Berufung
gegen Gemeinschaftsentzug
von Watch Tower Bible
and Tract Society am 24. November 2000
Liebe
Brüder,
das
Rechtskomitee der Versammlung S......... / Y......-L.....-B.... hat
mir am 20 November 2000 telefonisch mitgeteilt, es sei verpflichtet
mich auszuschließen. Ich lege hiermit gegen diesen Beschluß
Berufung ein.
Grunde:
Die Ältesten hielten mir vor, man habe mich mit der
ausgeschlossenen ehemaligen Schwester M... ... aus S........sprechen
sehen, und man verlangte, dies künftig gemäß den Anweisungen zu
unterlassen; ich müsse diese Frau wie nicht existent behandeln.
M.....
... wohnt im gleichen Haus mit mir, in der Wohnung direkt unter mir;
wir sind die beiden einzig Mietparteien, was schon ersichtlich
macht, daß es manchmal Dinge notwendig zu besprechen gibt, ähnlich
wie wenn zwei Personen am gleichen Arbeitsplatz tätig sind. Darüber
hinaus kennen wir uns seit vielen Jahren und sind befreundet. Ich
weiß, daß Ihr Gemeinschaftsentzug auf einer falschen Beschuldigung
beruht. Aus diesem Grund konnte und kann ich es vor meinem Gewissen
nicht verantworten, sie wie eine Schuldige zu verurteilen, gar wie
eine Antichristin zu behandeln. Wohlgemerkt; ich stelle nicht die
biblische Einrichtung und Verfahrensweise des Gemeinschaftsentzuges
in Frage. Es handelt sich hier um den konkreten Fall dieser
Schwester, was ja auch die Anklage war, um nichts anderes.
Auch
die Ältesten wissen inzwischen, daß die Anklage gegen
M.......falsch war. Doch sie sagten, auch wenn sie das nicht getan
hat, wessen man sie beschuldigte, so hat sie dann doch bei der
Verhandlung nicht die Wahrheit gesagt, und der Gemeinschaftsentzug
ist dann eben für die Unwahrheit, für Lüge`. Man zitierte mir
Offenbarung 21:8 und den Fall von Ananias und Sapphira. Das
erscheint mir so, wie wenn ein Richter der Welt sagen werde, der
Mensch ist wegen schweren Raubes verurteilt; nun stellt sich heraus,
daß er an der Tat unschuldig ist; aber er hat, wie mir jetzt
bekannt wurde, irgend wann einmal eine Sachbeschädigung verursacht.
Darum übertragen wir einfach das Urteil ! ` Nicht einmal im
satanischen Weltsystem - um es mit dem Wortlaut unserer Veröffentlichungen
auszudrücken - wäre das möglich; selbst dort erwarten die Brüder,
wenn sie die Gerichte anrufen, doch Gerechtigkeit; sollte unsere
theokratische Gerechtigkeit geringer und schlechter sein ? Und
sollte jemand, der von einem ungerechten Urteil weiß, dann zu einem
lieblosen und ungerechten Verhalten gegen sein eigenes Gewissen
aufgefordert, genötigt oder gar unter Androhung von Sanktionen
gezwungen werden ? (Der Wachtturm 15.7.1997 S. 13 § 21)
Ich
dachte immer, daß die Gesellschaft die Ältesten in ihren
Informationen angewiesen hat, bei der Behandlung von Unwahrheiten
oder Lügen gutes Urteilsvermögen, Ausgeglichenheit und Vernünftigkeit
walten zu lassen, besonders wenn der Betroffene psychischem Druck
oder Streß
-
ausgesetzt war oder er Menschenfurcht hatte, und wenn sich.
jemand nicht schamloses und böswilliges Lügen zur Gewohnheit
gemacht hat. Man sollte diejenigen vielmehr mit liebevoller
biblischer Ermahnung wieder zurecht bringen und nicht einfach ein
falsches Urteil auf eines völlig anderen Sachverhalt übertragen,
weil man sich vielleicht davor fürchtet, ein Unrecht eingestehen zu
müssen. Aber ein anderes Unrecht hebt das frühere nicht auf.
