Pioniere der
Medizin
Erwachet v. 08.01.2000
JOSÉ einem 6ljährigen
Belgier aus Oupeye, sagten die Ärzte, er benötige eine
Lebertransplantation. "Ich bekam den größten Schreck meines
Lebens", erzählt er. Noch vor vierzig Jahren galt es als unmöglich,
eine Leber zu verpflanzen. Selbst in den 70er Jahren überlebten nur
etwa 30 Prozent eine solche Operation. Heute hingegen gehören
Lebertransplantationen zur medizinischen Routine, und die
Erfolgsquote liegt wesentlich höher.
Allerdings wird die
Sache immer noch durch einen wichtigen Faktor erschwert: Da das
Verpflanzen einer Leber häufig mit überaus starken Blutungen
verbunden ist, wird von den Ärzten während der Operation in aller
Regel Blut übertragen. José indes lehnte seiner religiösen Überzeugung
wegen Blut ab. Die Lebertransplantation jedoch wollte er durchaus.
So mancher würde eine Operation unter diesen Voraussetzungen für
unmöglich halten. Nach Ansicht des verantwortlichen Chirurgen aber
standen für ihn und seine Kollegen die Chancen sehr gut, den
Patienten erfolgreich ohne Bluttransfusionen zu operieren. Und genau
das taten sie auch. Nur 25 Tage nach der Operation war José wieder
zu Hause bei seiner Frau und seiner Tochter.'"
Dank der Fähigkeiten
von "Helden der Medizin", wie sie das
US-Nachrichtenmagazin Time bezeichnete, ist es mittlerweile immer
mehr üblich, bei medizinischer Behandlung und Operationen auf
Bluttransfusionen zu verzichten. Warum aber ist diese Vorgehensweise
so stark gefragt? Um diese Frage zu beantworten, wollen wir uns
etwas näher mit der problematischen Geschichte der Übertragung von
Blut beschäftigen.
Bislang mehr als 90
000 Ärzte weltweit haben sich bereit erklärt. Zeugen Jehovas ohne
Blut zu behandeln
* Nach Auffassung von
Jehovas Zeugen bleibt es der Gewissensentscheidung des Einzelnen überlassen,
ob er einer Organverpflanzung zustimmt.
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Bluttransfusionen Die
lange Geschichte eines umstrittenen Verfahrens
"Wären rote
Blutkörperchen ein neues Medikament, hätten wir die größten
Schwierigkeiten, eine Zulassung zu erhalten" (Dr. Jeffrey
McCullough).
IN EINER kalten
Winternacht des Jahres 1667 brachte man. einen tobsüchtigen
Geistesgestörten namens Antoine Mauroy zu Jean-Baptiste Denis einem
Leibarzt König Ludwigs XIV von Frankreich. Denis kannte ein
perfektes "Heilmittel" für Mauroys Geisteskrankheit: Er
übertrug
ihm das Blut eines
Kalbes in dem Glauben, das würde seinen Patienten besänftigen.
Aber Mauroy sollte dies gar nicht gut bekommen. Zwar verbesserte
sich sein Zustand nach der zweiten Transfusion vorübergehend. Doch
bald erlitt der Franzose wieder Anfälle von Wahnsinn und starb kurz
darauf.
Obgleich später
festgestellt wurde, daß Mauroy in Wirklichkeit an einer
Arsenvergiftung gestorben war, lösten Denis Experimente mit
Tierblut in Frankreich eine hitzige Kontroverse aus.1670 wurden
Transfusionen schließlich verboten. Später schlossen sich das
englische Parlament
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und sogar der Papst
dem Verbot an. Für die darauffolgenden l50 Jahre geriet das
Verfahren in Vergessenheit.
Gefahren in der
Anfangszeit
Im 19. Jahrhundert
kamen Bluttransfusionen wieder auf. Eingeleitet wurde dieses
Comeback von James Blundell, einem englischen Arzt und
Geburtshelfer. Blundell wandte fortschrittlichere Methoden an,
entwickelte modernere Geräte und beharrte vor allem darauf, grundsätzlich
nur menschliches Blut zu verwenden. Das hatte zur Folge, daß das
Interesse an Transfusionen neu belebt wurde.
