlung zu
verweigern, bei der die Erfolgschancen 99 zu 100 sind, weil damit Probleme
verbunden sind, die bei einem von mehreren hunderttausend Fällen auftreten
könnten. Jede Operation, auch eine operative Entfernung der Mandeln, beinhaltet
ein gewisses Risiko, das gegen den möglichen Nutzen abgewogen werden muss. Offen
eine lebensrettende Transfusion abzulehnen, weil damit ein geringes Risiko
verbunden ist, ist nicht vernünftig, selbst wenn das Risiko bei 1 zu 1.000
Fällen stände. Und man kann selbst dieses Risiko noch durch
Autotransfusionen verringern, ein Herangehen an die Sache, die allgemein
empfohlen wird (und ich weiß, dass niemand damit nicht übereinstimmen würde,
selbst Ärzte, die Zeugen Jehovas sind, nicht), und doch werden selbst
Autotransfusionen vom Wachtturm verurteilt.
Die
Wachtturm-Gesellschaft hat noch über 100 Jahre nach Louis Pasteur gelehrt, Keime
würden keine Krankheiten verursachen und Pasteur sei ein „Betrüger“. Überdies
zeugt es kaum von Vernunft, wenn man alle Organtransplantationen verurteilt und
behauptet, das Herz sei buchstäblich und körperlich der Sitz der Gefühle eines
Menschen, wie es der Wachtturm getan hat. Die Wachtturm-Gesellschaft weigert
sich nicht nur, die Verantwortung für den durch ihre Politik verursachten Mord
an Hunderttausenden von Menschen zu übernehmen, sondern sie beharrt stur auf
ihrem Recht, weitere Menschen umzubringen.
Wahs
Versuch, meine Aussage in Misskredit zu bringen
Frl. Wah
behauptet, dass „keine Beweisgründe oder Aussagen vorgebracht würden, dass
Marcus Rayes, dessen leiblicher Vater das Sorgerecht für ihn hatte ...
irgendeinen körperlichen, geistigen oder seelischen Schaden erlitten habe.“
(Seite 2). Aus meinen zahllosen Unterhaltungen mit etwa einem Dutzend Leute, die
mit dem Fall zu tun hatten, sowohl Unkundigen wie Fachleiten, wurde deutlich,
dass aus der Beziehung mit besonderen Zeugen geistiger und seelischer Schaden
entstanden ist. Diese Schlussfolgerung wird durch das anomale Verhalten
bewiesen, das man als neurotisch bezeichnen kann.
Wah benutzt
zuerst den Begriff „Sachverständigenaussage“ in abfälliger Weise, dann behauptet
sie, meine Aussage solle die Lehren des Wachtturms mit einer „nicht
existierenden abstrakten ‚Normal’-Religion mit der Absicht vergleichen, zu
finden, dass der Status des leiblichen Vaters als Zeuge Jehovas an sich
schädlich für die Gesundheit und das Wohl des minderjährigen Sohnes Marcus“ sei
(Seite 2). Ihre Behauptung verstößt gegen die eindeutige Vorschrift vieler
Gerichte, dass der Maßstab des wohlverstandenen Interesses eine Bewertung der
religiösen Praktiken einschließen darf, und, im Falle der Zeugen, wird
ihre sektiererische Haltung oft in bezug auf ihre Auswirkungen auf ein Kind
eingeschätzt (7). Wah behauptet, (Seite3), „Kritiker der Zeugen Jehovas [würden]
ihre Verachtung oft in Begriffen von ‚Normalität’ formulieren, statt die
theologische Lehre an[zu]greifen.“
Eine
Übersicht über die Literatur zeigt, dass die überwiegende Mehrzahl der
Kritiker der Zeugen die religiösen Lehren des Wachtturms angreift. Ich habe das
vor Gericht nie getan, ich habe nur ihre Vorgehensweisen kritisiert, die
zur seelischen Gesundheit der Kinder einen Bezug haben und die durch eine
Vielzahl von Umständen Teil der Wachtturm-Lehren werden, auch wenn sie in
keiner Weise in größerem Maße als „religiös“ bezeichnet werden können, als die
neue mexikanische Satanssekte eine christliche Sekte ist. Ein Beispiel ist die
Wachtturm-Lehre, dass Gott fordere, man müsse eher das Leben seines Kindes
opfern, als sich gegen die sprunghaften, willkürlichen und relativ neuen Lehren
über gewisse lebensrettende medizinische Behandlungen zu vergehen (siehe Bergman
Journal of Pastoral Practice).
