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Sektensplitter
von Günther
Ruhs
Was
ist überhaupt eine Sekte?
Günter Ruhs vom "Willicher Arbeitskreis
Sekten" berichtet über die Gefahren
Unter
dieser Rubrik werden in unregelmäßigen Abständen
einige Beiträge vom Vorsitzenden des "Willicher
Arbeitskreises Sekten", Günter Ruhs erscheinen.
Häufig
wird behauptet, daß sich das Wort Sekte aus dem
Lateinischen secare = trennen, abschneiden
ableitet. Dieses ist aber von der Wortforschung her
nicht korrekt. Der Begriff leitet sich vom lat. secta
(Schule, Lehre, Partei; Substantiv von sequi:
nachfolgen) ab. Selbst die ersten Christen wurden
von den Juden als Sekte bezeichnet, nachzulesen in
Apostelgeschichte 24, Vers 5 und 28, Vers 22.
Namen
sind Schall und Rauch. Es ist in erster Linie nicht
wichtig, sich mit Definitionen zu beschäftigen,
sondern Merkmale herauszustellen, die nach heutigem
Sprachgebrauch den Begriff Sekten umreißen. Von
staatlicher Seite, aber auch in der Literatur ist
bisher umfangreiches Informationsmaterial herausgegeben
worden, das die Merkmale einer Sekte kennzeichnet.
Generell
ist über eine sektiererische Gruppierung zu sagen, daß
organisatorisch jede Sekte streng hierarchisch
strukturiert ist. Die Führung sind nicht mehr die Verführten,
während die Basis einer Sekte, die Anhänger oder das
Fußvolk, zugleich Opfer und Täter sind. Der Führung
geht es nur darum, die Anhänger der unteren Hierarchie
dazu zu ermuntern, neue Anhänger anzuwerben, die
ebenfalls durch Spenden oder Verkauf von Büchern und
anderen Gegenständen dafür sorgen, daß der luxuriöse
Lebensunterhalt der Führung gesichert ist. Diese Anhänger
einer Sekte distanzieren sich zuweilen voller Stolz von
den übrigen Menschen. Sie zeigen ein anderes Verhalten
und weisen typische Merkmale auf. Im Folgenden sind die
Merkmale einer Sekte aus verschiedenen
Informationsquellen zusammengefasst und kommentiert:
-
Dem
zukünftigen Sektenmitglied eröffnet sich ein
vollkommen neues Weltbild, mit dem sich alles verblüffend
einfach erklären läßt.
-
Der
Neue, die Interessierte, steht im Mittelpunkt. Die
langjährigen Anhänger der Gruppe werden von den Führern
aufgefordert, sich besonders um den Neuen zu "kümmern".
Bei den Treffen und Zusammenkünften sind die
Insider besonders freundlich zu ihm (love bombing).
-
Die
Welt treibt auf eine Katastrophe zu. Endzeitsekten
berechnen oder sagen die Vernichtung der Welt
voraus. Durch Befolgen der Regeln der Gruppe können
die Anhänger errettet werden.
-
Die
Gruppe hat einen Führer, Meister, Vater, Guru oder
Vordenker. Diese Führung ist im Besitz der einzigen
Wahrheit und hat oft einen direkten Kanal zu Gott.
Die Verfechtung dieser einzigen Wahrheit geht bei
einigen Gruppen sogar soweit, daß wissenschaftliche
Erkenntnisse geleugnet werden oder Geschichtsdaten
zum Zwecke einer Endzeitberechnung verfälscht
werden.
-
Es
besteht ein Schwarz/Weiß-Denken, d.h. alles
innerhalb der Gruppe ist weiß bzw. gut, alles außerhalb
der Gruppe ist schwarz, weltlich, schlecht und des
Teufels.
-
Die
Gruppe grenzt sich von der übrigen Welt ab. Das
geschieht z.B. durch Kleidung, einer besonderen
Sprache, Ernährungsvorschriften, ein bestimmtes
Verhalten oder durch die Empfehlung, mit der Außenwelt
den Kontakt zu reduzieren oder zu meiden. Die
Freunde der Welt sondern sich von dem Sektenanhänger
ab, der Sektenanhänger gewinnt neue
"Freunde" in der Gruppe. An dieser Stelle
ist anzumerken, daß bei einem Ausstieg das
Sektenmitglied in ein tiefes seelisches Loch fällt.
