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Eine Analyse der
Lehre der Zeugen Jehovas von der „theokratischen
Kriegsführung“
Einführung
Ehrlichkeit ist ein
zentraler amerikanischer Wert, der so wichtig ist, dass ganze 95% der Amerikaner
mit der Feststellung übereinstimmen: „Ein Hauptziel von Schulen ist es,
Ehrlichkeit und die Wichtigkeit, die Wahrheit zu sagen, zu lehren“ (Johnson und
Immerwahr, 1994, Seite 24). Ehrlichkeit ist auch entscheidend, damit
Gerichtsverfahren richtig laufen, und eines der gewöhnlichsten Hindernisse, die
Wahrheit zu bestimmen, ist, wenn ein Zeuge vor Gericht lügt. Mit Richter
Schwelbs (1989, Seite 3) Worten: „Wenn Zeugen erfolgreich lügen, dient die
Augenbinde vor den Augen der Justitia nicht dem beabsichtigten wohlwollenden
Zweck.“ Richter Schwelb sagte, ihm seien in seinen dreißig Jahren als Jurist
„viele Hunderte Fälle von Meineid oder Täuschung“ begegnet (1989, Seite 3). Er
fand, dass Lügen besonders häufig bei Familienstreitigkeiten vorkommt, und wenn
die Täuschung nicht entlarvt wird, dann dürfen Lügner auch noch von ihren
Erfindungen profitieren.
Fälle, bei denen andere Beweggründe für das Lügen eine Rolle spielen,
sind komplexer, wenn zum Beispiel das Lügen, definiert als Bruch des Eides, die
„ganze Wahrheit zu sagen und nichts als die Wahrheit“, aufgrund tiefer
religiöser Überzeugungen auftritt. Selbst bei erwiesenem Lügen muss man eine
Vielzahl von Punkten abwägen, z.B. ob so genannte weiße Lügen, das Dehnen der
Wahrheit oder Übertreibungen einen Meineid darstellen (Stewart 1986, Seite 84).
Der Fall der Zeugen
Jehovas
Bis noch vor kurzem waren Jehovas Zeugen eine der am schnellsten
wachsenden Religionen auf der Welt. Ihre herrschende Körperschaft, die
Wachtturm-Gesellschaft, erhebt den Anspruch, dass jetzt fast 14 Millionen
Personen mit der Kirche verbunden sind (Jahrbuch 1999 der Zeugen Jehovas), und
gemäß dem Dun and Bradstreet-Report betrug ihr Einkommen im Jahre 1992 alleine
in Amerika mehr als 1,2 Milliarden Dollar. Gegründet 1879 von C. T. Russell,
sind sie am bekanntesten für ihre Rechtsstreitigkeiten wegen des Flaggengrußes
und anderen staatlichen Erfordernissen.
Unter den
allein für die Wachtturm-Gesellschaft charakteristischen Doktrinen befinden sich
das Verbot von Bluttransfusionen und eine Lehre namens Theokratische
Kriegsführung, die das „Lügen“ vor Gericht und sonst wo rechtfertigt. Es
lassen sich nur drei Religionen ausmachen, die diese Lehre offen verkünden. Eine
ist die Aryan Brotherhood, eine weiße suprematistische Gruppe, die lehrt, dass
es angebracht ist zu lügen, um ihre Interessen zu fördern. Eine weitere ist die
Vereinigungskirche, von der Kritiker behaupten, dass sie eine ähnliche Lehre
haben, die sie Himmlische Täuschung nennen (Levine, 1980; Elkins, 1980).
Boettcher behauptet:
Einer der zentralen Lehrsätze der
Religion [der Vereinigungskirche] ist die Lehre von der Himmlischen Täuschung.
Das Gute muss das Böse täuschen. Die Welt außerhalb Moons ist böse. Man muss
lügen, um Moon zu helfen, die Macht zu übernehmen. Dann kann es unter Moons
Herrschaft zu Gutem werden. In der Bibel log Jakob Isaak an. Gott belohnte
Jakob, indem er ihn zum Vater der Nation Israel machte (1980, Seiten 343-344).
Die dritte ist die Wachtturm-Gesellschaft. Ihre Lehre von der
theokratischen Kriegsführung besagt, dass es angemessen ist, die Wahrheit vor
„Leuten zurückzuhalten, die nicht berechtigt sind, sie zu hören“, wenn das den
Wachtturm-Interessen dienlich ist (Reed, 1992; Reed, 2000; siehe auch Franz,
1971, Seiten 1060-1061). In den Worten der Wachtturm-Gesellschaft: Zeugen müssen
die “theokratische Kriegslist” gegen alle Personen anwenden, die „wolfsgleiche
Neigungen“ haben, das soll heißen, alle, die nicht den Wachtturm als „Gottes
Organisation“ und als Haupt des Volkes Gottes anerkennen. Alle anderen
Religionen werden als böse und satanisch bezeichnet (Franz
1991,Watchtower 1. Mai 1957, Seiten
285-286 und 288; dier Artikel unterlag bei der Wiederherausgabe der
Zensur).
Reed definiert die theokratische Kriegslist als „Verbergen der Wahrheit
vor Personen, die kein Recht darauf haben, d.h. lügen gegenüber Außenstehenden,
wenn das als notwendig angesehen wird (Reed, 1995, Seite
40). Er fügt hinzu, der Wachtturm
definiere Lügen als „Täuschen von Außenstehenden, um die Interessen der
Organisation zu fördern“. Unwahrheiten gegenüber Gottes Feinden werden nicht als
Lügen angesehen, was auf den Kriegsstatus zwischen Gottes Mächten (den Zeugen
Jehovas) und Satans (dem Rest der Welt ) zurückzuführen ist. Mit den Worten
Kotwalls (1997, Seiten 1-2) wird die Wachtturm-Lehre, „im Interesse ihrer
Religion zu lügen und zu täuschen, von der Bibel gutgeheißen. Sie nennen dieses
Lügen theokratische Kriegslist”. Wilson fügte hinzu:
Obwohl es eine Grundlehre der Zeugen
Jehovas ist, dass Lügner ohne Hoffnung auf eine Auferstehung in den ewigen Tod
gehen, wird eine Ausnahme gemacht, wenn jemand lügt oder vorgibt, jemand zu
sein, der er nicht ist, wenn es dem Vorteil der Organisation dient (2001, Seite
239).
Jehovas Zeugen lügen nicht immer direkt und offen, aber sie lügen oft
gemäß der Definition des Gerichtes, „die ganze Wahrheit und nichts als die
Wahrheit“ zu sagen, was heißt, das Gericht braucht die ganze Geschichte,
keine Halbwahrheiten oder Täuschungen. Die Wachtturm-Gesellschaft erhebt den
Anspruch, das Lügen zu verurteilen, aber nur das Lügen, so wie sie es
definiert, nämlich „jemandem etwas Falsches zu erzählen, der ein Recht darauf
hat, die Wahrheit zu erfahren, und dies mit der Absicht zu tun, jemand
anderen zu täuschen oder zu verletzen“ (Franz, Band
2, 1988, Seite
244, Kursiv von mir). Der Zweck des
Eides ist es, jemanden davon abzubringen, der Wahrheit auszuweichen, indem er
nur in engem Sinne wahrhaftig ist. Wie Savant erklärt, werden vor Gericht ...
... Zeugen aufgefordert, „die Wahrheit“ zu sagen. Das bedeutet, sie
dürfen als Antwort auf eine Frage nicht lügen. Zweitens müssen sie „die ganze
Wahrheit“ sagen. Das bedeutet noch etwas anderes. Wenn beispielsweise ein
Gouverneur sagt: „In meinem Staat haben wir 17.000 Leute aus der Sozialhilfe in
Arbeit gebracht“, und nicht die Tatsache hinzufügt, dass in seinem Staat
gleichzeitig 25.000 Personen arbeitslos wurden und der Sozialfürsorge anheim
fielen, hat er zwar „die Wahrheit“ gesagt, aber nicht „die ganze Wahrheit“. Das
heißt, netto kamen 8.000 Menschen mehr in Sozialhilfe, nicht 17.000 weniger ... Drittens werden Zeugen aufgefordert, „nichts als die
Wahrheit“ zu sagen. Dahinter steckt noch eine weitere Vorstellung. Wenn jemand
zum Beispiel als Antwort auf eine Frage die Wahrheit sagt und dann eine Lüge
hinzufügt, dann hat er „die Wahrheit“ gesagt, aber er hat nicht „nichts als die
Wahrheit“ gesagt. Und obwohl nichts von alledem unehrliche Menschen aufhalten
wird, gibt uns das zumindest gute Munition, sie wegen Meineides zu belangen (Savant, 1996, Seite 12).
Mit den Worten von Raines bedeutet theokratische Kriegsführung praktisch, den „Feind“ zu „täuschen“ oder ihn mit unwahren oder
irreführenden Informationen in die Irre zu leiten, um die Interessen des „Volkes
Gottes“ und seine „Organisation“ zu schützen und fördern (1996, Seite
20). Magnani erläuterte die Lehre weiter
und kam zu dem Schluss:
Die
Wachtturm-Gesellschaft hat eine besondere Methode gegenüber Außenstehenden. Wer
ihre Lehren anzweifelt, wird als „Gegner“ angesehen und in besonderer Weise
behandelt. Der Wachtturm lehrt Jehovas Zeugen tatsächlich, eine LÜGE über
bestimmte Tatsachen zu vertuschen. Diese Taktik wird THEOCRATISCHE KRIEGSLIST
genannt (1979 Seite 1, Hervorhebung vom Autor).
Der Wachtturm versucht seine
Haltung zu erläutern, indem er hinzufügt:
Bösartiges Lügen wird eindeutig von der
Bibel verurteilt, aber das bedeutet nicht, dass jemand verpflichtet ist, ehrlich
Informationen an Leute preiszugeben, die nicht dazu berechtigt sind ... Jesus
sah bei bestimmten Gelegenheiten davon ab, alle Informationen oder direkte
Antworten auf bestimmte Fragen zu geben, wenn das zu unnötigem Schaden geführt
hätte (Matth. 15:1-6; 21:23-27; Joh. 7:3-10). Offensichtlich muss die
Handlungsweise Abrahams, Isaaks, Rahabs und Elisas, andere irrezuführen oder
alle Tatsachen vor Nichtanbetern Jehovas zu verbergen, in demselben Licht
gesehen werden. – 1. Mose 12:10-19; Kapitel 20; 26:1-10; Josua 2:1-6; Jakobus
2:25; 2. Könige 6:11-23 (Franz 1971, Seite 245).
Ein Beispiel, wie diese Lehre
dann angewendet wird, wird von Reed wie folgt erklärt:
Wenn
ein Zeuge an die Tür klopft, ein kurzes Verkaufsgespräch führt und ein kleines
Buch für einen Dollar verkauft, mögen die Gesetze von ihm fordern, dass er
Umsatzsteuer entrichtet. (Ein Kontenbericht der Watchtower … of New York, Inc.
zeigte 1,25 Milliarden Dollar Umsatz für 1991, von etwas mehr als1 Milliarde
Dollar im Jahre 1990). Um dieser Verpflichtung zu entgehen, weist die
Organisation die Zeugen Jehovas an zu sagen, sie verkauften keine Bücher, sie gäben sie vielmehr ab. Sie würden den Dollar nicht als Bezahlung
erhalten; es handele sich vielmehr rein zufällig um eine nicht damit
zusammenhängende Geldspende. Eine weitere illegale Tätigkeit, durch verhüllende
Ausdrücke bemäntelt, bezieht sich auf ein Brechen der Gesetze über das
Kindeswohl und das Ignorieren von gerichtlichen Verfügungen bezüglich ärztlicher
Behandlung. Wenn Jehovas Zeugen den drastischen Schritt unternehmen,
Bluttransfusionen für kranke oder verletzte Kinder zu verweigern, nennen sie
ihre Handlungsweise gewöhnlich Wahren der Integrität oder Gott an die erste
Stelle setzen ... Bemäntelnde Ausdrücke [mit] unverständlichen Worten … um
Informationen vor Außenstehenden zu verbergen, die nicht mit der Sekte vertraut
sind. Zeugen greifen zu solchen Listen, wenn Anweisungen der Organisation von
ihnen verlangen, Steuergesetze zu brechen, sich nicht bei Wehrbehörden mustern
zu lassen, Gesetze für das Kindeswohl zu umgehen usw. Verfälschungen dieser
Angelegenheiten werden nicht als Lügen angesehen, sondern als theokratische
Kriegslist (1997, Seiten 22, 28).
Hier noch eine weitere
Bewertung dieser Lehre durch einen langjährigen, früher hochrangigen
Zeugen:
Sie
[der Wachtturm] lehren unerbittlich, dass es in Ordnung sei, „die Wahrheit vor
euren Feinden [zu] verbergen“, da sie sich in einem „theokratischen Krieg“
befänden, was als Erlaubnis zu lügen genommen wird. Und wer sind ihre Feinde?
Alle außer ihnen selbst … Lügen ist in ihrer Literatur als zulässig bezeichnet
worden, besonders gegen die „Feinde“ (das ist jeder außer ihrer elitären
leitenden Körperschaft). Es hängt davon ab, wen man belügt. Sie geben das
Beispiel von Abraham, der in einer lebensgefährlichen Lage den Status seiner
Frau falsch darstellte und sie als seine Schwester statt als seine Frau
bezeichnete. So, argumentieren sie, ist es ein Geringes für uns, die „anderen
Schafe“ zu belügen, ihnen zu sagen, sie seien „Christen“ und könnten predigen,
dass der Heilige Geist sie beschützen werde usw.? Was macht das schon aus?
(Ford, 1996, Seiten 7, 84)
Der Wachtturm lehrt, dass
Lügen gegenüber „Gottes Feinden“ nicht wirklich Lügen sei, sondern theokratische
„Kriegslist“ und dass ...
…
Gottes Wort gebiete: „Ein jeder von euch rede mit seinem Nächsten Wahrheit“
(Eph. 4:25). Dieses Gebot bedeute jedoch nicht, dass man jedem, der fragt, alles
erzählen solle, was er wissen will. Man müsse dem die Wahrheit sagen, der ein
Recht darauf hat, aber wenn jemand kein Recht darauf habe, könne man ausweichend
antworten (Watchtower, 1. Juni 1960, Seiten
351-352).
Der Wachtturm fügt dann hinzu,
„man soll nicht die Unwahrheit reden“, aber auch das bezieht sich wieder auf
seine Definition von Unwahrheit. Dieser Watchtower (Seite 352) sagt auch,
wenn ein Wachtturmanhänger vor Gericht in den Zeugenstand gehe und schwöre, „die
Wahrheit zu sagen, dann muss er, wenn er überhaupt etwas sagt, die Wahrheit
sagen.“ Diese „Wahrheit“ ist jedoch das, was das Gericht als Wahrheit definiert,
und sie wird überschattet davon, die „Wahrheit vor Gottes Feinden [zu]
verbergen.“ Weitere Artikel und die tatsächliche Praxis der Zeugen zeigen beide,
dass dieser letztere Rat nicht strikt befolgt wird. Zum Beispiel fügt der Watchtower vom 1.Mai 1957 hinzu ...
…
Lügen seien Unwahrheiten, die aus selbstsüchtigen Gründen erzählt würden und die
andere verletzten. Satan habe Eva eine Lüge erzählt, die ihr und der ganzen
Menschheit großen Schaden gebracht habe. Ananias und Sapphira erzählten Lügen
aus selbstsüchtigen Gründen. Aber vor einem Feind die Wahrheit zu verbergen, auf
die dieser kein Recht habe, füge ihm keinen Schaden zu, besonders wenn er die
Information benutzen würde, um Unschuldigen Schaden zuzufügen ... In Zeiten
theokratischer Kriegsführung sei es daher angemessen, den Feind irrezuführen,
indem man die Wahrheit vor ihm verberge. Das sei nicht selbstsüchtig; es füge
niemandem Schaden zu; im Gegenteil, es bewirke viel Gutes (Seiten
284-285).