Wah stellt
auch die Behauptung auf, die Wachtturm-Lehren seien „weder ungesetzlich noch
unmoralisch, und sie stellten auch in dieser Hinsicht für die Zukunft kein
Risiko dar.“ Diese dreiste Unwahrheit widerspricht eindeutig Bänden von
wissenschaftlichen Untersuchungen und einer offenkundigen Tatsache: Die
Organisation der Zeugen Jehovas ist in Dutzenden von Ländern für ungesetzlich
erklärt worden und ist oder war in Staaten von Kanada über Mexiko und Australien
bis sogar hin zu Frankreich verboten oder eingeschränkt (9). Sie ist eine der in
größerem Maße verfolgten Religionen in der modernen Welt, und es gibt
spezifische Gründe, warum sich dies so entwickelt hat (10). Viele
Regierungen haben verfügt, dass die Wachtturm-Lehren sowohl ungesetzlich als
auch unmoralisch sind und ein eindeutiges Risiko für die Sicherheit und das Wohl
ihrer Nation darstellen. Ihre heutigen und früheren Lehren in bezug auf viele
medizinische Praktiken gehen von der völligen Verurteilung der Impfung über
Organtransplantationen bis zu Bluttransfusionen (die wohl alle kaum ein
schwerwiegendes Gesundheitsrisiko darstellen und gegen das abgewogen werden
müssten, was sie an Gutem erzielen), und das abzustreiten, heißt die Realität
nicht zur Kenntnis zu nehmen. Wenn man über diesen Glauben aus religiösen
Gründen argumentieren könnte, würde eine Sorge aufgehoben, aber solche Argumente
sind nicht möglich.
Obwohl der
Wachtturm versucht, sich hinter Religion und „biblischen Gründen“ zu verstecken,
sagt die Bibel beständig etwas anderes, als es die Wachtturm-Position
ist. Der Wachtturm argumentiert, indem er gewisse Bibelstellen in unglaublich
naiver Weise falsch auslegt und insgesamt die massiven Beweise gegen seine
Ansicht nicht zur Kenntnis nimmt. Einer der am häufigsten zitierten Verse, den
sie nehmen, um ihren Glauben zu verteidigen, ist 1. Mose 9:4, der nach ihrer
eigenen Übersetzung sagt, dass man „nur Fleisch mit seiner Seele – seinem
Blut – nicht essen“ darf (Neue-Welt-Übersetzung der Heiligen Schrift, 1986). Diese Passage verurteilt ganz klar
nur das Essen von
Tierfleisch, in dem noch das Blut ist, d.h.. noch lebende, nicht
ausgeblutete Tiere. Das ist etwas anderes, als das Essen von Blut zu verbieten,
was auch noch weit entfernt ist von der Verurteilung der medizinischen
Verwendung von Blut wie bei Transfusionen.
Eine
umfassende Durchsicht zu dem Thema ergab, dass alle Standardkommentatoren
in bezug auf die Bedeutung dieses Verses übereinstimmen. In der längsten Zeit
seiner Geschichte akzeptierte auch der Wachtturm dieses Verständnis. Man sah es
bis 1961 nicht als „schwerwiegend“ an, ein Übertreten führte also nicht zu einem
Gemeinschaftsentzug. Wenn Transfusionen so widerwärtig sind, warum sind sie dann
so allumfassend akzeptiert worden – von den Sekten der Christenheit, die die
Bibel wörtlich nehmen, bis zum Wachtturm während fast des ganzen ersten
Jahrhunderts seines Bestehens? Wah gab zu, dass Zeugen sich weigern müssen, Blut
oder Blutprodukte anzunehmen, und doch behauptete die Anwältin bei der
Verhandlung eben dieses Falles, Mr. Rayes könne und werde diese
Vorschrift unter Todesgefahr verletzen und das Leben seines Kindes keiner Gefahr
aussetzen. Ihr eigener Klient gab unter Eid zu, er würde seiner Religion
gehorchen und sein Kind eher sterben lassen, als ihm eine Transfusion zu
geben.
Frl. Wah
entstellte meine Ansichten wiederholt in grober Weise, selbst bis zur Definition
von Wörtern. Es stimmt, wie Wah bemerkt, dass Normalität oft mit der
Mehrheitsmeinung assoziiert wird und dass, wie die empirische Forschung genau
gezeigt hat, Abweichungen von der Mehrheitsmeinung unabänderlich einige,
oft viele Probleme verursachen, sowohl psychologischer, soziologischer als auch
anderer Natur. Des weiteren bezieht sich der Begriff der Anomalität im
Verhältnis zu den Zeugen sowohl auf ihr Verhalten als auch auf ihre Praktiken.