Der alte Freundeskreis hat sich distanziert und muß
sich erst wieder neu formieren.
-
Die
Gruppe schützt sich durch Kritiklosigkeit, d.h. es
ist untersagt, sich kritisch mit den Lehren der
Gruppe auseinander zu setzen. Im einzelnen bedeutet
das, das man sich nicht mit kritischer Literatur
auseinandersetzen darf. Der Kontakt zu sogenannten
Abtrünnigen ist untersagt, denn über diese hat
bereits der Satan die Macht. Sollte das
Sektenmitglied von Zweifeln geplagt sein, kommen
diese Zweifel vom Teufel. Dagegen kann der einzelne,
je nach Gruppe etwas tun (gedankliche Abschottung,
Chanten).
-
Das
Sektenmitglied unterliegt einer totalen Kontrolle in
der Gruppe. Das drückt sich dadurch aus, daß das
Gruppenmitglied zeitlich völlig ausgelastet ist
durch Verkauf von Büchern und Traktaten,
Missionieren, Absolvieren von Kursen, Meditieren und
Besuch von Zusammenkünften. Auch wird von der Führung
darauf geachtet, daß beispielsweise bei Missionstätigkeiten
keiner allein auf die Außenwelt losgelassen wird.
Auch hier wird ganz bewußt eine gegenseitige
Kontrolle ausgeübt.
-
Die
Persönlichkeit des neuen Gruppenmitglieds wird im
Laufe der Zeit total verändert. Das neue
Gruppenmitglied nimmt die dogmatischen Gedanken als
seine eigenen an und ist auch der absoluten Überzeugung,
daß die indoktrinierten Gedanken seine eigenen
sind. Behauptungen wie: "Ich darf kritische
Literatur lesen, aber ich will es ja nicht",
sind die Regel. Die neue Persönlichkeitsstruktur
des indoktrinierten Anhängers wirkt sich auf alle
Lebensbereiche, selbst auf das Sexualverhalten aus.
Daß das bei einer "Mischpartnerschaft",
d.h. ein Partner gehört einer Sekte an und der
andere gehört zur Welt, Probleme nach sich zieht,
liegt auf der Hand. In der Regel endet eine solche
Partnerschaft mit einer Trennung oder Scheidung.
-
Kritik
von Außenstehenden und Herauslösungsversuche von
Verwandten und Freunden werden als Beweis gesehen,
daß die Gruppe recht hat. Der Sektenanhänger
bekommt das positive Gefühl eines Märtyrers.
-
Dieses
sind einige wichtige Merkmale und Anzeichen, bei
deren Vorliegen die rote Alarmlampe in Aktion treten
sollte. Sollte der Ehepartner, das Kind oder Freunde
von einer Gruppe schwärmen oder echte Überzeugungsarbeit
oder Missionsarbeit an Ihnen versuchen zu leisten,
ist höchste Vorsicht geboten in zweierlei Hinsicht:
Erstens sind Sie selbst gefährdet und rutschen
durch den Ihnen nahestehenden Missionierenden leicht
in diese einfache und einleuchtende Gedankenwelt ab,
zweitens kann nur mit viel Fingerspitzengefühl und
Einfühlungsvermögen der in eine Sekte Abgeglittene
wieder herausgeholt werden. Ich darf nur raten,
diese Herauslösung des Sektenmitglieds nicht auf
eigene Faust durchzuführen, sondern die Erfahrung
einer professionellen Sektenberatung
mit einzubeziehen. Ist man selbst Betroffener, sieht
man das Problem natürlich nur aus der eigenen
betroffenen Sicht und beachtet nicht, in welcher
Gedankenwelt (siehe die obigen Merkmale einer Sekte)
sich der Sektenanhänger bereits befindet.
Sind
Sekten familienschädigend?
In den
meisten christlichen Sondergruppen wird Harmonie in der
Familie propagiert mit dem Hinweis, daß die
Scheidungsquote der Anhänger in der jeweiligen
christlichen Gemeinschaft im Verhältnis zur
Scheidungsquote der „weltlichen Menschen“ sehr
gering ist. Daher ist die Antwort auf die gestellte
Frage der Familienschädlichkeit zunächst zu
verneinen. Wie schon in dem im Mai veröffentlichten
Artikel „Was ist überhaupt eine Sekte?“
dargestellt worden ist, sind die meisten Sekten streng
hierarchisch strukturiert. Bei den Zeugen Jehovas sieht
beispielsweise die hierarchische Struktur von oben nach
unten folgendermaßen aus: Jehova Gott - Direktorium
mit Präsident und Vizepräsident (Leitende Körperschaft)
- Zonenaufseher - Zweigaufseher - Bezirksaufseher -
Kreisaufseher - Stadtaufseher - Ortsversammlung - Älteste
- Mann - Frau.
