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Eine Analyse der Lehre der Zeugen Jehovas von der „theokratischen Kriegsführung“

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Einführung

Ehrlichkeit ist ein zentraler amerikanischer Wert, der so wichtig ist, dass ganze 95% der Amerikaner mit der Feststellung übereinstimmen: „Ein Hauptziel von Schulen ist es, Ehrlichkeit und die Wichtigkeit, die Wahrheit zu sagen, zu lehren“ (Johnson und Immerwahr, 1994, Seite 24). Ehrlichkeit ist auch entscheidend, damit Gerichtsverfahren richtig laufen, und eines der gewöhnlichsten Hindernisse, die Wahrheit zu bestimmen, ist, wenn ein Zeuge vor Gericht lügt. Mit Richter Schwelbs (1989, Seite 3) Worten: „Wenn Zeugen erfolgreich lügen, dient die Augenbinde vor den Augen der Justitia nicht dem beabsichtigten wohlwollenden Zweck.“ Richter Schwelb sagte, ihm seien in seinen dreißig Jahren als Jurist „viele Hunderte Fälle von Meineid oder Täuschung“ begegnet (1989, Seite 3). Er fand, dass Lügen besonders häufig bei Familienstreitigkeiten vorkommt, und wenn die Täuschung nicht entlarvt wird, dann dürfen Lügner auch noch von ihren Erfindungen profitieren.

Fälle, bei denen andere Beweggründe für das Lügen eine Rolle spielen, sind komplexer, wenn zum Beispiel das Lügen, definiert als Bruch des Eides, die „ganze Wahrheit zu sagen und nichts als die Wahrheit“, aufgrund tiefer religiöser Überzeugungen auftritt. Selbst bei erwiesenem Lügen muss man eine Vielzahl von Punkten abwägen, z.B. ob so genannte weiße Lügen, das Dehnen der Wahrheit oder Übertreibungen einen Meineid darstellen (Stewart 1986, Seite 84).

Der Fall der Zeugen Jehovas

Bis noch vor kurzem waren Jehovas Zeugen eine der am schnellsten wachsenden Religionen auf der Welt. Ihre herrschende Körperschaft, die Wachtturm-Gesellschaft, erhebt den Anspruch, dass jetzt fast 14 Millionen Personen mit der Kirche verbunden sind (Jahrbuch 1999 der Zeugen Jehovas), und gemäß dem Dun and Bradstreet-Report betrug ihr Einkommen im Jahre 1992 alleine in Amerika mehr als 1,2 Milliarden Dollar. Gegründet 1879 von C. T. Russell, sind sie am bekanntesten für ihre Rechtsstreitigkeiten wegen des Flaggengrußes und anderen staatlichen Erfordernissen.

Unter den allein für die Wachtturm-Gesellschaft charakteristischen Doktrinen befinden sich das Verbot von Bluttransfusionen und eine Lehre namens Theokratische Kriegsführung, die das „Lügen“ vor Gericht und sonst wo rechtfertigt. Es lassen sich nur drei Religionen ausmachen, die diese Lehre offen verkünden. Eine ist die Aryan Brotherhood, eine weiße suprematistische Gruppe, die lehrt, dass es angebracht ist zu lügen, um ihre Interessen zu fördern. Eine weitere ist die Vereinigungskirche, von der Kritiker behaupten, dass sie eine ähnliche Lehre haben, die sie Himmlische Täuschung nennen (Levine, 1980; Elkins, 1980). Boettcher behauptet:

Einer der zentralen Lehrsätze der Religion [der Vereinigungskirche] ist die Lehre von der Himmlischen Täuschung. Das Gute muss das Böse täuschen. Die Welt außerhalb Moons ist böse. Man muss lügen, um Moon zu helfen, die Macht zu übernehmen. Dann kann es unter Moons Herrschaft zu Gutem werden. In der Bibel log Jakob Isaak an. Gott belohnte Jakob, indem er ihn zum Vater der Nation Israel machte (1980, Seiten 343-344).

Die dritte ist die Wachtturm-Gesellschaft. Ihre Lehre von der theokratischen Kriegsführung besagt, dass es angemessen ist, die Wahrheit vor „Leuten zurückzuhalten, die nicht berechtigt sind, sie zu hören“, wenn das den Wachtturm-Interessen dienlich ist (Reed, 1992; Reed, 2000; siehe auch Franz, 1971, Seiten 1060-1061). In den Worten der Wachtturm-Gesellschaft: Zeugen müssen die “theokratische Kriegslist” gegen alle Personen anwenden, die „wolfsgleiche Neigungen“ haben, das soll heißen, alle, die nicht den Wachtturm als „Gottes Organisation“ und als Haupt des Volkes Gottes anerkennen. Alle anderen Religionen werden als böse und satanisch bezeichnet (Franz 1991,Watchtower 1. Mai 1957, Seiten 285-286 und 288; dier Artikel unterlag bei der Wiederherausgabe der Zensur).

Reed definiert die theokratische Kriegslist als „Verbergen der Wahrheit vor Personen, die kein Recht darauf haben, d.h. lügen gegenüber Außenstehenden, wenn das als notwendig angesehen wird (Reed, 1995, Seite 40). Er fügt hinzu, der Wachtturm definiere Lügen als „Täuschen von Außenstehenden, um die Interessen der Organisation zu fördern“. Unwahrheiten gegenüber Gottes Feinden werden nicht als Lügen angesehen, was auf den Kriegsstatus zwischen Gottes Mächten (den Zeugen Jehovas) und Satans (dem Rest der Welt ) zurückzuführen ist. Mit den Worten Kotwalls (1997, Seiten 1-2) wird die Wachtturm-Lehre, „im Interesse ihrer Religion zu lügen und zu täuschen, von der Bibel gutgeheißen. Sie nennen dieses Lügen theokratische Kriegslist”. Wilson fügte hinzu:

Obwohl es eine Grundlehre der Zeugen Jehovas ist, dass Lügner ohne Hoffnung auf eine Auferstehung in den ewigen Tod gehen, wird eine Ausnahme gemacht, wenn jemand lügt oder vorgibt, jemand zu sein, der er nicht ist, wenn es dem Vorteil der Organisation dient (2001, Seite 239).

Jehovas Zeugen lügen nicht immer direkt und offen, aber sie lügen oft gemäß der Definition des Gerichtes, „die ganze Wahrheit und nichts als die Wahrheit“ zu sagen, was heißt, das Gericht braucht die ganze Geschichte, keine Halbwahrheiten oder Täuschungen. Die Wachtturm-Gesellschaft erhebt den Anspruch, das Lügen zu verurteilen, aber nur das Lügen, so wie sie es definiert, nämlich „jemandem etwas Falsches zu erzählen, der ein Recht darauf hat, die Wahrheit zu erfahren, und dies mit der Absicht zu tun, jemand anderen zu täuschen oder zu verletzen“ (Franz, Band 2, 1988, Seite 244, Kursiv von mir). Der Zweck des Eides ist es, jemanden davon abzubringen, der Wahrheit auszuweichen, indem er nur in engem Sinne wahrhaftig ist. Wie Savant erklärt, werden vor Gericht ...

... Zeugen aufgefordert, „die Wahrheit“ zu sagen. Das bedeutet, sie dürfen als Antwort auf eine Frage nicht lügen. Zweitens müssen sie „die ganze Wahrheit“ sagen. Das bedeutet noch etwas anderes. Wenn beispielsweise ein Gouverneur sagt: „In meinem Staat haben wir 17.000 Leute aus der Sozialhilfe in Arbeit gebracht“, und nicht die Tatsache hinzufügt, dass in seinem Staat gleichzeitig 25.000 Personen arbeitslos wurden und der Sozialfürsorge anheim fielen, hat er zwar „die Wahrheit“ gesagt, aber nicht „die ganze Wahrheit“. Das heißt, netto kamen 8.000 Menschen mehr in Sozialhilfe, nicht 17.000 weniger ... Drittens werden Zeugen aufgefordert, „nichts als die Wahrheit“ zu sagen. Dahinter steckt noch eine weitere Vorstellung. Wenn jemand zum Beispiel als Antwort auf eine Frage die Wahrheit sagt und dann eine Lüge hinzufügt, dann hat er „die Wahrheit“ gesagt, aber er hat nicht „nichts als die Wahrheit“ gesagt. Und obwohl nichts von alledem unehrliche Menschen aufhalten wird, gibt uns das zumindest gute Munition, sie wegen Meineides zu belangen (Savant, 1996, Seite 12).

Mit den Worten von Raines bedeutet theokratische Kriegsführung praktisch, den „Feind“ zu „täuschen“ oder ihn mit unwahren oder irreführenden Informationen in die Irre zu leiten, um die Interessen des „Volkes Gottes“ und seine „Organisation“ zu schützen und fördern (1996, Seite 20). Magnani erläuterte die Lehre weiter und kam zu dem Schluss:

Die Wachtturm-Gesellschaft hat eine besondere Methode gegenüber Außenstehenden. Wer ihre Lehren anzweifelt, wird als „Gegner“ angesehen und in besonderer Weise behandelt. Der Wachtturm lehrt Jehovas Zeugen tatsächlich, eine LÜGE über bestimmte Tatsachen zu vertuschen. Diese Taktik wird THEOCRATISCHE KRIEGSLIST genannt (1979 Seite 1, Hervorhebung vom Autor).

Der Wachtturm versucht seine Haltung zu erläutern, indem er hinzufügt:

Bösartiges Lügen wird eindeutig von der Bibel verurteilt, aber das bedeutet nicht, dass jemand verpflichtet ist, ehrlich Informationen an Leute preiszugeben, die nicht dazu berechtigt sind ... Jesus sah bei bestimmten Gelegenheiten davon ab, alle Informationen oder direkte Antworten auf bestimmte Fragen zu geben, wenn das zu unnötigem Schaden geführt hätte (Matth. 15:1-6; 21:23-27; Joh. 7:3-10). Offensichtlich muss die Handlungsweise Abrahams, Isaaks, Rahabs und Elisas, andere irrezuführen oder alle Tatsachen vor Nichtanbetern Jehovas zu verbergen, in demselben Licht gesehen werden. – 1. Mose 12:10-19; Kapitel 20; 26:1-10; Josua 2:1-6; Jakobus 2:25; 2. Könige 6:11-23 (Franz 1971, Seite 245).

Ein Beispiel, wie diese Lehre dann angewendet wird, wird von Reed wie folgt erklärt:

Wenn ein Zeuge an die Tür klopft, ein kurzes Verkaufsgespräch führt und ein kleines Buch für einen Dollar verkauft, mögen die Gesetze von ihm fordern, dass er Umsatzsteuer entrichtet. (Ein Kontenbericht der Watchtower … of New York, Inc. zeigte 1,25 Milliarden Dollar Umsatz für 1991, von etwas mehr als1 Milliarde Dollar im Jahre 1990). Um dieser Verpflichtung zu entgehen, weist die Organisation die Zeugen Jehovas an zu sagen, sie verkauften keine Bücher, sie gäben sie vielmehr ab. Sie würden den Dollar nicht als Bezahlung erhalten; es handele sich vielmehr rein zufällig um eine nicht damit zusammenhängende Geldspende. Eine weitere illegale Tätigkeit, durch verhüllende Ausdrücke bemäntelt, bezieht sich auf ein Brechen der Gesetze über das Kindeswohl und das Ignorieren von gerichtlichen Verfügungen bezüglich ärztlicher Behandlung. Wenn Jehovas Zeugen den drastischen Schritt unternehmen, Bluttransfusionen für kranke oder verletzte Kinder zu verweigern, nennen sie ihre Handlungsweise gewöhnlich Wahren der Integrität oder Gott an die erste Stelle setzen ... Bemäntelnde Ausdrücke [mit] unverständlichen Worten … um Informationen vor Außenstehenden zu verbergen, die nicht mit der Sekte vertraut sind. Zeugen greifen zu solchen Listen, wenn Anweisungen der Organisation von ihnen verlangen, Steuergesetze zu brechen, sich nicht bei Wehrbehörden mustern zu lassen, Gesetze für das Kindeswohl zu umgehen usw. Verfälschungen dieser Angelegenheiten werden nicht als Lügen angesehen, sondern als theokratische Kriegslist (1997, Seiten 22, 28).

Hier noch eine weitere Bewertung dieser Lehre durch einen langjährigen, früher hochrangigen Zeugen:

Sie [der Wachtturm] lehren unerbittlich, dass es in Ordnung sei, „die Wahrheit vor euren Feinden [zu] verbergen“, da sie sich in einem „theokratischen Krieg“ befänden, was als Erlaubnis zu lügen genommen wird. Und wer sind ihre Feinde? Alle außer ihnen selbst … Lügen ist in ihrer Literatur als zulässig bezeichnet worden, besonders gegen die „Feinde“ (das ist jeder außer ihrer elitären leitenden Körperschaft). Es hängt davon ab, wen man belügt. Sie geben das Beispiel von Abraham, der in einer lebensgefährlichen Lage den Status seiner Frau falsch darstellte und sie als seine Schwester statt als seine Frau bezeichnete. So, argumentieren sie, ist es ein Geringes für uns, die „anderen Schafe“ zu belügen, ihnen zu sagen, sie seien „Christen“ und könnten predigen, dass der Heilige Geist sie beschützen werde usw.? Was macht das schon aus? (Ford, 1996, Seiten 7, 84)

Der Wachtturm lehrt, dass Lügen gegenüber „Gottes Feinden“ nicht wirklich Lügen sei, sondern theokratische „Kriegslist“ und dass ...

… Gottes Wort gebiete: „Ein jeder von euch rede mit seinem Nächsten Wahrheit“ (Eph. 4:25). Dieses Gebot bedeute jedoch nicht, dass man jedem, der fragt, alles erzählen solle, was er wissen will. Man müsse dem die Wahrheit sagen, der ein Recht darauf hat, aber wenn jemand kein Recht darauf habe, könne man ausweichend antworten (Watchtower, 1. Juni 1960, Seiten 351-352).

Der Wachtturm fügt dann hinzu, „man soll nicht die Unwahrheit reden“, aber auch das bezieht sich wieder auf seine Definition von Unwahrheit. Dieser Watchtower (Seite 352) sagt auch, wenn ein Wachtturmanhänger vor Gericht in den Zeugenstand gehe und schwöre, „die Wahrheit zu sagen, dann muss er, wenn er überhaupt etwas sagt, die Wahrheit sagen.“ Diese „Wahrheit“ ist jedoch das, was das Gericht als Wahrheit definiert, und sie wird überschattet davon, die „Wahrheit vor Gottes Feinden [zu] verbergen.“ Weitere Artikel und die tatsächliche Praxis der Zeugen zeigen beide, dass dieser letztere Rat nicht strikt befolgt wird. Zum Beispiel fügt der Watchtower vom 1.Mai 1957 hinzu ...

… Lügen seien Unwahrheiten, die aus selbstsüchtigen Gründen erzählt würden und die andere verletzten. Satan habe Eva eine Lüge erzählt, die ihr und der ganzen Menschheit großen Schaden gebracht habe. Ananias und Sapphira erzählten Lügen aus selbstsüchtigen Gründen. Aber vor einem Feind die Wahrheit zu verbergen, auf die dieser kein Recht habe, füge ihm keinen Schaden zu, besonders wenn er die Information benutzen würde, um Unschuldigen Schaden zuzufügen ... In Zeiten theokratischer Kriegsführung sei es daher angemessen, den Feind irrezuführen, indem man die Wahrheit vor ihm verberge. Das sei nicht selbstsüchtig; es füge niemandem Schaden zu; im Gegenteil, es bewirke viel Gutes (Seiten 284-285).