Wie William Blake einmal
sagte: „Die Wahrheit, die mit böser Absicht erzählt wird, schlägt alle Lügen,
die man erfinden kann.“ Die Lehre wird am besten zusammengefasst in einem alten
kommunistischen Schauspiel, Die Maßnahme, von Bertolt
Brecht:
Wer
immer für den Kommunismus kämpft, muss vorbereitet sein, zu kämpfen oder nicht
zu kämpfen, die Wahrheit zu sagen oder nicht die Wahrheit zu sagen, einen Dienst
leisten oder ihn zu verweigern, erkannt zu werden oder verhüllt zu sein. Wer für
den Kommunismus kämpft, hat nur eine einzige Tugend, dass er für den Kommunismus
kämpft. (Zitiert in Perutz, 1989, Seite139)
Dass der Wachtturm
ausdrücklich seine Anhänger zu lügen lehrt, wie dieses Wort im Deutschen
normalerweise gebraucht wird, wird veranschaulicht in der Erörterung über
Abraham, als er Sarah sagte, sie solle „die Tatsache“ verbergen“, dass sie seine
Frau sei. (Watchtower, 1. Februar 1956, Seite 78). Der Watchtower
bemerkt, dass Abraham Jahre später, als er im Philisterland Gerar war, die Lüge
über Sarah wiederholte und unverfroren behauptete, seine Frau sei „meine
Schwester“. Dies, so schließt die Wachtturm-Gesellschaft, sei keine Lüge, weil
...
Abraham Sarah als seine Schwester
vorstellte, um eine gewalttätige Auseinandersetzung um seine Frau zu vermeiden.
Sarah habe Abraham als ihren Herrn anerkannt und dieser Vereinbarung zugestimmt,
bereit, die Folgen zu tragen ... Sie sei bereit gewesen, ihren Teil dazu
beizutragen, das Leben von Jehovas Propheten zu bewahren ... Aber Kritiker ...
sähen Abraham als lügenden, Ausflüchte machenden, schwächlichen Feigling (1.
Februar 1956, Seite 79).
Ironischerweise erweist sich
dieses Beispiel, das die Wachtturm-Gesellschaft benutzt, um das Lügen zu
rechtfertigen, eben wegen des Lügens als Fehlzündung. Der Pharao, der
dachte, Sarah sei Abrahams unverheiratete Schwester, nahm sie zur Frau und
verursachte dadurch eine Plage auf
„Pharao und sein Haus“. Als Pharao Abrahams Lüge herausfand und Abrahams
Frau zurückgab, protestierte er gegenüber Abraham und sagte, was geschehen sei,
hätte nicht geschehen müssen, wenn Abraham nur die Wahrheit gesagt hätte (1.
Mose 12:10-20). Statt ein Beispiel dafür zu sein, das das Lügen rechtfertigt,
verurteilt dieses biblische Beispiel das Lügen in Wirklichkeit, indem es zeigt,
dass so ein Schuss auch nach hinten losgehen kann. Abraham log auch Abimelech in
bezug auf seine Frau an und brachte eine Katastrophe über ihn (1. Mose 20). Die
neueste Erörterung erschien in Awake! vom 8. Februar 2000, wo unter der
Überschrift „Vorsichtig wie Schlangen“ gesagt wird,
dass
wahrhaftig zu sein, natürlich nicht bedeute, dass man verpflichtet sei, jede
Information an jeden, der danach frage, weiterzugeben. „Gebt das Heilige nicht
Hunden, noch werft eure Perlen Schweinen vor, damit sie
nicht etwa ... sich umwenden und euch
zerreißen“, habe Jesus in Matthäus 7:6 gewarnt. Zum Beispiel hätten Personen mit
bösen Absichten nicht das Recht, gewisse Dinge zu wissen. Christen verstünden,
dass sie in einer feindlichen Welt lebten. Jesus habe daher seinen Jüngern
geraten, „vorsichtig wie Schlangen“ zu sein, doch „unschuldig wie Tauben“
(Matthäus 10:16; Johannes 15:19). Jesus habe nicht immer die ganze Wahrheit
enthüllt, besonders wenn ein Offenbaren aller Tatsachen für ihn oder seine
Jünger zu unnötigem Schaden geführt hätte. Doch auch bei solchen Gelegenheiten
habe er nicht gelogen. Stattdessen habe er lieber nichts gesagt oder das
Gespräch in eine andere Richtung geleitet. (Matthäus 15:1-6; 21:23-27; Johannes
7:3-10). (8.Februar 2000, Seite 21).
Obwohl die
Wachtturm-Gesellschaft behauptet, sie verurteile direktes Lügen und sei nur
dafür, die Wahrheit zu verbergen, wobei sie Abraham als Beispiel benutzt, dem
sie nacheifern kann, wo dies einen Schutz für den Wachtturm bietet, zeigt sich,
dass er in der Tat für direktes Lügen eintritt. In einer Bewertung dieser Lehre
merkte Reed an, dass die Wachtturm-Gesellschaft ...
…
indem sie Zeugenkinder anweist, vor Gericht das Gegenteil von dem zu sagen, was
zu glauben sie wirklich gelehrt wurden, von ihnen fordert, sich einer
Doppelzüngigkeit zu bedienen, die die meisten Leute als Lügen ansehen würden.
Und damit die Jugendlichen sich selbst nicht als Lügner sehen, müssen sie auch
zu „Doppeldenk“ greifen, der mentalen Verrenkung, die in George Orwells Roman
beschrieben wird ... wo die Menschen durch eine totalitäre Gesellschaft
gezwungen werden, sich der völligen Wahrheit bewusst zu sein, während sie
sorgfältig erdachte Lügen verbreiten (1996, Seiten 230-231).
Eine detaillierte Darlegung der Lehre,
und wie sie angewandt wird, war in der Zeugenaussage vor Gericht im Fall Gouvitsa gegen Gouvitsa enthalten, wo der vereidigte Sachverständige als
Antwort auf die Frage: „Was ist bei den Zeugen Jehovas die theokratische
Kriegsführung“ sagte:
Die
theokratische Kriegslist ist unter Jehovas Zeugen sehr verbreitet. Das geschieht
auf verschiedenen Ebenen … Zuerst
muss man die Definition verstehen, was eine Lüge ist. Und weil das so wichtig
ist, würde ich es gerne vorlesen ... In Aid to Bible Understanding, ihrem
Lexikon, heißt es: „Lügen beinhaltet generell, jemandem etwas Falsches zu sagen,
der berechtigt ist, die Wahrheit zu wissen“.
...
Nun, der Grund, warum ich das Wort „berechtigt“ betone, ist, weil die Zeugen ...
die Welt als zwei Arten von Menschen ansehen ... die Schafe und die Böcke ...
die Zeugen Jehovas und die Nichtchristen, die den Rest der Welt bilden ...
Gottes Volk und Satans Volk ... Die einzigen Menschen, die zu 100% berechtigt
sind, die Wahrheit zu kennen, sind Jehovas Zeugen. Menschen, die gemäß den
Zeugen Jehovas Gottes Wort widerstehen, sind die Menschen in der Christenheit
... Sie sind Gegner, also sind sie nicht berechtigt, immer die Wahrheit zu
kennen ... Wir sind bei unserer eigenen Arbeit Menschen begegnet und haben von
vielen Fällen gehört. Derjenige, der mir in den Sinn kommt, ist der von einem
Herrn, der ein Pamphlet geschrieben hatte, in dem er die Wachtturm-Organisation
als Sekte entlarvt. Und er traf sich mit einem Zeugen Jehovas. Und irgendwie
kamen sie in einen Dialog über dieses spezielle Pamphlet ... Und der Zeuge
Jehovas machte das Pamphlet als völlig falsch nieder, und er behauptete nicht
nur, dass er den Schreiber des Pamphletes kenne und dass der Verfasser
unmoralisch sei, sondern auch, dass dieser bei den Zeugen Jehovas hinausgeworfen
worden sei und ein Abtrünniger sei usw., und auf den Inhalt des Pamphletes könne
man sich nicht verlassen.
Dieser Mann sagte dem Zeugen Jehovas, dass er tatsächlich der Verfasser
des Pamphlets sei ... Das ist ein Beispiel für theokratische Kriegslist. Mit
anderen Worten, der Zeuge Jehovas [meinte] ... es sei wichtig, die Information
niederzumachen, damit die Organisation besser aussähe. Die theokratische
Kriegslist ist im Grunde eine Methode, die in vielen unterschiedlichen Weisen
angewandt wird. Nicht nur direktes Lügen, sondern manchmal der Wahrheit
ausweichen, manchmal Halbwahrheiten erzählen …
die Organisation benutzt sie [die
theokratische Kriegslist] nicht nur gegenüber der allgemeinen Öffentlichkeit,
sondern auch gegenüber Jehovas Zeugen (Aussage von Duane Magnani im Fall Joy
Hutton Gouvitsa Arnold, Kläger, gegen Gus Konstantine Gouvitsa, Beklagter,
im Kreisgericht von Hamilton County, TN in Chattanooga, Fall Nr. D-49263,
Gerichtstermin 13.1.986 R.T. Seiten 109-113).
Geschichte und Entwicklung der
Lehre
Der früheste gedruckte Hinweis auf die Lehre von der theokratischen
Kriegsführung in offiziellen Wachtturm-Publikationen stammt aus dem Jahre 1936.
Rutherford benutzte in diesem Hinweis den inzwischen vertrauten Begriff, um die
Lehre zu beschreiben:
Eine
Lüge ist eine Falschaussage gegenüber jemandem, der berechtigt ist, die Wahrheit
zu hören und zu kennen, und diese Falschaussage neigt dazu, anderen Schaden
zuzufügen. Eine Falschaussage mit der Absicht, zu täuschen und jemandem Schaden
zuzufügen, ist eine vorsätzliche und bösartige Lüge (Rutherford, 1936,
Seite177).
Raines schließt daraus, dass
das Zitat aus dem Buch RICHES unterstellt, dass einige Menschen nicht
„berechtigt“ sind ...
…
die Wahrheit zu kennen, und wenn jemand eine Falschaussage ohne die Absicht
macht, einem anderen „Schaden zuzufügen“, dann ist das keine Lüge, sondern das,
was Goodrich eine „Rahab-Technik“ nannte. Warum hätte Rutherford sonst nicht
einfach gesagt, eine Lüge sei eine wissentliche Falschaussage? Goodrich sah es
in dieser Weise, und das ist auch die Weise, in der die Gesellschaft seither
Lügen im Gegensatz zum Gebrauch „theokratischer Kriegslist“ definiert (1996,
Seite 20).
Ein frühes Beispiel für den
Gebrauch theokratischer Kriegslist eines Zeugen gegenüber einem anderen Zeugen,
das sich in den frühen 1940er Jahren ereignete, betraf Roy Goodrich, einen
ehemaligen Lehrer der Wissenschaften und jahrelangen Versammlungsaufseher.
Goodrich sandte einen Brief an einen Mr. M.A. Howlett in der
Wachtturm-Weltzentrale, in dem er seine Sorge über den Gebrauch der
E.R.A.-Maschine durch die Wachtturm-Gesellschaft zur Behandlung von Krankheiten
ausdrückte. E.R.A. ist eine „oszilloklastische Maschine“, erfunden von Dr.
Abrams, einem notorischen Quacksalber, der den Historikern wissenschaftlicher
Quacksalberei gut bekannt war (Warner, 1941). Goodrich war in Sorge, weil er zu
dem Schluss kam, die E.R.A.-Technik beinhalte Dämonismus. Aus diesem Grunde
schrieb er Howlett, um festzustellen, ob die Gerüchte, die er über die
E.R.A.-Maschine gehört hatte, die immer noch im Bethel (der
Wachtturm-Weltzentrale) Verwendung fand, stimmten.
Howlett antwortete Goodrich wie folgt: „Sie sind offensichtlich über
meine Verbindung zu E.R.A. falsch informiert. Ich weiß nichts darüber und habe
sie auch nie benutzt. Im Bethel gibt es keine solche Maschine“ (Goodrich, 1944).
Goodrich wusste, dass Howletts Behauptung falsch war, weil er aus erster Hand
wusste, dass ein gewisser Chester Nicholson mit der E.R.A.-Maschine von Howlett
„behandelt“ worden war. Goodrich wusste auch, dass die E.R.A. seit 1922 von
einem „Dr.“ Work im Bethel verwendet wurde. Da Howlett mit seiner Tätigkeit im
Bethel vor 1922 angefangen hatte, wusste Goodrich überdies, dass Howletts
Behauptung, „nie auch nur etwas von E.R.A. gehört“ zu haben, absurd war, da
Howlett Arzt im Bethel war. Folglich „glaubte Goodrich daher, dass Howlett ihn
belog.“ (Raines, 1996, Seite 20).
Als Antwort auf Howletts Brief schrieb Goodrich einen längeren Brief
sowohl an das Direktorium der Wachtturm-Gesellschaft als auch an den
Wachtturm-Präsidenten Nathan Knorr. Goodrich, damals ein Zeuge in gutem Ruf,
schrieb ausdrücklich darüber, was er glaubte, was Howletts Missbrauch der
theokratischen Kriegslist sei (in den 1940er Jahren wurde die Lehre
Rahab-Technik genannt, nach Rahab, die log, um die Spione zu schützen). Raines
bemerkt, diese Technik beinhalte das „Irreführen“ einer Person mit „falschen
Informationen“, eine Reaktion, die „fast alle Menschen ... als Lügen bezeichnen“
würden (Raines, 1996, Seite 20). Goodrich (1943, Seite 1) war verblüfft, weil,
wie er Howlett gegenüber erklärte,
„der einzig mögliche Sinn dieser Worte [von Howlett] einen Eindruck vermittelt,
der völlig entgegen den grundlegenden Tatsachen steht, die ich kenne. Ich muss
jedoch annehmen, dass Ihr Beweggrund, sie zu schreiben, der höchste Wunsch ist,
Jehovas Namen zu ehren. Wenn man sich an die Gutheißung Rahabs und die Aussagen
oben auf Seite 177 in RICHES erinnert, dann haben Sie zweifellos in ihrem Sinn
eine offensichtlich eindeutige und logische Rechtfertigung [zu
lügen]“.
Worüber Goodrich sich Sorgen machte, dass die Lehre das Lügen nur
gegenüber denen rechtfertigt, die nicht berechtigt sind, die Wahrheit zu
kennen, und Goodrich glaubte, als Mitzeuge und jahrelanger vorsitzführender
Aufseher habe er das Recht,
in dieser Angelegenheit die Wahrheit zu kennen. Raines bemerkt, die Lehre von
der theokratischen Kriegsführung unterstelle, es gebe Menschen, die einfach
nicht „berechtigt“ sind, die Wahrheit zu kennen, und wenn jemand etwas Unwahres
sagt, ohne zu beabsichtigen, jemandem „Schaden zuzufügen“, dann sei das keine
Lüge, sondern ... eine „Rahab-Technik“. Warum sonst sagte Rutherford nicht
einfach, eine Lüge sei eine vorsätzliche Falschaussage? Goodrich sah es so an,
und daher hat die Gesellschaft seitdem Lügen gemäß ihrer Lehre von der
„theokratischen Kriegslist“ definiert (Raines, 1996, Seite 20).
Goodrich (1943, Seite 1) entgegnete, wenn man die Situation wohlwollend
betrachte und zu dem Schluss komme, dass Howlett „in gutem Glauben eine
Rahab-Technik beabsichtigte ... [und] in aller Freundlichkeit nun, Bruder
Howlett, ist die unausweichliche Logik, dass Ihre Post an mich eines der beiden
folgenden Dinge sein muss: (1). Eine möglicherweise bösartige Lüge; oder (2) das
Eingeständnis vor dem Herrn, dass Sie Dämonismus praktiziert haben und sich
‚herausflunkern’ wollen.“
Goodrichs Bemühungen, den Wachtturm auf seine Sorgen aufmerksam zu
machen, führte schließlich zu seinem Gemeinschaftsentzug. Interessanterweise kam
der Watchtower ein Jahrzehnt später zu demselben Schluss über E.R.A., für
den Goodrich ausgeschlossen worden war (Raines, 1996, Seite 20). Einige
Einzelheiten der Entwicklung dieser jetzt anrüchigen Wachtturm-Lehre wurden in
einer Untersuchung von Frakes mitgeteilt:
In
seinem Sonntagmorgenvortrag „Vorsichtig wie Schlangen unter Wölfen“
... legte Franz bestimmte Passagen aus
dem Alten Testament aus. Sie sollten beweisen, wenn es um Selbsterhaltung ginge,
heiße Jehova das Lügen gegenüber seinen Feinden gut; das Lügen werde also nicht
verurteilt, solange es sich an Außenstehende richtet. Daraufhin dankte der
Vorsitzende ihm als Vertreter der Wachtturm-Gesellschaft für das „neue Licht“
das er gebracht hatte (1955, Seite 819).