Es ist keine intolerante oder engstirnige Ansicht, wenn man zu dem Ergebnis
kommt, dass es anomal ist, die eindeutigen Irrlehren und Falschauslegungen einer
Sekte über das Leben der eigenen Kinder zu stellen. Ein bestimmtes Jahr
als Zeit des Endes vorherzusagen und offen für einen Verzicht auf die normalen
Verantwortungen einzutreten, was so weit geht, dass man seine Berufstätigkeit
aufgibt und vom Ersparten lebt, um „die letzten Tage der Zeit des Endes [zu]
überleben“, ist sicherlich nicht normal. Es ist kaum normal, eine Ansicht zu
akzeptieren, die man nur noch als Kinderopfer bezeichnen kann, auch wenn diese
Ansichten den offensichtlichen Lehren des Buches entgegenstehen, auf das sich
diese Organisation immer beruft. Diese Ansichten widersprechen auch den
ursprünglichen Lehren dieser Organisation und denen jeder einzelnen der
annähernd 5.000 verschiedenen Religionsgemeinschaften in den Vereinigten Staaten
und in Kanada. Den Lehren einer Organisation bis an den Punkt sklavisch zu
folgen, wo man sein eigenes Leben opfert – nicht nur in bezug auf Blut, sondern
auch auf so triviale Dinge wie den Erwerb eines Ausweises für 25 Cent (weswegen
offenbar Hunderte in Malawi ihr Leben verloren) – das kann man nach den eigenen
Maßstäben des Wachtturms wohl kaum als moralisch bezeichnen. Darum sind ihre
Lehren in vielen Ländern ungesetzlich, in allen
unmoralisch.
Meine
Vergleiche von „normal“ und „anomal“ enthalten, wie später erläutert wird, eine
Gegenüberstellung von Zeugen mit gleichen Personen, die keine Zeugen sind (Seite
61, Zeilen 1, 2). Der Begriff „tauglich“ ist ein relatives Urteil; etwas kann
nur tauglicher als etwas anderes sein. Selbst etwas „Untaugliches“ ist
tauglicher als etwas „völlig Untaugliches“, dies veranschaulicht die Wichtigkeit
der Klarheit, wenn man Vergleiche zieht. Andere Faktoren, wie die moralische
Entwicklung, die die Wachtturm-Anwältin später hervorzuheben versuchte, hängen
von dem ab, mit dem etwas verglichen wird. Meine große Sorge ist, wie auf Seite
6, Zeilen 13-15 eingeräumt, die extreme Starrheit und die erzwungene Zustimmung
zu allen Wachtturm-Geboten, egal wie absurd sie sind. Wenn alle relevanten
Faktoren dieselben wären, würde der Vergleich der Tauglichkeit drastisch anders
ausfallen, wenn das religiöse Element entfernt würde.
Wie kann
jemand beispielsweise zu dem Schluss kommen, die starke Ablehnung eines
Collegebesuchs durch den Wachtturm, und in vielen Fällen die offene
Verurteilung, sei eine „förderliche“ Politik? Diese Lehre hat jemandes
Fähigkeit, den Lebensunterhalt zu verdienen, schwerwiegend beeinträchtigt und
die Wahrscheinlichkeit eines künftigen berufsmäßigen, ehelichen, familiären und
Lebenserfolges oft auf niedrige Arbeiten begrenzt. In der eidlichen Aussage
wurde der Prozentsatz der Studenten, die auf ein College gehen, sehr betont:
Offizielle Daten zeigen nun, dass der nationale Durchschnitt der
Gymnasialabgänger, die auf ein College gehen, bei 48% liegt, er reicht von 64%
in Kalifornien bis zu 21% in Alaska. Viele aus der Gruppe derer, die auf kein
College gehen, werden später eins besuchen, und daher sind diese Daten auf die
Lebenszeit gesehen nicht genau. Dennoch: Zeugen kategorisch davon abzuraten,
sich zu bilden, ist eine Unterdrückung, von der man nicht behaupten kann, sie
habe ihren Ursprung im Christentum. Ich bin kaum der einzige, der zu dem
Ergebnis kommt, dass die früheren Wachtturm-Verbote gegen Lernen, Erkenntnis und
Bildung, weil diese irgendwie „böse“ seien, wie durch ihr Verbot deutlich zum
Ausdruck kommt, „normal“ sind. Das ist der Grund, warum diese Lehre in neuerer
Zeit geändert wurde.