Wie William Blake einmal sagte: „Die Wahrheit, die mit böser Absicht erzählt wird, schlägt alle Lügen, die man erfinden kann.“ Die Lehre wird am besten zusammengefasst in einem alten kommunistischen Schauspiel, Die Maßnahme, von Bertolt Brecht:

Wer immer für den Kommunismus kämpft, muss vorbereitet sein, zu kämpfen oder nicht zu kämpfen, die Wahrheit zu sagen oder nicht die Wahrheit zu sagen, einen Dienst leisten oder ihn zu verweigern, erkannt zu werden oder verhüllt zu sein. Wer für den Kommunismus kämpft, hat nur eine einzige Tugend, dass er für den Kommunismus kämpft. (Zitiert in Perutz, 1989, Seite139)

Dass der Wachtturm ausdrücklich seine Anhänger zu lügen lehrt, wie dieses Wort im Deutschen normalerweise gebraucht wird, wird veranschaulicht in der Erörterung über Abraham, als er Sarah sagte, sie solle „die Tatsache“ verbergen“, dass sie seine Frau sei. (Watchtower, 1. Februar 1956, Seite 78). Der Watchtower bemerkt, dass Abraham Jahre später, als er im Philisterland Gerar war, die Lüge über Sarah wiederholte und unverfroren behauptete, seine Frau sei „meine Schwester“. Dies, so schließt die Wachtturm-Gesellschaft, sei keine Lüge, weil ...

Abraham Sarah als seine Schwester vorstellte, um eine gewalttätige Auseinandersetzung um seine Frau zu vermeiden. Sarah habe Abraham als ihren Herrn anerkannt und dieser Vereinbarung zugestimmt, bereit, die Folgen zu tragen ... Sie sei bereit gewesen, ihren Teil dazu beizutragen, das Leben von Jehovas Propheten zu bewahren ... Aber Kritiker ... sähen Abraham als lügenden, Ausflüchte machenden, schwächlichen Feigling (1. Februar 1956, Seite 79).

Ironischerweise erweist sich dieses Beispiel, das die Wachtturm-Gesellschaft benutzt, um das Lügen zu rechtfertigen, eben wegen des Lügens als Fehlzündung. Der Pharao, der dachte, Sarah sei Abrahams unverheiratete Schwester, nahm sie zur Frau und verursachte dadurch eine Plage auf „Pharao und sein Haus“. Als Pharao Abrahams Lüge herausfand und Abrahams Frau zurückgab, protestierte er gegenüber Abraham und sagte, was geschehen sei, hätte nicht geschehen müssen, wenn Abraham nur die Wahrheit gesagt hätte (1. Mose 12:10-20). Statt ein Beispiel dafür zu sein, das das Lügen rechtfertigt, verurteilt dieses biblische Beispiel das Lügen in Wirklichkeit, indem es zeigt, dass so ein Schuss auch nach hinten losgehen kann. Abraham log auch Abimelech in bezug auf seine Frau an und brachte eine Katastrophe über ihn (1. Mose 20). Die neueste Erörterung erschien in Awake! vom 8. Februar 2000, wo unter der Überschrift „Vorsichtig wie Schlangen“ gesagt wird,

dass wahrhaftig zu sein, natürlich nicht bedeute, dass man verpflichtet sei, jede Information an jeden, der danach frage, weiterzugeben. „Gebt das Heilige nicht Hunden, noch werft eure Perlen Schweinen vor, damit sie nicht etwa ... sich umwenden und euch zerreißen“, habe Jesus in Matthäus 7:6 gewarnt. Zum Beispiel hätten Personen mit bösen Absichten nicht das Recht, gewisse Dinge zu wissen. Christen verstünden, dass sie in einer feindlichen Welt lebten. Jesus habe daher seinen Jüngern geraten, „vorsichtig wie Schlangen“ zu sein, doch „unschuldig wie Tauben“ (Matthäus 10:16; Johannes 15:19). Jesus habe nicht immer die ganze Wahrheit enthüllt, besonders wenn ein Offenbaren aller Tatsachen für ihn oder seine Jünger zu unnötigem Schaden geführt hätte. Doch auch bei solchen Gelegenheiten habe er nicht gelogen. Stattdessen habe er lieber nichts gesagt oder das Gespräch in eine andere Richtung geleitet. (Matthäus 15:1-6; 21:23-27; Johannes 7:3-10). (8.Februar 2000, Seite 21).

Obwohl die Wachtturm-Gesellschaft behauptet, sie verurteile direktes Lügen und sei nur dafür, die Wahrheit zu verbergen, wobei sie Abraham als Beispiel benutzt, dem sie nacheifern kann, wo dies einen Schutz für den Wachtturm bietet, zeigt sich, dass er in der Tat für direktes Lügen eintritt. In einer Bewertung dieser Lehre merkte Reed an, dass die Wachtturm-Gesellschaft ...

… indem sie Zeugenkinder anweist, vor Gericht das Gegenteil von dem zu sagen, was zu glauben sie wirklich gelehrt wurden, von ihnen fordert, sich einer Doppelzüngigkeit zu bedienen, die die meisten Leute als Lügen ansehen würden. Und damit die Jugendlichen sich selbst nicht als Lügner sehen, müssen sie auch zu „Doppeldenk“ greifen, der mentalen Verrenkung, die in George Orwells Roman beschrieben wird ... wo die Menschen durch eine totalitäre Gesellschaft gezwungen werden, sich der völligen Wahrheit bewusst zu sein, während sie sorgfältig erdachte Lügen verbreiten (1996, Seiten 230-231).

Eine detaillierte Darlegung der Lehre, und wie sie angewandt wird, war in der Zeugenaussage vor Gericht im Fall Gouvitsa gegen Gouvitsa enthalten, wo der vereidigte Sachverständige als Antwort auf die Frage: „Was ist bei den Zeugen Jehovas die theokratische Kriegsführung“ sagte:

Die theokratische Kriegslist ist unter Jehovas Zeugen sehr verbreitet. Das geschieht auf verschiedenen Ebenen … Zuerst muss man die Definition verstehen, was eine Lüge ist. Und weil das so wichtig ist, würde ich es gerne vorlesen ... In Aid to Bible Understanding, ihrem Lexikon, heißt es: „Lügen beinhaltet generell, jemandem etwas Falsches zu sagen, der berechtigt ist, die Wahrheit zu wissen“.

... Nun, der Grund, warum ich das Wort „berechtigt“ betone, ist, weil die Zeugen ... die Welt als zwei Arten von Menschen ansehen ... die Schafe und die Böcke ... die Zeugen Jehovas und die Nichtchristen, die den Rest der Welt bilden ... Gottes Volk und Satans Volk ... Die einzigen Menschen, die zu 100% berechtigt sind, die Wahrheit zu kennen, sind Jehovas Zeugen. Menschen, die gemäß den Zeugen Jehovas Gottes Wort widerstehen, sind die Menschen in der Christenheit ... Sie sind Gegner, also sind sie nicht berechtigt, immer die Wahrheit zu kennen ... Wir sind bei unserer eigenen Arbeit Menschen begegnet und haben von vielen Fällen gehört. Derjenige, der mir in den Sinn kommt, ist der von einem Herrn, der ein Pamphlet geschrieben hatte, in dem er die Wachtturm-Organisation als Sekte entlarvt. Und er traf sich mit einem Zeugen Jehovas. Und irgendwie kamen sie in einen Dialog über dieses spezielle Pamphlet ... Und der Zeuge Jehovas machte das Pamphlet als völlig falsch nieder, und er behauptete nicht nur, dass er den Schreiber des Pamphletes kenne und dass der Verfasser unmoralisch sei, sondern auch, dass dieser bei den Zeugen Jehovas hinausgeworfen worden sei und ein Abtrünniger sei usw., und auf den Inhalt des Pamphletes könne man sich nicht verlassen.

Dieser Mann sagte dem Zeugen Jehovas, dass er tatsächlich der Verfasser des Pamphlets sei ... Das ist ein Beispiel für theokratische Kriegslist. Mit anderen Worten, der Zeuge Jehovas [meinte] ... es sei wichtig, die Information niederzumachen, damit die Organisation besser aussähe. Die theokratische Kriegslist ist im Grunde eine Methode, die in vielen unterschiedlichen Weisen angewandt wird. Nicht nur direktes Lügen, sondern manchmal der Wahrheit ausweichen, manchmal Halbwahrheiten erzählen … die Organisation benutzt sie [die theokratische Kriegslist] nicht nur gegenüber der allgemeinen Öffentlichkeit, sondern auch gegenüber Jehovas Zeugen (Aussage von Duane Magnani im Fall Joy Hutton Gouvitsa Arnold, Kläger, gegen Gus Konstantine Gouvitsa, Beklagter, im Kreisgericht von Hamilton County, TN in Chattanooga, Fall Nr. D-49263, Gerichtstermin 13.1.986 R.T. Seiten 109-113).

Geschichte und Entwicklung der Lehre

Der früheste gedruckte Hinweis auf die Lehre von der theokratischen Kriegsführung in offiziellen Wachtturm-Publikationen stammt aus dem Jahre 1936. Rutherford benutzte in diesem Hinweis den inzwischen vertrauten Begriff, um die Lehre zu beschreiben:

Eine Lüge ist eine Falschaussage gegenüber jemandem, der berechtigt ist, die Wahrheit zu hören und zu kennen, und diese Falschaussage neigt dazu, anderen Schaden zuzufügen. Eine Falschaussage mit der Absicht, zu täuschen und jemandem Schaden zuzufügen, ist eine vorsätzliche und bösartige Lüge (Rutherford, 1936, Seite177).

Raines schließt daraus, dass das Zitat aus dem Buch RICHES unterstellt, dass einige Menschen nicht „berechtigt“ sind ...

… die Wahrheit zu kennen, und wenn jemand eine Falschaussage ohne die Absicht macht, einem anderen „Schaden zuzufügen“, dann ist das keine Lüge, sondern das, was Goodrich eine „Rahab-Technik“ nannte. Warum hätte Rutherford sonst nicht einfach gesagt, eine Lüge sei eine wissentliche Falschaussage? Goodrich sah es in dieser Weise, und das ist auch die Weise, in der die Gesellschaft seither Lügen im Gegensatz zum Gebrauch „theokratischer Kriegslist“ definiert (1996, Seite 20).

Ein frühes Beispiel für den Gebrauch theokratischer Kriegslist eines Zeugen gegenüber einem anderen Zeugen, das sich in den frühen 1940er Jahren ereignete, betraf Roy Goodrich, einen ehemaligen Lehrer der Wissenschaften und jahrelangen Versammlungsaufseher. Goodrich sandte einen Brief an einen Mr. M.A. Howlett in der Wachtturm-Weltzentrale, in dem er seine Sorge über den Gebrauch der E.R.A.-Maschine durch die Wachtturm-Gesellschaft zur Behandlung von Krankheiten ausdrückte. E.R.A. ist eine „oszilloklastische Maschine“, erfunden von Dr. Abrams, einem notorischen Quacksalber, der den Historikern wissenschaftlicher Quacksalberei gut bekannt war (Warner, 1941). Goodrich war in Sorge, weil er zu dem Schluss kam, die E.R.A.-Technik beinhalte Dämonismus. Aus diesem Grunde schrieb er Howlett, um festzustellen, ob die Gerüchte, die er über die E.R.A.-Maschine gehört hatte, die immer noch im Bethel (der Wachtturm-Weltzentrale) Verwendung fand, stimmten.

Howlett antwortete Goodrich wie folgt: „Sie sind offensichtlich über meine Verbindung zu E.R.A. falsch informiert. Ich weiß nichts darüber und habe sie auch nie benutzt. Im Bethel gibt es keine solche Maschine“ (Goodrich, 1944). Goodrich wusste, dass Howletts Behauptung falsch war, weil er aus erster Hand wusste, dass ein gewisser Chester Nicholson mit der E.R.A.-Maschine von Howlett „behandelt“ worden war. Goodrich wusste auch, dass die E.R.A. seit 1922 von einem „Dr.“ Work im Bethel verwendet wurde. Da Howlett mit seiner Tätigkeit im Bethel vor 1922 angefangen hatte, wusste Goodrich überdies, dass Howletts Behauptung, „nie auch nur etwas von E.R.A. gehört“ zu haben, absurd war, da Howlett Arzt im Bethel war. Folglich „glaubte Goodrich daher, dass Howlett ihn belog.“ (Raines, 1996, Seite 20).

Als Antwort auf Howletts Brief schrieb Goodrich einen längeren Brief sowohl an das Direktorium der Wachtturm-Gesellschaft als auch an den Wachtturm-Präsidenten Nathan Knorr. Goodrich, damals ein Zeuge in gutem Ruf, schrieb ausdrücklich darüber, was er glaubte, was Howletts Missbrauch der theokratischen Kriegslist sei (in den 1940er Jahren wurde die Lehre Rahab-Technik genannt, nach Rahab, die log, um die Spione zu schützen). Raines bemerkt, diese Technik beinhalte das „Irreführen“ einer Person mit „falschen Informationen“, eine Reaktion, die „fast alle Menschen ... als Lügen bezeichnen“ würden (Raines, 1996, Seite 20). Goodrich (1943, Seite 1) war verblüfft, weil, wie er Howlett gegenüber erklärte, „der einzig mögliche Sinn dieser Worte [von Howlett] einen Eindruck vermittelt, der völlig entgegen den grundlegenden Tatsachen steht, die ich kenne. Ich muss jedoch annehmen, dass Ihr Beweggrund, sie zu schreiben, der höchste Wunsch ist, Jehovas Namen zu ehren. Wenn man sich an die Gutheißung Rahabs und die Aussagen oben auf Seite 177 in RICHES erinnert, dann haben Sie zweifellos in ihrem Sinn eine offensichtlich eindeutige und logische Rechtfertigung [zu lügen]“.

Worüber Goodrich sich Sorgen machte, dass die Lehre das Lügen nur gegenüber denen rechtfertigt, die nicht berechtigt sind, die Wahrheit zu kennen, und Goodrich glaubte, als Mitzeuge und jahrelanger vorsitzführender Aufseher habe er das Recht, in dieser Angelegenheit die Wahrheit zu kennen. Raines bemerkt, die Lehre von der theokratischen Kriegsführung unterstelle, es gebe Menschen, die einfach nicht „berechtigt“ sind, die Wahrheit zu kennen, und wenn jemand etwas Unwahres sagt, ohne zu beabsichtigen, jemandem „Schaden zuzufügen“, dann sei das keine Lüge, sondern ... eine „Rahab-Technik“. Warum sonst sagte Rutherford nicht einfach, eine Lüge sei eine vorsätzliche Falschaussage? Goodrich sah es so an, und daher hat die Gesellschaft seitdem Lügen gemäß ihrer Lehre von der „theokratischen Kriegslist“ definiert (Raines, 1996, Seite 20).

Goodrich (1943, Seite 1) entgegnete, wenn man die Situation wohlwollend betrachte und zu dem Schluss komme, dass Howlett „in gutem Glauben eine Rahab-Technik beabsichtigte ... [und] in aller Freundlichkeit nun, Bruder Howlett, ist die unausweichliche Logik, dass Ihre Post an mich eines der beiden folgenden Dinge sein muss: (1). Eine möglicherweise bösartige Lüge; oder (2) das Eingeständnis vor dem Herrn, dass Sie Dämonismus praktiziert haben und sich ‚herausflunkern’ wollen.“

Goodrichs Bemühungen, den Wachtturm auf seine Sorgen aufmerksam zu machen, führte schließlich zu seinem Gemeinschaftsentzug. Interessanterweise kam der Watchtower ein Jahrzehnt später zu demselben Schluss über E.R.A., für den Goodrich ausgeschlossen worden war (Raines, 1996, Seite 20). Einige Einzelheiten der Entwicklung dieser jetzt anrüchigen Wachtturm-Lehre wurden in einer Untersuchung von Frakes mitgeteilt:

In seinem Sonntagmorgenvortrag „Vorsichtig wie Schlangen unter Wölfen“ ... legte Franz bestimmte Passagen aus dem Alten Testament aus. Sie sollten beweisen, wenn es um Selbsterhaltung ginge, heiße Jehova das Lügen gegenüber seinen Feinden gut; das Lügen werde also nicht verurteilt, solange es sich an Außenstehende richtet. Daraufhin dankte der Vorsitzende ihm als Vertreter der Wachtturm-Gesellschaft für das „neue Licht“ das er gebracht hatte (1955, Seite 819).

