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Jehovas Zeugen: Eine Bedrohung für das soziale Muster der Familie

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von Victor Escalante

Unzählige Tausende von Personen haben unter dem seelischen und psychologischen Kummer gelitten, der ihnen von Jehovas Zeugen aufgrund des Zerbrechens der Familie zugefügt wurde. Die meisten Menschen sind nur in dem Maße mit den Zeugen Jehovas (ZJ) vertraut, wie sie an einem Wochenende von eifrigen, Jünger machenden Rekruten aufgeweckt werden. Aber es gibt noch eine Menge mehr über sie zu wissen; ZJ sind eine amerikanische Bewegung des 20. Jahrhunderts, die weltweit Familien belastet hat, wo der Familienzusammenhalt und die Einheit aufgebrochen werden, wenn ein Familienmitglied einmal in die Indoktrinierungsphase der Rekrutierung gerät.

Die Rekrutierungsphase ist ein systematisches Studium der subjektiven theologischen Wahrheiten der Kirche, die mit der Zeit zur einzig annehmbarem "Wahrheit" werden. In den ersten Stufen dieser Indoktrinierungsphase wird dem neuen Rekruten gesagt, er habe Widerstand in der eigenen Familie zu erwarten. Es werden eine Reihe von Bibelstellen verwendet, um ihr Argument zu stützen. Was eine ahnungslose Person nicht erkennt, ist, daß die Familienbande schon zerschnitten sind. Diese unterschwellige Programmierung geschieht durch die Schaffung von Glaubenssätzen, die als mentale Filter wirken, was zu einer kurzsichtigen Betrachtungsweise führt. Es wird eine hypnotische Sprache verwendet, in der nur ein geschickter Sprachwissenschaftler die unterschwellige Programmierung durch Nominalisierungen und Übergeneralisierungen entdecken könnte, mit denen die ahnungslose Person "gefüttert" wird. Diese Wortdiät führt zu unscharfem, extremistischem Denken, das sehr generalisiert ist und oft außerhalb des Zusammenhangs steht. Wenn die Filter einmal angebracht sind, sieht die indoktrinierte Person sich selbst, die Familie und andere von einem extremistischen Standpunkt aus. Auf dieser Stufe wird alles schwarz oder weiß gesehen, richtig oder falsch, wir gegen sie, Gott oder Satan. An diesem Punkt wird die Ablehnung des Zeugen durch die Familie als Taktik Satans angesehen, den Glauben zu untergraben. Schließlich verliert die Person ihre Fähigkeit zu Objektivität. Sie kann ihre Handlungen und Kommentare nicht mehr im größeren Zusammenhang der sozialen Struktur der Familie sehen, und die Person wird zu einem ZJ, die sich voll für das Programm der Organisation einsetzt.

Was nun geschieht, ist, daß die Familie, die nicht den ZJ angehört, mit dem Etikett "weltliche Verwandte" versehen wird. Mit diesem Etikett wird die Familie enthumanisiert und zu Personen gemacht, die für die Vernichtung taugen, wenn sie nicht die ZJ-Lehren und deren Lebensweise annehmen. Der neue ZJ wird zu dem Glauben verleitet, er gehöre nun zu einer weltweiten Familie, die die einzige ist, die die katastrophale Vernichtung der Menschheit überleben wird. Der neue ZJ wird jetzt in einem reglementierten Lebensstil gehalten, der keine Beweggründe für Familienbesuche oder -zusammenkünfte läßt, und wenn sie doch solche Besuche unternehmen, werden sie gelehrt, dies als Möglichkeit zu sehen, neue Jünger zu machen. Natürlich ist so etwas oft irritierend und ein Angriff auf Angehörige, die keine ZJ sind, und das dient dazu, dem ZJ zu bestätigen, daß seine Familie durch Satan verblendet ist. Viele Personen, insbesondere ehemalige ZJ, haben den seelischen Kummer erlitten und das Reuegefühl erlebt, weil sie sich schuldig fühlten, daß sie alle Familienbande bis an den Punkt gekappt hatten, wo sie nicht einmal zu Beerdigungen oder besonderen Familienereignissen kamen, an denen sie teilgenommen hätten, bevor sie ZJ geworden waren.