Mit Sherrills Worten bedeutete diese neue Lehre, dass „Lügen Teil der
theokratischen Kriegslist“ ist. Ein Zeuge Jehovas kann andere belügen, wenn sie
nicht berechtigt sind, die Wahrheit zu hören (1995, Seite 56). Die
Wachtturm-Lehre, dass man nur denen „die Wahrheit sagen soll“, die „ein Recht
haben, sie zu kennen“, bedeutet, dass Wachtturm-Gegner und Kritiker kein Recht
haben, die Wahrheit zu kennen:
Als
Soldat Christi [sei ein Zeuge] ... im theokratischen Krieg und müsse zusätzlich
Vorsicht üben, wenn er es mit Gottes Feinden zu tun habe. So zeige die Schrift,
dass es richtig sei, die Wahrheit vor Gottes Feinden zu verbergen, wenn damit
die Interessen Gottes geschützt würden ... Dies käme unter den Begriff
„Kriegslist“ ... und sei in Übereinstimmung mit Jesu Rat, unter Wölfen müsse man
„vorsichtig wie Schlangen“ sein ... Sollten die Umstände von einem Christen
erfordern, in den Zeugenstand zu gehen und zu schwören, die Wahrheit zu sagen,
dann ... würde ein reifer Christ das Wohlergehen seiner Brüder über sein eigenes
stellen und sich an Jesu Wort erinnern: „Niemand hat größere Liebe als die, dass
einer seine Seele zugunsten seiner Freunde hingebe.“ – Matth. 10:16; Joh.15:13
(Watchtower, 1. Juni 1960, Seite 352; siehe auch 1. Februar 1956, Seite
78).
Alle Wachtturm-Kritiker und
-gegner werden als „Wölfe“ angesehen, die dem Wachtturm, deren Nachfolger alle
als „Schafe“ bezeichnet werden, den Krieg erklärt haben. Überdies ist es
„angemessen“, wenn die harmlosen „Schafe“ im Interesse des Werkes Gottes eine
Kriegsstrategie gegenüber den Wölfen benutzen. (Watchtower, 1. Februar
1956, Seite 86). Ein gutes Beispiel, das zeigt, dass der Wachtturm lehrt, man
solle mehr tun als nur die Wahrheit verbergen, man solle auch offen lügen, ist
der Fall Elsa Abt. Als sie gemäß dem Wachtturm-Bericht von der Polizei über den
Aufbewahrungsort eines Vervielfältigungsapparates und danach gefragt wurde, „wer
die Führung in dem Untergrundpredigtwerk“ habe, antwortete sie entgegen der
Wahrheit und „gab vor, nichts zu wissen“. Ihr offenes Lügen wird als gutes Beispiel genannt, dem Zeugen nacheifern sollten. In einem ganzen
Kapitel mit dem Titel „Gerechtfertigtes Lügen“ kam Thomas zu dem Schluss, dass
den Zeugen ...
…
von der Gesellschaft erlaubt wird, ... im Interesse ihrer Religion zu lügen. Die
Zeugen Jehovas bezeichnen das natürlich nicht als Lügen ... [die
Wachtturm-Führung hat] eine neue Bezeichnung für diese Art von Täuschung
erfunden, sie nennt es „theokratische Kriegslist“ (1972, Seite
95).
Dann zitiert Thomas den Watchtower vom 1. Mai 1951, der, so behauptet er, „deutlich zeigt, dass
Zeugen Jehovas tatsächlich lügen, wann immer es zu ihren Absichten passt“. Der
Artikel spricht von einer Zeugin, die, als sie in ihrem Bekehrungswerk von Tür
zu Tür ging, auf einen Wachtturm-Gegner traf:
Sie
habe sofort gewusst, was sie zu erwarten hatte und habe ihre rote Bluse im
nächsten Flur gegen eine grüne ausgetauscht. Sie kam gerade wieder auf die
Straße, als ein kommunistischer Funktionär sie fragte, ob sie eine Frau mit
einer roten Bluse gesehen habe. Nein, habe sie geantwortet und sei
weitergegangen. Habe sie gelogen? Nein, das habe sie nicht. Sie sei keine
Lügnerin gewesen. Sie habe vielmehr zur theokratischen Kriegslist gegriffen und
im Interesse ihres Dienstes durch Tat und Wort die Wahrheit verborgen (Seite
285).
Thomas schloss, dass die
Zeugin in diesem Fall „log, um ihre eigene Haut zu retten“,
und:
Der
dreiste Versuch der Wachtturm-Gesellschaft, diesen Vorfall als Entschuldigung zu
benutzen, dass alle Zeugen Jehovas im Interesse ihrer Religion täuschen und
lügen dürfen, [sollte verurteilt werden]. Statt dass es ihr um Ihresgleichen
leid tat, die log, weil sie selbst die Frau in der roten Bluse war, gratuliert
ihr der Wachtturm auch noch, weil sie weise gehandelt habe! (1972, Seite
95).
Als Antwort auf die Frage, wem
gegenüber es richtig ist, zur theokratischen Kriegslist zu greifen, sagt der
Watchtower (15. April 1957, Seite 256) ausdrücklich, gegenüber jedem
Feind der „Organisation Gottes“ (das soll heißen, der Wachtturm-Gesellschaft)
und gegenüber allen, die „hassen, was sie lehrt“ und die „wollen, dass andere
nichts mehr [über den Wachtturm] erfahren“ ... um die „Wölfe“ an ihren
Bemühungen zu hindern, sich gegen ihr Werk zu wenden, wenn sie schafähnlichen
Personen beistehen wolle, die nach Erkenntnis der Wahrheit und Gerechtigkeit
hungern. Wenn Christen auf „Wölfe“ treffen, werden sie zur Kriegsstrategie
greifen und weise wie Schlangen, doch unschuldig wie Tauben sein. Mit anderen
Worten, ein Zeugen darf gegenüber jedem zur theokratischen Kriegslist
greifen, der dem Wachtturm-Werk ins Gehege kommt. Damit sind offensichtlich auch
Wachtturm-Kritiker aus den eigenen Reihen gemeint, wie das obenstehende Beispiel
von Goodrich zeigt.
Dass die Wachtturm-Gesellschaft offen lehrt, es sei richtig, zur
Täuschung zu greifen, um ihre Interessen zu verteidigen, geht aus dem folgenden
Gespräch zwischen Wachtturm-Anwältin Carolyn Wah und Duane Magnani hervor, der
im Fall Marcus Reyes abgesetzt werden sollte (Case 6936-C, Abilene, TX):
Magnani:
...[Die Zeugen lehren, dass sie sich]
im theokratischen Krieg befinden und zusätzliche Vorsicht walten lassen müssen,
wenn sie mit Feinden Gottes zu tun haben. So zeige die Schrift, dass es richtig
ist, die Wahrheit vor Gottes Feinden zu verbergen, wenn damit Gottes Interessen
bewahrt werden.
Wah:
Danke. Wäre diese Sache anders als die
eines Soldaten, der eine Regierung unterstützt und von der gegnerischen Armee
gefangen genommen wird?
Magnani:
Ja.
Wah:
Warum das?
Magnani:
Nun, in dieser Situation, wenn wir
darüber reden, die Wahrheit zu verbergen ... vom theokratischen oder geistigen
Krieg her gesehen, glauben Jehovas Zeugen, dass alle, die keine Zeugen Jehovas
sind, zum Lager Satans gehören und alle Zeugen Jehovas zum Lager Gottes
...
Wah:
Sie sagen also, dass in einem Krieg,
beispielsweise im Zweiten Weltkrieg, deutsche Soldaten, die von amerikanischen
Soldaten gefangen wurden, kein Problem mit Lügen zwischen ihnen
hätten?
Magnani:
Das hängt von den Umständen ab. Der
Hauptbeweggrund im Leben eines Zeugen Jehovas ist, alles zu unterbreiten, was
die Wachtturm-Organisation möchte, das sie unterbreiten. Wenn die Organisation
gesagt hat, dass ein Gegner, d.h. ein Nicht-Zeuge Jehovas, etwas besprechen
möchte, dann ist es die Pflicht des Zeugen Jehovas, nach unserer Erfahrung und
nach den Unterlagen, die wir haben, im Prinzip zu vertuschen, zu lügen, [oder]
zu verdrehen ... damit die Gesellschaft gut aussieht ... (R.T. Seite
47).
Nach einem Studium der Wachtturm-Politik und -Praxis kam der Rechtsanwalt
Thad Nugent (1994) zu dem Schluss, dass der Wachtturm empfahl, unter Eid
Zeugenaussagen vor Gericht zu machen, die bekanntermaßen unwahr sind ... Nach
gesetzlicher Definition ist das Meineid [und] … es ist sehr klar, dass der
Wachtturm Anweisungen an Zeugen Jehovas erteilt, die sich in Sorgerechtsfällen
befinden, wie sie es vermeiden, in eine Situation zu geraten, [in der] ... sie
sagen müssen, was sie wirklich mit ihren Kindern tun, im Hinblick auf die
Lebensweise ihrer Kinder und im Hinblick auf die Einschränkungen, denen diese
Kinder für ihre psychologische und seelische und soziale Entwicklung
unterliegen, [und diese Schlussfolgerung] ist wirklich
klar!
In einem Fall, der offensichtlich nicht atypisch ist, informierte der
Wachtturm-Anwalt eine Zeugin, die versuchte, das Sorgerecht zu erhalten, dass
das Gericht voreingenommen gegen die Zeugen wegen ihrer Religion sein könnte.
„Daher wäre jedes Beispiel für Missbrauch, an das du dich erinnern
kannst, in deinem Falle sehr hilfreich.“ Nachdem die Zeugin sagte, sie könne
sich an kein Beispiel erinnern, trainierte sie der Wachtturm-Anwalt angeblich,
das Gericht mit folgenden Worten in die Irre zu führen: „Wenn du nicht [an ein
Beispiel für Missbrauch denken] kannst, wird es sehr viel schwieriger, in deinem
Fall die Oberhand zu gewinnen. Denk genau nach, ich bin sicher, du kannst einen
Vorfall hervorbringen, wo du zumindest Angst vor deinem Mann hattest.“ Der
Anwalt ermunterte angeblich zum Lügen, indem er der Zeugin erklärte, vom Ausgang
des Prozesses hänge das ewige Leben ihrer Kinder ab, und betonte, wenn ihr Mann,
ein Gegner, das Sorgerecht erhielte, bedeute das mit Sicherheit ihre Vernichtung
in Harmagedon. Er argumentierte wie folgt:
Möchtest du, dass deine Kinder in
Harmagedon einen schrecklichen Tod erleiden? Möchtest du nicht, dass sie in der
Neuen Welt mit dir sind? Ihr Leben liegt in deiner Hand, und so musst du alles
dir Mögliche tun, um sicherzugehen, dass du das Sorgerecht erhältst. Wenn ein
geistesgestörter Mann mit Schaum vor dem Mund an deine Tür käme und nach deiner
Mutter fragte, würdest du ihm offen sagen, dass deine Mutter oben ist, zulassen,
dass er mit Gewalt hineinkommt, nach oben geht und ihr Schaden zufügt? Nein,
natürlich nicht; du würdest alles mögliche sagen, um ihn irrezuführen.
Schließlich hat er kein Recht, die Wahrheit zu erfahren. Und so hat auch in
dieser Situation das Gericht kein Recht, die Wahrheit zu erfahren (Aus einer
mitgeschnittenen Niederschrift, die Quelle ist mit Rücksicht auf die
Vertraulichkeit des Klienten nicht angegeben.)
In einem weiteren Fall
behauptete die Zeugin, ihr Mann habe nur „geäußert“, er wolle ihr Schaden
zufügen, und vor Gericht wurde er des körperlichen Missbrauchs beschuldigt, ganz
im Gegensatz zu ihren früher aufgestellten Behauptungen. Durch solch eine Taktik
setzen sich die Wachtturm-Anwälte oft gegenüber ihrem Klienten durch, vor
Gericht theokratische Kriegslist zu gebrauchen. Es ist auch nicht ungewöhnlich,
dass der Wachtturm skrupellos Personen angreift und völlig unzutreffende
Beweise gegen Personen vorlegt, die in dieser Art von Fällen eine Zeugenaussage
machen.
Ein weiteres Beispiel dafür, wie der Wachtturm zur theokratischen
Kriegslist greift, wurde von einem Wachtturm-Funktionär in Schweden, einem Johan
Henrick Eneroth, vorgebracht, der sagte, während des Zweiten Weltkriegs „wurde
es nötig, theokratische Kriegslist zu gebrauchen, um den erwünschten Kontakt mit
den besetzten Ländern aufrechtzuerhalten ...“ Dann erklärte er, er habe die
Regierung täuschen und seine Absicht falsch darstellen müssen, um ein Visum zu
bekommen. Insbesondere bezeichnete sich Eneroth fälschlich als „Großhändler für
Innereien“ (Watchtower, 1. Februar 1965, Seite 94). Er benutzte dann
wieder theokratische Kriegslist, um Wachtturm-Literatur nach Norwegen zu
schmuggeln, indem Nahrungsmittelpakete, insbesondere mit Eiern, geschickt
wurden, wobei jedes einzelne Ei in mehrere Blätter des Watchtower
[Zeitschrift] eingewickelt war. Er fügte hinzu, als die Deutschen das
schließlich entdeckt hätten, habe man einen anderen Weg gefunden
(Watchtower, 1. Februar 1965, Seite 94). Dieser andere Weg war,
Wachtturm-Zeitschriften in Nahrungsmittel zu packen, die dann zum
Militärflughafen Ålborg, Dänemark, gebracht wurden, von wo aus sie Hitlers
eigene Flugzeuge nach Norwegen brachten (Watchtower 1. Februar 1965,
Seite 95). Dann berichtet der Autor von verschiedenen ähnlichen Methoden,
Literatur in andere Länder zu schmuggeln.
Ein anderer Fall, der sich in den Niederlanden zutrug, wurde von Robert
A. Winkler berichtet. Als ihm ein Verhör drohte, ‚habe er gewusst, dass das den
Gebrauch der theokratischen Krieglist bedeutete, „
um das
Königreichswerk und meine christlichen Brüder zu schützen“
. (Watchtower, 15. März 1967,
Seiten 188-189). Diese Aussage zeigt, wie eng die Lehre von der theokratischen
Kriegsführung mit der Wachtturm-Theologie verbunden ist.
Die Bedeutung der
theokratischen Kriegsführung wurde wiederum in einem Watchtower-Artikel
im Jahre 1988 betont (15. Mai, Seite 20), wo gesagt wird, dass Winkler die
theokratische Kriegslist benutzte, um seine Mitzeugen zu schützen, und dass
Zeugen gelegentlich zu dieser Technik greifen müssen, um die
Wachtturm-Organisation zu schützen. Der hier verwendete Ausdruck, theokratische
Kriegslist zu benutzen, „
um das
Königreichswerk und meine christlichen Brüder zu schützen“ style="COLOR:
black">, meint,
die Wahrheit zurückzuhalten, um die
Wachtturm-Organisation und ihre Tätigkeiten zu schützen. Die Lehre deckt nicht
nur das Lügen ab, sondern auch das Täuschen. Der Watchtower stellte es so
dar:
Um
eine unmittelbare Bedrohung abzuwehren, sei Hiskia bereit gewesen, an Sanherib
Tribut zu zahlen, und er riß sogar die Metallverkleidung von den Türen und
Pfosten des Tempels Jehovas, um diesen Tribut leisten zu können (2. Könige 18:
13-16). Ohne Zweifel sei das ein Teil der theokratischen Kriegslist Hiskias
gewesen, ein Schachzug, um Zeit zu gewinnen und ihn in eine bessere Lage zu
setzen, mit dem Feind zu kämpfen. So gäbe es auch heute Gelegenheiten, wo Zeugen
Jehovas sich vorsichtig bewegen müssten, um ihr von Gott verliehenes Recht auf
die wahre Anbetung zu bewahren (15. März 1968, Seite 170).
Der Artikel lehrt, dass die
Zeugen die Gesetze eines Staates brechen dürfen, indem sie entweder
Schlupflöcher im Gesetz finden oder das Gesetz umgehen. Der Wachtturm neigt
dazu, diesen Brennpunkt vorzuziehen, anstatt im Einklang mit dem Gesetz tätig zu
sein, um das zu ändern, was sie als ungerechte Gesetze ansehen – so wie
es die meisten Kirchen tun.
Wie die Wachtturm-Administration die
theokratische Kriegslist anwendet
Ein gutes Beispiel für Lügen auf höchster Wachtturm-Ebene ereignete sich,
wie verlautet, in Europa als Ergebnis eines Einbruchs im dänischen Zweigbüro in
Holbæk am 23. Juli 1993. Der Fall bezieht sich auf eine dänische
Gesetzesvorschrift namens Registertilsyn, die am 14. September 1992 die
Wachtturm-Praxis, gewisse vertrauliche Informationen über ihre Mitglieder
aufzubewahren, als Verletzung dänischen Rechts erklärte. Als Ergebnis dieser
Vorschrift erklärte sich der Wachtturm damit einverstanden, alle persönlichen
und vertraulichen Informationen über Rechtskomiteefälle bis November
1992 zu vernichten. Kurze Zeit vor
diesem letzten Termin erklärte der Wachtturm-Zweig, man habe die Vorschrift der
registertilsyn ausgeführt (Henricksen, 1993, Seite 2).