Allerdings wurde 1873
die Renaissance der Transfusion gebremst durch eine erschreckende
Entdeckung des polnischen Arztes F Gesellius: Er stellte fest, daß
mehr als die Hälfte aller Transfusionen tödlich geendet hatten.
Daraufhin begannen angesehene Ärzte, dieses Verfahren zu
verurteilen. Erneut ließ die Beliebtheit von ' Transfusionen stark
nach.
Dann optimierte 1878
der französische Arzt Georges Hayem eine Salzlösung, die sich
seiner Auffassung nach als Blutersatz eignete. Im Gegensatz zu Blut
hatte die Salzlösung keine Neben- wirkungen, sie gerann nicht und
ließ sich leicht transportieren. Folglich fand Hayems Salzlösung
breite Anwendung.
Merkwürdigerweise gab man jedoch bald wieder Blut den Vorzug.
Warum?
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Der Zweite
Weltkrieg steigerte die Nachfrage nach Blut
Im Jahr 1900
entdeckte der österreichische Pathologe Karl Landsteiner, daß es
unterschiedliche Arten menschlichen Blutes gibt und daß eine
Blutgruppe mit den meisten anderen Blutgruppen nicht kompatibel ist.
Kein Wunder, daß in der Vergangenheit so viele Transfusionen tödlich
geendet hatten! Jetzt ließ sich das ändern, indem man einfach
sicherstellte, daß die Blutgruppe des Spenders mit der des Empfängers
übereinstimmte. Dank dieser Erkenntnis gewannen die Ärzte neues
Vertrauen in die Transfusionstherapie - gerade rechtzeitig zum
Ersten Weltkrieg!
Bluttransfusionen und
Krieg
Im Ersten Weltkrieg
wurde verletzten Soldaten großzügig Blut übertragen. Natürlich
gerinnt Blut schnell, und in früheren Zeiten wäre es so gut wie
unmöglich gewesen, Blut zu den Schlachtfeldern zu bringen. Doch
Anfang des 20. Jahrhunderts stellte Dr. Richard Lewisohn vom Mount
Sinai Hospital in New York erfolgreiche Versuche mit Natriumcitrat
an, einer Substanz,
die die Blutgerinnung
hemmt. Dieser außergewöhnliche Durchbruch wurde von manchen Ärzten
geradezu als Wunder gefeiert. "Es war fast so, als sei die
Sonne plötzlich stillgestanden", schrieb Dr. Bertram M.
Bernheim, ein namhafter Arzt seiner Zeit.
Der Zweite Weltkrieg
steigerte die Nachfrage nach Blut. Überall wurden Plakate
angeschlagen mit Slogans wie: "Spende jetzt Blut!",
"Ihr Blut kann ihn retten" oder: "Er gab sein Blut.
Werden Sie Ihres geben?" Der Aufruf, Blut zu spenden, stieß
auf großen Widerhall. Während des Zweiten Weltkriegs wurden in den
Vereinigten Staaten gut 13 000 000 Einheiten Blut gespendet. Man schätzt,
daß in London über 260 000 Liter Blut gesammelt und verteilt
wurden. Bluttransfusionen bargen jedoch eine ganze Reihe
gesundheitlicher Risiken, wie bald deutlich wurde.
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Bluttransfusion –
kein medizinischer Standart
Jedes Jahr werden
allein in den Vereinigten Staaten 3 000 000 Patienten 11 000 000
Einheiten Erythrozytenkonzentrat übertragen Bei einer solch hohen
Zahl sollte man meinen, Ärzte würden sich nach einem festgelegten
Standard richten, wenn sie Blut .übertragen. Doch das New England
Journal of Medicine stellt fest, es gebe erstaunlich wenig Daten
"an denen man sich bei der Entscheidung zu transfundieren
orientieren könnte" . Tatsächlich wird in der Praxis höchst
unterschiedlich vorgegangen, nicht nur in der Frage welche
Komponenten in welcher Menge transfundiert werden, sondern auch, ob
überhaupt eme Transfusion angezeigt ist. "Ob transfundiert
wird, hängt nicht vom Patienten ab sondern vom Arzt", heißt
es in der medizinischen Fachzeitschrift Acta Anaesthesiologica
Belgica. .Angesichts dessen überrascht es nicht, daß laut .einer
im New England Journal! of Medicine veröffentlichten Studie
"schätzungsweise 66 :Prozent alter verabreichten Transfusionen
unangemessen sind".