Mit Sherrills Worten bedeutete diese neue Lehre, dass „Lügen Teil der theokratischen Kriegslist“ ist. Ein Zeuge Jehovas kann andere belügen, wenn sie nicht berechtigt sind, die Wahrheit zu hören (1995, Seite 56). Die Wachtturm-Lehre, dass man nur denen „die Wahrheit sagen soll“, die „ein Recht haben, sie zu kennen“, bedeutet, dass Wachtturm-Gegner und Kritiker kein Recht haben, die Wahrheit zu kennen:

Als Soldat Christi [sei ein Zeuge] ... im theokratischen Krieg und müsse zusätzlich Vorsicht üben, wenn er es mit Gottes Feinden zu tun habe. So zeige die Schrift, dass es richtig sei, die Wahrheit vor Gottes Feinden zu verbergen, wenn damit die Interessen Gottes geschützt würden ... Dies käme unter den Begriff „Kriegslist“ ... und sei in Übereinstimmung mit Jesu Rat, unter Wölfen müsse man „vorsichtig wie Schlangen“ sein ... Sollten die Umstände von einem Christen erfordern, in den Zeugenstand zu gehen und zu schwören, die Wahrheit zu sagen, dann ... würde ein reifer Christ das Wohlergehen seiner Brüder über sein eigenes stellen und sich an Jesu Wort erinnern: „Niemand hat größere Liebe als die, dass einer seine Seele zugunsten seiner Freunde hingebe.“ – Matth. 10:16; Joh.15:13 (Watchtower, 1. Juni 1960, Seite 352; siehe auch 1. Februar 1956, Seite 78).

Alle Wachtturm-Kritiker und -gegner werden als „Wölfe“ angesehen, die dem Wachtturm, deren Nachfolger alle als „Schafe“ bezeichnet werden, den Krieg erklärt haben. Überdies ist es „angemessen“, wenn die harmlosen „Schafe“ im Interesse des Werkes Gottes eine Kriegsstrategie gegenüber den Wölfen benutzen. (Watchtower, 1. Februar 1956, Seite 86). Ein gutes Beispiel, das zeigt, dass der Wachtturm lehrt, man solle mehr tun als nur die Wahrheit verbergen, man solle auch offen lügen, ist der Fall Elsa Abt. Als sie gemäß dem Wachtturm-Bericht von der Polizei über den Aufbewahrungsort eines Vervielfältigungsapparates und danach gefragt wurde, „wer die Führung in dem Untergrundpredigtwerk“ habe, antwortete sie entgegen der Wahrheit und „gab vor, nichts zu wissen“. Ihr offenes Lügen wird als gutes Beispiel genannt, dem Zeugen nacheifern sollten. In einem ganzen Kapitel mit dem Titel „Gerechtfertigtes Lügen“ kam Thomas zu dem Schluss, dass den Zeugen ...

… von der Gesellschaft erlaubt wird, ... im Interesse ihrer Religion zu lügen. Die Zeugen Jehovas bezeichnen das natürlich nicht als Lügen ... [die Wachtturm-Führung hat] eine neue Bezeichnung für diese Art von Täuschung erfunden, sie nennt es „theokratische Kriegslist“ (1972, Seite 95).

Dann zitiert Thomas den Watchtower vom 1. Mai 1951, der, so behauptet er, „deutlich zeigt, dass Zeugen Jehovas tatsächlich lügen, wann immer es zu ihren Absichten passt“. Der Artikel spricht von einer Zeugin, die, als sie in ihrem Bekehrungswerk von Tür zu Tür ging, auf einen Wachtturm-Gegner traf:

Sie habe sofort gewusst, was sie zu erwarten hatte und habe ihre rote Bluse im nächsten Flur gegen eine grüne ausgetauscht. Sie kam gerade wieder auf die Straße, als ein kommunistischer Funktionär sie fragte, ob sie eine Frau mit einer roten Bluse gesehen habe. Nein, habe sie geantwortet und sei weitergegangen. Habe sie gelogen? Nein, das habe sie nicht. Sie sei keine Lügnerin gewesen. Sie habe vielmehr zur theokratischen Kriegslist gegriffen und im Interesse ihres Dienstes durch Tat und Wort die Wahrheit verborgen (Seite 285).

Thomas schloss, dass die Zeugin in diesem Fall „log, um ihre eigene Haut zu retten“, und:

Der dreiste Versuch der Wachtturm-Gesellschaft, diesen Vorfall als Entschuldigung zu benutzen, dass alle Zeugen Jehovas im Interesse ihrer Religion täuschen und lügen dürfen, [sollte verurteilt werden]. Statt dass es ihr um Ihresgleichen leid tat, die log, weil sie selbst die Frau in der roten Bluse war, gratuliert ihr der Wachtturm auch noch, weil sie weise gehandelt habe! (1972, Seite 95).

Als Antwort auf die Frage, wem gegenüber es richtig ist, zur theokratischen Kriegslist zu greifen, sagt der Watchtower (15. April 1957, Seite 256) ausdrücklich, gegenüber jedem Feind der „Organisation Gottes“ (das soll heißen, der Wachtturm-Gesellschaft) und gegenüber allen, die „hassen, was sie lehrt“ und die „wollen, dass andere nichts mehr [über den Wachtturm] erfahren“ ... um die „Wölfe“ an ihren Bemühungen zu hindern, sich gegen ihr Werk zu wenden, wenn sie schafähnlichen Personen beistehen wolle, die nach Erkenntnis der Wahrheit und Gerechtigkeit hungern. Wenn Christen auf „Wölfe“ treffen, werden sie zur Kriegsstrategie greifen und weise wie Schlangen, doch unschuldig wie Tauben sein. Mit anderen Worten, ein Zeugen darf gegenüber jedem zur theokratischen Kriegslist greifen, der dem Wachtturm-Werk ins Gehege kommt. Damit sind offensichtlich auch Wachtturm-Kritiker aus den eigenen Reihen gemeint, wie das obenstehende Beispiel von Goodrich zeigt.

Dass die Wachtturm-Gesellschaft offen lehrt, es sei richtig, zur Täuschung zu greifen, um ihre Interessen zu verteidigen, geht aus dem folgenden Gespräch zwischen Wachtturm-Anwältin Carolyn Wah und Duane Magnani hervor, der im Fall Marcus Reyes abgesetzt werden sollte (Case 6936-C, Abilene, TX):

Magnani: ...[Die Zeugen lehren, dass sie sich] im theokratischen Krieg befinden und zusätzliche Vorsicht walten lassen müssen, wenn sie mit Feinden Gottes zu tun haben. So zeige die Schrift, dass es richtig ist, die Wahrheit vor Gottes Feinden zu verbergen, wenn damit Gottes Interessen bewahrt werden.

Wah: Danke. Wäre diese Sache anders als die eines Soldaten, der eine Regierung unterstützt und von der gegnerischen Armee gefangen genommen wird?

Magnani: Ja.

Wah: Warum das?

Magnani: Nun, in dieser Situation, wenn wir darüber reden, die Wahrheit zu verbergen ... vom theokratischen oder geistigen Krieg her gesehen, glauben Jehovas Zeugen, dass alle, die keine Zeugen Jehovas sind, zum Lager Satans gehören und alle Zeugen Jehovas zum Lager Gottes ...

Wah: Sie sagen also, dass in einem Krieg, beispielsweise im Zweiten Weltkrieg, deutsche Soldaten, die von amerikanischen Soldaten gefangen wurden, kein Problem mit Lügen zwischen ihnen hätten?

Magnani: Das hängt von den Umständen ab. Der Hauptbeweggrund im Leben eines Zeugen Jehovas ist, alles zu unterbreiten, was die Wachtturm-Organisation möchte, das sie unterbreiten. Wenn die Organisation gesagt hat, dass ein Gegner, d.h. ein Nicht-Zeuge Jehovas, etwas besprechen möchte, dann ist es die Pflicht des Zeugen Jehovas, nach unserer Erfahrung und nach den Unterlagen, die wir haben, im Prinzip zu vertuschen, zu lügen, [oder] zu verdrehen ... damit die Gesellschaft gut aussieht ... (R.T. Seite 47).

Nach einem Studium der Wachtturm-Politik und -Praxis kam der Rechtsanwalt Thad Nugent (1994) zu dem Schluss, dass der Wachtturm empfahl, unter Eid Zeugenaussagen vor Gericht zu machen, die bekanntermaßen unwahr sind ... Nach gesetzlicher Definition ist das Meineid [und] … es ist sehr klar, dass der Wachtturm Anweisungen an Zeugen Jehovas erteilt, die sich in Sorgerechtsfällen befinden, wie sie es vermeiden, in eine Situation zu geraten, [in der] ... sie sagen müssen, was sie wirklich mit ihren Kindern tun, im Hinblick auf die Lebensweise ihrer Kinder und im Hinblick auf die Einschränkungen, denen diese Kinder für ihre psychologische und seelische und soziale Entwicklung unterliegen, [und diese Schlussfolgerung] ist wirklich klar!

In einem Fall, der offensichtlich nicht atypisch ist, informierte der Wachtturm-Anwalt eine Zeugin, die versuchte, das Sorgerecht zu erhalten, dass das Gericht voreingenommen gegen die Zeugen wegen ihrer Religion sein könnte. „Daher wäre jedes Beispiel für Missbrauch, an das du dich erinnern kannst, in deinem Falle sehr hilfreich.“ Nachdem die Zeugin sagte, sie könne sich an kein Beispiel erinnern, trainierte sie der Wachtturm-Anwalt angeblich, das Gericht mit folgenden Worten in die Irre zu führen: „Wenn du nicht [an ein Beispiel für Missbrauch denken] kannst, wird es sehr viel schwieriger, in deinem Fall die Oberhand zu gewinnen. Denk genau nach, ich bin sicher, du kannst einen Vorfall hervorbringen, wo du zumindest Angst vor deinem Mann hattest.“ Der Anwalt ermunterte angeblich zum Lügen, indem er der Zeugin erklärte, vom Ausgang des Prozesses hänge das ewige Leben ihrer Kinder ab, und betonte, wenn ihr Mann, ein Gegner, das Sorgerecht erhielte, bedeute das mit Sicherheit ihre Vernichtung in Harmagedon. Er argumentierte wie folgt:

Möchtest du, dass deine Kinder in Harmagedon einen schrecklichen Tod erleiden? Möchtest du nicht, dass sie in der Neuen Welt mit dir sind? Ihr Leben liegt in deiner Hand, und so musst du alles dir Mögliche tun, um sicherzugehen, dass du das Sorgerecht erhältst. Wenn ein geistesgestörter Mann mit Schaum vor dem Mund an deine Tür käme und nach deiner Mutter fragte, würdest du ihm offen sagen, dass deine Mutter oben ist, zulassen, dass er mit Gewalt hineinkommt, nach oben geht und ihr Schaden zufügt? Nein, natürlich nicht; du würdest alles mögliche sagen, um ihn irrezuführen. Schließlich hat er kein Recht, die Wahrheit zu erfahren. Und so hat auch in dieser Situation das Gericht kein Recht, die Wahrheit zu erfahren (Aus einer mitgeschnittenen Niederschrift, die Quelle ist mit Rücksicht auf die Vertraulichkeit des Klienten nicht angegeben.)

In einem weiteren Fall behauptete die Zeugin, ihr Mann habe nur „geäußert“, er wolle ihr Schaden zufügen, und vor Gericht wurde er des körperlichen Missbrauchs beschuldigt, ganz im Gegensatz zu ihren früher aufgestellten Behauptungen. Durch solch eine Taktik setzen sich die Wachtturm-Anwälte oft gegenüber ihrem Klienten durch, vor Gericht theokratische Kriegslist zu gebrauchen. Es ist auch nicht ungewöhnlich, dass der Wachtturm skrupellos Personen angreift und völlig unzutreffende Beweise gegen Personen vorlegt, die in dieser Art von Fällen eine Zeugenaussage machen.

Ein weiteres Beispiel dafür, wie der Wachtturm zur theokratischen Kriegslist greift, wurde von einem Wachtturm-Funktionär in Schweden, einem Johan Henrick Eneroth, vorgebracht, der sagte, während des Zweiten Weltkriegs „wurde es nötig, theokratische Kriegslist zu gebrauchen, um den erwünschten Kontakt mit den besetzten Ländern aufrechtzuerhalten ...“ Dann erklärte er, er habe die Regierung täuschen und seine Absicht falsch darstellen müssen, um ein Visum zu bekommen. Insbesondere bezeichnete sich Eneroth fälschlich als „Großhändler für Innereien“ (Watchtower, 1. Februar 1965, Seite 94). Er benutzte dann wieder theokratische Kriegslist, um Wachtturm-Literatur nach Norwegen zu schmuggeln, indem Nahrungsmittelpakete, insbesondere mit Eiern, geschickt wurden, wobei jedes einzelne Ei in mehrere Blätter des Watchtower [Zeitschrift] eingewickelt war. Er fügte hinzu, als die Deutschen das schließlich entdeckt hätten, habe man einen anderen Weg gefunden (Watchtower, 1. Februar 1965, Seite 94). Dieser andere Weg war, Wachtturm-Zeitschriften in Nahrungsmittel zu packen, die dann zum Militärflughafen Ålborg, Dänemark, gebracht wurden, von wo aus sie Hitlers eigene Flugzeuge nach Norwegen brachten (Watchtower 1. Februar 1965, Seite 95). Dann berichtet der Autor von verschiedenen ähnlichen Methoden, Literatur in andere Länder zu schmuggeln.

Ein anderer Fall, der sich in den Niederlanden zutrug, wurde von Robert A. Winkler berichtet. Als ihm ein Verhör drohte, ‚habe er gewusst, dass das den Gebrauch der theokratischen Krieglist bedeutete, „ um das Königreichswerk und meine christlichen Brüder zu schützen“ . (Watchtower, 15. März 1967, Seiten 188-189). Diese Aussage zeigt, wie eng die Lehre von der theokratischen Kriegsführung mit der Wachtturm-Theologie verbunden ist.

Die Bedeutung der theokratischen Kriegsführung wurde wiederum in einem Watchtower-Artikel im Jahre 1988 betont (15. Mai, Seite 20), wo gesagt wird, dass Winkler die theokratische Kriegslist benutzte, um seine Mitzeugen zu schützen, und dass Zeugen gelegentlich zu dieser Technik greifen müssen, um die Wachtturm-Organisation zu schützen. Der hier verwendete Ausdruck, theokratische Kriegslist zu benutzen, „ um das Königreichswerk und meine christlichen Brüder zu schützen“ style="COLOR: black">, meint, die Wahrheit zurückzuhalten, um die Wachtturm-Organisation und ihre Tätigkeiten zu schützen. Die Lehre deckt nicht nur das Lügen ab, sondern auch das Täuschen. Der Watchtower stellte es so dar:

Um eine unmittelbare Bedrohung abzuwehren, sei Hiskia bereit gewesen, an Sanherib Tribut zu zahlen, und er riß sogar die Metallverkleidung von den Türen und Pfosten des Tempels Jehovas, um diesen Tribut leisten zu können (2. Könige 18: 13-16). Ohne Zweifel sei das ein Teil der theokratischen Kriegslist Hiskias gewesen, ein Schachzug, um Zeit zu gewinnen und ihn in eine bessere Lage zu setzen, mit dem Feind zu kämpfen. So gäbe es auch heute Gelegenheiten, wo Zeugen Jehovas sich vorsichtig bewegen müssten, um ihr von Gott verliehenes Recht auf die wahre Anbetung zu bewahren (15. März 1968, Seite 170).

Der Artikel lehrt, dass die Zeugen die Gesetze eines Staates brechen dürfen, indem sie entweder Schlupflöcher im Gesetz finden oder das Gesetz umgehen. Der Wachtturm neigt dazu, diesen Brennpunkt vorzuziehen, anstatt im Einklang mit dem Gesetz tätig zu sein, um das zu ändern, was sie als ungerechte Gesetze ansehen – so wie es die meisten Kirchen tun.

Wie die Wachtturm-Administration die theokratische Kriegslist anwendet

Ein gutes Beispiel für Lügen auf höchster Wachtturm-Ebene ereignete sich, wie verlautet, in Europa als Ergebnis eines Einbruchs im dänischen Zweigbüro in Holbæk am 23. Juli 1993. Der Fall bezieht sich auf eine dänische Gesetzesvorschrift namens Registertilsyn, die am 14. September 1992 die Wachtturm-Praxis, gewisse vertrauliche Informationen über ihre Mitglieder aufzubewahren, als Verletzung dänischen Rechts erklärte. Als Ergebnis dieser Vorschrift erklärte sich der Wachtturm damit einverstanden, alle persönlichen und vertraulichen Informationen über Rechtskomiteefälle bis November 1992 zu vernichten. Kurze Zeit vor diesem letzten Termin erklärte der Wachtturm-Zweig, man habe die Vorschrift der registertilsyn ausgeführt (Henricksen, 1993, Seite 2).