Ob das dänische Gesetz, das dem amerikanischen Privacy Act ähnlich ist,
ein gerechtes Gesetz ist, ist eine andere Frage. Hier geht es um die Ehrlichkeit
der Wachtturm-Aussage, man habe die relevanten Unterlagen vernichtet. Das
Zweigbüro hat ausdrücklich dem Regelwerk The Branch Office Procedure; The
Official Watchtower Policy zu folgen. In diesem Band wird die theokratische
Kriegsführung gelehrt; die Führer des Zweiges müssen ihr Urteilsvermögen
gebrauchen, ob es im besten Interesse der Wachtturm-Gesellschaft ist, ehrlich zu
sein. Es heißt, „manchmal ist es das Beste, gewisse Dinge nicht zu sagen, auch
wenn sie stimmen.“ (Henricksen, 1993, Seite 3). Der Einbruch offenbarte
Dokumente, die enthüllten, dass der Wachtturm diese Vorschrift in dem Fall
benutzte und offen über die Vernichtung der Unterlagen gelogen hatte. Mit
Henricksens Worten:
Die
Tatsache, dass die Zeugen Jehovas wenn nötig Lügen verbreiten – auch, um Dinge
zu vertuschen, die peinlich für sie sind – ist durch diesen Fall mit den
Unterlagen mehrfach gezeigt worden. Gelegentlich stritt die Organisation die
Existenz solcher Unterlagen ab, wenn die Zeitungen sie als gestohlen meldeten.
Jorgen Larsen und Erik Jorgensen (beide vom Zweigbüro in Holbæk) haben in
Zeitungen und in den neuen Programmen von Dänemarks „Kanal 2“ Lügen verbreitet.
Sie stritten mehrere Tatsachen ab, die später öffentlich bekannt wurden (1993,
Seite 3).
Eine weitere Unehrlichkeit in dem Fall war die Wachtturm-Behauptung, dass
man Unterlagen nur fünf Jahre aufbewahre, nachdem jemand nach einem
Gemeinschaftsentzug wieder aufgenommen werde. Die Copenhagen Politiken enthüllte ein Dokument, das zeigte, dass „mehrere Fälle in der
Ablage über vierzig Jahre alt und mit dem Stempel ‚Nicht vernichten’ versehen
waren“. Dabei waren auch Fälle, in denen ausgeschlossene Zeugen wieder
aufgenommen waren (Henricksen, 1993, Seiten 3-4). Der Wachtturm behauptete
weiter, die Zahl der Fälle in jeder Ablage sei beschränkt auf zwischen 0 und
„vielleicht“ 7 oder 10. Henricksen kam in seiner Untersuchung zu dem Schluss,
dass die örtlichen Akten im Durchschnitt weit mehr ausmachen als diese
Zahl.
Viele weitere Fälle von Lügen sind gut belegt, aber der gerade genannte
Fall ist der neueste, der sich nicht auf eine Kirchenlehre, sondern auf ein
weltliches Gesetz bezieht, und er ist offenkundig ein Beispiel direkten Lügens
gegenüber Regierungsbehörden unter Bruch eines Gesetzes. Man kann nicht
behaupten, dieser gut belegte Fall sei auf ein Missverständnis oder auf
schlechte Verständigung zurückzuführen.
Magnani behauptet auch, der Wachtturm gebrauche die Lehre gegenüber
seinen eigenen Mitgliedern. Er gibt folgendes Beispiel:
Wenn
neugierige Menschen die Geschichte der Wachtturm-Gesellschaft untersuchen,
finden sie zahlreiche Tatsachen, die die heutige Gesellschaft zu vertuschen
versucht. Beispielsweise ist es den Wachtturm-Führern äußerst unangenehm, dass
der Gründer der Gesellschaft, Charles Taze Russell, viele Jahre lang von den
Wachtturm-Anhängern fast vergöttert wurde. Da der Wachtturm glaubt, dass
Russell viele falsche Lehren verbreitete, gehen sie bis zum Äußersten, seine
Geschichte zu vertuschen (R.T. Seite 47 Marcus Reyes (Fall 6936-C, Abilene, TX).
Magnani führt ein Beispiel
an:
Man
leugnet, je eine Biografie über Russells Leben geschrieben zu haben. In dem
Geschichtsbuch der Wachtturm-Gesellschaft, Jehovas Zeugen in Gottes
Vorhaben, Seite 63, lesen wir die folgende Frage:
Doch ist es wahr, dass IHR NIEMALS eine
Biographie von Pastor Russel veröffentlicht habt?
Die
Antwort: DAS STIMMT. Jehovas Zeugen bewundern die Eigenschaften, die er als
Mensch besaß; sollten wir aber Pastor Russell Ruhm und Ehre zollen, so würden
wir damit sagen, dass es seine Arbeit, sein Erfolg gewesen
wäre.
Dies
ist ein gutes Beispiel für die Wachtturm-eigene Kriegsstrategie, NICHT NUR
GEGENÜBER DER ÖFFENTLICHKEIT, SONDERN AUCH GEGENÜBER JEHOVAS ZEUGEN SELBST. Wenn
wir nämlich weiter forschen, finden wir, dass der Wachtturm IN DER TAT die
BIOGRAFIE PASTOR RUSSELLS in drei aufeinanderfolgenden Jahren, 1925, 1926 und
1927, veröffentlichte!
(R.T. Seite 47 Marcus Reyes Fall
6936-C, Abilene, TX).
Lügen vor
Gericht
Die Wachtturm-Gesellschaft hat eine lange Geschichte, vor Gericht zur
theokratischen Kriegslist zu greifen – vom ersten Präsidenten, C.T. Russell, in
seiner Aussage zu seiner Scheidung und sonstwo bis zu Fred Franz, auch einem
ehemaligen Wachtturm-Präsidenten. Ein inzwischen ein halbes Jahrhundert altes
Beispiel, in dem weniger als die volle Wahrheit sichtbar wird, ist der folgende
Wortwechsel zwischen Franz und dem Ankläger:
Ankläger--
Haben Sie
sich mit dem Hebräischen vertraut gemacht?
Franz-
Ja …
Ankläger --
So dass Sie über einen beträchtlichen sprachlichen Apparat
verfügen?
Franz--
Ja, zum Gebrauch für meine Arbeit mit der Bibel.
Prosecutor-- Ich
glaube, Sie sind in der Lage, die Bibel in Hebräisch, Griechisch,
Spanisch, Portugiesisch, Deutsch und Französisch zu lesen und ihr zu
folgen.
Franz--
Ja …
Prosecutor--
Können Sie selbst dies hier ins Hebräische
übersetzen?
Franz--
Was?
Prosecutor--
Diesen vierten Vers im zweiten Kapitel von 1. Mose?
Franz--
Nein.
(Fred Franz im Kreuzverhör. Beweise des Anklägers im Fall Douglas Walsh
gegen The Right Honorable James Latham, Clyde, Scottish Court of Sessions,
Mittwoch, 24. November 1954, Seite
7, Abschnitte A-B. und Seite 102, Abschnitt F.)
Ein weiteres Beispiel ist die Zeugenaussage von Hayden C. Covington,
einem ehemaligen Vizepräsidenten und führendem Wachtturm-Anwalt, der aussagte,
die Zeugen müssten „falsche Prophetie“ als wahr annehmen.
Ankläger --
Es wurde falsche Prophetie verbreitet?
Antwort--
Ich
stimme zu.
Ankläger --
Sie musste von den Zeugen Jehovas akzeptiert
werden?
Antwort --
Das ist
korrekt.
Ankläger --
Wenn ein Glied der Zeugen Jehovas zu dem eigenen Schluss kam, die
Prophetie sei falsch, und das auch sagte, wurde er dann üblicherweise
ausgeschlossen?
Antwort --
Ja ...
Unsere Absicht ist es, Einheit zu haben.
Ankläger --
Einheit um jeden Preis?
Antwort --
Einheit um
jeden Preis ...
Ankläger --
Und Einheit aufgrund zwangsweisen Annehmens falscher
Prophetie?
Antwort --
Das räume
ich ein.
Ankläger --
Und derjenige, der seine Ansicht äußerte, dass sie ... falsch sei, und
der dann ausgeschlossen wurde, würde gegen den Bund verstoßen, wenn er getauft
war?
Antwort --
Das ist
richtig.
Ankläger --
Und wäre, wie Sie gestern ausdrücklich sagten, des Todes
würdig?
Antwort --
Ich
antworte unbedingt mit ja. Ohne Zögern.
Ankläger --
Bezeichnen Sie das als Religion?
Antwort --
Das ist es
sicher.
Ankläger --
Nennen Sie das Christentum?
Antwort --
Ganz
bestimmt.
(Beweise des Anklägers im Fall Douglas Walsh gegen The Right Honorable
James Latham Clyde, Scottish Court of Sessions, November 1954, Seiten 347-348;
siehe auch die gesamte Zeugenaussage als weiteres Beispiel).
Die Broschüre Preparing for Child Custody
Juristische
Schlachten der Wachtturm-Gesellschaft sind „so häufig geworden, [dass] sie ihren
Anhängern ein Pamphlet mit dem Titel ‚Preparing for Child Custody Cases’“
anbietet, gedacht für Zeugen, die vor gerichtlichen Sorgerechtsstreitigkeiten
stehen (Montgomery, 1992, Seite 14). Die Broschüre, in der offen zu Täuschung
aufgerufen wird und die den Zeugen rät, das Gericht zu täuschen, war
...
...
gedacht für den internen Gebrauch. Sie sollte den Mitgliedern helfen, die
Erörterung von Sorgerechtsstreitigkeiten bei Scheidungsprozessen vorzubereiten,
[und] macht Zeugenkindern Mut, unter Eid eine verdrehte Sichtweise der
Möglichkeiten zu bieten, die ein Zeugenkind hat, um einen Platz in der größeren
Welt einzunehmen. Ein Beispiel dafür ist der Kommentar in dieser
Veröffentlichung, Zeugenkinder könnten Journalisten werden (ein Beruf, der einen
Fachhochschulabschluss voraussetzt), wo vom Besuch eines College deutlich
abgeraten wird und dieser schlimmstenfalls von den Zeugen als ein Vehikel
verurteilt wird, durch das Zeugenkinder ihren Glauben verlieren können und
unmoralischer Gemeinschaft ausgesetzt sind (Duron, 1991, Seite
18).
Auch die Wachtturm-Anwältin Wah sagte unter Eid aus, sie habe der
Gesellschaft beim Schreiben der Broschüre Preparing for Child Custody
Cases etwa im Jahr 1986 geholfen und gab zu, dass die Broschüre geschrieben
wurde aufgrund zunehmender Sorge über Artikel, die von Wachtturm-Kritikern in
der sozialwissenschaftlichen und psychologischen Literatur verfasst wurden, die
den Interessen der Gesellschaft abträglich sein könnten (Zeugenaussage Wah, Hetrick gegen
Hetrick, Blair Court Common Pleas Nr. 2240 CP 1991 Seite
259).
Die Rechtsabteilung der Wachtturm-Gesellschaft wird nun von allen
Versammlungsältesten in allen Sorgerechts- und anderen Fällen kontaktiert, die
einzelne Zeugen und die Religion betreffen (Briefe der Wachtturm-Gesellschaft
aus den Jahren 1989, 1991). Auch wenn ein Zeuge einen weltlichen Anwalt
bestellt, ist es nicht ungewöhnlich, dass die Wachtturm-Gesellschaft für
ausgiebige kostenlose Beratung und Beistand durch Personal der Rechtsabteilung
sorgt (siehe Unser Königreichsdienst, August 1992, Seite 7, und Februar
1996, Seite 3). Weil mehrere vollzeitbeschäftigte Anwälte der
Wachtturm-Gesellschaft sich auf die Verteidigung von Zeugen in Sorgerechtsfällen
konzentrieren, haben sie auf diesem Gebiet eine ernorme Menge an Erfahrung und
Fachwissen angesammelt, und sie wissen, wie man mit Gerichten zum eigenen
Vorteil umgehen muss.
Walker (1990) kommt in seinen Untersuchungen der Sorgerechtsbroschüre und
der Briefe der Wachtturm-Gesellschaft in bezug auf dieses Thema zu dem Schluss,
dass die Wachtturm-Gesellschaft den Zeugen empfiehlt, vor Gericht ein
entschieden unwahres Bild zu zeichnen. Das geht so weit, dass sie in gewissen
Situationen „vor Gericht das genaue Gegenteil von dem sagen sollen, was
sie normalerweise im Königreichssaal sagen würden.“ (Seite 7). Ein Beispiel ist
die Wachtturm-Broschüre Jehovas Zeugen und die Schule. Sie und offizielle
Lehren haben jahrelang offen eine Beteiligung von Zeugenkindern am organisierten
Sport und allen außerlehrplanmäßigen Aktivitäten, Hobbys und eine höhere
Schulbildung verurteilt und geschlossen, diese Zeit sollte prinzipiell genutzt
werden, um Wachtturm-Interessen nachzugehen. Die Wachtturm-Gesellschaft weist
Zeugen jedoch an, vor Gericht das genaue Gegenteil dessen anzudeuten, was
sie wirklich glauben (Walker, 1990, Seite 23). Im Fall Tanya A. Stevens gegen
Max P. Stevens (District Court des
5. Judicial Court des Bundesstaates Idaho, Bezirk Blaine, Fall Nr.
CV-96-2858 Urteil am 17. 10. 1996 zugunsten Max Stevens, Beklagter) urteilte der
Richter:
Es
ist abträglich für das Wohl der Kinder, sie zu lehren, dass ihr Vater als
Nicht-Zeuge Jehovas nicht berechtigt ist, die ganze Wahrheit zu kennen, oder
dass es richtig ist, die Wahrheit vor Gottes Feinden (insbesondere vor Gericht)
zu verbergen. Weder Tanya noch jemand anders oder eine andere Partei dürfen das.
(Seite 42)
Richter Bouska aus Kansas City kam nach einer Durchsicht dieser
Wachtturm-Broschüre als Teil eines Falles vor seinem Gericht zu dem Schluss, die
Broschüre sei „gedacht, die Zeugen Jehovas zu ermutigen, einige ihrer wirklichen
Glaubenssätze zu verbergen und das Gericht in bezug darauf irrezuführen, wie
sich ihr Glauben und ihre Praktiken auf die Kinder auswirken.“ Er schloss auch,
der Wachtturm lehre, dass „unter der Religion, wie ich sie verstehe, nicht
falsch daran ist, jemanden irrezuführen oder sogar zu belügen, der kein Zeuge
Jehovas ist.“ (1994). Kurz gesagt „ermuntert der Wachtturm seine Gläubigen, sich
ihre Zeugenaussage aus den Fingern zu saugen.“ (zitiert in Montgomery, 1992,
Seite 14). Die Sorge ist, wie Raines bemerkt:
Wenn
die schädliche und beengende Natur, d.h. das „sektenmäßige“ Verhalten der Gruppe
einmal frei vor Gericht besprochen und belegt wird, dann haben Richter zugunsten
des Eltern- oder Großelternteils, der kein Zeuge Jehovas ist, entschieden und
ihnen das Sorgerecht oder Besuchsrechte zugesprochen.
Das
schließt auch die Verwendung von „theokratischer Kriegslist“ durch Zeugen
Jehovas vor Gericht ein. In ihrer Broschüre Preparing for Child Custody
Cases empfiehlt die Gesellschaft den Zeugen praktisch, vor Gericht einen
Meineid zu leisten, indem sie dem Gericht falsche und irreführende Informationen
über den Glauben und die Praktiken der Zeugen geben. Das lässt sich sehr zum
Verdruss der Wachtturm-Gesellschaft leicht belegen. Aus diesem Grunde ist die
Wachtturm-Gesellschaft gezwungen, ihre Positionen zu ändern. Gerichte sind
keinen Gruppen gewogen, die das Wachstumspotential bei Kindern einschränken,
indem sie höhere Schulbildung und Engagement im Sport und bei
außerlehrplanmäßigen Clubs oder Organisationen verbieten oder davon abraten
(1996, Seite 30).