Ein weiterer Punkt ungerechten Verhaltens seitens der
Ältesten muß ich hier leider erwähnen. Man erlaubte mir,
M......... als Zeugin. zur Verhandlung mitzubringen; aber während
mehr als einer Stunde, in der die Ältesten mit ihr sprachen, wurde
ich aus denn Raum verwiesen. Vor welchem Gericht jedoch wird der
Angeklagte aus dem Raum gewiesen, wenn sein eigener Zeuge gehört
wird ? Es war meine Verhandlung, nicht die vorn M......! ist das
gerecht oder Machtmißbrauch ? Danach sagte man mir unter anderem,
man könne einen (ungerechtfertigten) Gemeinschaftsentzug nicht
aufheben, denn welchen Eindruck würde das bei den Brüdern und
Schwestern in der Versammlung machen! Aber hat nicht der Wachtturm
vorn 15.9.1996 gezeigt, daß man Vertrauen gewinnt, wenn man sich
entschuldigt, und dazu gehört doch sicher auch das Berichtigen von
Irrtümern oder Unrecht, wie ja auch der Wachtturm vom 15.11.1993
sagt, Niemand macht den Ältesten Vorwürfe, denn sie waren damals
bei ihrer Entscheidung im guten Glauben, aber jetzt wissen sie, daß
diese Entscheidung - ohne ihr Verschulden - falsch war da M.....
nicht getan hat was unter 1 Kor. 5 uni 2 Joh. 10.11 fallen würde.
Sollte man diese deshalb nicht doch in Ordnung bringen, statt am
Unrecht festzuhalten wegen, ihres , Ansehens ´ ?.
Man verwies mich wiederholt auf Matt. 18:15-17. Mir
ist nicht bekannt, daß ich gegen jemanden im Sinne von Matt- 18 gesündigt
hätte- Falls man nur den Vers 17 gemeint haben sollte, aus dem
Zusammenhang heraus, nur um die Verhaltensweise gegen ,Fremde und
Steuereinnehmer` zu erläutern, so bin ich gern bereit, diese Worte
Jesu zu beachten. Und hat Jesus den Jüngern nicht selbst vorgelebt,
wie er seine Worte verstand ? Er erfüllte das Gesetz Jehovas
vollkommen, also auch die Worte in 5. Mose 10:18-19. Oder wollten
die Brüder mir sagen, er habe seinen Jüngern die Nachahmung des
hartherzigen und unbiblischen Beispiels der Pharisäer empfohlen und
nicht die Beachtung des Gesetzes und seines eigenen Beispiels ?
Man stellte mich vor die Wahl, zu gehorchen oder die
Konsequenzen zu tragen. Aber kann mich jemand zwingen, gegen mein
Gewissen zu handeln, was ja Sünde ist ( Röm. 14:23). Der Einwand,
ein Gewissen könne sogar gewissen Verhaltensweisen zustimmen wie
zum Beispiel, wenn Menschen aus der Welt finden, daß ein Leben in,
wilder Ehe völlig normal sei, halte ich für geschmacklos, ja für
widerwärtig, wenn man dies einer Schwester sagt, die sich wirklich
bemüht hat und bemüht, nach Gottes Wort zu leben. Kann man von mir
verlangen, etwas zu tun, was ich als Unrecht erkenne ? Sind Älteste
Herren meines Glaubens (2 Kor. 1:24) ? Wenn Älteste (unbewußt und
deshalb auch unfreiwillig ) ein Unrecht getan haben, sollten sie es
dann nicht von sich aus in Ordnung bringen statt zu verlangen, das
Unrecht um der Einheit willen mit zu tragen ?