Die
Wachtturm-Gesellschaft versucht, ihre unglaubliche Kontrolle der Zeugen in
persönlichen Dingen wie der Bildung damit zu rechtfertigen, dass sie anzweifelt,
ob es nötig sei, auf ein College zu gehen, um sich später den
Lebensunterhalt zu verdienen (das ist die Argumentationslinie, der sie
gewöhnlich folgt, Seite 113, usw.). Ich kenne keine Religion, die so viel
Kontrolle ausübt, auch die Anhänger der Mun-Sekte tun das nicht.
Vielleicht haben noch die Amish, die aber nicht viele der negativen
Faktoren mit den Zeugen gemein haben, diese Kontrolle über ihre Mitglieder
(siehe Dr. Gordon Meltons umfangreiches zweibändiges Werk Encyclopedia of
American Religion). Natürlich ist es kein einzelnes Verbot, das die
psychischen Probleme verursacht, sondern die Gesamtheit der sozialen Lehren der
Zeugen.
Wahs
„Beweise“
Der einzige
Beweis, den die Wachtturm-Gesellschaft in der Literatur zu finden in der Lage
war, um sich zum Thema seelische Gesundheit zu verteidigen, war ein Artikel von
R. Keith Jones, Direktor des Instituts für Erwachsenenbildung an der
Universität von Botswana. Seine Referenzen auf dem Gebiet der Erwachsenenbildung
zeigen, dass er nicht berechtigt ist, sich als
Fachmann in bezug auf den Einfluss der Religion auf die seelische Gesundheit zu
bezeichnen. Spencer, ein ausgebildeter Psychiater, besitzt die Referenzen, um
Schlussfolgerungen auf diesem Gebiet zu formulieren, und er ist eindeutig
qualifizierter als jemand, der über die Theorie der Erwachsenenbildung lehrt.
Damit wird nicht seine Kritik verneint, aber sie muss im Lichte seiner
Behauptungen und Spencers ursprünglichen Feststellungen abgewogen werden. Obwohl
Behauptungen, die auf Spencers einziger Untersuchung basieren, Beschränkungen
unterliegen, weisen alle Untersuchungen, die abgeschlossen wurden und die
alle ihre Unzulänglichkeiten haben, auf dieselben Ergebnisse hin. Wir können uns
nur auf die bestehenden Beweise verlassen, bis eindeutigere Untersuchungen
abgeschlossen werden, die einige dieser dargestellten Probleme
überwinden.
Jones
Behauptung, dass Spencer religiös voreingenommen sei, entbehrt jeder Grundlage;
er führt keine Beweise dafür an, außer dass er nicht mit Spencers Ergebnissen
übereinstimmt. Mein Briefwechsel mit Dr. Spencer zeigt eindeutig, dass er nicht
religiös voreingenommen ist, sondern nur ein plausibles Untersuchungsthema
auswählte, um einen der vielen Faktoren besser zu verstehen, die die
seelische Gesundheit beeinflussen. Spencers Population von 50 Zeugen ist
statistisch gesehen auch nicht klein, wie bemerkt wurde, weil es sich nicht um eine Statistik handelt,
sondern um eine Population, und er nicht
durch die Tatsache eingeschränkt ist, dass die Anzahl durch die Fälle beschränkt
ist, die in diese Kategorie passen. Als seine Untersuchung abgeschlossen wurde,
betrug die Zeugenpopulation in Australien gemäß dem Jahrbuch der Zeugen von 1972
(Seite 34) durchschnittlich 22.721 bei einer Gesamtbevölkerung von 12.794.300,
oder weniger als 2%. Angesichts dessen sind seine Zahlen eigentlich recht groß.
Jones
behauptet (Seite 114), dass Spencer und andere den Anspruch zu erheben
versuchten, es bestünde eine Beziehung zwischen der seelischen Gesundheit und
der Hingabe an ein wertorientiertes Glaubensgebäude. Das ist offenkundig nicht das, was Spencer versucht hat; er versuchte zu bestimmen, ob das
Engagement in einer besonderen Bewegung, die weit mehr ist als nur
„wertorientiert“, sondern hoch autoritär und in Glaube und Lehre als
„pessimistisch“ bezeichnet, Auswirkungen auf die seelische Gesundheit hat. Viele
Zeugen sagen nicht, dass sie Zeugen sind, wenn sie in eine psychiatrische Klinik
eingewiesen werden, und es ist unwahrscheinlich, dass viele sagen würden, sie
seien es, wenn sie es nicht sind. Überdies zögern viele Zeugen sehr, zu einem
Psychiater zu gehen, auch in schweren Fällen, und sie werden sich gewöhnlich
aufgrund der Wachtturm-Lehren vehement einer Anstaltseinweisung widersetzen. In
seiner Untersuchung seelisch kranker Zeugen wird die Rate also wahrscheinlich
als zu niedrig angegeben. Um das Thema angemessen zu erörtern, muss man die
Bedeutung dessen miteinbeziehen.