Durch Blut übertragene
Krankheiten
Nach dem Zweiten
Weltkrieg wurden dank großer Fortschritte in der Medizin manche
Operationen möglich, die früher undenkbar gewesen wären. Der
Bedarf an Blut nahm zu, weil Ärzte Transfusionen zunehmend als
Standardverfahren bei Operationen einsetzten. Das rief einen Geschäftszweig
ins Leben, in dem sich weltweit jedes Jahr viele Milliarden Dollar
verdienen ließen.
Bald jedoch machte
sich Besorgnis breit wegen transfusionsbedingter Erkrankungen. Im
Koreakrieg zum Beispiel zogen sich knapp 22 Prozent der Soldaten,
die Blutplasma erhielten, Hepatitis zu - eine fast dreimal höhere
Rate als im Zweiten Weltkrieg. In den 70er Jahren schätzten die
US-Zentren für Gesundheitsüberwachung die Zahl der Todesfälle
infolge transfusionsbedingter Hepatitis auf jährlich 3 500. Andere
sprachen von der zehnfachen Zahl.
Wohl ging dank
besserer Testverfahren und sorgfältigerer Auswahl der Spender die
Zahl der Fälle zurück, in denen durch infiziertes Blut Hepatitis B
übertragen wurde. Doch bald forderte eine neue, nicht selten
todbringende Form des Virus zahlreiche Opfer: Hepatitis G Man schätzt,
daß sich vier Millionen Amerikaner mit dem Virus infizierten,
Hunderttausende davon durch Bluttransfusionen. Zwar sank im Lauf der
Zeit auch die Häufigkeit von Hepatitis C - Infektionen dank gründlicher
Testmethoden. Aber nach wie vor befürchten manche das Auftreten
neuer Gefahren, die man erst verstehen wird, wenn es bereits zu spät
ist.
HIV-verseuchtes
Blut-ein weiterer Skandal
In den 80er Jahren
fand man heraus, daß Blut mit H1V verseucht sein kann, dem Virus,
das Aids verursacht. Anfänglich widerstrebte es den Betreibern der
Blutbanken zutiefst, die Möglichkeit, ihre Blutvorräte könnten
verseucht sein, auch nur in Betracht zu ziehen. Überhaupt standen
viele von ihnen einer HIV-Gefahr zu Anfang recht skeptisch gegenüber.
Dr. Bruce Evatt erinnert sich: "Es war, als wäre jemand aus
der Wüste aufgetaucht und hätte behauptet: ,Ich habe einen Außerirdischen
gesehen.` Sie hörten mir zu, doch sie wollten es einfach nicht
glauben."
Gleichwohl erlebte
ein Land nach dem anderen Skandale um HIV-verseuchtes Blut. Schätzungsweise
6 000 bis 8 000 Menschen wurden in Frankreich durch Transfusionen
mit HIV infiziert, die zwischen 1982 und 1985 verabreicht wurden. 10
Prozent der 1-lIV-Infektionen in Afrika und 40 Prozent der
Aidserkrankungen in Pakistan werden auf Transfusionen zurückgeführt.
In den entwickelten Staaten kommt mittlerweile dank verbesserter
Testverfahren eine Übertragung von H1V nur noch selten vor. In
Entwicklungsländern hingegen, wo solche Tests fehlen, ist dies nach
wie vor ein Problem.
Verständlicherweise
ist das Interesse an fremdblutfreier medizinischer Behandlung und
Chirurgie in den letzten Jahren gestiegen. Stellen diese Verfahren
aber eine sichere Alternative dar?
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Medizin und
Chirurgie ohne Blut
Immer stärker
gefragt
"Alle, die mit
Blut zu tun haben und chirurgische Patienten betreuen, müssen die Möglichkeiten
der fremdblutfreien Chirurgie in Betracht ziehen" (Prof. Dr.
Joachim Boldt, Professor für Anästhesie, Ludwigshafen). DIE
Aidstragödie hat Wissenschaftler und Ärzte dazu gezwungen, zusätzliche
Vorkehrungen zu treffen, um die Sicherheit bei Operationen zu erhöhen.