Die Zeugen rechtfertigen dieses Täuschen vor Gericht mit der oben
besprochenen Lehre von der theokratischen Kriegsführung, nach der Lügen
(oder mit Wachtturm-Worten: die Wahrheit zurückhalten) angemessen ist, wenn es
die Interessen des Wachtturms schützt. Dies schließt Bemühungen ein, ihre
früheren Lehren zu verleugnen, eine Taktik, die wahrscheinlich Auswirkungen auf
die heutigen Lehren hat. Beispielsweise mag der Wachtturm bestimmte frühere
Ansichten herunterspielen, wie diese: Jehovas Zeugen können Gott gefallen und
die Gabe ewigen Lebens verdienen, und alle Regierungen, Religionen und
Wirtschaftsinteressen außer ihren eigenen werden von Satan
beherrscht.
Ein Beispiel ist dies: Wenn
man sie fragt, ob Menschen aus anderen Religionen Harmagedon überleben werden,
legt der Wachtturm die Antwort nahe: „Jehova trifft das Urteil, nicht wir.“
Obwohl sie versuchen, mögliche Bekehrungskandidaten und andere nicht zu
verprellen, lehrt der Wachtturm tatsächlich, dass nur getaufte Mitglieder
des Wachtturms, die in gutem Ansehen stehen, Harmagedon überleben werden
(Bergman, 1999). Das offizielle Wachtturm-Buch Du kannst für immer im
Paradies auf Erden leben lehrt eindeutig folgendes:
Gebrauchte
Jehova zu irgendeiner Zeit mehr als eine Organisation? In Noahs Tagen hatten nur
Noah und diejenigen, die bei ihm in der Arche waren, Gottes Schutz und
überlebten die Sintflut (1. Petrus 3:20). Auch im 1. Jahrhundert gab es nicht
zwei oder mehrere Christenorganisationen. Gott handelte nur mit einer. Da waren
nur „e i n Herr, e i n Glaube, e i n e Taufe“
(Epheser 4:5). Und so sagte Jesus Christus voraus, dass es auch in unseren Tagen
nur einen Quell geistiger Belehrung für Gottes Volk gebe ...
Denke nicht, es gebe verschiedene Wege, die du
gehen könntest, um in Gottes neuem System Leben zu erlangen. Es gibt nur einen.
Es gab nur eine Arche, die die Sintflut überstand, nicht mehrere. Und es wird
nur eine Organisation — die sichtbare Organisation Gottes — geben, die die
schnell herannahende „große Drangsal“ überleben wird. Es ist einfach nicht wahr,
dass alle Religionen an das gleiche Ziel führen...
Wenn du mit
ewigem Leben gesegnet werden möchtest, musst du zu Jehovas Organisation gehören
und seinen Willen tun (1982, Seiten 192, 193,
255-256).
In einer ausgezeichneten
Zusammenfassung der Broschüre Preparing for Child Custody Cases bemerkt
Raymond Franz, ein ehemaliges Mitglied der leitenden Körperschaft der Zeugen,
die 60-seitige Broschüre sei ein Leitfaden für Zeugen, die vor Gericht aussagen.
Das Buch bespricht Fragen, die …
die
gegnerische Seite möglicherweise stellt, und bietet Musterantworten an...
[Die] Wachtturm[-Lehre] über Wahrhaftigkeit ... [ist es,]
wahrheitsliebend [zu sein und nicht] ... bereit, die Wahrheit ein klein wenig zu
verdrehen, um einer unbequemen Lage zu entgehen oder etwas zu erlangen, was wir
haben möchten ... Zum Vergleich dazu einige der Antworten, die in der Anleitung
der Gesellschaft vorgeschlagen werden. Unter „WIE SICH
ELTERN, DIE ZEUGEN SIND, IN EINEM
KREUZVERHÖR VERHALTEN SOLLTEN“ finden wir diese Frage ... Werden alle
Katholiken (oder andere) vernichtet? ... [und die vorgeschlagene Antwort auf
Seite 12 lautet]: Das hört sich gut
an, so als wäre es frei von jeder dogmatischen oder richtenden Einstellung. Doch
der Zeuge, der so antwortet, weiß, dass die Schriften seiner Organisation
eindeutig lehren, dass nur diejenigen die „große Drangsal“ überleben, die zu
„Jehovas Organisation“ gehören, und dass alle, die nicht zu dieser Organisation
kommen, die Vernichtung zu erwarten haben (1991, deutsch: 1997 auf CD-ROM, Seite
283).
Franz beurteilt dann den
Abschnitt „DIREKTE BERFAGUNG UND ANTWORTEN VON ÄLTESTEN“, in dem die Broschüre
(1991, Seiten 29-31) in Klammern die „richtigen“ Antworten auf übliche Fragen
angibt:
Welche Haltung nimmt die Kirche [damit
ist die Religion der Zeugen Jehovas gemeint] gegenüber Menschen aus anderen
Religionen ein? (Jesus lehrte, den Nächsten wie sich selbst zu lieben, das
schließt alle ein; wir achten das Recht anderer auf Anbetung nach ihrer Wahl.)
Lehrt die Kirche, dass junge Menschen nur etwas über die Religion der Zeugen
Jehovas erfahren sollten? (Nein. Beachte die folgende objektive Betrachtung
anderer Religionen in unseren Publikationen.).
Als Reaktion auf diesen
Abschnitt der Broschüre bemerkt Franz, dass die Antworten der
Wachtturm-Gesellschaft eine in beträchtlichem Maße tolerante Haltung gegenüber
Religion zeigen, doch ...
…
weiß der Älteste, der so antwortet, wiederum, dass seine Religion lehrt, die
„Menschen aus anderen Religionen“ befänden sich allesamt in „Babylon der
Großen“, dem Weltreich der falschen Religion, das in der Bibel als „große Hure“
bezeichnet wird; dass die Anbetung, für die sie sich entschieden haben, als
unchristlich angesehen wird und dass sie Vernichtung zu erwarten haben, wenn sie
in ihr bleiben. Er weiß auch, dass man den Zeugen den dringenden Rat gibt, keine
gesellschaftlichen Beziehungen mit diesen „Menschen aus anderen Religionen“ zu
haben, da dies einen „verderblichen“ Einfluss habe, und dass der einzige Umgang,
der gutgeheißen wird, der ist, wenn man ihnen „Zeugnis gibt“ und hofft, dass sie
ihre Religion wechseln. Er weiß, dass alle Artikel, die in der Broschüre genannt
werden, die negativen Seiten der besprochenen „anderen Religionen“ betonen, und
dass die Organisation davon abrät, Literatur zu lesen, die direkt von anderen
Religionen stammt. Nur das, was sie selbst über diese Religionen veröffentlicht,
wird als ungefährlicher Lesestoff angesehen. (1991, 1997, Seiten 256,
257).
Zusammenfassend kommt Franz zu
dem Schluss, dass Leute, denen der Rat gegeben wird …
...
so zu reagieren, sicher wissen, dass man sie auffordert, eine Haltung an den Tag
zu legen, die sich sehr von der unterscheidet, die man ihnen in
Wachtturm-Schriften aufzwingt. Wenn
sie die Wahrheit reden, ohne sie ‚ein klein wenig zu verdrehen‘, braucht man
ihnen nicht zu sagen, sie sollten etwas anderes als bei einem Kreiskongress —
oder sonstwo — sagen (1991, 1997, Seite 257).
Nach der Erfahrung des
Autors folgen die Zeugen und ihre Anwälte regel- und routinemäßig dem Rat der
Broschüre, das Gericht im Zeugenstand zu täuschen. MacGregor, der in
Sorgerechtsfällen von Zeugen tätig war, kommt zu dem
Schluss:
Dein
ZJ-Partner (oder Expartner) wird verzweifelt versuchen, das Sorgerecht für die
Kinder zu bekommen. Sei auf das Schlimmste gefasst. Viele standen vor falschen
Anschuldigungen, gegen die man sich nur schwer wehren kann. Sie möchten
beweisen, dass du als Elternteil „ungeeignet“ bist. Du wirst Zeugen mit starkem
Charakter gebrauchen, die dich mit deinen Kindern beobachtet haben ... Sie haben
ihre eigenen juristischen Fachleute zur Verfügung, und dein Partner und die
Kinder werden darauf trainiert, was sie vor Gericht sagen müssen. Wenn du oder
dein Anwalt sich nicht vorbereitet, wirst du deine Kinder
verlieren!
...
Sie werden nicht zögern, auch unter Eid zu lügen. Sie haben eine Lehre, die das
Lügen rechtfertigt, dass man nur denjenigen die Wahrheit zu sagen braucht, die
„ein Recht darauf“ haben. Die Gerichte, das Rechtssystem, Familienfürsorger,
Expartner usw. verdienen es nicht, die Wahrheit zu kennen, weil sie Widerstand
leisten oder nicht zur „Organisation Jehovas“ gehören. Im Denken der Zeugen
Jehovas gehören sie zu Satan, und es ist richtig, ihn und seine Leute zu
belügen, um „Jehova“ und seine Organisation auf Erden [die
Wachtturm-Gesellschaft] zu schützen ... Alles mögliche wird den Kindern erzählt,
um sie von jeder Verwicklung in das „Böse“, das du bist, zu verscheuchen. Man
wird sie trainieren, was sie vor Gericht sagen sollen. Selbst wenn die Gerichte
verbieten, dass den Kindern während der Besuchszeiten religiöse Dinge
beigebracht werden, wird das Kind belehrt werden, dich zu „hassen“, weil du ein
Gegner ... der Organisation Gottes bist (1994, Seite 4).
Hier ein Beispiel für den
Gebrauch dieser Lehre vor Gericht, das eine Nichtzeugin gibt, die eigentlich
ihre Freundin unterstützen wollte:
Ich
wusste, dass die Wachtturm-Gesellschaft sehr sorgfältig kontrollierte, was in
Gerichtssälen gesagt wurde ... Ich hatte die Broschüre über Sorgerechtsfälle,
die sie zusammengestellt hatte, gesehen ... Aber bis ich tatsächlich diesen
letzten Juni zwei Wochen im Gericht bei einem Sorgerechtsfall verbachte ...,
wusste ich nicht, in welchem Ausmaß die Zeugen Jehovas zu ihrer geistigen
Kriegsführungstaktik greifen ... Ich kam, weil ich der Familie eine moralische
Stütze sein wollte, und um im Prozess mitzuschreiben, so dass die Familie später
darauf zurückgreifen konnte ... Ich konnte nicht glauben, was meine Finger
schreiben mussten, so bestürzend dreist waren ihre Lügen. Da die Zeugen Jehovas
glauben, jeder, der ein Feind Jehovas sei, sei „nicht berechtigt, die Wahrheit
zu kennen“, womit im Grunde jeder gemeint ist, der kein Zeuge Jehovas ist, sowie
alle Regierungen und Regierungsvertreter wie Richter, fuhren sie fort zu lügen,
lügen und nochmals zu LÜGEN und vor diesem Richter unter Eid „Halb“-Wahrheiten
zu erzählen! ... Zwei ganze Wochen mit sowas … Leute, die gegen Zeugen Jehovas
klagen, sollten von NICHTS ausgehen – besonders nicht davon, dass die Zeugen
Jehovas sich fair verhalten oder geradeheraus sind. Sie glauben, dass das ein
Krieg ist und dass Gott möchte, dass sie das tun: gegenüber „Gottes Feinden“ zu
lügen – und Gottes Feinde in diesem und in allen anderen Fällen sind alle, die
keine Zeugen Jehovas sind (In Comments from the Friends veröffentlichter
Brief, 1999 18(1): 9).
Zeugen dürfen beispielsweise
unter Eid aussagen, dass sie kein Problem damit haben, ihren Kindern zu
erlauben, Feiertage zu begehen, mit „Kindern aus der Welt“ zu spielen, am
Schulsport teilzunehmen, ein College zu besuchen oder eine Bluttransfusion zu
erhalten, wenn damit das Leben des Kindes gerettet wird; sie dürfen
gelegentlich sogar fälschlich behaupten, so etwas führe nicht zu einem
Gemeinschaftsentzug (Bergman, 1998). Einige sagen aus, sie würden zumindest
ihrem ehemaligen Partner, der kein Zeuge Jehovas ist, erlauben, die Entscheidung
zu treffen (was praktisch bedeutet, dass das Kind eine Bluttransfusion bekommen
kann), selbst wenn das gegen die Wachtturm-Regeln verstößt, die jedermann
befolgen muss, wenn er nicht ausgeschlossen werden will:
Wird ein Christ
aufgefordert, sich mit etwas einverstanden zu erklären, was eine Verletzung des
Gesetzes Gottes — eines höheren Gesetzes — darstellen würde, so wäre das
göttliche Gesetz vorrangig; es hätte Priorität.
[Und wenn ein Gericht versucht] ...
einem Christen
eine Bluttransfusion aufzuzwingen ...
sollten Christen
denselben Standpunkt einnehmen wie der Apostel Petrus: „Wir müssen Gott, dem
Herrscher, mehr gehorchen als den Menschen“ (Apostelgeschichte 5:29), absolut
entschlossen, Gott zu gehorchen, auch wenn ihnen die Regierung eine gegenteilige
Anweisung erteilte (Wachtturm, 15. Juni
1991, Seite 31).
Die Gesellschaft betont das
Ausmaß, in dem dieser Wachtturm-Vorschrift Geltung verschafft wird, indem sie
das Beispiel einer Zwölfjährigen anführt, die ...
style="COLOR: black">…
keinen Zweifel
darüber aufkommen [ließ], dass sie sich mit aller ihr zu Gebote stehenden Kraft
gegen eine gerichtlich angeordnete Bluttransfusion zur Wehr setzen würde, dass
sie schreien und kämpfen und die Kanüle aus dem Arm herausreißen und versuchen
würde, die Blutkonserve über ihrem Bett unbrauchbar zu machen. Sie war fest
entschlossen, der [Wachtturm-Auslegung] des göttlichen Gesetzes zu
gehorchen (Wachtturm, 15. Juni 1991,
Seite 31)
Ein Problem besteht für die Wachtturm-Gesellschaft darin, dass es keine
Bibelstelle gibt, die eindeutig und ausdrücklich die medizinische Verwendung von
Blut und anderen Organtransplantaten verurteilt, viele Stellen heißen vielmehr
ihre Verwendung gut, um Leben zu retten (Bergman, 1990). Selbst die
Wachtturm-Gesellschaft hat in der Vergangenheit Bluttransfusionen zugelassen;
bis 1961, fast ein Jahrhundert nach Gründung der Gesellschaft, war das kein
Vergehen, das zu einem Gemeinschaftsentzug führte (Watchtower, 15.Januar
1961, Seiten 63-64). Der durchschnittliche Zeuge akzeptiert diese Lehränderungen
aufgrund der Doktrin vom „neuen Licht“ (das bedeutet, dass Gottes Wille
fortschreitend durch die Wachtturm-Gesellschaft offenbart wird). Weil es nötig
ist, Bluttransfusionen zu vermeiden, darf man sich auch nicht in eine Situation
begeben, die zu einer Bluttransfusion führen könnte, und wenn eine gerichtlich
angeordnete Transfusion wahrscheinlich wird, muss ein Zeuge ...
... äußerst
energisch bemüht [sein], Gottes Gesetz über das Blut nicht zu
übertreten, [und wenn die]
Obrigkeit
[ihn] ...
als
Gesetzesbrecher betrachtet oder strafrechtlich verfolgt
...
könnte der
Christ die Sache so ansehen, als leide er um der Gerechtigkeit
willen (Wachtturm, 15. Juni 1991, Seite
31).
Wie Duron bemerkt, weist man
die Zeugen an, eher zu sterben, als sich einer Transfusion zu unterziehen:
„Zeugen sagen selten in kurzen Worten, sie würden nicht zögern, ihre Kinder eher
sterben zu lassen, als ihnen eine Bluttransfusion geben zu lassen“ (1991, Seite
18). Wachtturm-Anwältin Wah sagte unter Eid, sie habe Erwachsene in zwei
Situationen vertreten:
Diejenigen, die bei Bewusstsein und
klarem Verstand waren, bei denen eine gerichtliche Verfügung bestand, die die
Ärzte ermächtigte, eine Transfusion vorzunehmen. Ich sehe das so, dass solch
eine Verfügung ungesetzlich erlangt wurde und der Christ, als Erwachsener,
gewiss dagegen angehen würde, wenn nötig, auch mit körperlicher Gewalt ...
Meiner Einschätzung nach, und das ist der beste Vergleich, käme das einer
Vergewaltigung gleich. Wenn ich als Erwachsene durch eine gerichtliche Verfügung
vergewaltigt würde, wäre die Existenz einer solchen gerichtlichen Verfügung
keine Rechtfertigung dafür. Aber die Situation wird eine ganz andere, wenn ich
ein minderjähriges Kind hätte, das der gerichtlichen Verfügung unterstünde, wie
es auch eine andere Situation für Selbstverteidigung wäre ...