Alle
Sekten haben hinsichtlich der Struktur folgende
Gemeinsamkeit: Das Denken und Handeln in der Familie
sind auf die Lehren der Sekte abgestimmt. Die
Manipulation verläuft entsprechend der
Hierarchiestruktur: Von oben nach unten. Die strenge Gläubigkeit
und Indoktrination macht es zwangsläufig den
Familienmitgliedern unmöglich, in grundlegenden
Lebensfragen (Erziehungsfragen, Partnerschaft, etc.)
unterschiedlicher Meinung zu sein. Alles ist
vorgegeben, denn die Glaubensdogmen werden gemäß der
Hierarchie von oben nach unten vermittelt, somit ist
eigentlich die Grundlage für eine ernsthafte
Meinungsverschiedenheit innerhalb der Familie entzogen.
Wie man sieht, ein gut funktionierendes System, daß
uns folgende Antwort auf die anfangs gestellte Frage
gibt:
SEKTEN
SIND NICHT FAMILIENSCHÄDIGEND.
Diese
Aussage trifft allerdings nur zu, wenn beide Ehepartner
Anhänger der entsprechenden Sekte sind. Besteht eine
Mischpartnerschaft. d.h. ein Partner ist Anhänger der
Sekte und der andere nicht, funktioniert das oben
beschriebene hierarchische System nicht mehr. Das von
oben nach unten weitergegebene Dogma erleidet in der
Familie einen Bruch, da der eine Partner die Hierarchie
der Sektenführung und damit das Dogma anerkennt und
der andere nicht. Da das Dogma über allem steht, kommt
es zwangsläufig zu Differenzen, die bei Ehepartnern
meistens zur Scheidung führen. Der nichtgläubige
Ehepartner wird gemäß den Sektenkriterien (siehe
Artikel vom Mai 98) ausgegrenzt. Der außerhalb der
Sekte stehende wird mit negativen Attributen versehen,
um ein Feindbild aufzubauen. Als sehr problematisch
stellt sich die Lage dar, wenn in einer Partnerschaft
Kinder existieren.
Es ist
somit abschließend festzustellen: Wenn beide Partner
Anhänger einer Sekte sind, sind Sekten nicht
familienschädigend. Im Gegenteil, eine Ehe ist
zumindest juristisch beständiger. Ob diese Ehe nach
den allgemeinen Vorstellungen der Gesellschaft
allerdings glücklicher und ausgefüllter ist, mag
jeder für sich selbst beantworten. Befindet sich aber
ein Ehepartner außerhalb der Sekte, stellen sich
Probleme in einer Partnerschaft auf vielen Ebenen ein.
Der Zerfall einer Partnerschaft ist vorprogrammiert.
Diese
Ausführungen sind keinesfalls theoretische Erwägungen,
sondern stützen sich leider auf zahlreiche Fälle aus
unserem Leben.
KINDER
GLAUBEN ALLES
Stadt
Willich: In diesem weiteren Bericht vom Geschäftsführer
des "Willicher Arbeitskreises Sekten" (WAS),
Günter Ruhs, geht es um den manipulativeb Einfluß der
Sekten auf Kinder. Am Weltkindertag am 20.September ist
auch der Willicher Arbeitskreis Sekten mit einem Stand
vertreten.
Kinder
glauben alles
Dieses ist das Motto, mit dem unser Willicher
Arbeitskreis Sekten e.V. zum Weltkindertag am 20.
September zeigen möchte, welchen schädlichen Einfluß
manipulierende Organisationen bzw. Sekten auf Kinder
haben. Bei der vieldiskutierten Problematik über
Sekten wird die Stellung der Kinder in Sekten meist
vergessen. Zwei Äußerungen von Kindern aus
unterschiedlichen Sekten, die am Weltkindertag veröffentlicht
werden, werden Sie wahrscheinlich in Erstaunen
versetzen oder auch erschüttern, was aus körperlich
gesunden Kindern durch Indoktrination gemacht wurde.