Ob das dänische Gesetz, das dem amerikanischen Privacy Act ähnlich ist, ein gerechtes Gesetz ist, ist eine andere Frage. Hier geht es um die Ehrlichkeit der Wachtturm-Aussage, man habe die relevanten Unterlagen vernichtet. Das Zweigbüro hat ausdrücklich dem Regelwerk The Branch Office Procedure; The Official Watchtower Policy zu folgen. In diesem Band wird die theokratische Kriegsführung gelehrt; die Führer des Zweiges müssen ihr Urteilsvermögen gebrauchen, ob es im besten Interesse der Wachtturm-Gesellschaft ist, ehrlich zu sein. Es heißt, „manchmal ist es das Beste, gewisse Dinge nicht zu sagen, auch wenn sie stimmen.“ (Henricksen, 1993, Seite 3). Der Einbruch offenbarte Dokumente, die enthüllten, dass der Wachtturm diese Vorschrift in dem Fall benutzte und offen über die Vernichtung der Unterlagen gelogen hatte. Mit Henricksens Worten:

Die Tatsache, dass die Zeugen Jehovas wenn nötig Lügen verbreiten – auch, um Dinge zu vertuschen, die peinlich für sie sind – ist durch diesen Fall mit den Unterlagen mehrfach gezeigt worden. Gelegentlich stritt die Organisation die Existenz solcher Unterlagen ab, wenn die Zeitungen sie als gestohlen meldeten. Jorgen Larsen und Erik Jorgensen (beide vom Zweigbüro in Holbæk) haben in Zeitungen und in den neuen Programmen von Dänemarks „Kanal 2“ Lügen verbreitet. Sie stritten mehrere Tatsachen ab, die später öffentlich bekannt wurden (1993, Seite 3).

Eine weitere Unehrlichkeit in dem Fall war die Wachtturm-Behauptung, dass man Unterlagen nur fünf Jahre aufbewahre, nachdem jemand nach einem Gemeinschaftsentzug wieder aufgenommen werde. Die Copenhagen Politiken enthüllte ein Dokument, das zeigte, dass „mehrere Fälle in der Ablage über vierzig Jahre alt und mit dem Stempel ‚Nicht vernichten’ versehen waren“. Dabei waren auch Fälle, in denen ausgeschlossene Zeugen wieder aufgenommen waren (Henricksen, 1993, Seiten 3-4). Der Wachtturm behauptete weiter, die Zahl der Fälle in jeder Ablage sei beschränkt auf zwischen 0 und „vielleicht“ 7 oder 10. Henricksen kam in seiner Untersuchung zu dem Schluss, dass die örtlichen Akten im Durchschnitt weit mehr ausmachen als diese Zahl.

Viele weitere Fälle von Lügen sind gut belegt, aber der gerade genannte Fall ist der neueste, der sich nicht auf eine Kirchenlehre, sondern auf ein weltliches Gesetz bezieht, und er ist offenkundig ein Beispiel direkten Lügens gegenüber Regierungsbehörden unter Bruch eines Gesetzes. Man kann nicht behaupten, dieser gut belegte Fall sei auf ein Missverständnis oder auf schlechte Verständigung zurückzuführen.

Magnani behauptet auch, der Wachtturm gebrauche die Lehre gegenüber seinen eigenen Mitgliedern. Er gibt folgendes Beispiel:

Wenn neugierige Menschen die Geschichte der Wachtturm-Gesellschaft untersuchen, finden sie zahlreiche Tatsachen, die die heutige Gesellschaft zu vertuschen versucht. Beispielsweise ist es den Wachtturm-Führern äußerst unangenehm, dass der Gründer der Gesellschaft, Charles Taze Russell, viele Jahre lang von den Wachtturm-Anhängern fast vergöttert wurde. Da der Wachtturm glaubt, dass Russell viele falsche Lehren verbreitete, gehen sie bis zum Äußersten, seine Geschichte zu vertuschen (R.T. Seite 47 Marcus Reyes (Fall 6936-C, Abilene, TX).

Magnani führt ein Beispiel an:

Man leugnet, je eine Biografie über Russells Leben geschrieben zu haben. In dem Geschichtsbuch der Wachtturm-Gesellschaft, Jehovas Zeugen in Gottes Vorhaben, Seite 63, lesen wir die folgende Frage:

Doch ist es wahr, dass IHR NIEMALS eine Biographie von Pastor Russel veröffentlicht habt?

Die Antwort: DAS STIMMT. Jehovas Zeugen bewundern die Eigenschaften, die er als Mensch besaß; sollten wir aber Pastor Russell Ruhm und Ehre zollen, so würden wir damit sagen, dass es seine Arbeit, sein Erfolg gewesen wäre.

Dies ist ein gutes Beispiel für die Wachtturm-eigene Kriegsstrategie, NICHT NUR GEGENÜBER DER ÖFFENTLICHKEIT, SONDERN AUCH GEGENÜBER JEHOVAS ZEUGEN SELBST. Wenn wir nämlich weiter forschen, finden wir, dass der Wachtturm IN DER TAT die BIOGRAFIE PASTOR RUSSELLS in drei aufeinanderfolgenden Jahren, 1925, 1926 und 1927, veröffentlichte!

(R.T. Seite 47 Marcus Reyes Fall 6936-C, Abilene, TX).

Lügen vor Gericht

Die Wachtturm-Gesellschaft hat eine lange Geschichte, vor Gericht zur theokratischen Kriegslist zu greifen – vom ersten Präsidenten, C.T. Russell, in seiner Aussage zu seiner Scheidung und sonstwo bis zu Fred Franz, auch einem ehemaligen Wachtturm-Präsidenten. Ein inzwischen ein halbes Jahrhundert altes Beispiel, in dem weniger als die volle Wahrheit sichtbar wird, ist der folgende Wortwechsel zwischen Franz und dem Ankläger:

Ankläger-- Haben Sie sich mit dem Hebräischen vertraut gemacht?

Franz- Ja …

Ankläger -- So dass Sie über einen beträchtlichen sprachlichen Apparat verfügen?

Franz-- Ja, zum Gebrauch für meine Arbeit mit der Bibel.

Prosecutor-- Ich glaube, Sie sind in der Lage, die Bibel in Hebräisch, Griechisch, Spanisch, Portugiesisch, Deutsch und Französisch zu lesen und ihr zu folgen.

Franz-- Ja …

Prosecutor-- Können Sie selbst dies hier ins Hebräische übersetzen?

Franz-- Was?

Prosecutor-- Diesen vierten Vers im zweiten Kapitel von 1. Mose?

Franz-- Nein.

(Fred Franz im Kreuzverhör. Beweise des Anklägers im Fall Douglas Walsh gegen The Right Honorable James Latham, Clyde, Scottish Court of Sessions, Mittwoch, 24. November 1954, Seite 7, Abschnitte A-B. und Seite 102, Abschnitt F.)

Ein weiteres Beispiel ist die Zeugenaussage von Hayden C. Covington, einem ehemaligen Vizepräsidenten und führendem Wachtturm-Anwalt, der aussagte, die Zeugen müssten „falsche Prophetie“ als wahr annehmen.

Ankläger -- Es wurde falsche Prophetie verbreitet?

Antwort-- Ich stimme zu.

Ankläger -- Sie musste von den Zeugen Jehovas akzeptiert werden?

Antwort -- Das ist korrekt.

Ankläger -- Wenn ein Glied der Zeugen Jehovas zu dem eigenen Schluss kam, die Prophetie sei falsch, und das auch sagte, wurde er dann üblicherweise ausgeschlossen?

Antwort -- Ja ... Unsere Absicht ist es, Einheit zu haben.

Ankläger -- Einheit um jeden Preis?

Antwort -- Einheit um jeden Preis ...

Ankläger -- Und Einheit aufgrund zwangsweisen Annehmens falscher Prophetie?

Antwort -- Das räume ich ein.

Ankläger -- Und derjenige, der seine Ansicht äußerte, dass sie ... falsch sei, und der dann ausgeschlossen wurde, würde gegen den Bund verstoßen, wenn er getauft war?

Antwort -- Das ist richtig.

Ankläger -- Und wäre, wie Sie gestern ausdrücklich sagten, des Todes würdig?

Antwort -- Ich antworte unbedingt mit ja. Ohne Zögern.

Ankläger -- Bezeichnen Sie das als Religion?

Antwort -- Das ist es sicher.

Ankläger -- Nennen Sie das Christentum?

Antwort -- Ganz bestimmt.

(Beweise des Anklägers im Fall Douglas Walsh gegen The Right Honorable James Latham Clyde, Scottish Court of Sessions, November 1954, Seiten 347-348; siehe auch die gesamte Zeugenaussage als weiteres Beispiel).

Die Broschüre Preparing for Child Custody

Juristische Schlachten der Wachtturm-Gesellschaft sind „so häufig geworden, [dass] sie ihren Anhängern ein Pamphlet mit dem Titel ‚Preparing for Child Custody Cases’“ anbietet, gedacht für Zeugen, die vor gerichtlichen Sorgerechtsstreitigkeiten stehen (Montgomery, 1992, Seite 14). Die Broschüre, in der offen zu Täuschung aufgerufen wird und die den Zeugen rät, das Gericht zu täuschen, war ...

... gedacht für den internen Gebrauch. Sie sollte den Mitgliedern helfen, die Erörterung von Sorgerechtsstreitigkeiten bei Scheidungsprozessen vorzubereiten, [und] macht Zeugenkindern Mut, unter Eid eine verdrehte Sichtweise der Möglichkeiten zu bieten, die ein Zeugenkind hat, um einen Platz in der größeren Welt einzunehmen. Ein Beispiel dafür ist der Kommentar in dieser Veröffentlichung, Zeugenkinder könnten Journalisten werden (ein Beruf, der einen Fachhochschulabschluss voraussetzt), wo vom Besuch eines College deutlich abgeraten wird und dieser schlimmstenfalls von den Zeugen als ein Vehikel verurteilt wird, durch das Zeugenkinder ihren Glauben verlieren können und unmoralischer Gemeinschaft ausgesetzt sind (Duron, 1991, Seite 18).

Auch die Wachtturm-Anwältin Wah sagte unter Eid aus, sie habe der Gesellschaft beim Schreiben der Broschüre Preparing for Child Custody Cases etwa im Jahr 1986 geholfen und gab zu, dass die Broschüre geschrieben wurde aufgrund zunehmender Sorge über Artikel, die von Wachtturm-Kritikern in der sozialwissenschaftlichen und psychologischen Literatur verfasst wurden, die den Interessen der Gesellschaft abträglich sein könnten (Zeugenaussage Wah, Hetrick gegen Hetrick, Blair Court Common Pleas Nr. 2240 CP 1991 Seite 259).

Die Rechtsabteilung der Wachtturm-Gesellschaft wird nun von allen Versammlungsältesten in allen Sorgerechts- und anderen Fällen kontaktiert, die einzelne Zeugen und die Religion betreffen (Briefe der Wachtturm-Gesellschaft aus den Jahren 1989, 1991). Auch wenn ein Zeuge einen weltlichen Anwalt bestellt, ist es nicht ungewöhnlich, dass die Wachtturm-Gesellschaft für ausgiebige kostenlose Beratung und Beistand durch Personal der Rechtsabteilung sorgt (siehe Unser Königreichsdienst, August 1992, Seite 7, und Februar 1996, Seite 3). Weil mehrere vollzeitbeschäftigte Anwälte der Wachtturm-Gesellschaft sich auf die Verteidigung von Zeugen in Sorgerechtsfällen konzentrieren, haben sie auf diesem Gebiet eine ernorme Menge an Erfahrung und Fachwissen angesammelt, und sie wissen, wie man mit Gerichten zum eigenen Vorteil umgehen muss.

Walker (1990) kommt in seinen Untersuchungen der Sorgerechtsbroschüre und der Briefe der Wachtturm-Gesellschaft in bezug auf dieses Thema zu dem Schluss, dass die Wachtturm-Gesellschaft den Zeugen empfiehlt, vor Gericht ein entschieden unwahres Bild zu zeichnen. Das geht so weit, dass sie in gewissen Situationen „vor Gericht das genaue Gegenteil von dem sagen sollen, was sie normalerweise im Königreichssaal sagen würden.“ (Seite 7). Ein Beispiel ist die Wachtturm-Broschüre Jehovas Zeugen und die Schule. Sie und offizielle Lehren haben jahrelang offen eine Beteiligung von Zeugenkindern am organisierten Sport und allen außerlehrplanmäßigen Aktivitäten, Hobbys und eine höhere Schulbildung verurteilt und geschlossen, diese Zeit sollte prinzipiell genutzt werden, um Wachtturm-Interessen nachzugehen. Die Wachtturm-Gesellschaft weist Zeugen jedoch an, vor Gericht das genaue Gegenteil dessen anzudeuten, was sie wirklich glauben (Walker, 1990, Seite 23). Im Fall Tanya A. Stevens gegen Max P. Stevens (District Court des 5. Judicial Court des Bundesstaates Idaho, Bezirk Blaine, Fall Nr. CV-96-2858 Urteil am 17. 10. 1996 zugunsten Max Stevens, Beklagter) urteilte der Richter:

Es ist abträglich für das Wohl der Kinder, sie zu lehren, dass ihr Vater als Nicht-Zeuge Jehovas nicht berechtigt ist, die ganze Wahrheit zu kennen, oder dass es richtig ist, die Wahrheit vor Gottes Feinden (insbesondere vor Gericht) zu verbergen. Weder Tanya noch jemand anders oder eine andere Partei dürfen das. (Seite 42)

Richter Bouska aus Kansas City kam nach einer Durchsicht dieser Wachtturm-Broschüre als Teil eines Falles vor seinem Gericht zu dem Schluss, die Broschüre sei „gedacht, die Zeugen Jehovas zu ermutigen, einige ihrer wirklichen Glaubenssätze zu verbergen und das Gericht in bezug darauf irrezuführen, wie sich ihr Glauben und ihre Praktiken auf die Kinder auswirken.“ Er schloss auch, der Wachtturm lehre, dass „unter der Religion, wie ich sie verstehe, nicht falsch daran ist, jemanden irrezuführen oder sogar zu belügen, der kein Zeuge Jehovas ist.“ (1994). Kurz gesagt „ermuntert der Wachtturm seine Gläubigen, sich ihre Zeugenaussage aus den Fingern zu saugen.“ (zitiert in Montgomery, 1992, Seite 14). Die Sorge ist, wie Raines bemerkt:

Wenn die schädliche und beengende Natur, d.h. das „sektenmäßige“ Verhalten der Gruppe einmal frei vor Gericht besprochen und belegt wird, dann haben Richter zugunsten des Eltern- oder Großelternteils, der kein Zeuge Jehovas ist, entschieden und ihnen das Sorgerecht oder Besuchsrechte zugesprochen.

Das schließt auch die Verwendung von „theokratischer Kriegslist“ durch Zeugen Jehovas vor Gericht ein. In ihrer Broschüre Preparing for Child Custody Cases empfiehlt die Gesellschaft den Zeugen praktisch, vor Gericht einen Meineid zu leisten, indem sie dem Gericht falsche und irreführende Informationen über den Glauben und die Praktiken der Zeugen geben. Das lässt sich sehr zum Verdruss der Wachtturm-Gesellschaft leicht belegen. Aus diesem Grunde ist die Wachtturm-Gesellschaft gezwungen, ihre Positionen zu ändern. Gerichte sind keinen Gruppen gewogen, die das Wachstumspotential bei Kindern einschränken, indem sie höhere Schulbildung und Engagement im Sport und bei außerlehrplanmäßigen Clubs oder Organisationen verbieten oder davon abraten (1996, Seite 30).