(Aussage von
Wah im Fall Hetrick gegen Hetrick, Court of Common pleas of Blair County,
PA, Nr. 2240 CP, 1991, Seite 234).
Wenn, wie Wah geltend macht,
eine Bluttransfusion allen Ernstes genau dasselbe wie eine Vergewaltigung wäre,
dann würde man ja wohl kaum jemandem erlauben, das Kind „vergewaltigen“ zu
lassen!
Eine weitere täuschende Argumentationslinie, zu der die
Wachtturm-Gesellschaft bei ihrer Begründung nicht selten greift, ist, dass ihre
Ablehnung von Bluttransfusionen vernünftig sei, weil das Risiko von AIDS bestehe
und ihre Entscheidung daher medizinisch gesehen auf lange Sicht weise sei. Sie
führt oft Fälle von Leuten an, die sich durch Bluttransfusionen AIDS zuzogen,
aber typischerweise verdreht sie in grober Weise die Tatsachen und versucht
vorsätzlich, ihren Anhängern Angst zu machen. Amerikanische Blutbanken begannen
im März 1985 mit dem Screenen von Blut, und seither „scheinen sich bei über 120
Millionen Bluttransfusionen ... nur 21 Personen mit HIV infiziert zu haben“, und
die Beziehung zwischen HIV und AIDS wird immer noch nicht richtig verstanden
(Nixon, 1993, Seite 3). Die Wahrscheinlichkeit, sich bei einer einzigen
Bluttransfusion in den Vereinigten Staaten HIV zuzuziehen, wird jetzt grob
gerechnet als eins zu einer Viertelmillion Transfusionen angesehen, und neue
Testmethoden haben „das Risiko, sich nach einer Transfusion mit Hepatitis C zu
infizieren, dramatisch verringert“ (Carlson, 1996; Rutherford und Kaplan, 1995).
Das Sicherheitsniveau ist in den Vereinigten Staaten jetzt so hoch, dass
autologe Transfusionen statt allogenem (Spender-)Blut kaum noch empfohlen werden
(Rutherford und Kaplan, 1995).
Greift der Durchschnittszeuge zu dieser
Lehre?
Viele historische Untersuchungen der Zeugenbewegung verzeichnen
Beispiele, wo gewöhnliche Zeugen zur theokratischen Kriegslist griffen. Damit in
Kanada jemand der Mitgliedschaft in einer illegalen Organisation überführt
werden kann, muss es dokumentierbare Beweise geben, wie eine Mitgliedskarte oder
ein Geständnis. Kaplan (1988, Seite 70) fand, dass Jehovas Zeugen in Kanada
„generell die Zugehörigkeit [zum Wachtturm] abstritten“, nachdem sie verboten
wurden. Dennoch wurden „fast alle Zeugen Jehovas, die beschuldigt wurden, auch
überführt“ (Kaplan, 1988, p. 72).
Jehovas Zeugen, die beim Verbreiten ihrer Literatur gefasst wurden,
versuchten oft zu behaupten, sie hätten „Pakete mit Traktaten auf der Türstufe
gefunden und das Interesse an ihrem Inhalt sei so sehr gewachsen, dass sie den
Drang fühlten, hinzugehen und das Material zu verteilen.“ (Kaplan, 1988, Seite
75) Dieser Erklärung wurde wohl nicht leicht geglaubt. Überdies wurden bei der
Jagd auf Zeugen Jehovas oft Personen verhört, von denen man annahm, sie seien
Zeugen, darunter Personen, die mit einigen ihrer Ideen sympathisierten. In
vielen Fällen hat man den Beteuerungen, man sei kein Zeuge, keinen Glauben
geschenkt, teilweise weil so viele Zeugen selbst über ihre Zugehörigkeit logen,
dass die Gerichte sich gegenüber den Aussagen all derer, von denen sie meinten,
es seien Zeugen, sehr skeptisch zeigten.
Die weit verbreitete Praktik, zu lügen, um die Interessen der
Wachtturm-Gesellschaft zu verteidigen, hat heute ähnlich ungünstige
Nachwirkungen. Man kann es immer noch bei Gerichtsfällen sehen, besonders bei
Sorgerechtsfällen oder rechtswidrigen Todesfällen im Zusammenhang mit
Bluttransfusionen: Die Zeugen oder ihre Anwälte haben oft ganz offen vor Gericht
gesagt, Jehovas Zeugen hießen es nicht gut, ihre Kinder aufgrund einer nicht
verabreichten Transfusion sterben zu lassen.
Kotwall (1997) behauptet, dass viele Zeugen Jehovas … sich nicht dessen
bewusst sind, dass die Wachtturm-Gesellschaft … sie zum Lügen ermuntert. Um zu
beurteilen, wie viele Zeugen sich der Lehre bewusst sind und wie sie angewandt
wird, veranstaltete der Autor eine Umfrage unter 92 Amerikanern und 39
Italienern, von denen die meisten Ex-Zeugen waren und die den Fragebogen
freiwillig ausfüllten. Die Antworten der beiden Gruppen waren so ähnlich, dass
sie zusammengefasst wurden. Die Befragten erfuhren von der Umfrage aus Anzeigen
in Zeitschriften und im Internet. Die drei Seiten beinhalteten auch einige
Fragen zur „Lehre der theokratischen Kriegslist“. Es ergaben sich folgende
Antworten:
Antwort Mitglied Pionier
Dienstamtgehilfe Ältester Kreisaufseher
A. Nie davon gehört.
37
7
3
0
B. Vage gehört
19
2
3
0
C. Recht vertraut damit.
11
3
7
1
D. Sehr vertraut damit.
style="mso-tab-count: 4">
7
5
7
2
E. Sehr vertraut und schon ein
paarmal angewandt.
2
1
4
2
F. Sehr vertraut und schon oft
angewandt.
0
1
6
3
Insgesamt
74
19
30
8
Die nächste Frage: „Wie würden
Sie die Lehre der theokratischen Krieglist am besten beschreiben?“ wurde wie
folgt beantwortet (Die Zahlen ergeben zusammen nicht 131, weil die Befragten
unter mehr als einer Antwort wählen konnten):
Antwort Mitglied Pionier
Dienstamtgehilfe Ältester
Kreisaufseher
A.
Die
Definition des Gerichts von Wahrheit: „Die Wahrheit und
nichts als die Wahrheit” muss strikt befolgt werden.
3
1
0
0
B.
ZJ müssen dieser Vorschrift nicht folgen, d.h. sie können die
Wahrheit
vor denen verbergen, die kein Recht darauf haben.
38
10
14
4
C.
Um die Interessen des Wachtturms, der Organisation Gottes,
zu
schützen,
darf man, wie die Welt es sieht, etwas lügen.
33
10
11
4
D.
Man muss Worte so gebrauchen, dass man Gottes Organisation
schützt –
auch wenn man aus Sicht der Welt lügt.
23
8
10
4
Die Daten zeigen, dass die
Mehrzahl der Zeugen diese Lehre kennt. Sie zeigen auch, dass es eine eindeutige
Beziehung gibt zwischen dem Tätigkeitsniveau in der Wachtturm-Gesellschaft und
der Kenntnis dieser Lehre. Alle ehemaligen Kreisaufseher kennen sie gut, und
über die Hälfte gab zu, schon einmal zu ihr gegriffen zu haben. Obwohl 37
Personen (28% des gesamten Samples) behaupteten, sie hätten nie von dieser Lehre
gehört, wählten nur 3 Personen (2%) die falsche Definition der Lehre, Antwort
„A“.
Eine Untersuchung der Fragebogen der Personen, die behaupteten, sie
würden die Lehre nicht kennen, zeigt, dass sie sich weit weniger beim Wachtturm
engagierten. Einige waren bestenfalls nominelle Zeugen mit minimaler Hingabe,
die oft nur aufgrund des Drucks in der Familie zu den Zusammenkünften gingen.
Eifrige Zeugen, die Verwaltungsposten innehatten, kannten, mit einer Ausnahme,
die Lehre und ihre Bedeutung sehr genau (Älteste und Kreisaufseher). Die meisten
(98%) kannten die Praktik oder konnten sie beschreiben, aber einige Zeugen
kannten sie nicht unter ihrem richtigen Begriff. Manche haben dabei vielleicht
noch an den alten Begriff
„Rahab-Technik“ gedacht. Einige Personen mögen den Begriff nicht gekannt
haben, weil das Wort „theokratisch“ heute weniger gebraucht wird als früher, es
ist aber immer noch gebräuchlich. Ein Beispiel ist das offizielle Gesangbuch Singing Praises to Jehovah (1984), das bei allen Zusammenkünften
verwendet wird und das unter „Theokratischer Krieg“ 13 Lieder
aufführt.
Die religiöse Grundlage unter dem Lügen
des Wachtturms
Die Wachtturm-Gesellschaft verwendet neben den bereits besprochenen
mehrere Schriftstellen, um das Lügen zu rechtfertigen. Wie Thomas bemerkt,
versucht der Wachtturm das Lügen mit der Feststellung zu rechtfertigen
...
…
dass Rahab, die Hure, in der Bibel den König von Jericho anlog, um die
israelitischen Spione zu schützen. Jehovas Zeugen argumentieren nun, als Jericho
zerstört wurde, sei Rahab verschont worden, weil sie log, um die Spione zu
schützen. Die Bibel offenbart jedoch, dass Rahab verschont wurde, weil sie
Israels Gott als wahren Gott anerkannte (Josua 2:11). Gott verschonte Rahabs
Leben nicht, weil sie log, sondern obwohl sie log. Der Wachtturm weist weiter
darauf hin, dass Abraham, Isaak und David auch gelegentlich die Wahrheit
verbargen. Aber alles, was das beweist, ist, dass selbst die besten Menschen
ihre Fehler hatten. Man kann sicher die Fehler eines Menschen (wie groß er auch
sein mag) nicht als Entschuldigung für eine Fehlhandlung heranziehen. Das Gebot
des Neuen Testamentes ist eindeutig: „Deshalb legt die Lüge ab UND REDET
WAHRHEIT, EIN JEDER MIT SEINEM NÄCHSTEN! (Eph. 4:25). Nach ihrem eigenen
Eingeständnis reden Jehovas Zeugen nicht die Wahrheit mit ihrem Nächsten, wenn
es in ihrem Interesse liegt, das nicht zu tun. Wenn sie es als vorteilhaft
ansehen, werden Jehovas Zeugen ihren Nächsten vorsätzlich belügen! (Hervorhebung
im Original, Thomas, 1972, Seite 96).
Was den Gebrauch der
Rahab-Strategie angeht, um das Lügen zu rechtfertigen, kam Robbins zu dem
Schluss:
Die
Bibel preist Rahab nicht für ihr Lügen; das ist ei unzulässiger Schluss ... Es
wäre merkwürdig, wenn die Bibel, die das Lügen wiederholt verurteilt, jemanden
für sein Lügen preisen sollte. Wenn dies so ist ... warum ... dann zu dem
Schluss kommen, dass Gott Rahab allein für ihr Lügen lobt? Ihre Prostitution war
gleichfalls wichtig bei der Rettung der jüdischen Spione, und daraus den
Rückschluss zu ziehen, die Bibel heiße die Prostitution gut, wäre dann ebenso
stichhaltig ... [Und doch gibt es einige, die] den Gedanken nahe legen, dass
Rahab und [andere]... passende Vorbilder für das Lügen, wenn es denn nötig sei,
seien (1994, Seite 1-4).
Der Standpunkt, das Lügen sei
gerechtfertigt, wenn es nur die irreführt, die „kein Recht haben, die Wahrheit
zu kennen“, wurde von keiner christlichen Kirche als formelle Lehre verbreitet,
und Thomas schließt, dass viele christliche Märtyrer ihr Leben hätten retten
können ...
...
wenn sie nur zur so genannten „theokratischen Kriegslist“ der Zeugen Jehovas
gegriffen hätten. Bei vielen hing das Leben von der Antwort auf diese eine Frage
ab: „Bist du ein Christ?“ Wenn sie zu antworten wagten: „Ja“, erwarteten sie
schreckliche Martern. Alles, was sie in vielen Fällen nur hätten tun müssen,
wäre gewesen, abzustreiten, ein Christ zu sein, und man hätte ihr Leben
verschont. Aber diese treuen großen Anhänger des christlichen Glaubens ...
ließen sich nicht zu Wachtturm-Tricksereien herab, um dem schwingenden Stahl des
„Tyrannen“ oder der „blutigen Mähne des Löwen“ zu entgehen. Sie verloren um der
Sache Christi willen ihr irdisches Leben, doch sie gewannen ewiges Leben und
ewige Ehre. Dies ist unser christliches Erbe, und wir haben allen Grund, stolz
darauf zu sein (1972, Seiten 97-98).
Die Wachtturm-Haltung zum Lügen ist eigentlich auch inkonsequent. Ein
gutes Beispiel aus dem Zweiten Weltkrieg betrifft die Zeugen in den
nationalsozialistischen Konzentrationslagern. Um aus einigen Lagern freigelassen
zu werden, brauchten die Zeugen nur ein Dokument unterschreiben, in dem sie ihre
Ergebenheit an den Wachtturm widerriefen. Doch die Wachtturm-Gesellschaft
unterrichtete sie, dies nicht zu tun; sie lehrte sogar, den Wachtturm zu
verleugnen, um sich selbst zu schützen, würde ihre Hoffnung auf ewiges Leben
zunichte machen. Sie wurden angewiesen, nur zu lügen, um den Wachtturm zu
schützen, nicht sich selbst (Buber, 1946). Wie man jedoch erwarten darf,
tendiert das Lügen der Zeugen dazu, sich auch auf andere Gebiete auszuweiten.
Thomas erzählte eine Erfahrung, die sich angeblich zutrug, als er einem Zeugen
eines seiner Traktate anbot, indem die Wachtturm-Glaubenssätze kritisiert
wurden:
Dieser Zeuge Jehovas kannte mich nicht
persönlich, aber er sagte, er kenne den Verfasser des Traktates persönlich. (Er
log!) Er dachte, ich sei jemand anders und begann, den Verfasser zu diffamieren
und zu sagen, dass
„Hochachtungsvoll“ aus der Wachtturm-Gesellschaft im Osten rausgeschmissen
worden sei, weil er Geld von ihnen gestohlen habe. (Ich bin nie Zeuge Jehovas
gewesen.) Dann fing er höhnisch an, mich als Idioten zu beleidigen und zu
behaupten, ich müsse doch wirklich blöd sein, wenn ich zulasse, dass der
Verfasser mich dazu betrüge, seine Pamphlete weiterzugeben. Als dieser Zeuge
Jehovas seinem Ärger über den Traktatschreiber Luft machte ..., zeigte ich ihm
meinen Führerschein, der bewies, dass ich der fragliche Verfasser des Traktates
sei. Ich forderte eine Entschuldigung von diesem lügenden Zeugen Jehovas ... Das
Wachtturm-Evangelium hatte den Verstand dieses Mannes so verdreht, dass er nicht
einmal aus Scham rot wurde, geschweige denn sich entschuldigte. Dies ist ein
Beispiel für die theokratische Kriegsstrategie der Zeugen Jehovas – vorsätzlich
im Interesse ihrer Religion lügen. Dieser Zeuge Jehovas dachte, wenn er über den
Verfasser der Anti-ZJ-Traktate Lügen verbreitete, dann könne er Christen davon
abhalten, sie weiterzugeben. Sicher wusste dieser Zeuge Jehovas, dass er log,
aber das interessierte ihn nicht! Hatte der Wachtturm ihm denn nicht
beigebracht, dass es schriftgemäß sei, wenn Zeugen Jehovas im Interesser ihrer
Religion täuschen und lügen? ... Es ist bekanntermaßen ein Grundsatz böser und
skrupelloser Menschen, dass der Zweck die Mittel heiligt. Anscheinend hatte
dieser Zeuge Jehovas diesen Grundsatz für sich angenommen (Thomas, 1972, Seiten
96-97).