Daß dazu noch gründlichere Bluttests erforderlich waren, liegt auf
der Hand. Doch nach Auskunft von Fachleuten läßt zu selbst durch
diese Maßnahmen eine Gefährdung- durch Bluttransfusionen nicht völlig
ausschließen.
Diesbezüglich stand
in der Fachzeitschrift Transfusion zu lesen: "Obgleich die
Gesellschaft als Ganzes enorme Mittel aufwendet, um die
Blutversorgung so sicher zu gestalten wie nie zuvor, werden
Patienten nach unserem Dafürhalten auch in Zukunft
Fremdbluttransfusionen einfach deshalb zu umgehen suchen, weil es
unmöglich ist, die Blutversorgung absolut sicher zu
gestalten."
Aussagen einiger Ärzte
"Die
fremdblutfrei Chirurgie eignet sich nicht nur für Zeugen Jehovas,
sondern für alle Patienten. Meiner Meinung nach sollte sich jeder
Arzt damit beschäftigen" (Prof. Dr. Joachim Boldt, Professor für
Anästhesie, Ludwigshafen.
"Zwar sind
Bluttransfusionen heute sicherer als früher, doch bergen sie immer
noch Risiken, unter anderem immunologisch ausgelöste Reaktionen
sowie Infektionen mit Hepatitis oder sexuell übertragbaren
Krankheiten" (Prof. Terrence Sacchi, außerordentlicher
Professor für Medizin) "Die meisten Ärzte haben einen
automatischen Transfusionsreflex: Sie transfundieren großzügig und
wahllos. Ich tue das nicht "( Dr. Alex Zapolanski, Direktor der
Herzchirurgie am San Francisco Haert Institute). "Es gibt
meines Erachtens keine konventionelle Operation im Abdomen, die bei
einem Patienten mit normaler Ausgangssituation routinemäßig eine
Bluttransfusion erfordern würde." ( Prof. Dr. Johannes
Scheele, Professor für Chirurgie, Jena:
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Da überrascht es
nicht, wenn viele Ärzte Transfusionen zunehmend skeptisch gegenüberstehen.
"Bluttransfusionen taugen im Grunde genommen gar nichts, und
wir arbeiten ganz massiv daran, bei allen Patienten darauf zu
verzichten", erklärt Dr. Alex Zapolanski aus San Francisco
(Kalifornien).
Auch in der Öffentlichkeit
wird man sich allgemein der Gefahren von Transfusionen bewußt. ln
einer Umfrage in Kanada erklärten 1996 sogar 89 Prozent der
Befragten, sie zögen eine Alternative zu Fremdblut vor. "Nicht
alle Patienten verweigern Fremdbluttransfusionen, wie es Jehovas
Zeugen tun", hieß es im .Journal of Vascular Surgery. "Dessenungeachtet
führen uns die Risiken der Übertragung von Krankheiten und der
Immunmodulation deutlich vor Augen, daß wir für alle unsere
Patienten Alternativen finden müssen."
Eine bevorzugte
Methode
Erfreulicherweise
gibt es eine Alternative: fremdblutfreie Medizin und Chirurgie. Dies
wird von vielen Patienten nicht als letztmöglicher Ausweg
angesehen, sondern als bevorzugte Behandlungsmethode, und das aus
gutem Grund. Wie Stephen Geoffrey Pollard, ein britischer
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Chirurg und Chefarzt,
erklärte, ist unter den Patienten, bei denen fremdblutfreie
Chirurgie zum Einsatz kommt, die Erkrankungs- und Sterblichkeitsrate
"mindestens genauso niedrig wie bei
Patienten, die Blut
erhalten, und vielfach bleiben ihnen postoperative Infektionen und
sonstige Komplikationen erspart, die sich häufig auf Blutübertragungen
zurückführen lassen".
Was führte zur
Entwicklung fremdblutfreier medizinischer Behandlungsmethoden? Diese
Frage ist in gewissem Sinn paradox, denn die fremdblutfreie Medizin
existierte, schon lange bevor man anfing, Blut zu verwenden.
Eigentlich erreichte die Transfusionsmedizin erst Anfang des 20.