Jones macht
geltend, es gebe viele Untersuchungen, die „ein spezielles religiöses Engagement
mit einer speziellen Persönlichkeitsstruktur oder -störung korrelieren.“ Die
einzigen, die er aufführt, stammen alle aus einer Zeit vor 1971, einige
sogar aus den 1930er Jahren! Von den Studien, die er anführt und die Psychose
und Religionszugehörigkeit erörtern, von denen keine die Zeugen und
seelische Gesundheit untersucht, reichen einige bis 1932, und die neueste stammt aus dem Jahre 1957! Leider sind
alle diese großenteils nur von
historischem Interesse, obwohl es scheint, dass der Autor bei einem solch
breitgefächerten Thema in der Lage sein müsste, Dutzende von Untersuchungen
anzuführen, die in den 1980er Jahren abgeschlossen wurden. Überdies sind die
meisten, die er anführte, nicht relevant, und keine bezieht sich auf die
Zeugen. Wayne Oates bezieht sich insbesondere auf orthodoxes Christentum und persönliche Anpassung, d.h. auf die seelische Gesundheit von Christen im
allgemeinen. Dennoch haben die Kategorisierungen mehr mit ethnischer
Zugehörigkeit, Kultur und sozialen Faktoren zu tun als mit Religion. Die Skalen
in jeder Kategorie sind so weit, dass jede Schlussfolgerung aus ihnen so gut wie
wertlos ist. Der Protestantismus zum Beispiel reicht von den Unitariern, von
denen viele näher bei den Agnostikern oder Atheisten stehen, bis zum so
genannten Fundamentalismus.
Der
Prozess, spezifische religiöse Etiketten mit seelischen Problemen zu
korrelieren, ist schwierig, wie Jones bemerkt, aber für die, die sich auf
besondere Glaubenssysteme beziehen, wie die Zugehörigkeit zu einer geächteten
legalistischen Organisation, die in einem großen Teil ihrer Geschichte alles von
Collegebildung bis zur Bluttransfusion verboten hat, sind seine Daten eindeutig
unzureichend. Die Daten zeigen durchgehend, dass diese Faktoren sich eindeutig
anachteilig auf die seelische Gesundheit auswirken können, und es ist
nicht schwer, eine ursächliche Beziehung zwischen bestimmten Glaubenssystemen
und der seelischen Gesundheit aufzuführen.
Jones führt
mehrere Untersuchungen an, die Spencers Ergebnisse, wenn auch nicht Spencers These, offen stützen, wie die von Rosenberg, der „andeutete, dass Kinder,
die in der Umwelt einer Minderheitenreligion aufwachsen, die Tendenz haben,
seelische Probleme zu entwickeln, wenn diese Minderheitenumgebung in Kontakt
mit der etablierten oder dominanten Religion in dieser Gesellschaft kommt.“ Dies
ist eines meiner Hauptargumente! Er führt auch die Untersuchung von Burgess und
Wagner aus dem Jahre 1971 an, die zu dem Ergebnis kommt, dass Mitglieder
bestimmter religiöser Gruppen in Illinois unverhältnismäßig öfter in
psychiatrische Kliniken kamen. Dann fasst er Rosenbergs Hypothese zusammen, dass
nämlich abschreckende religiöse Verwicklung Mitglieder von
Minderheitenreligionen größerem Stress und seelischem Aufruhr aussetzt
als Mitglieder etablierter Religionsgemeinschaften. Dieser Faktor, eher ein
soziologischer als ein psychologischer, ist genau das, was ich wiederholt
betont habe. Er führt auch die Möglichkeit an, dass sowohl die
Gesellschaft als auch der ärztliche und psychiatrische Berufsstand
„möglicherweise weniger Toleranz gegenüber Personen mit abweichendem Verhalten
aus Minderheitenreligionen hat, mit dem Ergebnis dass ihre seelischen und
anderen Probleme vielleicht noch verschlimmert werden.“. Dies wird durch
empirische Beweise gestützt und durch die Tatsache verschlimmert, dass der
überwiegenden Mehrzahl der Zeugen nicht offen erlaubt wird, zu einem
Psychiater zu gehen, und ihnen überdies selten gestattet wird, sich in eine
Anstalt einweisen zu lasen. So stützen Wahs eigene Quellenangaben offen
nicht ihre These, sondern meine Zeugenaussage.