Natürlich ist es schwierig
festzustellen, ob jemand vorsätzlich theokratische Kriegslist benutzt oder nur
leichtfertig mit den Tatsachen umgeht, um aus einer unangenehmen Situation
herauszukommen. Die Situation, die Thomas berichtet, mag etwas von beidem
enthalten (Raines, 1998, Seite 30). Hier ist ein weiteres, ähnliches
Beispiel:
Ich
habe an mir selbst ein Beispiel für diese Art von Täuschung erfahren: Eine
Zeugin, mit der ich befreundet bin, lud mich und mehrere andere Zeugen in ihr
Haus ein, wo ein Missionar der Zeugen aus Israel sie besuchte und einen
Diavortrag über seine Arbeit in Israel halten sollte. Die Gesellschaft hatte ihn
nach Israel geschickt, um den geheimen Bau einer Druckeinrichtung für ihre
Literatur zu beaufsichtigen. Dort sollten dann auch mehrere Zeugenarbeiter
wohnen. Die Juden in dem Gebiet waren bekannt für Gewalt gegen die Zeugen, und
es kam ihnen verdächtig vor, als sie sahen, wie dieses große Gebäude hochgezogen
wurde, besonders da sich in jedem Raum ein Spülbecken befand. Um den Bau und die
anderen Zeugen, die dort leben sollten, zu schützen, wies die Gesellschaft
diesen Missionar an, sich als exzentrischen Millionär auszugeben, der unter
einem Waschzwang litt, und jeden, der sich erkundigte, zu informieren, was da
gebaut werde, sei sein eigenes Haus. Diese Geschichte wurde erfunden, um alle
Spülbecken zu erklären und die Tatsache zu vertuschen, dass es in Wirklichkeit
eine Wachtturm-Fabrik war, in der es Schlafzimmer mit Spülbecken gab, in denen
die Fabrikarbeiter wohnen sollten. Diese Art von Lügen war als „theokratische
Kriegslist“ bekannt. (Wilson, 1999, Seiten 240-241).
Welchen Schaden Lügen letzten Endes
anrichtet
Die Lehre der Wachtturm-Gesellschaft von der „theokratischen
Kriegsführung“, dass es richtig sei, die Wahrheit vor Personen zurückzuhalten,
die sie benutzen könnten, um der Wachtturm-Gesellschaft Schaden zuzufügen, soll
ihren Interessen dienen (Bergman, 1994). Offensichtlich mit zwei Ausnahmen sind
sie die einzige religiöse Gruppe, die als Teil ihrer offiziellen Lehre direkt
verbreitet, es sei richtig zu lügen, so wie ein Gericht Lügen definiert. Auf
kurze Sicht mag diese Lehre Vorteile bringen, doch auf lange Sicht schadet sie
den Wachtturm-Interessen mehr, als dass sie ihnen nützt.
Wahrscheinlich die
wichtigste Auswirkung der Lehre vom theokratischen Krieg ist der psychologische
Schaden, den sie bei Zeugen bewirkt, wenn diese erkennen, wie sehr die
Wachtturm-Gesellschaft zu Täuschungen greift (Bergman, 1993). Das wurde aus den
Interviews mit den 92 Amerikanern und 39 Italienern für die oben angeführte
Untersuchung deutlich. Wenn man erkennt, wie wirklich wenig aufrichtig der
Wachtturm ist, ist das oft ernüchternd und führt dazu, dass Mitglieder den
Wachtturm verlassen. Wenn sie gehen, ist das unglaublich traumatisch für
Menschen, besonders für die, die sich stark engagiert hatten. Duron stellt
fest:
Bevor ich diese Religion im Jahre 1975
verließ, war ich eine Zeugin Jehovas in der dritten Generation. Ich bin
verheiratet mit einem Zeugen der zweiten Generation. Mein Mann und ich, die
zusammen fast sechzig Jahre dem Zeugenglauben und ihren Aktivitäten ausgesetzt
waren, haben getrennt und zusammen viele Stunden damit verbracht, nach einem
Sinn in unserem Leben zu suchen. Neben dem Versuch, zu lernen, unser Leben nach
diesem starken geistigen Aufruhr, alle unsere moralischen, religiösen, sozialen
und persönlichen Werte und Glaubenssätze neu zu überdenken, wieder neu
aufzubauen, stand im Mittelpunkt, vernünftig mit der Frage: “Wer bekommt die
Kinder?“ umzugehen. Wir hatten zwei Kinder, an die wir denken mussten (Duron,
1991, Seiten 16-17).
Das Beispiel, das sie gebrauchen, wie Abraham den Pharao anlog und sagte,
Sarah sei seine Schwester und nicht seine Frau, mag sich hier als prophetisch
erweisen. Die Lehre wird weit und breit von Wachtturm-Dissidenten als Punkt
angeführt, der Teil ihrer Entscheidung war, den Wachtturm zu verlassen, und
Gegner gehen gewöhnlich mit dieser Lehre als Teil der Rechtfertigung ihrer
Verurteilung des Wachtturms hausieren. Der Mangel an Aufrichtigkeit wird oft von
ihren Kritikern bemerkt (siehe zum Beispiel Branden, 1988, und Dahlin, 1988, und
die meisten Quellenangaben in dieser Abhandlung).
Dass diese Lehre offen revidiert wird, ist unwahrscheinlich, weil eine
Revision den Rückschluss verstärken wird, dass eine solche Doktrin gelehrt und
allgemein praktiziert wurde. Überdies, und am wichtigsten, wäre eine Revision
dieser Lehre auch das Eingeständnis, dass sie verkehrt war. Angesichts der
Erwartung, dass Harmagedon unmittelbar bevorsteht, hofft der Wachtturm, dass
diese vorhergesagte Schlacht sie davor bewahrt, sich dieses Problems anzunehmen.
Man wird in der neuen Welt keine theokratische Kriegsführung mehr gebrauchen, da
es dann keine Gegner des Wachtturms mehr gibt, weil alle Nichtzeugen in
Harmagedon vernichtet werden. Angesichts des wiederholten Fehlschlages von
Wachtturm-Vorhersagen des „großen Tages Gottes des Allmächtigen“ mag man
gezwungen sein, sich doch der Lehre zu stellen und sie entweder leise in der
Versenkung verschwinden lassen (was nicht der Fall zu sein scheint, da die Lehre
in den neuesten Wachtturm-Veröffentlichungen wiederholt wird), oder man muss
sich mit den Auslegungsfehlern abfinden und eine neue Politik der funktionalen
Ethik entwickeln.
Das höchste Gericht von Ohio
fällt einen Beschluss
zum Lügen in religiösen Dingen.
Das Berufungsgericht von Ohio entschied,
wenn eine Kirche ihre Mitglieder lehre, zu lügen oder die Wahrheit
zurückzuhalten, um die Interessen der Kirche zu verteidigen, und wenn dies vor
Gericht gebracht werde, dann sei das ein aufhebbarer Irrtum [Redman et.al.
gegen WTBTS Berufung Nr. 91 WDO 71, Prozessnr.
C-88-835 Wood
County Court of Appeals vom Ohio Supreme Court aufrecht erhalten (Redman
gegen Watchtower Bible and Tract Soc. of Penn. (69 Ohio St.3d 98, 630 N.E.2.
676 Berufung abgelehnt, 69
Ohio St. 3d 1445 (1994) 632 N.E.2d 913). Oberflächlich gesehen, schützt diese
Entscheidung das Lügen, wenn es aus religiösen Gründen geschieht und wenn die
Gegenseite vor Gericht von dieser Lehre Kenntnis hat. Der Ohio Supreme Court
entschied, dass „Fragen bezüglich des Glaubens eines Zeugen [auch wenn die
Religion ihre Mitglieder lehrt zu lügen] keine zusätzliche zulässige Methode
sind, den Wahrheitsgehalt zu prüfen“ (Redman gegen Watchtower, supra,
Seite 101).
In dem Fall ging es um Otterbein Duesler, einen älteren Mann mit
Borderline-Syndrom [Grenzfall zwischen Neurose und Psychose, der Übersetzer] und
emotionalen Problemen. Unerwartet änderte er plötzlich sein Testament und
überließ das meiste seines Besitzes im Wert von 338.000 Dollar der
Wachtturm-Gesellschaft statt seiner Familie. Der Mann war kein Zeuge und hatte
sich, als er lebte, unzufrieden über die Wachtturm-Gesellschaft geäußert. Die
Familie behauptete, er habe sein Geld der Wachtturm-Gesellschaft überlassen,
weil sie ihn überredet hätte, wenn er es nicht täte, könne er sein ewiges Leben
verlieren (Caughey, 1991). Die Jury stimmte dem Anspruch der Familie zu, machte
das Testament rückgängig und sprach das Geld wieder der Familie zu.
Die Zeugen Jehovas wollten ihn nicht
als Mitglied haben, weil er mit seinem Verhalten Wachtturm-Regeln verletzte, und
sie begriffen, dass er nicht das Bild herüberbringen würde, das der Wachtturm
der Öffentlichkeit zu bieten versucht. Wenn sie aufrichtig versucht hätten, ihm
als Mensch zu helfen, hätte sich die Familie angeblich weniger Sorgen darüber
gemacht, dass er sein Geld dem Wachtturm überlassen hatte. Kurz gesagt, sie
waren wütend und fühlten sich von der Wachtturm-Gesellschaft ausgenutzt. Ein
Sachverständiger wurde in dem Fall damit beauftragt, die Lehre von der
„theokratischen Kriegslist“ darzulegen. Er erklärte, dass der Wachtturm entgegen
dem Erfordernis, vor Gericht „die ganze Wahrheit und nichts als die Wahrheit“ zu
sagen, lehre, es sei richtig, die Wahrheit vor denen zurückzuhalten, von denen
er glaubte, sie hätten kein Recht darauf, insbesondere vor denen, die zu Satans
System der Dinge gehörten, was alle Wachtturm-Gegner, alle Kirchen und die
weltlichen Regierungen einschließlich des Justizwesens meint.
Diese Information wurde vor Gericht vorgetragen, um der Jury die
Beweggründe des Wachtturm-Anwaltes und anderer verstehen zu helfen, die Mr.
Duesler angeblich beeinflusst hatten, sein Testament zu ändern. Die Sorge der
Familie war, dass Mr. Duesler mit unangemessenen Mitteln gezwungen wurde, sein
Testament zu ändern. Sorge über die Änderung eines Testamentes, nachdem eine
einsame und ältere Person mit dem
Wachtturm Bekanntschaft macht, ist kein ungewöhnliches
Ereignis.
Das Berufungsgericht entschied über „die Frage der Zulässigkeit von
Beweisen der religiösen Überzeugungen oder Meinungen eines Zeugen“, dass „keine
Analyse notwendig ist; das Beweismittel ist nach Vorschrift 610 [der
Zivilprozessordnung] nicht zulässig“. Die Vorschrift lautet: „Beweismittel zu
den Überzeugungen oder Meinungen eines Zeugen in Sachen Religion sind nicht
zulässig, wenn damit gezeigt werden soll, dass aufgrund ihres Wesens seine
Glaubwürdigkeit beeinträchtigt oder gesteigert wird.“ Bei der Zeugenaussage ging
es aber tatsächlich nicht um „Überzeugungen oder Meinungen“ eines Zeugen vor
Gericht, sondern um die offizielle Lehre einer Religionsgemeinschaft. Der Ohio
Supreme Court sagte, bei dem Prozess habe der Kläger einem Sachverständigen ein
Urteil „bezüglich der Überzeugungen und Praktiken der Zeugen Jehovas“ entlockt,
und dass die Sachverständigenaussage auf Seiten des Klägers „bezeuge, dass die
Kirche eine Praktik benutze, die er ‚theokratischen Krieg’ nannte. Diese Praxis
beinhalte angeblich die Vorschrift einer Kirche, die Mitglieder zu
ermuntern, einen Meineid zu leisten, um die Kirche und ihre Anhänger zu
schützen.“ (Kursiv von mir). Das Gericht kam auch zu dem Schluss, vieles in dem
Fall des Klägers drehe sich um das „Gutachten [des Sachverständigen] in bezug
auf theokratische Kriegsführung und seine Behauptungen, Jehovas Zeugen
würden lügen, um die Versammlung zu schützen.“ (Redman gegen Watchtower,
supra, Seite 100, 69 Ohio St. 3., Seiten 98, 100-101, Kursiv von
mir).
Das Gericht behauptete auch, das „meiste an dem Fall des Klägers sei von
der Verteidigung bestritten worden. Kobil habe ausgesagt, er sei Mitglied der
Zeugen Jehovas, aber das Lügen unter Eid sei kein Grundsatz ihrer Lehren. Kobils
Aussage sei von John Schabow untermauert worden, einem Ältesten in einer
Ortsversammlung der Zeugen Jehovas“. Viele dieser Behauptungen sind falsch. So
stritt Kobil beispielsweise die Existenz der Lehre nicht ab, sondern nur Besonderheiten ihrer Anwendung.
Tatsache ist: John Schabow sagte aus, er habe die Zeugen Jehovas 1944
kennen gelernt und sei Ältester in einer Ortsversammlung (Aussage Schabow, Seite
750). Als er gefragt wurde, ob er „vor diesem Fall je von einer Lehre der
theokratischen Kriegsführung gehört“ habe, umging er die Frage und antwortete:
„Ich weiß nicht, worauf sich das bezieht. Das ist nichts, was wir in der
Versammlung lehren oder studieren.“ Das ist eine direkte Lüge, wie die nächste
Frage zeigt: „Erscheint sie [die Lehre von der theokratischen Kriegsführung] regelmäßig
in ihren Schriften?“ Doch hier geht es darum, ob diese Lehre
verbreitet wird, nicht, ob sie „regelmäßig“ erscheint. Die Antwort „Nein“ auf
die Frage: „Erscheint die Lehre in ihren Schriften“ wäre eine Lüge. Nachdem
Schabow abstritt, dass sie regelmäßig erscheint, sagte er, die
Zeitschrift „Wachtturm“ „wird kostenlos an die Öffentlichkeit der ganzen Welt
verteilt, und jeder würde so etwas sehen. Ich kann diese [Lehre] in den
Zeitschriften ‚Wachtturm’ nicht sehen.“
Diese Behauptung stimmt nicht. Der Begriff
„theokratische Kriegsführung“ wurde von
der Wachtturm-Gesellschaft selbst geprägt und wird regelmäßig von ihr benutzt.
Im Index der Wachtturm-Veröffentlichungen 1930-1985
verweist der Begriff „theokratische
Kriegführung“ den Leser auf den Hauptpunkt, „Kriegführung, geistige“. Diese
Wachtturm-Lehre, so zeigen das offizielle Wachtturm-Lexikon Einsichten über
die Heilige Schrift, (1988) plus viele Artikel im Watchtower,
darunter vom 1. Juni 1960, Seite 351; 1. Mai 1957, Seite
284; 1. Februar 1956, Seite 78; und 15.
Juni 1991, Seite 31, und viele weitere Quellen, ist offizielles Dogma. Wer die
Existenz dieser Lehre abstreitet, liefert damit selbst den besten Beweis für ihr
Bestehen. Dann umging Mr. Schabow auf die Frage, ob es gerechtfertigt sei, wenn
jemand unter bestimmten Umständen nicht die Wahrheit sage, wiederum die Frage
und behauptete statt dessen: „Bei uns wird es hoch geachtet, die Wahrheit zu
sagen“, was, gemessen an seiner eigenen Aussage, falsch ist (Aussage Schabow,
Seiten 762-763).
Walter Kobil war Anwalt in Toledo und behauptete, er habe zur Zeit des
Falles schon 35 Jahre die Juristerei praktiziert; gemäß den Aufzeichnungen des
Gerichtes war er schon seit 60 Jahren Zeuge. Als Antwort auf die Frage: „Hatten
Sie in Ihren 60 Jahren als Zeuge Jehovas schon zuvor von dieser Lehre [der
theokratischen Kriegslist] gehört?“ behauptete er: „Nein.“ Mr. Kobil wurde dann
gefragt: „Wird sie gepredigt? Wird sie ausgiebig in Ihrer Literatur
erörtert?“ (Man beachte wiederum den Gebrauch des Wortes ausgiebig) Als
Antwort sagte Kobil: „Nein, das wird sie nicht.“ Darauf fragte man Kobil, ob er
„in den zwei Tagen seit der Zeugenaussage zu dieser Lehre über das Thema
nachgeforscht“ habe. Kobil antwortete:
Ja …
Ich war neugierig, worüber er geredet hat, so habe ich ausgiebig nachgeforscht
und habe eine Frage von Lesern im Watchtower vom 1. Juni 1960 gefunden;
das ist 30 Jahre her und … diese zwei Worte erscheinen zusammen, theokratische
Kriegsführung und … die Frage war: Wenn man vor Gericht eine Aussage macht oder
mit Beamten zu tun hat, muss man dann immer die Wahrheit sagen? Und die …
Antwort war, dass wir immer die Wahrheit sagen müssen. Die einzige Abweichung …
vor Gericht oder wenn man mit Beamten zu tun hat
… war, wenn das Leben von jemandem in
unserer Kirche in Gefahr ist, dann würden wir es vermeiden, die ganze Wahrheit
zu sagen ... So ging es in dem Artikel um das Leben unter einer totalitären
Regierung, und es hatte nur damit zu tun, Leben zu retten ... Wir glauben, dass
wir die Wahrheit sagen müssen, und hier ging es nur darum, dass wir nicht die
Wahrheit zu sagen brauchen, wenn jemandes Leben in Gefahr ist (Seiten 823-825).