Jahrhunderts einen solchen Entwicklungsstand, daß sie routinemäßig
praktiziert wurde. Dennoch ist in den letzten Jahrzehnten das Gebiet
der fremdblutfreien Chirurgie von einigen in den Blickpunkt der Öffentlichkeit
gerückt worden. In den 60er Jahren beispielsweise nahm der berühmte
Chirurg Dr. Denton Cooley einige der ersten Operationen am offenen
Herzen vor, ohne Bluttransfusionen zu verwenden
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Als in den 70er
Jahren die Zahl der Hepatitiserkrankungen unter Patienten stieg, die
Transfusionen erhalten hatten, begannen viele Ärzte, nach
Alternativen zu Blut zu suchen. In den 80er Jahren gab es dann schon
eine ganze Reihe großer medizinischer Teams, die bei Operationen
auf Bluttransfusionen verzichteten. Als schließlich die
Aidsepidemie ausbrach, baten andere Ärzte diese Teams immer wieder
um Rat und übernahmen bereitwillig die gleichen Techniken. 1n den
90er Jahren legten viele Krankenhäuser Programme auf, um Patienten
die Möglichkeit zu geben, sich für eine Behandlung ohne Blut zu
entscheiden.
Mittlerweile haben Ärzte
bei Operationen und Notfalleingriffen, die nach herkömmlichem Stand
der Medizin Transfusionen erforderten, erfolgreich fremdblutfreie
Verfahren angewandt. D. H. W Wong schrieb im Canadian ,Journal of
Anaesrhesia: "Große Herz- und Gefäßoperationen sowie gynäkologische
und geburtshilfliche, orthopädische und urologische Eingriffe können
erfolgreich ohne Verwendung von Blut oder Blutpräparaten durchgeführt
werden."
Die fremdblutfreie
Chirurgie hat unter anderem den Vorteil, daß dadurch eine
hochwertigere medizinische Versorgung gefördert wird. "Ob sich
Blutverlust vermeiden läßt, hängt entscheidend von den Fähigkeiten
des Chirurgen ab", erklärte Dr. Benjamin J. Reichstein, ein
leitender Chirurg n Cleveland (Ohio, USA). In einer juristischen
Fachzeitschrift aus Südafrika stand zu lesen, unter gewissen
Voraussetzungen ließen sich Operationen ,schneller, sauberer und
preiswerter" ohne Bluttransfusionen durchführen. Weiter hieß
es darin:
Als offenkundig hat
sich erwiesen, daß sich die Nachsorge vielfach preiswerter und
weniger
zeitaufwendig
gestaltet. Das sind nur einige der Gründe, weshalb mittlerweile
weltweit 180 Krankenhäuser spezielle Programme für fremdblutfreie
Medizin und Chirurgie durchführen.
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Blut und Jehovas
Zeugen
Jehovas Zeugen lehnen
Bluttransfusionen aus biblischen Gründen ab.* Mit medizinischen
Alternativen zu Bluttransfusionen sind sie jedoch einverstanden, ja
sie unterstützen nachdrücklich deren Entwicklung und Anwendung.
Dr. Richard K. Spence, vormaliger Direktor der Chirurgie an einem
New Yorker Krankenhaus, sagte über Jehovas Zeugen: "Sie setzen
sich tatkräftig dafür ein, die beste medizinische Behandlung
ausfindig zu machen. Als Gruppe sind sie die bestinformierten
Patienten, denen ein Chirurg je begegnen wird."
Viele operative
Techniken zur Vermeidung von Bluttransfusionen sind von Ärzten bei
Operationen an Zeugen Jehovas verfeinert worden. Ein Beispiel dafür
ist die Erfahrung des Herz- und Gefäßchirurgen Dr. Denton Cooley.
Im Verlauf von 27 Jahren operierte sein Team 663 Zeugen Jehovas ohne
Bluttransfusionen am offenen Herzen. Seine Ergebnisse beweisen, daß
Herzoperationen erfolgreich ohne Bluttransfusionen durchgeführt
werden können.
