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Brief
an eine Familie
Werte
Familie Diestelkamp,
heute
komme ich endlich dazu, den bei meinem telefonischen
Gespräch angekündigten Brief zu schreiben
hinsichtlich des Buches von einem Herrn Hartmann ,Die
Zeugen Jehovas - eine Herausforderung' in dem Sie auf
S. 6 unter ;Dank' besonders erwähnt werden, was für
einen Leser einer Empfehlung gleichkommt. Ich selbst
bin seit vielen Jahren Zeuge Jehovas und erhielt dieses
Buch von unserem Versammlungssekretär, Ältesten und
Beauftragten des Informationsdienstes.
Als
Zeuge bin auch ich jederzeit bereit, uns gegen
Falschanklagen oder Falschbehauptungen zu verteidigen.
Aber als Christ fühle ich mich dem Gott der Wahrheit
verpflichtet, alle Dinge wahrheitsgemäß zu schildern,
auch wenn dabei Standpunkte oder Ansichten zu vertreten
sind, die der Öffentlichkeit seltsam erscheinen mögen
oder gar Anstoß erregen. Das genannte Buch versucht
zwar auch, uns in einem günstigen Licht erscheinen zu
lassen, gibt dabei aber häufig nicht vollständige
Informationen zu einer Frage, sagt manchmal nur die
,halbe Wahrheit' oder geht an der Wirklichkeit vorbei.
Dies mag mit guter Absicht geschehen, aber heiligt der
Zweck alle Mittel?
Ich
wunderte mich, als ich Ihre Namen in dem Buch las, da
ich dies wie eine Zustimmung zum Inhalt empfand. Wie
gesagt - und ich betone dies -, ich bin selbst Zeuge
Jehovas und nicht etwa Gegner oder, wie wir das nennen,
abtrünnig. Aber gerade darum möchte ich meinen
Glauben nur wahrheitsgemäß vertreten.
Ich
werde hier nun einige Punkte in der Reihenfolge, wie
sie im Buch erscheinen, anführen und kurz kommentieren
oder mit einer Frage versehen. Diese Punkte sind
keineswegs vollständig und auch in ihrer Bedeutung
sehr verschieden. Sie sollen einfach nur beispielhaft
sein.
S. 15:
Letztlich traf ich keinen einzigen Zeugen Jehovas, der
Raucher, Alkoholiker oder Drogenkonsument war oder an
irgendeiner Form des Glücksspiels... teilnahm.
Richtig! Aber warum wird nicht gesagt, dass allen, die
dieses tun, die Gemeinschaft entzogen wird, dass sie
ausgeschlossen (exkommuniziert) werden? Wenn das alle
Glaubensgemeinschaften so machten, könnte man das auch
von allen sagen. Ist dies eine ,ehrliche' Aussage?
S. 17:
Eigentlich aber hat sich das Verhalten der Zeugen gar
nicht geändert, denn aus dem Wehrersatzdienst wurde
staatlicherseits der Zivildienst geformt und das zuständige
Ministerium wechselte auch. Auch wenn man diese
,Sprachregelung' in aller Öffentlichkeit oft hört,
stimmt sie nicht. Mit dem Wachtturm (WT) vom 1. Mai
1996, S. 19-20, wurde der Zivil- oder Ersatzdienst für
Jehovas Zeugen erlaubt. Gleichzeitig erhielten die Ältesten
ein Schreiben der Wachtturm-Gesellschaft (WTG), in dem
ausgeführt wurde, dass ein vertieftes Verständnis von
Römer 13 die Ursache für den Wechsel des Standpunkts
war. Kein Wort darin von staatlichen Änderungen. Schon
lange vor 1996 gab es den Zivildienst, der auch damals
schon nicht dem Verteidigungsminister unterstand. Aber
man vertrat die Meinung, dass diese Formalismen im
Ernstfall mit einem Federstrich geändert werden könnten,
was sicher nicht falsch ist. Außerdem wurde der
Ersatzdienst mit dem o.a. WT weltweit, in allen Ländern,
erlaubt. Sollten diese alle gleichzeitig formale Änderungen
veranlasst haben? Warum also diese Beschönigungen für
die Öffentlichkeit? Ist das ehrlich? Auf der gleichen
Seite des Buches wird von ca. 10 000 von Hitler
inhaftierten Zeugen gesprochen. Jeder Einzelfall ist zu
verurteilen, ist unmenschlich und zu viel. Dennoch
spricht das Jahrbuch der Zeugen Jehovas von 1974 von
insgesamt 6019 inhaftierten Personen. Warum also die
nicht geringfügige Erhöhung der Zahl?
S. 22:
Die Zeugen Jehovas... anerkennen keine weltliche Führung.
In Glaubensfragen ist einzig und allein die Bibel als
Wort Gottes ihre Autorität. Das klingt gut! Aber warum
schreibt der Verfasser statt weltlich nicht menschlich?