Die Zeugen rechtfertigen dieses Täuschen vor Gericht mit der oben besprochenen Lehre von der theokratischen Kriegsführung, nach der Lügen (oder mit Wachtturm-Worten: die Wahrheit zurückhalten) angemessen ist, wenn es die Interessen des Wachtturms schützt. Dies schließt Bemühungen ein, ihre früheren Lehren zu verleugnen, eine Taktik, die wahrscheinlich Auswirkungen auf die heutigen Lehren hat. Beispielsweise mag der Wachtturm bestimmte frühere Ansichten herunterspielen, wie diese: Jehovas Zeugen können Gott gefallen und die Gabe ewigen Lebens verdienen, und alle Regierungen, Religionen und Wirtschaftsinteressen außer ihren eigenen werden von Satan beherrscht.

Ein Beispiel ist dies: Wenn man sie fragt, ob Menschen aus anderen Religionen Harmagedon überleben werden, legt der Wachtturm die Antwort nahe: „Jehova trifft das Urteil, nicht wir.“ Obwohl sie versuchen, mögliche Bekehrungskandidaten und andere nicht zu verprellen, lehrt der Wachtturm tatsächlich, dass nur getaufte Mitglieder des Wachtturms, die in gutem Ansehen stehen, Harmagedon überleben werden (Bergman, 1999). Das offizielle Wachtturm-Buch Du kannst für immer im Paradies auf Erden leben lehrt eindeutig folgendes:

Gebrauchte Jehova zu irgendeiner Zeit mehr als eine Organisation? In Noahs Tagen hatten nur Noah und diejenigen, die bei ihm in der Arche waren, Gottes Schutz und überlebten die Sintflut (1. Petrus 3:20). Auch im 1. Jahrhundert gab es nicht zwei oder mehrere Christenorganisationen. Gott handelte nur mit einer. Da waren nur „e i n Herr, e i n Glaube, e i n e Taufe“ (Epheser 4:5). Und so sagte Jesus Christus voraus, dass es auch in unseren Tagen nur einen Quell geistiger Belehrung für Gottes Volk gebe ... Denke nicht, es gebe verschiedene Wege, die du gehen könntest, um in Gottes neuem System Leben zu erlangen. Es gibt nur einen. Es gab nur eine Arche, die die Sintflut überstand, nicht mehrere. Und es wird nur eine Organisation — die sichtbare Organisation Gottes — geben, die die schnell herannahende „große Drangsal“ überleben wird. Es ist einfach nicht wahr, dass alle Religionen an das gleiche Ziel führen... Wenn du mit ewigem Leben gesegnet werden möchtest, musst du zu Jehovas Organisation gehören und seinen Willen tun (1982, Seiten 192, 193, 255-256).

In einer ausgezeichneten Zusammenfassung der Broschüre Preparing for Child Custody Cases bemerkt Raymond Franz, ein ehemaliges Mitglied der leitenden Körperschaft der Zeugen, die 60-seitige Broschüre sei ein Leitfaden für Zeugen, die vor Gericht aussagen. Das Buch bespricht Fragen, die …

die gegnerische Seite möglicherweise stellt, und bietet Musterantworten an... [Die] Wachtturm[-Lehre] über Wahrhaftigkeit ... [ist es,] wahrheitsliebend [zu sein und nicht] ... bereit, die Wahrheit ein klein wenig zu verdrehen, um einer unbequemen Lage zu entgehen oder etwas zu erlangen, was wir haben möchten ... Zum Vergleich dazu einige der Antworten, die in der Anleitung der Gesellschaft vorgeschlagen werden. Unter „WIE SICH ELTERN, DIE ZEUGEN SIND, IN EINEM KREUZVERHÖR VERHALTEN SOLLTEN“ finden wir diese Frage ... Werden alle Katholiken (oder andere) vernichtet? ... [und die vorgeschlagene Antwort auf Seite 12 lautet]: Das hört sich gut an, so als wäre es frei von jeder dogmatischen oder richtenden Einstellung. Doch der Zeuge, der so antwortet, weiß, dass die Schriften seiner Organisation eindeutig lehren, dass nur diejenigen die „große Drangsal“ überleben, die zu „Jehovas Organisation“ gehören, und dass alle, die nicht zu dieser Organisation kommen, die Vernichtung zu erwarten haben (1991, deutsch: 1997 auf CD-ROM, Seite 283).

Franz beurteilt dann den Abschnitt „DIREKTE BERFAGUNG UND ANTWORTEN VON ÄLTESTEN“, in dem die Broschüre (1991, Seiten 29-31) in Klammern die „richtigen“ Antworten auf übliche Fragen angibt:

Welche Haltung nimmt die Kirche [damit ist die Religion der Zeugen Jehovas gemeint] gegenüber Menschen aus anderen Religionen ein? (Jesus lehrte, den Nächsten wie sich selbst zu lieben, das schließt alle ein; wir achten das Recht anderer auf Anbetung nach ihrer Wahl.) Lehrt die Kirche, dass junge Menschen nur etwas über die Religion der Zeugen Jehovas erfahren sollten? (Nein. Beachte die folgende objektive Betrachtung anderer Religionen in unseren Publikationen.).

Als Reaktion auf diesen Abschnitt der Broschüre bemerkt Franz, dass die Antworten der Wachtturm-Gesellschaft eine in beträchtlichem Maße tolerante Haltung gegenüber Religion zeigen, doch ...

… weiß der Älteste, der so antwortet, wiederum, dass seine Religion lehrt, die „Menschen aus anderen Religionen“ befänden sich allesamt in „Babylon der Großen“, dem Weltreich der falschen Religion, das in der Bibel als „große Hure“ bezeichnet wird; dass die Anbetung, für die sie sich entschieden haben, als unchristlich angesehen wird und dass sie Vernichtung zu erwarten haben, wenn sie in ihr bleiben. Er weiß auch, dass man den Zeugen den dringenden Rat gibt, keine gesellschaftlichen Beziehungen mit diesen „Menschen aus anderen Religionen“ zu haben, da dies einen „verderblichen“ Einfluss habe, und dass der einzige Umgang, der gutgeheißen wird, der ist, wenn man ihnen „Zeugnis gibt“ und hofft, dass sie ihre Religion wechseln. Er weiß, dass alle Artikel, die in der Broschüre genannt werden, die negativen Seiten der besprochenen „anderen Religionen“ betonen, und dass die Organisation davon abrät, Literatur zu lesen, die direkt von anderen Religionen stammt. Nur das, was sie selbst über diese Religionen veröffentlicht, wird als ungefährlicher Lesestoff angesehen. (1991, 1997, Seiten 256, 257).

Zusammenfassend kommt Franz zu dem Schluss, dass Leute, denen der Rat gegeben wird …

... so zu reagieren, sicher wissen, dass man sie auffordert, eine Haltung an den Tag zu legen, die sich sehr von der unterscheidet, die man ihnen in Wachtturm-Schriften aufzwingt. Wenn sie die Wahrheit reden, ohne sie ‚ein klein wenig zu verdrehen‘, braucht man ihnen nicht zu sagen, sie sollten etwas anderes als bei einem Kreiskongress — oder sonstwo — sagen (1991, 1997, Seite 257).

Nach der Erfahrung des Autors folgen die Zeugen und ihre Anwälte regel- und routinemäßig dem Rat der Broschüre, das Gericht im Zeugenstand zu täuschen. MacGregor, der in Sorgerechtsfällen von Zeugen tätig war, kommt zu dem Schluss:

Dein ZJ-Partner (oder Expartner) wird verzweifelt versuchen, das Sorgerecht für die Kinder zu bekommen. Sei auf das Schlimmste gefasst. Viele standen vor falschen Anschuldigungen, gegen die man sich nur schwer wehren kann. Sie möchten beweisen, dass du als Elternteil „ungeeignet“ bist. Du wirst Zeugen mit starkem Charakter gebrauchen, die dich mit deinen Kindern beobachtet haben ... Sie haben ihre eigenen juristischen Fachleute zur Verfügung, und dein Partner und die Kinder werden darauf trainiert, was sie vor Gericht sagen müssen. Wenn du oder dein Anwalt sich nicht vorbereitet, wirst du deine Kinder verlieren!

... Sie werden nicht zögern, auch unter Eid zu lügen. Sie haben eine Lehre, die das Lügen rechtfertigt, dass man nur denjenigen die Wahrheit zu sagen braucht, die „ein Recht darauf“ haben. Die Gerichte, das Rechtssystem, Familienfürsorger, Expartner usw. verdienen es nicht, die Wahrheit zu kennen, weil sie Widerstand leisten oder nicht zur „Organisation Jehovas“ gehören. Im Denken der Zeugen Jehovas gehören sie zu Satan, und es ist richtig, ihn und seine Leute zu belügen, um „Jehova“ und seine Organisation auf Erden [die Wachtturm-Gesellschaft] zu schützen ... Alles mögliche wird den Kindern erzählt, um sie von jeder Verwicklung in das „Böse“, das du bist, zu verscheuchen. Man wird sie trainieren, was sie vor Gericht sagen sollen. Selbst wenn die Gerichte verbieten, dass den Kindern während der Besuchszeiten religiöse Dinge beigebracht werden, wird das Kind belehrt werden, dich zu „hassen“, weil du ein Gegner ... der Organisation Gottes bist (1994, Seite 4).

Hier ein Beispiel für den Gebrauch dieser Lehre vor Gericht, das eine Nichtzeugin gibt, die eigentlich ihre Freundin unterstützen wollte:

Ich wusste, dass die Wachtturm-Gesellschaft sehr sorgfältig kontrollierte, was in Gerichtssälen gesagt wurde ... Ich hatte die Broschüre über Sorgerechtsfälle, die sie zusammengestellt hatte, gesehen ... Aber bis ich tatsächlich diesen letzten Juni zwei Wochen im Gericht bei einem Sorgerechtsfall verbachte ..., wusste ich nicht, in welchem Ausmaß die Zeugen Jehovas zu ihrer geistigen Kriegsführungstaktik greifen ... Ich kam, weil ich der Familie eine moralische Stütze sein wollte, und um im Prozess mitzuschreiben, so dass die Familie später darauf zurückgreifen konnte ... Ich konnte nicht glauben, was meine Finger schreiben mussten, so bestürzend dreist waren ihre Lügen. Da die Zeugen Jehovas glauben, jeder, der ein Feind Jehovas sei, sei „nicht berechtigt, die Wahrheit zu kennen“, womit im Grunde jeder gemeint ist, der kein Zeuge Jehovas ist, sowie alle Regierungen und Regierungsvertreter wie Richter, fuhren sie fort zu lügen, lügen und nochmals zu LÜGEN und vor diesem Richter unter Eid „Halb“-Wahrheiten zu erzählen! ... Zwei ganze Wochen mit sowas … Leute, die gegen Zeugen Jehovas klagen, sollten von NICHTS ausgehen – besonders nicht davon, dass die Zeugen Jehovas sich fair verhalten oder geradeheraus sind. Sie glauben, dass das ein Krieg ist und dass Gott möchte, dass sie das tun: gegenüber „Gottes Feinden“ zu lügen – und Gottes Feinde in diesem und in allen anderen Fällen sind alle, die keine Zeugen Jehovas sind (In Comments from the Friends veröffentlichter Brief, 1999 18(1): 9).

Zeugen dürfen beispielsweise unter Eid aussagen, dass sie kein Problem damit haben, ihren Kindern zu erlauben, Feiertage zu begehen, mit „Kindern aus der Welt“ zu spielen, am Schulsport teilzunehmen, ein College zu besuchen oder eine Bluttransfusion zu erhalten, wenn damit das Leben des Kindes gerettet wird; sie dürfen gelegentlich sogar fälschlich behaupten, so etwas führe nicht zu einem Gemeinschaftsentzug (Bergman, 1998). Einige sagen aus, sie würden zumindest ihrem ehemaligen Partner, der kein Zeuge Jehovas ist, erlauben, die Entscheidung zu treffen (was praktisch bedeutet, dass das Kind eine Bluttransfusion bekommen kann), selbst wenn das gegen die Wachtturm-Regeln verstößt, die jedermann befolgen muss, wenn er nicht ausgeschlossen werden will:

Wird ein Christ aufgefordert, sich mit etwas einverstanden zu erklären, was eine Verletzung des Gesetzes Gottes — eines höheren Gesetzes — darstellen würde, so wäre das göttliche Gesetz vorrangig; es hätte Priorität. [Und wenn ein Gericht versucht] ... einem Christen eine Bluttransfusion aufzuzwingen ... sollten Christen denselben Standpunkt einnehmen wie der Apostel Petrus: „Wir müssen Gott, dem Herrscher, mehr gehorchen als den Menschen“ (Apostelgeschichte 5:29), absolut entschlossen, Gott zu gehorchen, auch wenn ihnen die Regierung eine gegenteilige Anweisung erteilte (Wachtturm, 15. Juni 1991, Seite 31).

Die Gesellschaft betont das Ausmaß, in dem dieser Wachtturm-Vorschrift Geltung verschafft wird, indem sie das Beispiel einer Zwölfjährigen anführt, die ...

style="COLOR: black">… keinen Zweifel darüber aufkommen [ließ], dass sie sich mit aller ihr zu Gebote stehenden Kraft gegen eine gerichtlich angeordnete Bluttransfusion zur Wehr setzen würde, dass sie schreien und kämpfen und die Kanüle aus dem Arm herausreißen und versuchen würde, die Blutkonserve über ihrem Bett unbrauchbar zu machen. Sie war fest entschlossen, der [Wachtturm-Auslegung] des göttlichen Gesetzes zu gehorchen (Wachtturm, 15. Juni 1991, Seite 31)

Ein Problem besteht für die Wachtturm-Gesellschaft darin, dass es keine Bibelstelle gibt, die eindeutig und ausdrücklich die medizinische Verwendung von Blut und anderen Organtransplantaten verurteilt, viele Stellen heißen vielmehr ihre Verwendung gut, um Leben zu retten (Bergman, 1990). Selbst die Wachtturm-Gesellschaft hat in der Vergangenheit Bluttransfusionen zugelassen; bis 1961, fast ein Jahrhundert nach Gründung der Gesellschaft, war das kein Vergehen, das zu einem Gemeinschaftsentzug führte (Watchtower, 15.Januar 1961, Seiten 63-64). Der durchschnittliche Zeuge akzeptiert diese Lehränderungen aufgrund der Doktrin vom „neuen Licht“ (das bedeutet, dass Gottes Wille fortschreitend durch die Wachtturm-Gesellschaft offenbart wird). Weil es nötig ist, Bluttransfusionen zu vermeiden, darf man sich auch nicht in eine Situation begeben, die zu einer Bluttransfusion führen könnte, und wenn eine gerichtlich angeordnete Transfusion wahrscheinlich wird, muss ein Zeuge ...

... äußerst energisch bemüht [sein], Gottes Gesetz über das Blut nicht zu übertreten, [und wenn die] Obrigkeit [ihn] ... als Gesetzesbrecher betrachtet oder strafrechtlich verfolgt ... könnte der Christ die Sache so ansehen, als leide er um der Gerechtigkeit willen (Wachtturm, 15. Juni 1991, Seite 31).

Wie Duron bemerkt, weist man die Zeugen an, eher zu sterben, als sich einer Transfusion zu unterziehen: „Zeugen sagen selten in kurzen Worten, sie würden nicht zögern, ihre Kinder eher sterben zu lassen, als ihnen eine Bluttransfusion geben zu lassen“ (1991, Seite 18). Wachtturm-Anwältin Wah sagte unter Eid, sie habe Erwachsene in zwei Situationen vertreten:

Diejenigen, die bei Bewusstsein und klarem Verstand waren, bei denen eine gerichtliche Verfügung bestand, die die Ärzte ermächtigte, eine Transfusion vorzunehmen. Ich sehe das so, dass solch eine Verfügung ungesetzlich erlangt wurde und der Christ, als Erwachsener, gewiss dagegen angehen würde, wenn nötig, auch mit körperlicher Gewalt ... Meiner Einschätzung nach, und das ist der beste Vergleich, käme das einer Vergewaltigung gleich. Wenn ich als Erwachsene durch eine gerichtliche Verfügung vergewaltigt würde, wäre die Existenz einer solchen gerichtlichen Verfügung keine Rechtfertigung dafür. Aber die Situation wird eine ganz andere, wenn ich ein minderjähriges Kind hätte, das der gerichtlichen Verfügung unterstünde, wie es auch eine andere Situation für Selbstverteidigung wäre ... (Aussage von Wah im Fall Hetrick gegen Hetrick, Court of Common pleas of Blair County, PA, Nr. 2240 CP, 1991, Seite 234).