In Wirklichkeit sagt der Artikel nichts darüber, dass Leben
gerettet werden müssen oder dass die theokratische Kriegsführung nur
unter totalitären Regierungen vorzunehmen sei. Es geht, wie der Artikel
klarmacht, um alle Regierungen. Mr. Kobil bestritt nicht die Existenz der
Lehre, nur die Einzelheiten, wann es richtig ist, sie anzuwenden. Das ist
etwas ganz Anderes, als wenn man sagt, es gebe diese Lehre nicht, wie das
Gericht schlussfolgerte. Überdies schloss der Anwalt der Beklagten, Richard
Kobil, dass die Kläger „die
Existenz der umstrittenen Lehre der Kirche von der [theokratischen]
Kriegsführung nicht leugnen“ (Antwortschriftsatz des Berufungsklägers, Seite
2; Kursiv von mir).
Im Schlussplädoyer räumte der Anwalt des Klägers ein, dass es die Lehre
von der theokratischen Kriegsführung gebe, aber er argumentierte, die Jury
sollte zu dem Schluss kommen, dass sie auf Kobils oder Sabows Zeugenaussage in
dem Fall keine Anwendung fände (R. T. Seiten 1037-1038). Warum sie nicht
Anwendung finden sollte, wurde nicht belegt. Im Schlussplädoyer argumentierte
Kobil, die Lehre meine, dass Zeugen Jehovas nicht „ihre Freunde verpetzen“
müssten (R.T. Seiten 1037-1038), und das bedeute, man müsse vor Gericht nicht
„die ganze Wahrheit“ sagen, im Gegensatz zu der Vereidigung vor Gericht, dass
man „die ganze Wahrheit“ sagen müsse. Mit anderen Worten, es ist richtig, vor
Gericht zu lügen, (wie das Gericht das Lügen definiert), um seine Freunde zu
verteidigen. Überdies sagte der Kläger:
Mr.
Kobil ist sein ganzes Leben lang Zeuge Jehovas gewesen [und hat] nie von der
Lehre gehört, und das hat auch Schabow nicht, aber als Kobil nachsuchte, fanden
sie, wenn man eine Aussage machen und seine Freunde verpetzen soll, dann braucht
man das unter bestimmten Umständen nicht, wenn zum Beispiel ein Leben in
Gefahr ist. Ist das so etwas Schreckliches? Würden Sie nicht dasselbe tun?
(Kursiv von mir) R.T. Seiten 1037-1038.
Nach dieser schrecklichen Aussage auf Seite 14 des von Kobil verfassten
Memorandums des Berufungsklägers, geschrieben als Entgegnung auf das Memorandum
des (erstinstanzlichen) Klägers zur Bekräftigung der Rechtsprechung sagte
Kobil,
der Sachverständige habe behauptet, „dass Jehovas Zeugen gelehrt werden, die
Wahrheit zurückzuhalten, und dass sie deshalb weniger glaubwürdig“ seien.
Natürlich lehrt der Wachtturm genau dies, und doch sagte Kobil weiter: „Der
Berufungskläger nimmt Anstoß“ ... an der Aussage des Sachverständigen des
erstinstanzlichen Klägers „bezüglich der
Vorstellung von einer theokratischen Kriegsführung“ (Seite 29). Überdies wurde
in der Urteilsbegründung des Berufungsgerichts ausgeführt, dass der
Sachverständige ...
…
trotz Einspruchs auch eine Aussage über die angebliche Lehre von der
theokratischen Kriegsführung machen konnte. Gemäß dem
[Sachverständigengutachten] ... sei die Kirche Anhängerin des Isolationismus.
Dieser Glaube wird von vielen Kirchenmitgliedern geteilt, dass nämlich ihre
eigene Kirche von Gott mehr begünstigt wird als andere. Doch [der
Sachverständige] ... sagte aus, dass die angebliche Lehre der Zeugen
Jehovas darin weitergehe, dass die Kirche in einer „theokratischen Dienstschule“
angeblich ihre Mitglieder lehre, weil die Kirche von Gott begünstigt
werde, dürften sie Nichtgläubige vor Gericht anlügen, um die Kirche zu schützen
(Eintragung beschlossen am 14. August 1992, Seite A15, Kursiv von mir).
Mit diesem Urteil unterstellte das Gericht, dass es die Lehre nicht gibt.
Dass die Wachtturm-Gesellschaft die Lehre schriftlich verbreitet, wie es durch
die obige Erörterung belegt wurde, wurde von Kobil eingeräumt (T Seiten
1037-1038), was beweist, dass die Behauptung, es gebe diese Lehre nicht, falsch
ist. Und doch kam das Berufungsgericht in seinem Urteil zu dem Schluss, die
Zulassung der Aussage „in bezug auf die angebliche Lehre von der
theokratischen Kriegsführung“ erfordere ein neues Gerichtsverfahren (Seite A19,
Kursiv von mir). Die besondere Aussage, um die es sich dreht und die nahezu
Wort für Wort die offizielle Wachtturm-Lehre war, war, dass Jehovas Zeugen
sich „mehr als Fremde oder zeitweilig Ansässige in diesem Land“ ansehen, und
dass Nichtzeugen ...
…
als böse betrachtet werden, zumindest so lange sie keine Zeugen Jehovas sind.
Daher glauben sie, sie stehen mit den Menschen in diesem Lande und in jedem
Lande im Kriegszustand, und Teil der Strategie in einer Kriegssituation ist es,
wenn jemand dich in den Zeugenstand bringt oder dir Fragen stellt, und die
ehrliche Beantwortung der Frage würde der Wachtturm-Gesellschaft Schaden
zufügen, ... dann hat die Wachtturm-Gesellschaft für diesen Fall die
ausdrückliche Vorschrift erlassen, wenn das, was du sagst, in irgendeiner Weise
die Wachtturm-Gesellschaft schädigt, dann musst du, wie sie sagen, die Wahrheit
zurückhalten. Du darfst jemandem, der es in ihren Worten „nicht verdient, die
Wahrheit zu kennen oder kennen zu lernen“, nicht die Wahrheit sagen (R.T. Seite
412).
Um dies zu erläutern, sagte der Zeuge als Antwort auf die Frage, wie
diese Lehre vor Gericht Anwendung finde, aus:
Wenn
einem im Gerichtssaal eine Frage gestellt wird, die die Wachtturm-Gesellschaft
belasten oder schädigen könnte, muss man, mit ihren Worten, die Wahrheit
zurückhalten. Man darf keine Information offenbaren, die die
Wachtturm-Gesellschaft schädigen könnte. Man muss alles tun, um die
Wachtturm-Gesellschaft zu schützen, und da man unter Eid steht, soll man
natürlich die ganze Wahrheit und nichts als die Wahrheit sagen.
Nach dieser Definition hieße das, man müsste lügen (R.T. Seiten 413-414, Kursiv
von mir).
Die Wachtturm-Lehre (der alle Zeugen Jehovas unter Androhung des
Gemeinschaftsentzuges folgen müssen) wurde ausgearbeitet für Situationen, in
denen jemand das Recht hat, die Wahrheit zu kennen. So müsse man sich den
Wachtturm-Ältesten oder einem voraussichtlichen Ehepartner ganz offenbaren. Der
Wachtturm beachtet eine Ausnahme davon, sich ganz zu offenbaren ...
…
und die ein Christ immer im Sinn behalten müsse. Als Soldat Christi befinde er
sich in einem theokratischen Krieg und müsse zusätzliche Vorsicht walten lassen,
wenn er es mit Gottes Feinden zu tun habe. So zeige die Bibel, dass es
für den Zweck des Schutzes der Interessen Gottes richtig sei, die Wahrheit
vor Gottes Feinden zu verbergen. (Watchtower, 1. Januar 1960, Kursiv
von mir)
Überdies fügt der Artikel
hinzu, vor Gericht, „wenn man vor der Alternative stehe, zu reden und seine
Brüder zu verraten oder nicht zu reden und wegen Missachtung des Gerichts
verantwortlich gemacht zu werden“, werde ... [ein Wachtturm-Anhänger] das
Wohl seiner Brüder über sein eigenes stellen ... (Watchtower, 1.
Januar 1960, Kursiv von mir). Der Wachtturm definiert Lügen als „Unwahrheiten,
die aus selbstsüchtigen Gründen verbreitet werden und die anderen Schaden
zufügen“ (Watchtower, 1. Mai 1957). Der Artikel sagt nichts über
Situationen auf Leben und Tod, es wird vielmehr davon gesprochen, „seine Brüder
[zu] verraten“. Die Geschichte zeigt auch, dass diese Lehre in einer Anzahl
wichtiger Situationen nicht in Nazideutschland angewandt
wurde.
Der Sachverständige war vor Gericht im Besitz von Exemplaren dieser
Wachtturm-Veröffentlichungen und paraphrasierte eine davon. Sie zeigen, dass
sowohl Kobil als auch Schabow nach der Definition des Gerichts logen: „Die ganze
Wahrheit und nichts als die Wahrheit und Worte mit der Absicht gebrauchen zu
täuschen“ (Lewis und Saarni, 1993, Seite 156). Lügen beinhaltet den Gebrauch von
Worten, um „ein Gespräch zu verwirren“ und damit andere zu seinem eigenen
Vorteil zu „manipulieren“. (Wolk und Henley 1970, Seiten 90-94, 232). Das
Erfordernis, die ganze Wahrheit und nichts als die Wahrheit zu sagen, soll,
historisch gesehen, dem Problem eines Zeugen vorbeugen, der zum Beispiel
behauptet, er habe ehrlich gesagt, dass er seinen Arbeitgeber „nicht bestohlen“
habe, wenn er dabei im Hinterkopf hat, er habe ihn gestern „nicht
bestohlen“, aber bei Zuhörern den Eindruck erweckt, er habe ihn nie
bestohlen, weil das Wort „gestern“ nicht gesagt wird, und die ganze
Wahrheit doch ist, dass er seinen Arbeitgeber in der Vergangenheit bestohlen
hat (Bok 1978, Seite 36).
Eine Betrachtung des Hintergrundes der Gesetzesvorschrift Nr. 610 zeigt,
dass sie in keinem Zusammenhang zu diesem Fall steht. Die Vorschrift bezieht
sich historisch gesehen zum Beispiel darauf, den Glauben, dass jemand von einer
Krankheit geheilt wurde, zu benutzen, sich über den persönlichen Glauben eines Zeugen vor Gericht auf Gebieten lustig zu machen, die nichts mit dem
Fall zu tun haben, oder die Überzeugungen eines Atheisten zu gebrauchen, die
Glaubwürdigkeit eines Zeugen vor Gericht in Zweifel zu ziehen, der zufällig
diese Überzeugungen teilt (Ratcliffe, 1941). Aber bei der Zeugenaussage in
diesem Fall ging es nicht um einen Glauben oder eine Meinung, sondern um eine
Lehre, die in offiziellen Wachtturm-Publikationen verbreitet wird und die jeder
annehmen und ausführen muss, wenn er nicht von der Kirche abgeschnitten werden
will (Franz 1983). Beachtenswert ist die Tatsache, dass Mr. Kobil sich in seinem
Schriftsatz über Emma Kriston, eine Zeugin der Kläger, lustig machte und sagte,
ihre Zeugenaussage sei schon „fast unglaubwürdig“, weil sie behauptete, ihr
„seit 45 Jahren bestehendes Emphysem sei durch die Bitte eines Gebetes an die
Radiostation Schwingen des Hörens [sic Heilens] geheilt worden“ (Aussage
Kobil,
Seiten 23-24). Dann sagte Kobil noch, ihre Aussage sei „so weit hergeholt, dass
sie nicht einmal den Grundanforderungen an eine vernünftige, glaubwürdige
Aussage genüge“. Heute glauben Millionen von Menschen, dass der Glaube heilen
kann, und diese Art von Angriff scheint genau das zu sein, was Vorschrift 610
verhindern soll (Ratcliffe, 1941).
Ein Gesetz des Bundesstaates Utah und das Urteil eines New Yorker
Gerichts bestimmten, dass Personen aufgrund ihrer religiösen Meinungen nicht von
einer Zeugenaussage ausgeschlossen werden dürfen, aber diese können benutzt
werden, um die Glaubwürdigkeit eines Zeugen anzuzweifeln (Ratcliffe, 1941,
Seiten 336-337). Obwohl im Fall Stanbro gegen Hopkins (28 Barb (N.Y.) 265
(1859)) das Gericht entschied, dass Fragen zur Religion gestellt werden dürfen,
um den Charakter und die Aufrichtigkeit eines Zeugen einschätzen zu helfen,
haben Gerichte in neuerer Zeit gewöhnlich die Meinung vertreten, dass religiöser
Glaube oder Nichtglaube nicht als Teil des Kreuzverhörs benutzt werden darf, um
die Glaubwürdigkeit eines Zeugen in Frage zu stellen (Ratcliffe, 1941;
Chadbourn, 1930). Ein Grund, der oft für diese Regelung gegeben wird:
Theologische Orthodoxie darf nicht als Wahrheitsprüfung benutzt werden, und wenn
ein Zeuge andere Ansichten vertritt als die Jury, könnte diese Art von
Fragestellung sie veranlassen, den Wert der Zeugenaussage zu schmälern. Die
Quelle dieser Vorschrift ist der früher einmal übliche Glaube, nur die Furcht
vor übernatürlicher Bestrafung könne einen Zeugen veranlassen, treu zu seinem
Eid zu stehen (Ratcliffe, 1941, Seite 339). Aus diesem Grund ist diese Art der
Fragestellung, die zeigt, ob ein Zeuge Atheist ist oder einer anderen Religion
angehört, verboten (Malek gegen Federal Ins. Co. 994 F.2d 49 (2.
Bezirk 1993).
In diesem Fall war die
Religion von Kobil und Schabow ein wichtiger Teil des Prozesses, der in dem
Prozess aufzuwerfen war.
Das Gericht unterstellte auch, dass einer der Zeugen-Jehovas-Ältesten,
der in diesem Fall eine Zeugenaussage machte, gesagt habe, der Wachtturm lehre
nicht die Doktrin von der theokratischen Kriegsführung. Wenn das stimmt, dann
hat der Älteste offensichtlich die Lehre benutzt, um den Wachtturm zu
verteidigen, was sowohl die Existenz der Lehre als auch das Ausmaß ihrer
Verwendung bestätigt. Tatsächlich bestritt der Älteste diese Lehre vor Gericht
nicht, aber er behauptete, sie werde bei den heutigen Gerichtsfällen in Amerika
nicht mehr angewandt. Der andere Älteste war ausweichend und behauptete,
was höchst unwahrscheinlich war, er sei
nicht mit dieser Lehre vertraut, obwohl er seit einem halben Jahrhundert ein
aktiver Zeuge war.
Wie bemerkt, lehrt der Wachtturm in gedruckter Form, es sei
richtig, Informationen vor Personen zurückzuhalten, von denen er glaubt, sie
hätten kein Recht darauf, wenn dieses Wissen den Wachtturm-Interessen schaden
könnte. Damit wird direkt der Eid vor Gericht gebrochen, der fordert, dass man
„die ganze Wahrheit und nichts als die Wahrheit“ sagt. Die Glaubenssätze des
Wachtturms waren in diesem Fall entscheidend, und es hat keinen Zweck, in dieser
Art von Fällen Prozesse zu führen, wenn sich nicht die Auswirkungen des Glaubens
an die theokratische Kriegsführung einschätzen lassen. Wenn jemand nach dieser
Lehre gefragt wird, ist es überdies richtig, die Wahrheit zu sagen, so wie der
Eid das fordert. Das Gericht entschied, entweder müsse ein Zeuge in bezug auf
das Bestehen dieser Lehre lügen, oder die Wahrheit müsste vom Gericht zensiert
werden.
Hätte das Gericht in Frage gestellt, ob der Wachtturm die Doktrin von der
theokratischen Kriegsführung lehre (beide Parteien in dem Fall gaben zu, dass es
sie gibt, also ist das kein Thema), hätte der Fall an die Erstinstanz
zurückverwiesen werden können. Das Gericht nahm offensichtlich an, |