Und kann man mir vorwerfen, der Organisation nicht
unterwürfig zu sein oder zu gehorchen ? Wo hat die Organisation je
verlangt, eine bekanntermaßen falsche Entscheidung der Ältesten
gegen das eigene Gewissen zu vertreten ? Die Brüder in Frankreich
haben gerade jetzt in ihrem Traktat ,Welches Komplott wird in
Frankreich geschmiedet ?, den sie in 12 Millionen Exemplaren
verteilten, deutlich gesagt, daß ,sie die Gewissensfreiheit sehr
hoch haken'- Das ist doch wohl die Meinung der Organisation, oder ?
Denken hier die Ältester nicht auch so ? Wollen sie mich zu einer,
Abtrünnigen` machen, nur um an ihrem Unrecht festzuhalten ?
Ich habe in den Jahren der Gemeinschaft mit den Brüdern
- sowohl als Pionierin wie als
Verkündigerin - die Bruderschaft schätzen und
lieben gelernt, und ich würde sie jederzeit gegen Unrecht und
falsche Anklagen verteidigen, aber ich habe auch gelernt, daß wir
vor unserem Schöpfer Jehova eine persönliche Verantwortung tragen
( Röm. 14:12; 2, Kor- 5:10).
Ich habe nichts getan, was ich vor Jehova und seinem
Sohn, dem Richter aller, nicht bekennen, würde, nichts, was nach
meiner Erkenntnis einen Gemeinschaftsentzug verdienen würde. Und
ich kann vor Jehova nicht gegen mein Gewissen handeln.
Zusammenfassend
stelle ich fest, daß die Ältesten mich keiner Sünde anhand der
Bibel überführt haben. Der Eindruck verstärkt sich, daß ich
gerichtet und verurteilt werde aufgrund von Regeln und Anweisungen
zu denen nur Älteste Zugang haben und der Wachtturm vom 15,1.1994
S. 17 und 20 verstärkt mich noch in meinem Unbehagen. Darin war über
die Anweisungen die Älteste als gerechte Richter anwenden sollten,
folgendes zu lesen: ,Älteste müssen die Bibel regelmäßig
studieren und zu Rate ziehen sowie mit den biblischen Publikationen
gründlich vertraut sein, die der treue und verständige Sklave veröffentlicht
(2. Timotheus 3:14, 15). Dazu gehören die Zeitschriften Der
Wachtturm und Erwachet! sowie andere Veröffentlichungen, die die
Anwendung biblischer Grundsätze in speziellen Situationen zeigen.`
Eine dieser Veröffentlichungen wird dann in einer Fußnote wie
folgt beschrieben: ,Zu diesen Veröffentlichungen gehört das Buch
„Gebt acht auf euch selbst und auf die ganze Herde'«, das
biblische Richtlinien enthält und für ernannte
Versammlungsaufseher oder Älteste bestimmt ist.` Welche andere Veröffentlichungen
gibt es noch ? Ich glaube zu wissen daß die Israeliten nur ein
Gesetz hatten, sowohl für die Richter wie für die Angeklagten.
Abschließend möchte ich noch sagen, daß ich nie den Eindruck
hatte, daß meine Verhandlung im Geiste des Wachtturms vom 1.7.1992
S.15-16 verlief. Auszugsweise war zu lesen:,
Mit
ehrerbietiger Furcht müssen Älteste, die einen Rechtsfall
behandeln, ihr Äußerstes tun, um sicherzugehen, daß Jehova tatsächlich
`mit ihnen ist in der Sache des Gerichts'- Ihre Entscheidung sollte
genau widerspiegeln, wie Jehova und Christus den Fall betrachten...
Die Atmosphäre bei einer Verhandlung vor dem Rechtskomitee sollte
zeigen, daß Christus tatsächlich in ihrer Mitte ist.' Zu keiner
Zeit verspürte ich diese Gegenwart Christi, noch daß man bestrebt
gewesen wäre, ein Schaf mit den Worten zu retten, die ihm sein
Vater anvertraut hatte !
Für
all diese Gründe lege ich hiermit Berufung gegen den beabsichtigten
Gemeinschaftsentzug ein in der Hoffnung, gerechte Richter zu finden.
Dies
Schreiben wurde KIDS e.V. zur
Verfügung gestellt.