Wenn, wie Wah geltend macht, eine Bluttransfusion allen Ernstes genau dasselbe wie eine Vergewaltigung wäre, dann würde man ja wohl kaum jemandem erlauben, das Kind „vergewaltigen“ zu lassen!

Eine weitere täuschende Argumentationslinie, zu der die Wachtturm-Gesellschaft bei ihrer Begründung nicht selten greift, ist, dass ihre Ablehnung von Bluttransfusionen vernünftig sei, weil das Risiko von AIDS bestehe und ihre Entscheidung daher medizinisch gesehen auf lange Sicht weise sei. Sie führt oft Fälle von Leuten an, die sich durch Bluttransfusionen AIDS zuzogen, aber typischerweise verdreht sie in grober Weise die Tatsachen und versucht vorsätzlich, ihren Anhängern Angst zu machen. Amerikanische Blutbanken begannen im März 1985 mit dem Screenen von Blut, und seither „scheinen sich bei über 120 Millionen Bluttransfusionen ... nur 21 Personen mit HIV infiziert zu haben“, und die Beziehung zwischen HIV und AIDS wird immer noch nicht richtig verstanden (Nixon, 1993, Seite 3). Die Wahrscheinlichkeit, sich bei einer einzigen Bluttransfusion in den Vereinigten Staaten HIV zuzuziehen, wird jetzt grob gerechnet als eins zu einer Viertelmillion Transfusionen angesehen, und neue Testmethoden haben „das Risiko, sich nach einer Transfusion mit Hepatitis C zu infizieren, dramatisch verringert“ (Carlson, 1996; Rutherford und Kaplan, 1995). Das Sicherheitsniveau ist in den Vereinigten Staaten jetzt so hoch, dass autologe Transfusionen statt allogenem (Spender-)Blut kaum noch empfohlen werden (Rutherford und Kaplan, 1995).

Greift der Durchschnittszeuge zu dieser Lehre?

Viele historische Untersuchungen der Zeugenbewegung verzeichnen Beispiele, wo gewöhnliche Zeugen zur theokratischen Kriegslist griffen. Damit in Kanada jemand der Mitgliedschaft in einer illegalen Organisation überführt werden kann, muss es dokumentierbare Beweise geben, wie eine Mitgliedskarte oder ein Geständnis. Kaplan (1988, Seite 70) fand, dass Jehovas Zeugen in Kanada „generell die Zugehörigkeit [zum Wachtturm] abstritten“, nachdem sie verboten wurden. Dennoch wurden „fast alle Zeugen Jehovas, die beschuldigt wurden, auch überführt“ (Kaplan, 1988, p. 72).

Jehovas Zeugen, die beim Verbreiten ihrer Literatur gefasst wurden, versuchten oft zu behaupten, sie hätten „Pakete mit Traktaten auf der Türstufe gefunden und das Interesse an ihrem Inhalt sei so sehr gewachsen, dass sie den Drang fühlten, hinzugehen und das Material zu verteilen.“ (Kaplan, 1988, Seite 75) Dieser Erklärung wurde wohl nicht leicht geglaubt. Überdies wurden bei der Jagd auf Zeugen Jehovas oft Personen verhört, von denen man annahm, sie seien Zeugen, darunter Personen, die mit einigen ihrer Ideen sympathisierten. In vielen Fällen hat man den Beteuerungen, man sei kein Zeuge, keinen Glauben geschenkt, teilweise weil so viele Zeugen selbst über ihre Zugehörigkeit logen, dass die Gerichte sich gegenüber den Aussagen all derer, von denen sie meinten, es seien Zeugen, sehr skeptisch zeigten.

Die weit verbreitete Praktik, zu lügen, um die Interessen der Wachtturm-Gesellschaft zu verteidigen, hat heute ähnlich ungünstige Nachwirkungen. Man kann es immer noch bei Gerichtsfällen sehen, besonders bei Sorgerechtsfällen oder rechtswidrigen Todesfällen im Zusammenhang mit Bluttransfusionen: Die Zeugen oder ihre Anwälte haben oft ganz offen vor Gericht gesagt, Jehovas Zeugen hießen es nicht gut, ihre Kinder aufgrund einer nicht verabreichten Transfusion sterben zu lassen.

Kotwall (1997) behauptet, dass viele Zeugen Jehovas … sich nicht dessen bewusst sind, dass die Wachtturm-Gesellschaft … sie zum Lügen ermuntert. Um zu beurteilen, wie viele Zeugen sich der Lehre bewusst sind und wie sie angewandt wird, veranstaltete der Autor eine Umfrage unter 92 Amerikanern und 39 Italienern, von denen die meisten Ex-Zeugen waren und die den Fragebogen freiwillig ausfüllten. Die Antworten der beiden Gruppen waren so ähnlich, dass sie zusammengefasst wurden. Die Befragten erfuhren von der Umfrage aus Anzeigen in Zeitschriften und im Internet. Die drei Seiten beinhalteten auch einige Fragen zur „Lehre der theokratischen Kriegslist“. Es ergaben sich folgende Antworten:

Antwort Mitglied Pionier Dienstamtgehilfe Ältester Kreisaufseher

A. Nie davon gehört. 37 7 3 0

B. Vage gehört 19 2 3 0

C. Recht vertraut damit. 11 3 7 1

D. Sehr vertraut damit. style="mso-tab-count: 4"> 7 5 7 2

E. Sehr vertraut und schon ein paarmal angewandt. 2 1 4 2

F. Sehr vertraut und schon oft angewandt. 0 1 6 3

Insgesamt 74 19 30 8

Die nächste Frage: „Wie würden Sie die Lehre der theokratischen Krieglist am besten beschreiben?“ wurde wie folgt beantwortet (Die Zahlen ergeben zusammen nicht 131, weil die Befragten unter mehr als einer Antwort wählen konnten):

 

Antwort Mitglied Pionier Dienstamtgehilfe Ältester Kreisaufseher

A. Die Definition des Gerichts von Wahrheit: „Die Wahrheit und

nichts als die Wahrheit” muss strikt befolgt werden. 3 1 0 0

B. ZJ müssen dieser Vorschrift nicht folgen, d.h. sie können die

Wahrheit vor denen verbergen, die kein Recht darauf haben. 38 10 14 4

C. Um die Interessen des Wachtturms, der Organisation Gottes, zu

schützen, darf man, wie die Welt es sieht, etwas lügen. 33 10 11 4

D. Man muss Worte so gebrauchen, dass man Gottes Organisation

schützt – auch wenn man aus Sicht der Welt lügt. 23 8 10 4

Die Daten zeigen, dass die Mehrzahl der Zeugen diese Lehre kennt. Sie zeigen auch, dass es eine eindeutige Beziehung gibt zwischen dem Tätigkeitsniveau in der Wachtturm-Gesellschaft und der Kenntnis dieser Lehre. Alle ehemaligen Kreisaufseher kennen sie gut, und über die Hälfte gab zu, schon einmal zu ihr gegriffen zu haben. Obwohl 37 Personen (28% des gesamten Samples) behaupteten, sie hätten nie von dieser Lehre gehört, wählten nur 3 Personen (2%) die falsche Definition der Lehre, Antwort „A“.

Eine Untersuchung der Fragebogen der Personen, die behaupteten, sie würden die Lehre nicht kennen, zeigt, dass sie sich weit weniger beim Wachtturm engagierten. Einige waren bestenfalls nominelle Zeugen mit minimaler Hingabe, die oft nur aufgrund des Drucks in der Familie zu den Zusammenkünften gingen. Eifrige Zeugen, die Verwaltungsposten innehatten, kannten, mit einer Ausnahme, die Lehre und ihre Bedeutung sehr genau (Älteste und Kreisaufseher). Die meisten (98%) kannten die Praktik oder konnten sie beschreiben, aber einige Zeugen kannten sie nicht unter ihrem richtigen Begriff. Manche haben dabei vielleicht noch an den alten Begriff „Rahab-Technik“ gedacht. Einige Personen mögen den Begriff nicht gekannt haben, weil das Wort „theokratisch“ heute weniger gebraucht wird als früher, es ist aber immer noch gebräuchlich. Ein Beispiel ist das offizielle Gesangbuch Singing Praises to Jehovah (1984), das bei allen Zusammenkünften verwendet wird und das unter „Theokratischer Krieg“ 13 Lieder aufführt.

Die religiöse Grundlage unter dem Lügen des Wachtturms

Die Wachtturm-Gesellschaft verwendet neben den bereits besprochenen mehrere Schriftstellen, um das Lügen zu rechtfertigen. Wie Thomas bemerkt, versucht der Wachtturm das Lügen mit der Feststellung zu rechtfertigen ...

… dass Rahab, die Hure, in der Bibel den König von Jericho anlog, um die israelitischen Spione zu schützen. Jehovas Zeugen argumentieren nun, als Jericho zerstört wurde, sei Rahab verschont worden, weil sie log, um die Spione zu schützen. Die Bibel offenbart jedoch, dass Rahab verschont wurde, weil sie Israels Gott als wahren Gott anerkannte (Josua 2:11). Gott verschonte Rahabs Leben nicht, weil sie log, sondern obwohl sie log. Der Wachtturm weist weiter darauf hin, dass Abraham, Isaak und David auch gelegentlich die Wahrheit verbargen. Aber alles, was das beweist, ist, dass selbst die besten Menschen ihre Fehler hatten. Man kann sicher die Fehler eines Menschen (wie groß er auch sein mag) nicht als Entschuldigung für eine Fehlhandlung heranziehen. Das Gebot des Neuen Testamentes ist eindeutig: „Deshalb legt die Lüge ab UND REDET WAHRHEIT, EIN JEDER MIT SEINEM NÄCHSTEN! (Eph. 4:25). Nach ihrem eigenen Eingeständnis reden Jehovas Zeugen nicht die Wahrheit mit ihrem Nächsten, wenn es in ihrem Interesse liegt, das nicht zu tun. Wenn sie es als vorteilhaft ansehen, werden Jehovas Zeugen ihren Nächsten vorsätzlich belügen! (Hervorhebung im Original, Thomas, 1972, Seite 96).

Was den Gebrauch der Rahab-Strategie angeht, um das Lügen zu rechtfertigen, kam Robbins zu dem Schluss:

Die Bibel preist Rahab nicht für ihr Lügen; das ist ei unzulässiger Schluss ... Es wäre merkwürdig, wenn die Bibel, die das Lügen wiederholt verurteilt, jemanden für sein Lügen preisen sollte. Wenn dies so ist ... warum ... dann zu dem Schluss kommen, dass Gott Rahab allein für ihr Lügen lobt? Ihre Prostitution war gleichfalls wichtig bei der Rettung der jüdischen Spione, und daraus den Rückschluss zu ziehen, die Bibel heiße die Prostitution gut, wäre dann ebenso stichhaltig ... [Und doch gibt es einige, die] den Gedanken nahe legen, dass Rahab und [andere]... passende Vorbilder für das Lügen, wenn es denn nötig sei, seien (1994, Seite 1-4).

Der Standpunkt, das Lügen sei gerechtfertigt, wenn es nur die irreführt, die „kein Recht haben, die Wahrheit zu kennen“, wurde von keiner christlichen Kirche als formelle Lehre verbreitet, und Thomas schließt, dass viele christliche Märtyrer ihr Leben hätten retten können ...

... wenn sie nur zur so genannten „theokratischen Kriegslist“ der Zeugen Jehovas gegriffen hätten. Bei vielen hing das Leben von der Antwort auf diese eine Frage ab: „Bist du ein Christ?“ Wenn sie zu antworten wagten: „Ja“, erwarteten sie schreckliche Martern. Alles, was sie in vielen Fällen nur hätten tun müssen, wäre gewesen, abzustreiten, ein Christ zu sein, und man hätte ihr Leben verschont. Aber diese treuen großen Anhänger des christlichen Glaubens ... ließen sich nicht zu Wachtturm-Tricksereien herab, um dem schwingenden Stahl des „Tyrannen“ oder der „blutigen Mähne des Löwen“ zu entgehen. Sie verloren um der Sache Christi willen ihr irdisches Leben, doch sie gewannen ewiges Leben und ewige Ehre. Dies ist unser christliches Erbe, und wir haben allen Grund, stolz darauf zu sein (1972, Seiten 97-98).

Die Wachtturm-Haltung zum Lügen ist eigentlich auch inkonsequent. Ein gutes Beispiel aus dem Zweiten Weltkrieg betrifft die Zeugen in den nationalsozialistischen Konzentrationslagern. Um aus einigen Lagern freigelassen zu werden, brauchten die Zeugen nur ein Dokument unterschreiben, in dem sie ihre Ergebenheit an den Wachtturm widerriefen. Doch die Wachtturm-Gesellschaft unterrichtete sie, dies nicht zu tun; sie lehrte sogar, den Wachtturm zu verleugnen, um sich selbst zu schützen, würde ihre Hoffnung auf ewiges Leben zunichte machen. Sie wurden angewiesen, nur zu lügen, um den Wachtturm zu schützen, nicht sich selbst (Buber, 1946). Wie man jedoch erwarten darf, tendiert das Lügen der Zeugen dazu, sich auch auf andere Gebiete auszuweiten. Thomas erzählte eine Erfahrung, die sich angeblich zutrug, als er einem Zeugen eines seiner Traktate anbot, indem die Wachtturm-Glaubenssätze kritisiert wurden:

Dieser Zeuge Jehovas kannte mich nicht persönlich, aber er sagte, er kenne den Verfasser des Traktates persönlich. (Er log!) Er dachte, ich sei jemand anders und begann, den Verfasser zu diffamieren und zu sagen, dass „Hochachtungsvoll“ aus der Wachtturm-Gesellschaft im Osten rausgeschmissen worden sei, weil er Geld von ihnen gestohlen habe. (Ich bin nie Zeuge Jehovas gewesen.) Dann fing er höhnisch an, mich als Idioten zu beleidigen und zu behaupten, ich müsse doch wirklich blöd sein, wenn ich zulasse, dass der Verfasser mich dazu betrüge, seine Pamphlete weiterzugeben. Als dieser Zeuge Jehovas seinem Ärger über den Traktatschreiber Luft machte ..., zeigte ich ihm meinen Führerschein, der bewies, dass ich der fragliche Verfasser des Traktates sei. Ich forderte eine Entschuldigung von diesem lügenden Zeugen Jehovas ... Das Wachtturm-Evangelium hatte den Verstand dieses Mannes so verdreht, dass er nicht einmal aus Scham rot wurde, geschweige denn sich entschuldigte. Dies ist ein Beispiel für die theokratische Kriegsstrategie der Zeugen Jehovas – vorsätzlich im Interesse ihrer Religion lügen. Dieser Zeuge Jehovas dachte, wenn er über den Verfasser der Anti-ZJ-Traktate Lügen verbreitete, dann könne er Christen davon abhalten, sie weiterzugeben. Sicher wusste dieser Zeuge Jehovas, dass er log, aber das interessierte ihn nicht! Hatte der Wachtturm ihm denn nicht beigebracht, dass es schriftgemäß sei, wenn Zeugen Jehovas im Interesser ihrer Religion täuschen und lügen? ... Es ist bekanntermaßen ein Grundsatz böser und skrupelloser Menschen, dass der Zweck die Mittel heiligt. Anscheinend hatte dieser Zeuge Jehovas diesen Grundsatz für sich angenommen (Thomas, 1972, Seiten 96-97).