Es können Jahre und Jahrzehnte für den neu angeworbenen ZJ vergehen, der in einer künstlich am Leben gehaltenen Subkultur in isolierter Weise lebt. Tatsache ist, daß diese Jahre aufgrund der Isolation von den Angehörigen und der Gesellschaft insgesamt ihren Tribut von dem einzelnen fordern können. Die Folgen davon sind, daß die einzigen anderen Personen, zu denen ein ZJ Beziehungen unterhält, andere ZJ sind, und manchmal besitzen sie aufgrund des Sumpfes an Streitigkeiten in der Versammlung nicht einmal das Geschick dazu. Die eigentlichen Probleme beginnen, wenn etwas geschieht, wegen dessen der ZJ die Bewegung verlassen möchte, oder wenn er hinausgeworfen wird. Dann ist es so, daß sich derjenige von seinen ehemaligen Freunden und den Familienangehörigen, die ZJ geworden sind, abgeschnitten fühlt. Das hängt mit der extremistischen Praxis der Gemeinschaftsentzüge zusammen, die in der ZJ-Kirche üblich ist. Es gibt keinen Weg, die Bewegung auf ehrenvolle Weise zu verlassen. Während der Indoktrinierungsphase sagt man dem neuen Rekruten nicht, daß dies nur eine Geradeausfahrkarte in ein reglementiertes Leben ist. Viele ehemalige ZJ berichten von der Schwierigkeit, sich wieder in der früheren Familie, den Freunden und der Gemeinschaft einzugliedern. Es ist so, als seien sie durch diese religiöse Gruppe mit deutlichen Kontrollmechanismen in einer Zeitschleife als Geiseln gehalten worden. In den letzten Jahren haben viele begonnen, intuitiv zu erfassen, daß das, was ihnen ihre leitende Körperschaft gesagt hat, verzerrt und falsch ist.

Den unrealistischen, autoritären Befehlen einer nebulösen leitenden Körperschaft, die oft als "die Gesellschaft" bezeichnet wird, gehorchend, stehen viele Angehörige der Babyboomjahre vor einer Beschäftigung unter Wert im mittleren Alter, weil die technische Welt an ihnen vorbeigezogen ist. ZJ haben ihr Leben bis zu dem Punkt regulieren lassen, daß sie oft erst gedruckt lesen müssen, wie man vorgeht, wenn man familiäre Konflikte lösen will. Ich weiß aus erster Hand von einem Ältesten, der das New Yorker Bethel anrief, um zu fragen, ob er aus seiner elterlichen Verantwortung frei wäre, wenn sich seine heranwachsende rebellische Tochter nicht seinen Entscheidungen fügte. Ein ehemaliger Freund, der jetzt Kreisaufseher ist, erzählte mir, daß sein Leben bis an den Punkt reguliert sei, daß ihm die Gesellschaft noch sagte, er müsse sich nach jedem Essen die Zähne mit Zahnseide putzen. Dies zeigt ein schwerwiegendes Problem: die völlige Abhängigkeit von einer entfernten Machtstruktur, die das Leben der einzelnen regelt. Bei all den Lehränderungen der letzten Zeit haben einige begonnen, die ganze legalistisch reglementierte Lebensweise anzuzweifeln, doch es besteht die Furcht, dies offen zu diskutieren, weil es zu Nachforschungen einlädt und dann der Hinauswurf als Abtrünniger folgt. Einige haben es so gemacht, daß sie still und leise gegangen sind, indem sie umzogen und niemandem ihre neue Anschrift bekanntgaben. Kürzlich sprach ich mit einem ehemaligen Zeugen, der lange als Ältester diente und der schätzt, daß in den 12 Jahren, in denen er vorsitzführender Aufseher war, etwa 40% der Versammlungsmitglieder einfach verschwanden, ohne daß man sie aufgrund einer neuen Anschrift ausmachen könne. Personen, die jahrzehntelang in der Bewegung waren, finden sich vielleicht in einer Situation ohne Gewinn:

Sie sind seit vielen Jahren von der ehemaligen Familie und den Freunden abgeschnitten, die niemals ihre oft extremistische ZJ-Weltsicht akzeptiert haben. Sie haben vielleicht den Wunsch, die Familienbande wiederherzustellen, aber es mangelt ihnen an der Fähigkeit dazu. Sie streben vielleicht eine andere Arbeit oder eine Karriere an, was sie als ZJ nie getan hätten, aber sie erkennen nun, daß sie in einer hochtechnisierten Welt leben, die sie hinter sich gelassen hat. Die Dichotomie ist nun, daß die Angehörigen, die nie ZJ waren, die Beziehung nie in demselben Maße abgeschnitten haben, wie sich der ZJ von Familie und Freunden getrennt hatte, weil er dachte, dies läge in seinem besten geistigen Interesse. Viele entwickeln deutliche Profile im sozialen Leben innerhalb dieser Subkultur, und sie werden in der ZJ-Gemeinschaft in Amt und Würden gesetzt. Einige klettern auf der Leiter der Macht und erlangen einen besonderen Status in der Zeugengemeinde, den viele lieber behalten möchten, als mit irgendeinem Diktum der Gesellschaft nicht übereinzustimmen. Viele haben erwachsene Kinder und Enkel und würden den Kontakt mit ihnen verlieren, wenn sie die Bewegung verließen.

Wenn jemandem die Gemeinschaft entzogen wird oder er sich dazu entschließt, wegen eines Gewissenskonfliktes zu gehen, dann verliert er über Nacht alles, was er einmal einsetzte und dem er sein Leben weihte. Sie verlieren Freunde, Familienangehörige, ihren guten Ruf und finanzielle Transaktionen oder ihre weltliche Arbeit bei einem ZJ. Ich war etwa zwanzig Jahre lang in der Bewegung, und in weniger als fünf Minuten wurde entschieden, daß mein gesamtes Leben in Glauben und Hingabe nichts mehr zählte -- von einer Gruppe von Personen, die den Ordern von Männern in den oberen Rängen der Organisation gehorchten. Mein einziges Vergehen war, daß ich in einer weltlichen Angelegenheit, die mit meiner Berufskarriere auf dem Felde der Psycholinguistik zu tun hatte, anderer Meinung war. Die Gesellschaft nimmt eine systematische Säuberung von Personen vor, die unabhängig denken und Intellektuelle sind, auch wenn gerade sie die frommsten und hingegebensten Menschen sind, von denen viele den größten Teil des Lebens für die Gesellschaft eingesetzt haben. Die Geschichte des Hinauswurfs von Ray Franz, einem ehemaligen Mitglied der leitenden Körperschaft, ist eher die Norm als die Ausnahme dieser Anmaßung, Intoleranz und Streitlust von organisationsbestimmten Männern, die paranoid auf jedes Infragestellen, auf jede Kritik an den Lehren der Gesellschaft reagieren. Diese Atmosphäre, die gegenwärtig bei den ZJ besteht, ist wie in der McCarthy-Ära, als Angst benutzt wurde, das Denken und Handeln der Bevölkerung zu kontrollieren.