Jones
Kritik wird durch fast keine empirischen Beweise bestätigt und ist kaum eine
überzeugende Stütze für die meisten der weitschweifigen Verallgemeinerungen, die
er macht. Jones stellt Vermutungen darüber an, dass Alter und
Geschlechtsunterschiede zu Spencers Ergebnissen geführt haben mögen, aber das
ist reine Spekulation und vielleicht von geringem Wert, und es sollte als solche
bezeichnet werden, bis die Daten ausgewertet sind, so dass man sagen kann, dass
diese Vermutung stimmt. Ein drei- oder vierprozentiger Unterschied bei den
Geschlechtern macht wenig aus – denn damit die Zeugen viermal so häufig seelisch
krank werden, müsste das Verhältnis weit höher sein. Und der Unterschied in der
Rate der weiblichen Personen steht eher mit der Neigung von Frauen in
Verbindung, ihr Unglücklichsein zu verbalisieren und Hilfe zu suchen, als
dass es tatsächlich Unterschiede in der Rate der seelischen Krankheiten
gibt.
Des
weiteren bemerkt Jones, dass die „soziale Klasse eine wichtige Variable“ sei
(Seite 118), und er fügt noch hinzu, dass religiöse Sekten „dazu neigen, ihre
Mitglieder aus einer niedrigeren ökonomischen Schicht zu rekrutieren.“ Er merkt
an, dass „Jehovas Zeugen sich vornehmlich aus der Arbeiterklasse rekrutieren“
und dass die meisten soziologischen Untersuchungen herausgefunden haben, Sekten
würden ihre Mitglieder aus der „niedrigsten Schicht der Gesellschaft“ anwerben
und sie seien oft „Ausdruck wirtschaftlicher Unzufriedenheit“. Dann bemerkt er,
Cohens Untersuchung aus dem Jahre1955 komme zu dem Schluss, die Hauptkandidaten
für die Zeugen seien die „Verbitterten“ und solche Personen, „denen das Leben
die Hoffnung geraubt habe, die Unzufriedenen oder Anarchischen ... die
Einfachen, die Analphabeten, die Zurückgewiesenen ... die Unterprivilegierten
...“ Während diese Schlussfolgerung heute weniger zutreffen mag, ist das dennoch
ein wichtiger Faktor bei der doktrinären und theologischen Entwicklung der
Zeugen und hat nicht nur bei den Einstellungen, die man heute in vielen
Ortsversammlungen findet, eine Rolle gespielt, sondern sie herrscht auch in der
Verwaltungshierarchie der Wachtturm-Gesellschaft vor, wie in zahllosen
Interviews und Untersuchungen entsprechend belegt worden
ist.
Dann
bemerkt Jones, dass die Beeinträchtigung bei den Kandidaten für die Zeugen
Jehovas tatsächlich da, nur empfunden oder auch nur relativ sein mag, und sie
ist nicht nur eine ökonomische, sondern auch eine psychologische. Ich habe diese
Ergebnisse in meinem Werk über die Zeugen und die seelische Gesundheit betont.
Statt also Spencers Endergebnis zu kritisieren, konzentriert sich Jones einfach
auf das, was Spencer nicht erörtert hat und auf einige mögliche Probleme
in seiner Untersuchung. Das bedeutet nicht, dass sie falsch sind,
sondern nur, dass sie nicht vollständig erklärt und entwickelt sind.
Jones kommt
selbst zu dem Schluss, dass die Zeugen eine „bizarre religiöse Sekte“ sind, und
er stellt Vermutungen darüber an, dass die Zeugen „Personen anziehen mögen, die
für psychotische oder neurotische Störungen prädisponiert“ sind (Jones, Seite
122). Er fügt hinzu, dass religiöse Sekten wie die Zeugen wahrscheinlich „in
Zeiten schnellen sozialen Wandels und Aufruhrs“ auftauchen, und dann erörtert er
einige der sozialen Funktionen, von denen er glaubt, dass „bizarre religiöse
Sekten“ wie die Zeugen sie erfüllen.