Natürlich ist es schwierig festzustellen, ob jemand vorsätzlich theokratische Kriegslist benutzt oder nur leichtfertig mit den Tatsachen umgeht, um aus einer unangenehmen Situation herauszukommen. Die Situation, die Thomas berichtet, mag etwas von beidem enthalten (Raines, 1998, Seite 30). Hier ist ein weiteres, ähnliches Beispiel:

Ich habe an mir selbst ein Beispiel für diese Art von Täuschung erfahren: Eine Zeugin, mit der ich befreundet bin, lud mich und mehrere andere Zeugen in ihr Haus ein, wo ein Missionar der Zeugen aus Israel sie besuchte und einen Diavortrag über seine Arbeit in Israel halten sollte. Die Gesellschaft hatte ihn nach Israel geschickt, um den geheimen Bau einer Druckeinrichtung für ihre Literatur zu beaufsichtigen. Dort sollten dann auch mehrere Zeugenarbeiter wohnen. Die Juden in dem Gebiet waren bekannt für Gewalt gegen die Zeugen, und es kam ihnen verdächtig vor, als sie sahen, wie dieses große Gebäude hochgezogen wurde, besonders da sich in jedem Raum ein Spülbecken befand. Um den Bau und die anderen Zeugen, die dort leben sollten, zu schützen, wies die Gesellschaft diesen Missionar an, sich als exzentrischen Millionär auszugeben, der unter einem Waschzwang litt, und jeden, der sich erkundigte, zu informieren, was da gebaut werde, sei sein eigenes Haus. Diese Geschichte wurde erfunden, um alle Spülbecken zu erklären und die Tatsache zu vertuschen, dass es in Wirklichkeit eine Wachtturm-Fabrik war, in der es Schlafzimmer mit Spülbecken gab, in denen die Fabrikarbeiter wohnen sollten. Diese Art von Lügen war als „theokratische Kriegslist“ bekannt. (Wilson, 1999, Seiten 240-241).

Welchen Schaden Lügen letzten Endes anrichtet

Die Lehre der Wachtturm-Gesellschaft von der „theokratischen Kriegsführung“, dass es richtig sei, die Wahrheit vor Personen zurückzuhalten, die sie benutzen könnten, um der Wachtturm-Gesellschaft Schaden zuzufügen, soll ihren Interessen dienen (Bergman, 1994). Offensichtlich mit zwei Ausnahmen sind sie die einzige religiöse Gruppe, die als Teil ihrer offiziellen Lehre direkt verbreitet, es sei richtig zu lügen, so wie ein Gericht Lügen definiert. Auf kurze Sicht mag diese Lehre Vorteile bringen, doch auf lange Sicht schadet sie den Wachtturm-Interessen mehr, als dass sie ihnen nützt.

Wahrscheinlich die wichtigste Auswirkung der Lehre vom theokratischen Krieg ist der psychologische Schaden, den sie bei Zeugen bewirkt, wenn diese erkennen, wie sehr die Wachtturm-Gesellschaft zu Täuschungen greift (Bergman, 1993). Das wurde aus den Interviews mit den 92 Amerikanern und 39 Italienern für die oben angeführte Untersuchung deutlich. Wenn man erkennt, wie wirklich wenig aufrichtig der Wachtturm ist, ist das oft ernüchternd und führt dazu, dass Mitglieder den Wachtturm verlassen. Wenn sie gehen, ist das unglaublich traumatisch für Menschen, besonders für die, die sich stark engagiert hatten. Duron stellt fest:

Bevor ich diese Religion im Jahre 1975 verließ, war ich eine Zeugin Jehovas in der dritten Generation. Ich bin verheiratet mit einem Zeugen der zweiten Generation. Mein Mann und ich, die zusammen fast sechzig Jahre dem Zeugenglauben und ihren Aktivitäten ausgesetzt waren, haben getrennt und zusammen viele Stunden damit verbracht, nach einem Sinn in unserem Leben zu suchen. Neben dem Versuch, zu lernen, unser Leben nach diesem starken geistigen Aufruhr, alle unsere moralischen, religiösen, sozialen und persönlichen Werte und Glaubenssätze neu zu überdenken, wieder neu aufzubauen, stand im Mittelpunkt, vernünftig mit der Frage: “Wer bekommt die Kinder?“ umzugehen. Wir hatten zwei Kinder, an die wir denken mussten (Duron, 1991, Seiten 16-17).

Das Beispiel, das sie gebrauchen, wie Abraham den Pharao anlog und sagte, Sarah sei seine Schwester und nicht seine Frau, mag sich hier als prophetisch erweisen. Die Lehre wird weit und breit von Wachtturm-Dissidenten als Punkt angeführt, der Teil ihrer Entscheidung war, den Wachtturm zu verlassen, und Gegner gehen gewöhnlich mit dieser Lehre als Teil der Rechtfertigung ihrer Verurteilung des Wachtturms hausieren. Der Mangel an Aufrichtigkeit wird oft von ihren Kritikern bemerkt (siehe zum Beispiel Branden, 1988, und Dahlin, 1988, und die meisten Quellenangaben in dieser Abhandlung).

Dass diese Lehre offen revidiert wird, ist unwahrscheinlich, weil eine Revision den Rückschluss verstärken wird, dass eine solche Doktrin gelehrt und allgemein praktiziert wurde. Überdies, und am wichtigsten, wäre eine Revision dieser Lehre auch das Eingeständnis, dass sie verkehrt war. Angesichts der Erwartung, dass Harmagedon unmittelbar bevorsteht, hofft der Wachtturm, dass diese vorhergesagte Schlacht sie davor bewahrt, sich dieses Problems anzunehmen. Man wird in der neuen Welt keine theokratische Kriegsführung mehr gebrauchen, da es dann keine Gegner des Wachtturms mehr gibt, weil alle Nichtzeugen in Harmagedon vernichtet werden. Angesichts des wiederholten Fehlschlages von Wachtturm-Vorhersagen des „großen Tages Gottes des Allmächtigen“ mag man gezwungen sein, sich doch der Lehre zu stellen und sie entweder leise in der Versenkung verschwinden lassen (was nicht der Fall zu sein scheint, da die Lehre in den neuesten Wachtturm-Veröffentlichungen wiederholt wird), oder man muss sich mit den Auslegungsfehlern abfinden und eine neue Politik der funktionalen Ethik entwickeln.

Das höchste Gericht von Ohio fällt einen Beschluss zum Lügen in religiösen Dingen.

Das Berufungsgericht von Ohio entschied, wenn eine Kirche ihre Mitglieder lehre, zu lügen oder die Wahrheit zurückzuhalten, um die Interessen der Kirche zu verteidigen, und wenn dies vor Gericht gebracht werde, dann sei das ein aufhebbarer Irrtum [Redman et.al. gegen WTBTS Berufung Nr. 91 WDO 71, Prozessnr. C-88-835 Wood County Court of Appeals vom Ohio Supreme Court aufrecht erhalten (Redman gegen Watchtower Bible and Tract Soc. of Penn. (69 Ohio St.3d 98, 630 N.E.2. 676 Berufung abgelehnt, 69 Ohio St. 3d 1445 (1994) 632 N.E.2d 913). Oberflächlich gesehen, schützt diese Entscheidung das Lügen, wenn es aus religiösen Gründen geschieht und wenn die Gegenseite vor Gericht von dieser Lehre Kenntnis hat. Der Ohio Supreme Court entschied, dass „Fragen bezüglich des Glaubens eines Zeugen [auch wenn die Religion ihre Mitglieder lehrt zu lügen] keine zusätzliche zulässige Methode sind, den Wahrheitsgehalt zu prüfen“ (Redman gegen Watchtower, supra, Seite 101).

In dem Fall ging es um Otterbein Duesler, einen älteren Mann mit Borderline-Syndrom [Grenzfall zwischen Neurose und Psychose, der Übersetzer] und emotionalen Problemen. Unerwartet änderte er plötzlich sein Testament und überließ das meiste seines Besitzes im Wert von 338.000 Dollar der Wachtturm-Gesellschaft statt seiner Familie. Der Mann war kein Zeuge und hatte sich, als er lebte, unzufrieden über die Wachtturm-Gesellschaft geäußert. Die Familie behauptete, er habe sein Geld der Wachtturm-Gesellschaft überlassen, weil sie ihn überredet hätte, wenn er es nicht täte, könne er sein ewiges Leben verlieren (Caughey, 1991). Die Jury stimmte dem Anspruch der Familie zu, machte das Testament rückgängig und sprach das Geld wieder der Familie zu.

Die Zeugen Jehovas wollten ihn nicht als Mitglied haben, weil er mit seinem Verhalten Wachtturm-Regeln verletzte, und sie begriffen, dass er nicht das Bild herüberbringen würde, das der Wachtturm der Öffentlichkeit zu bieten versucht. Wenn sie aufrichtig versucht hätten, ihm als Mensch zu helfen, hätte sich die Familie angeblich weniger Sorgen darüber gemacht, dass er sein Geld dem Wachtturm überlassen hatte. Kurz gesagt, sie waren wütend und fühlten sich von der Wachtturm-Gesellschaft ausgenutzt. Ein Sachverständiger wurde in dem Fall damit beauftragt, die Lehre von der „theokratischen Kriegslist“ darzulegen. Er erklärte, dass der Wachtturm entgegen dem Erfordernis, vor Gericht „die ganze Wahrheit und nichts als die Wahrheit“ zu sagen, lehre, es sei richtig, die Wahrheit vor denen zurückzuhalten, von denen er glaubte, sie hätten kein Recht darauf, insbesondere vor denen, die zu Satans System der Dinge gehörten, was alle Wachtturm-Gegner, alle Kirchen und die weltlichen Regierungen einschließlich des Justizwesens meint.

Diese Information wurde vor Gericht vorgetragen, um der Jury die Beweggründe des Wachtturm-Anwaltes und anderer verstehen zu helfen, die Mr. Duesler angeblich beeinflusst hatten, sein Testament zu ändern. Die Sorge der Familie war, dass Mr. Duesler mit unangemessenen Mitteln gezwungen wurde, sein Testament zu ändern. Sorge über die Änderung eines Testamentes, nachdem eine einsame und ältere Person mit dem Wachtturm Bekanntschaft macht, ist kein ungewöhnliches Ereignis.

Das Berufungsgericht entschied über „die Frage der Zulässigkeit von Beweisen der religiösen Überzeugungen oder Meinungen eines Zeugen“, dass „keine Analyse notwendig ist; das Beweismittel ist nach Vorschrift 610 [der Zivilprozessordnung] nicht zulässig“. Die Vorschrift lautet: „Beweismittel zu den Überzeugungen oder Meinungen eines Zeugen in Sachen Religion sind nicht zulässig, wenn damit gezeigt werden soll, dass aufgrund ihres Wesens seine Glaubwürdigkeit beeinträchtigt oder gesteigert wird.“ Bei der Zeugenaussage ging es aber tatsächlich nicht um „Überzeugungen oder Meinungen“ eines Zeugen vor Gericht, sondern um die offizielle Lehre einer Religionsgemeinschaft. Der Ohio Supreme Court sagte, bei dem Prozess habe der Kläger einem Sachverständigen ein Urteil „bezüglich der Überzeugungen und Praktiken der Zeugen Jehovas“ entlockt, und dass die Sachverständigenaussage auf Seiten des Klägers „bezeuge, dass die Kirche eine Praktik benutze, die er ‚theokratischen Krieg’ nannte. Diese Praxis beinhalte angeblich die Vorschrift einer Kirche, die Mitglieder zu ermuntern, einen Meineid zu leisten, um die Kirche und ihre Anhänger zu schützen.“ (Kursiv von mir). Das Gericht kam auch zu dem Schluss, vieles in dem Fall des Klägers drehe sich um das „Gutachten [des Sachverständigen] in bezug auf theokratische Kriegsführung und seine Behauptungen, Jehovas Zeugen würden lügen, um die Versammlung zu schützen.“ (Redman gegen Watchtower, supra, Seite 100, 69 Ohio St. 3., Seiten 98, 100-101, Kursiv von mir).

Das Gericht behauptete auch, das „meiste an dem Fall des Klägers sei von der Verteidigung bestritten worden. Kobil habe ausgesagt, er sei Mitglied der Zeugen Jehovas, aber das Lügen unter Eid sei kein Grundsatz ihrer Lehren. Kobils Aussage sei von John Schabow untermauert worden, einem Ältesten in einer Ortsversammlung der Zeugen Jehovas“. Viele dieser Behauptungen sind falsch. So stritt Kobil beispielsweise die Existenz der Lehre nicht ab, sondern nur Besonderheiten ihrer Anwendung.

Tatsache ist: John Schabow sagte aus, er habe die Zeugen Jehovas 1944 kennen gelernt und sei Ältester in einer Ortsversammlung (Aussage Schabow, Seite 750). Als er gefragt wurde, ob er „vor diesem Fall je von einer Lehre der theokratischen Kriegsführung gehört“ habe, umging er die Frage und antwortete: „Ich weiß nicht, worauf sich das bezieht. Das ist nichts, was wir in der Versammlung lehren oder studieren.“ Das ist eine direkte Lüge, wie die nächste Frage zeigt: „Erscheint sie [die Lehre von der theokratischen Kriegsführung] regelmäßig in ihren Schriften?“ Doch hier geht es darum, ob diese Lehre verbreitet wird, nicht, ob sie „regelmäßig“ erscheint. Die Antwort „Nein“ auf die Frage: „Erscheint die Lehre in ihren Schriften“ wäre eine Lüge. Nachdem Schabow abstritt, dass sie regelmäßig erscheint, sagte er, die Zeitschrift „Wachtturm“ „wird kostenlos an die Öffentlichkeit der ganzen Welt verteilt, und jeder würde so etwas sehen. Ich kann diese [Lehre] in den Zeitschriften ‚Wachtturm’ nicht sehen.“

Diese Behauptung stimmt nicht. Der Begriff „theokratische Kriegsführung“ wurde von der Wachtturm-Gesellschaft selbst geprägt und wird regelmäßig von ihr benutzt. Im Index der Wachtturm-Veröffentlichungen 1930-1985 verweist der Begriff „theokratische Kriegführung“ den Leser auf den Hauptpunkt, „Kriegführung, geistige“. Diese Wachtturm-Lehre, so zeigen das offizielle Wachtturm-Lexikon Einsichten über die Heilige Schrift, (1988) plus viele Artikel im Watchtower, darunter vom 1. Juni 1960, Seite 351; 1. Mai 1957, Seite 284; 1. Februar 1956, Seite 78; und 15. Juni 1991, Seite 31, und viele weitere Quellen, ist offizielles Dogma. Wer die Existenz dieser Lehre abstreitet, liefert damit selbst den besten Beweis für ihr Bestehen. Dann umging Mr. Schabow auf die Frage, ob es gerechtfertigt sei, wenn jemand unter bestimmten Umständen nicht die Wahrheit sage, wiederum die Frage und behauptete statt dessen: „Bei uns wird es hoch geachtet, die Wahrheit zu sagen“, was, gemessen an seiner eigenen Aussage, falsch ist (Aussage Schabow, Seiten 762-763).

Walter Kobil war Anwalt in Toledo und behauptete, er habe zur Zeit des Falles schon 35 Jahre die Juristerei praktiziert; gemäß den Aufzeichnungen des Gerichtes war er schon seit 60 Jahren Zeuge. Als Antwort auf die Frage: „Hatten Sie in Ihren 60 Jahren als Zeuge Jehovas schon zuvor von dieser Lehre [der theokratischen Kriegslist] gehört?“ behauptete er: „Nein.“ Mr. Kobil wurde dann gefragt: „Wird sie gepredigt? Wird sie ausgiebig in Ihrer Literatur erörtert?“ (Man beachte wiederum den Gebrauch des Wortes ausgiebig) Als Antwort sagte Kobil: „Nein, das wird sie nicht.“ Darauf fragte man Kobil, ob er „in den zwei Tagen seit der Zeugenaussage zu dieser Lehre über das Thema nachgeforscht“ habe. Kobil antwortete:

Ja … Ich war neugierig, worüber er geredet hat, so habe ich ausgiebig nachgeforscht und habe eine Frage von Lesern im Watchtower vom 1. Juni 1960 gefunden; das ist 30 Jahre her und … diese zwei Worte erscheinen zusammen, theokratische Kriegsführung und … die Frage war: Wenn man vor Gericht eine Aussage macht oder mit Beamten zu tun hat, muss man dann immer die Wahrheit sagen? Und die … Antwort war, dass wir immer die Wahrheit sagen müssen. Die einzige Abweichung … vor Gericht oder wenn man mit Beamten zu tun hat … war, wenn das Leben von jemandem in unserer Kirche in Gefahr ist, dann würden wir es vermeiden, die ganze Wahrheit zu sagen ... So ging es in dem Artikel um das Leben unter einer totalitären Regierung, und es hatte nur damit zu tun, Leben zu retten ... Wir glauben, dass wir die Wahrheit sagen müssen, und hier ging es nur darum, dass wir nicht die Wahrheit zu sagen brauchen, wenn jemandes Leben in Gefahr ist (Seiten 823-825).