Beide Berichte wurden im sekteninternen
Informationsmaterial veröffentlicht. Im ersten Fall
schildert ein achtjähriger Junge einem Bezirksaufseher
der Zeugen Jehovas (siehe Hierarchieschilderung im
Willicher Extra-Tip vom 11. Juli 1998), welche Ziele er
innerhalb der Wachtturm-Organisation verfolgt, um das Königreichswerk
zu verkünden. Im zweiten Fall dankt ein 9jähriges Mädchen
dem 1959 verstorbenen Sektenführer Bruno Gröning in
einem Brief, daß Bruno ihr durch seine Heilswellen
ihren großen Zeh geheilt hat. Daneben erhalten Sie
Informationen über Literatur, die sich mit Kindern in
Sekten beschäftigt.
Zwei
Aspekte sind bei der Indoktrination der Kinder von
Bedeutung: Erstens sind Kinder aufgrund ihrer
Unbedarftheit und Naivität relativ kritiklos. Diese
geistige Barriere „Kritik“ braucht von den Sektenführern
nicht mehr abgebaut zu werden. Die Doktrin geht direkt
in die Vorstellungswelt des Kindes ein. Zweitens
bedeuten Kinder ein immenses Potential für die Sektenführung,
ihre Ziele zu verwirklichen. Die Praktiken der Gehirnwäsche
ist bei Kindern je nach Sekte sehr differenziert. In
der Sekte „Sant Thakar Singh“ müssen Kinder mit
verbundenen Augen und mit einer Wachsmasse verstopften
Ohren bis zu zwanzig Stunden meditieren, um Ton und
Licht in ihrem Kopf zu erfahren. Bei den Zeugen Jehovas
schreibt das Gewissen Kindern vor, mit ihren Eltern
regelmäßig von Haus zu Haus missionieren zu gehen.
Auch die regelmäßige Verinnerlichung des internen
Schrifttums bringt die Kinder dem Paradies auf Erden
einen Schritt näher. Die Angst vor Harmagedon
(Endschlacht, in dem alle Nichtgläubigen vernichtet
werden) und die Furcht, nicht ins Paradies auf Erden zu
kommen, hängt wie ein Damoklesschwert über den
unwissenden Kindern. In den Augen
Scientology-Organisation gibt es beispielsweise in dem
Sinne keine Kinder. Der Mensch besteht physikalisch aus
einem Körper und einem Seele-Geist-Wesen, dem Thetan.
Dieser Thatan sucht sich nach dem körperlichen Tod
eines Menschen einen anderen Menschen. Die Kinder bei
den Scientologen stehen unter dem gleichen
Leistungsdruck wie die Erwachsenen. Bringen diese
Kinder nicht die Leistung, werden sie auditiert, d.h.
sie werden mit dem E-Meter, eine Art Lügendetektor,
bis zu mehreren Stunden befragt. In einer weiteren
Endzeitsekte, der Neuapostolischen Kirche, bekommen
Kinder ebenfalls ein verschobenes Weltbild gezeigt: Die
Frau ist eine Null, der Mann die Eins, und nur die Null
hinter der Eins ergibt die Zehn. Kinder wachsen
ebenfalls mit strengen Verboten auf, bei deren Verstoß
ihnen der Zugang zum Paradies verwehrt bleibt.
Diese
Liste könnte man beliebig fortsetzen. Zu erwähnen wären
noch Satanisten und Teufelsanbeter, die natürlich
nicht in der Öffentlichkeit werben. Es gibt in
Deutschland über 600 verschiedene Sektengruppierungen,
in denen ca. 200.000 Kinder aufwachsen. Diese Kinder
werden für die finanziellen Ziele der
Sektenorganisationen und Sektenführer manipuliert,
werden oft zu willenlosen Zombies degradiert. Selbst
wenn sich die Kinder aus diesen Sekten lösen können,
sind die psychischen Schäden auf lange Jahre
vorhanden.
Der
Willicher Arbeitskreis Sekten lädt am 20 September
herzlich ein, sich über die Problematik weiter zu
informieren.
Sollten
Sie zu dieser Problematik Fragen und/oder Anregungen
haben, wenden Sie sich bitte an unseren "Willicher
Arbeitskreis Sekten" , Postanschrift: Günter
Ruhs, Niersweg 44a, 47877 Willich.
Willicher Arbeitskreis Sekten
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