Viele werden sich daran erinnern, wie Berufskarrieren durch den Mißbrauch der Regierungsgewalt verkehrterweise und fahrlässig ruiniert und zerstört wurden. In gleicher Weise wird diese Art von Inquisition gegen jeden vollzogen, der mit irgend etwas, das die Gesellschaft (die leitende Körperschaft) sagt, nicht übereinstimmt. In diesem hochkontrollierten Umfeld ist keiner vor Verfolgung gefeit, wenn er einmal eine Lehre der Wachtturm-Gesellschaft nicht akzeptiert. Einige sind in Lehrfragen anderer Meinung gewesen und deshalb hinausgeworfen worden, und später hat die Gesellschaft genau dies als gegenwärtige Wahrheit angenommen. Als Beispiel dafür mg die Lehre der Endzeit ab dem Jahr 1914 gelten, als durch das Predigen die Schafe von den Böcken getrennt werden sollten. Viele erinnern sich auch noch an die vielen Ehen, in denen es Probleme gab und die zerstört wurden, als die Gesellschaft sich dazu entschloß, das Intimleben ihrer Mitglieder zu reglementieren. Die Praxis, Zeugen Jehovas, die die Versammlung verlassen, völlig aus dem Weg zu gehen, ist nicht weniger grausam. Bei einigen hat das zu Suiziden geführt, andere haben versucht, Prozesse anzustrengen, aber die Gerichte in Amerika haben entschieden, sich aus dieser kontroversen Materie Kirche/Staat herauszuhalten. Die ZJ haben schwer darum gekämpft, im amerikanischen Rechtssystem die Freiheit der Anbetung zu etablieren. Die Ironie an der Sache ist, daß innerhalb der geschlossenen ZJ-Gesellschaft den eigenen Mitgliedern eben diese Freiheit bestritten wird.

Wenn sich in einer Ehe ein Gemeinschaftsentzug ereignet, geht die Wahrscheinlichkeit, daß die Ehe dies überlebt, gegen Null. Meine eigene Erfahrung: Die Kirche gab meiner Frau den dringenden Rat, sich von mir scheiden zu lassen. Diese extrem intolerante Wahrnehmung wird von den ZJ damit gerechtfertigt, daß der ehemalige ZJ eine Bedrohung für das geistige Leben des Partners sei, der ein ZJ bleibe, und schließlich dazu führen könnte, daß auch der andere die Bewegung verläßt. Das mag in einigen Ehen so sein. Die meisten Menschen möchten Frieden haben und die Einheit der Familie bewahren, aber dies wird unmöglich, da ein Zeuge einen ehemaligen Zeugen als ernsthafte Bedrohung ansieht. Das ist so, als sei man mit einem geistlichen Feind verheiratet. Der einfache Durchschnittszeuge ist nicht geschickt genug, die Themen zu klären, die zu Konflikten führen, und dann in einem Geiste des Verständnisses und der Liebe damit fertigzuwerden. Ehemalige ZJ sehen, daß Liebe etwas ist, das sich in dem Augenblick verflüchtigt, wenn ihnen die Gemeinschaft entzogen wird.

Wohin wird dies führen, und wo wird es enden? Durch ihr Hauptorgan, den Wachtturm, hat die Gesellschaft ihre Haltung gegenüber ausgeschlossenen Mitgliedern gemildert. Tatsächlich ist die psychische Struktur eines ZJ die von Intoleranz. Es ist so, als wenn man die Möbel in einer Wohnung umstellt, die Struktur aber dieselbe bleibt. Alle unzählige Tausende von Menschen, denen die Wachtturm Bibel- und Traktat-Gesellschaft und ihre Vertreter schweres Leid zugefügt haben, können niemand anderen für den von diesen verursachten Schaden verantwortlich machen. Wäre dies eine andere Gesellschaft als eine religiöse, bin ich sicher, daß viele Prozesse wegen des falschen Verhaltens und der Fahrlässigkeit zugunsten der Opfer ausgingen. Der Ausschluß der Gewährleistung für das Denken derer, die sich der Sekte anschließen, ist: Man verzichtet auf seine Rechte, wenn man sich der Gesellschaft weiht.

Der Autor dieser Ausführungen hat zu einigen Verallgemeinerungen gegriffen. Es gibt immer, wenn man dies tut, Ausnahmen. Darum bitte ich den Leser, meine Anmerkungen abzuwägen und sie im richtigen eigenen Zusammenhang zu sehen.

 

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