In Wirklichkeit sagt der Artikel nichts darüber, dass Leben gerettet werden müssen oder dass die theokratische Kriegsführung nur unter totalitären Regierungen vorzunehmen sei. Es geht, wie der Artikel klarmacht, um alle Regierungen. Mr. Kobil bestritt nicht die Existenz der Lehre, nur die Einzelheiten, wann es richtig ist, sie anzuwenden. Das ist etwas ganz Anderes, als wenn man sagt, es gebe diese Lehre nicht, wie das Gericht schlussfolgerte. Überdies schloss der Anwalt der Beklagten, Richard Kobil, dass die Kläger „die Existenz der umstrittenen Lehre der Kirche von der [theokratischen] Kriegsführung nicht leugnen“ (Antwortschriftsatz des Berufungsklägers, Seite 2; Kursiv von mir).

Im Schlussplädoyer räumte der Anwalt des Klägers ein, dass es die Lehre von der theokratischen Kriegsführung gebe, aber er argumentierte, die Jury sollte zu dem Schluss kommen, dass sie auf Kobils oder Sabows Zeugenaussage in dem Fall keine Anwendung fände (R. T. Seiten 1037-1038). Warum sie nicht Anwendung finden sollte, wurde nicht belegt. Im Schlussplädoyer argumentierte Kobil, die Lehre meine, dass Zeugen Jehovas nicht „ihre Freunde verpetzen“ müssten (R.T. Seiten 1037-1038), und das bedeute, man müsse vor Gericht nicht „die ganze Wahrheit“ sagen, im Gegensatz zu der Vereidigung vor Gericht, dass man „die ganze Wahrheit“ sagen müsse. Mit anderen Worten, es ist richtig, vor Gericht zu lügen, (wie das Gericht das Lügen definiert), um seine Freunde zu verteidigen. Überdies sagte der Kläger:

Mr. Kobil ist sein ganzes Leben lang Zeuge Jehovas gewesen [und hat] nie von der Lehre gehört, und das hat auch Schabow nicht, aber als Kobil nachsuchte, fanden sie, wenn man eine Aussage machen und seine Freunde verpetzen soll, dann braucht man das unter bestimmten Umständen nicht, wenn zum Beispiel ein Leben in Gefahr ist. Ist das so etwas Schreckliches? Würden Sie nicht dasselbe tun? (Kursiv von mir) R.T. Seiten 1037-1038.

Nach dieser schrecklichen Aussage auf Seite 14 des von Kobil verfassten Memorandums des Berufungsklägers, geschrieben als Entgegnung auf das Memorandum des (erstinstanzlichen) Klägers zur Bekräftigung der Rechtsprechung sagte Kobil, der Sachverständige habe behauptet, „dass Jehovas Zeugen gelehrt werden, die Wahrheit zurückzuhalten, und dass sie deshalb weniger glaubwürdig“ seien. Natürlich lehrt der Wachtturm genau dies, und doch sagte Kobil weiter: „Der Berufungskläger nimmt Anstoß“ ... an der Aussage des Sachverständigen des erstinstanzlichen Klägers „bezüglich der Vorstellung von einer theokratischen Kriegsführung“ (Seite 29). Überdies wurde in der Urteilsbegründung des Berufungsgerichts ausgeführt, dass der Sachverständige ...

… trotz Einspruchs auch eine Aussage über die angebliche Lehre von der theokratischen Kriegsführung machen konnte. Gemäß dem [Sachverständigengutachten] ... sei die Kirche Anhängerin des Isolationismus. Dieser Glaube wird von vielen Kirchenmitgliedern geteilt, dass nämlich ihre eigene Kirche von Gott mehr begünstigt wird als andere. Doch [der Sachverständige] ... sagte aus, dass die angebliche Lehre der Zeugen Jehovas darin weitergehe, dass die Kirche in einer „theokratischen Dienstschule“ angeblich ihre Mitglieder lehre, weil die Kirche von Gott begünstigt werde, dürften sie Nichtgläubige vor Gericht anlügen, um die Kirche zu schützen (Eintragung beschlossen am 14. August 1992, Seite A15, Kursiv von mir).

Mit diesem Urteil unterstellte das Gericht, dass es die Lehre nicht gibt. Dass die Wachtturm-Gesellschaft die Lehre schriftlich verbreitet, wie es durch die obige Erörterung belegt wurde, wurde von Kobil eingeräumt (T Seiten 1037-1038), was beweist, dass die Behauptung, es gebe diese Lehre nicht, falsch ist. Und doch kam das Berufungsgericht in seinem Urteil zu dem Schluss, die Zulassung der Aussage „in bezug auf die angebliche Lehre von der theokratischen Kriegsführung“ erfordere ein neues Gerichtsverfahren (Seite A19, Kursiv von mir). Die besondere Aussage, um die es sich dreht und die nahezu Wort für Wort die offizielle Wachtturm-Lehre war, war, dass Jehovas Zeugen sich „mehr als Fremde oder zeitweilig Ansässige in diesem Land“ ansehen, und dass Nichtzeugen ...

… als böse betrachtet werden, zumindest so lange sie keine Zeugen Jehovas sind. Daher glauben sie, sie stehen mit den Menschen in diesem Lande und in jedem Lande im Kriegszustand, und Teil der Strategie in einer Kriegssituation ist es, wenn jemand dich in den Zeugenstand bringt oder dir Fragen stellt, und die ehrliche Beantwortung der Frage würde der Wachtturm-Gesellschaft Schaden zufügen, ... dann hat die Wachtturm-Gesellschaft für diesen Fall die ausdrückliche Vorschrift erlassen, wenn das, was du sagst, in irgendeiner Weise die Wachtturm-Gesellschaft schädigt, dann musst du, wie sie sagen, die Wahrheit zurückhalten. Du darfst jemandem, der es in ihren Worten „nicht verdient, die Wahrheit zu kennen oder kennen zu lernen“, nicht die Wahrheit sagen (R.T. Seite 412).

Um dies zu erläutern, sagte der Zeuge als Antwort auf die Frage, wie diese Lehre vor Gericht Anwendung finde, aus:

Wenn einem im Gerichtssaal eine Frage gestellt wird, die die Wachtturm-Gesellschaft belasten oder schädigen könnte, muss man, mit ihren Worten, die Wahrheit zurückhalten. Man darf keine Information offenbaren, die die Wachtturm-Gesellschaft schädigen könnte. Man muss alles tun, um die Wachtturm-Gesellschaft zu schützen, und da man unter Eid steht, soll man natürlich die ganze Wahrheit und nichts als die Wahrheit sagen. Nach dieser Definition hieße das, man müsste lügen (R.T. Seiten 413-414, Kursiv von mir).

Die Wachtturm-Lehre (der alle Zeugen Jehovas unter Androhung des Gemeinschaftsentzuges folgen müssen) wurde ausgearbeitet für Situationen, in denen jemand das Recht hat, die Wahrheit zu kennen. So müsse man sich den Wachtturm-Ältesten oder einem voraussichtlichen Ehepartner ganz offenbaren. Der Wachtturm beachtet eine Ausnahme davon, sich ganz zu offenbaren ...

… und die ein Christ immer im Sinn behalten müsse. Als Soldat Christi befinde er sich in einem theokratischen Krieg und müsse zusätzliche Vorsicht walten lassen, wenn er es mit Gottes Feinden zu tun habe. So zeige die Bibel, dass es für den Zweck des Schutzes der Interessen Gottes richtig sei, die Wahrheit vor Gottes Feinden zu verbergen. (Watchtower, 1. Januar 1960, Kursiv von mir)

Überdies fügt der Artikel hinzu, vor Gericht, „wenn man vor der Alternative stehe, zu reden und seine Brüder zu verraten oder nicht zu reden und wegen Missachtung des Gerichts verantwortlich gemacht zu werden“, werde ... [ein Wachtturm-Anhänger] das Wohl seiner Brüder über sein eigenes stellen ... (Watchtower, 1. Januar 1960, Kursiv von mir). Der Wachtturm definiert Lügen als „Unwahrheiten, die aus selbstsüchtigen Gründen verbreitet werden und die anderen Schaden zufügen“ (Watchtower, 1. Mai 1957). Der Artikel sagt nichts über Situationen auf Leben und Tod, es wird vielmehr davon gesprochen, „seine Brüder [zu] verraten“. Die Geschichte zeigt auch, dass diese Lehre in einer Anzahl wichtiger Situationen nicht in Nazideutschland angewandt wurde.

Der Sachverständige war vor Gericht im Besitz von Exemplaren dieser Wachtturm-Veröffentlichungen und paraphrasierte eine davon. Sie zeigen, dass sowohl Kobil als auch Schabow nach der Definition des Gerichts logen: „Die ganze Wahrheit und nichts als die Wahrheit und Worte mit der Absicht gebrauchen zu täuschen“ (Lewis und Saarni, 1993, Seite 156). Lügen beinhaltet den Gebrauch von Worten, um „ein Gespräch zu verwirren“ und damit andere zu seinem eigenen Vorteil zu „manipulieren“. (Wolk und Henley 1970, Seiten 90-94, 232). Das Erfordernis, die ganze Wahrheit und nichts als die Wahrheit zu sagen, soll, historisch gesehen, dem Problem eines Zeugen vorbeugen, der zum Beispiel behauptet, er habe ehrlich gesagt, dass er seinen Arbeitgeber „nicht bestohlen“ habe, wenn er dabei im Hinterkopf hat, er habe ihn gestern „nicht bestohlen“, aber bei Zuhörern den Eindruck erweckt, er habe ihn nie bestohlen, weil das Wort „gestern“ nicht gesagt wird, und die ganze Wahrheit doch ist, dass er seinen Arbeitgeber in der Vergangenheit bestohlen hat (Bok 1978, Seite 36).

Eine Betrachtung des Hintergrundes der Gesetzesvorschrift Nr. 610 zeigt, dass sie in keinem Zusammenhang zu diesem Fall steht. Die Vorschrift bezieht sich historisch gesehen zum Beispiel darauf, den Glauben, dass jemand von einer Krankheit geheilt wurde, zu benutzen, sich über den persönlichen Glauben eines Zeugen vor Gericht auf Gebieten lustig zu machen, die nichts mit dem Fall zu tun haben, oder die Überzeugungen eines Atheisten zu gebrauchen, die Glaubwürdigkeit eines Zeugen vor Gericht in Zweifel zu ziehen, der zufällig diese Überzeugungen teilt (Ratcliffe, 1941). Aber bei der Zeugenaussage in diesem Fall ging es nicht um einen Glauben oder eine Meinung, sondern um eine Lehre, die in offiziellen Wachtturm-Publikationen verbreitet wird und die jeder annehmen und ausführen muss, wenn er nicht von der Kirche abgeschnitten werden will (Franz 1983). Beachtenswert ist die Tatsache, dass Mr. Kobil sich in seinem Schriftsatz über Emma Kriston, eine Zeugin der Kläger, lustig machte und sagte, ihre Zeugenaussage sei schon „fast unglaubwürdig“, weil sie behauptete, ihr „seit 45 Jahren bestehendes Emphysem sei durch die Bitte eines Gebetes an die Radiostation Schwingen des Hörens [sic Heilens] geheilt worden“ (Aussage Kobil, Seiten 23-24). Dann sagte Kobil noch, ihre Aussage sei „so weit hergeholt, dass sie nicht einmal den Grundanforderungen an eine vernünftige, glaubwürdige Aussage genüge“. Heute glauben Millionen von Menschen, dass der Glaube heilen kann, und diese Art von Angriff scheint genau das zu sein, was Vorschrift 610 verhindern soll (Ratcliffe, 1941).

Ein Gesetz des Bundesstaates Utah und das Urteil eines New Yorker Gerichts bestimmten, dass Personen aufgrund ihrer religiösen Meinungen nicht von einer Zeugenaussage ausgeschlossen werden dürfen, aber diese können benutzt werden, um die Glaubwürdigkeit eines Zeugen anzuzweifeln (Ratcliffe, 1941, Seiten 336-337). Obwohl im Fall Stanbro gegen Hopkins (28 Barb (N.Y.) 265 (1859)) das Gericht entschied, dass Fragen zur Religion gestellt werden dürfen, um den Charakter und die Aufrichtigkeit eines Zeugen einschätzen zu helfen, haben Gerichte in neuerer Zeit gewöhnlich die Meinung vertreten, dass religiöser Glaube oder Nichtglaube nicht als Teil des Kreuzverhörs benutzt werden darf, um die Glaubwürdigkeit eines Zeugen in Frage zu stellen (Ratcliffe, 1941; Chadbourn, 1930). Ein Grund, der oft für diese Regelung gegeben wird: Theologische Orthodoxie darf nicht als Wahrheitsprüfung benutzt werden, und wenn ein Zeuge andere Ansichten vertritt als die Jury, könnte diese Art von Fragestellung sie veranlassen, den Wert der Zeugenaussage zu schmälern. Die Quelle dieser Vorschrift ist der früher einmal übliche Glaube, nur die Furcht vor übernatürlicher Bestrafung könne einen Zeugen veranlassen, treu zu seinem Eid zu stehen (Ratcliffe, 1941, Seite 339). Aus diesem Grund ist diese Art der Fragestellung, die zeigt, ob ein Zeuge Atheist ist oder einer anderen Religion angehört, verboten (Malek gegen Federal Ins. Co. 994 F.2d 49 (2. Bezirk 1993). In diesem Fall war die Religion von Kobil und Schabow ein wichtiger Teil des Prozesses, der in dem Prozess aufzuwerfen war.

Das Gericht unterstellte auch, dass einer der Zeugen-Jehovas-Ältesten, der in diesem Fall eine Zeugenaussage machte, gesagt habe, der Wachtturm lehre nicht die Doktrin von der theokratischen Kriegsführung. Wenn das stimmt, dann hat der Älteste offensichtlich die Lehre benutzt, um den Wachtturm zu verteidigen, was sowohl die Existenz der Lehre als auch das Ausmaß ihrer Verwendung bestätigt. Tatsächlich bestritt der Älteste diese Lehre vor Gericht nicht, aber er behauptete, sie werde bei den heutigen Gerichtsfällen in Amerika nicht mehr angewandt. Der andere Älteste war ausweichend und behauptete, was höchst unwahrscheinlich war, er sei nicht mit dieser Lehre vertraut, obwohl er seit einem halben Jahrhundert ein aktiver Zeuge war.

Wie bemerkt, lehrt der Wachtturm in gedruckter Form, es sei richtig, Informationen vor Personen zurückzuhalten, von denen er glaubt, sie hätten kein Recht darauf, wenn dieses Wissen den Wachtturm-Interessen schaden könnte. Damit wird direkt der Eid vor Gericht gebrochen, der fordert, dass man „die ganze Wahrheit und nichts als die Wahrheit“ sagt. Die Glaubenssätze des Wachtturms waren in diesem Fall entscheidend, und es hat keinen Zweck, in dieser Art von Fällen Prozesse zu führen, wenn sich nicht die Auswirkungen des Glaubens an die theokratische Kriegsführung einschätzen lassen. Wenn jemand nach dieser Lehre gefragt wird, ist es überdies richtig, die Wahrheit zu sagen, so wie der Eid das fordert. Das Gericht entschied, entweder müsse ein Zeuge in bezug auf das Bestehen dieser Lehre lügen, oder die Wahrheit müsste vom Gericht zensiert werden.

Hätte das Gericht in Frage gestellt, ob der Wachtturm die Doktrin von der theokratischen Kriegsführung lehre (beide Parteien in dem Fall gaben zu, dass es sie gibt, also ist das kein Thema), hätte der Fall an die Erstinstanz zurückverwiesen werden können. Das Gericht nahm offensichtlich an,