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Ein Prozeß in Moskau

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Von einem Infodienst der ZJs
Prozeßbeginn am 09.02.1999

Auch in Moskau läuft seit Dienstag vergangener Woche der Prozeß gegen Jehovas Zeugen. Die Anklage versucht krampfhaft unter Anwendung des neuen Religionsgesetzes ein Verbot der Zeugen Jehovas zu erwirken. Fatal wirkt dabei jedoch, daß eine Falschanklage nach der anderen wie ein Kartenhaus zusammenbricht. In Moskau wird man dabei an die Vorgänge in Deutschland im Jahre 1933 und danach erinnert. In der DDR wiederholten sich diese Vorgänge bezüglich Falschanklagen, Verleumdungen u. dergl. im Jahre 1950 und danach in bemerkenswerter Weise. Das war in beiden Fällen das Ende von Freiheit für Andersdenkende und Minderheiten. Wir selbst sind Zeitzeugen dieser Ereignisse.

Rußland steht zur Zeit an einem Wendepunkt bezüglich der Menschenrechte und der Religionsfreiheit.

Offen ist noch immer die Frage, wer hinter diesen Ereignissen in Moskau steht. Sind es etwa kirchliche Kreise, die davor Angst haben, daß das allgemeine Volk den Inhalt der Bibel kennenlernt?

Trotz der Behauptungen, die russisch-orthodoxe Kirche hätte mit dem Verfahren, Jehovas Zeugen in Moskau zu verbieten, nichts zu tun, füllten z.B. am letzten Dienstag etwa 50 orthodoxe Anhänger den Gerichtssaal. Darunter waren Priester, Mitglieder der privaten Streitmacht der Kirche in Arbeitskleidung und eine Anzahl Anhänger, die aus Gebetbüchern lasen, Ikonen hochhielten und das Kreuzzeichen machten.

Auch der Prozeßablauf ist bezeichnend: Hier ein Bericht von diesem Dienstag.

Die Verteidiger griffen die Anschuldigungen der Staatsanwältin an und bezeichneten sie als aufgewärmte Sowjetpropaganda und als Schande für das moderne Rußland. Die Anschuldigung daß Jehovas Zeugen, zum Beispiel Familien schadeten, weil sie nicht alle Feiertage feierten, ist schon von den Nazis 1933 und den Sowjets 1951 gegen Jehovas Zeugen verwendet worden, sagte Galina Krylowa, russische Menschenrechtsanwältin. Krylowa schalt die Staatsanwältin wegen mangelnder Originalität. "Haben Sie Ihre Anschuldigen von Sowjetdokumenten kopiert?" fragte Krylowa die Staatsanwaltschaft. "Ich schäme mich als russische Staatsbürgerin zu hören, was in einem Gerichtssaal im Jahre 1999 stattfindet."

Während die Anklage um Auszüge aus den religiösen Veröffentlichungen der Zeugen Jehovas herum aufgebaut war, die aus dem Zusammenhang gerissen worden waren, zitierte die Verteidigung wissenschaftliche Werke, wissenschaftliche Studien, internationales und russisches Recht und die Bibel. Die Studie, die vom Institute of Religion and Law für das Duma Committee on Religious Associations vorbereitet worden war, zeigte zum Beispiel, daß der Glaube der Zeugen Jehovas starke Familienbande fördert.

Der russische Verteidigungsanwalt Artur Leontjew brachte die Analyse von mehreren hochrangigen russischen Ärzten als Beweis dafür, daß Jehovas Zeugen entgegen der Anklage angemessene medizinische Versorgung in Anspruch nehmen. Indem sie die Probleme mit russischen Blutkonserven anführten, unterstützten diese Ärzte die Vermeidung von Bluttransfusionen. Leontjew fragte, wie Jehovas Zeugen als unvernünftig betrachtet werden können, weil sie Bluttransfusionen zugunsten von medizinischer Behandlung ohne Blut verweigerten, wenn russische Ärzte dies unterstützen.

Leontjew widerlegte die Anschuldigung, Jehovas Zeugen förderten religiöse Intoleranz, indem er eine psychologische Studie zitierte, die von Victor Kagan, Arzt und Direktor des Akademischen Programms, unter der Russischen Akademie für Erziehung durchgeführt worden ist. Die Studie zeigte, daß bei den Befragten ein größeres Maß an Toleranz gegenüber Andersgläubigen vorgefunden wurde, nachdem sie Zeuge Jehovas geworden waren.

Weitere Einzelheiten zum Moskauer Verfahren können Sie im Internet finden unter: www.jw-russia.org

Wir werden den Ausgang dieser Dinge genau beobachten.

 

Update: 

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