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Zwar sind Jehovas
Zeugen von vielen kritisiert worden, weil sie Bluttransfusionen
ablehnen. Aber in den Richtlinien, die der Verband der Anästhesisten
in Großbritannien und Irland herausgegeben hat, wird die Haltung
der Zeugen "ein Zeichen der Achtung vor dem Leben"
genannt. Und tatsächlich
ist die konsequente Haltung von Jehovas Zeugen eine treibende Kraft
für die Entwicklung sicherer medizinischer Behandlungsmethoden
gewesen, die mittlerweile allen Patienten zugute kommen. Professor
Stein A. Evensen vom Norwegischen Nationalen Krankenhaus schreibt:
"Zeugen Jehovas, die eine Operation benötigten, haben den Weg
gewiesen und für den nötigen Druck gesorgt, auf einem wichtigen
Sektor des norwegischen Gesundheitswesens Verbesserungen zu
erzielen."
Um Ärzte darin zu
unterstützen, Patienten ohne Bluttransfusionen zu behandeln, haben
Jehovas Zeugen einen Hilfs- und Vermittlungsdienst ins Leben
gerufen. Gegenwärtig sind weltweit mehr als 1 400
Krankenhaus-Verbindungskomitees in der Lage, Ärzte und Forscher mit
Informationen aus einer Datenbank mit über 3 000 Artikeln zu
versorgen, die sich mit fremdblutfreier Medizin und Chirurgie beschäftigen.
"Dank der Tätigkeit der Krankenhaus-Verbindungskomitees der
Zeugen ist es heute nicht nur bei Zeugen Jehovas, sondern bei
Patienten allgemein weniger wahrscheinlich, daß sie unnötig Blut
übertragen bekommen", erklärte Charles Baron, Professor an
der Boston College Law School."
Die Informationen zu
fremdblutfreier Medizin Chirurgie, die von Jehovas Zeugen zusammen-
getragen wurden, sind
vielen Medizinern zugute gekommen. Bei der Sammlung von Stoff für
ein Buch mit dem Titel Autotransfusion: Therapeutic Principles and
Trends beispielsweise baten die Verfasser Jehovas Zeugen um
Informationen über Alternativen zu Bluttransfusionen. Sie kamen
dieser Bitte gern nach. Dankbar schrieben die Autoren später:
"Bei all unseren Nachforschungen zu diesem Thema ist uns keine
vergleichbar präzise und vollständige Liste von Strategien
begegnet, wie sich Fremdbluttransfusionen vermeiden lassen."
Der Fortschritt auf
dem Gebiet der Medizin hat dazu veranlaßt, der fremdblutfreien
Medizin Aufmerksamkeit zu schenken. in welche Richtung wird die
Entwicklung weitergehen? Professor Luc Montagnier, der Entdecker des
Aidsvirus, erklärte: "Unser fortschreitendes Verständnis auf
diesem Gebiet zeigt uns, daß Bluttransfusionen eines Tages zwangsläufig
ganz abgeschafft werden." Unteren retten die Alternativen zu
Bluttransfusionen heute vielen das Leben.
*Auf entsprechende
Einladung hin geben Kranken-Verbindungskomitees auch Präsentationen
vor dem medizinischen Personal von Krankenhäusern. Wenn sie ausdrücklich
darum gebeten werden, unterstützen sie außerdem Patienten dabei,
rechtzeitig und offen mit dem verantwortlichen Arzt zu sprechen und
eine gute Kommunikation aufrechtzuerhalten.
Die Rolle des Patenten
Man sollte mit dem Arzt über
Alternativen zu Bluttransfusionen sprechen, bevor eine Behandlung
erforderlich wird. Besonders wichtig ist das für 5chwangere, Eltern
und .kleinen Kindern und für ältere Menschen
Man sollte seinen Willen
schriftlich festlegen, besonders wenn es für diesen Zweck
rechtsverbindliche Dokumente gibt
Ist ein Arzt nicht bereit,
ohne Bluttransfusionen zu behandeln sollte man einen Arzt aufsuchen,
der die Wünsche des Patienten respektiert.
Da manche Alternativen zu
Bluttransfusionen Zeit erfordern, um: Ihre Wirkung zu entfalten,
sollte man die Behandlung nicht aufschieben, wenn man weiß daß
eine Operation nötig ist.
" Siehe 3. Mose
7:26, 27; 17:10-14; 5. Mose 12:23-25; 15:23;
Apostelgeschichte
15:20, 28, 29; 21:25.
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