Weil auch Jehovas Zeugen durchaus eine menschliche Führung
haben, die sich lediglich nicht als Jehovas Zeugen
durchaus eine menschliche Führung haben, die sich
lediglich nicht als weltlich bezeichnet, was aber für
den Leser irreführend ist. Aus auf Seite 53 wird
gesagt: nicht eine Organisation bestimmt das
Verhalten... Dagegen weiß jeder Zeuge, dass die
Weisungsbefugnis der Leitenden Körperschaft unbedingt
anzuerkennen ist. Der WT vom 1.8.1956 schreibt auf
Seite 474: Daher ist der Wille des Sklaven der Wille
Jehovas, Rebellion gegen den Sklaven ist Rebellion
gegen Gott. Das ist unsere Auffassung. Warum sagt das
Buch dies nicht deutlich? Viele WT- Zitate können das
bestätigen!
S. 25:
Wer ihr nicht angehört (der Organisation der Zeugen
Jehovas), ... ist für die ewige Vernichtung bestimmt.
Als Antwort auf die dort gestellte Frage wird gesagt,
dass letztlich Gott richtet, und dass kein Zeuge eine
verbindliche Aussage machen würde. Aber das stimmt so
nicht, auch wenn es gesagt wird. Die WTG schreibt in
einer Broschüre über Fragen, die von interessierten
Personen gestellt werden, zu der Frage ,Glauben Sie,
dass nur Sie errettet werden' u.a. als Antwort: ,Viele
Millionen Menschen, die in vergangenen Jahrhunderten
lebten und die keine Zeugen Jehovas waren, werden
auferstehen...'. Da die Frage aber wohl sich auf die
Lebenden und auf den angekündigten Krieg von
Harmagedon bezieht, fährt die WTG fort: `Viele von
denen, die heute leben, mögen noch vor der "großen
Drangsal" für Wahrheit und Gerechtigkeit
eintreten, und auch sie werden gerettet werden...'. Das
heißt aber, dass sie Zeugen werden müssen. So sagt
auch der WT vom 15.1.1997 auf Seite 22: Wir sind aus
dem ,gefährlichen Wasser' der bösen Welt in das
,Rettungsboot' der irdischen Organisation Jehovas
gezogen worden. Auch aus anderen Schriften ist es klar,
was wir auch verkündigen: außerhalb der Organisation
ist keine Rettung. Der Autor oder seine Informanten
waren hier beschönigend, aber nicht offen und ehrlich.
Denn wer in Harmagedon umkommt, hat keine
Auferstehungshoffnung, und das sind eben alle außerhalb
des Rettungsbootes.
S. 26
27, S. 35, S. 188: auf allen genannten Seiten wird
gesagt, dass die Leitende Körperschaft nicht unfehlbar
ist und dass unser aller Wissen Stückwerk ist! Das
klingt nicht gut, es ist auch richtig und zutreffend.
Aber warum wird nicht gesagt, dass jeder Zeuge
verpflichtet ist, auch irrige oder möglicherweise
irrige Auffassungen der Leitenden Körperschaft zu
vertreten um der Einheit willen? Im WT vom 15.7.1996
wird dies auf Seite 17 deutlich ausgeführt. Wer mit
einer Lehre nicht einverstanden ist und sich nicht überzeugen
lässt, muss darüber schweigen, sonst wird er als
Unruhestifter ausgeschlossen. Man darf der Organisation
nicht vorauseilen, sondern muss warten, bis sie die
Lehre ändert. Noch heute werden Personen
ausgeschlossen, die z. B. darüber reden, dass sie
nicht an das Datum der Zerstörung Jerusalems im Jahre
607 v.u.Z. glauben, sondern an das von Historikern
vertretene Datum von 586/587 v.u.Z. Warum also dieser
Glaubenszwang? Wenn dies um der ,Einheit' willen
erforderlich ist, warum verschleiert das der Autor?
Dieser Punkt ist für Leser, die gewohnt sind, frei
nach ihrem Gewissen zu entscheiden, doch wesentlich!
S. 42:
Der Verfasser sagt, dass ihm bei Jehovas Zeugen keine
Eiferer und Fundamentalisten begegnet seien. Wenn dem
so ist, dann hat er sehr nachlässig recherchiert.
Jeder Zeuge kennt Brüder, die im Ruf stehen, ,extrem'
oder ,fanatisch' zu sein. Solche gibt es sicher überall;
das hat keine große Bedeutung, aber es lässt auf die
Sorgfalt schließen, mit denen hier gearbeitet wurde.
S. 44:
Älteste oder Aufseher bilden keine Geistlichenklasse,
sie sind nicht Herren über andere. Das klingt gut;
aber ist es die ,ganze Wahrheit'? Der WT vom 1.9.1997
schreibt auf Seite 16 hinsichtlich der Ältesten:
Christliche Älteste vertreten Herrliche, nämlich
Jehova Gott und seinen Sohn, und ihnen ist auf Grund
dessen eine gewisse Herrlichkeit übertragen worden.
Sie machen zwar Fehler, wie zum Beispiel auch Petrus,
aber die Bibel fordert die Glieder der Versammlung auf,
sich solchen ,Herrlichen' zu unterwerfen. Klingt das
nicht anders? Und während kein einzelner Zeuge sich
erlauben dürfte, Lehrpunkte als falsch darzustellen
oder zu ändern, können das die Glieder der Leitenden
Körperschaft jederzeit. Wenn man dann noch die Autorität
berücksichtigt, die die Vertreter der WTG oder auch
die reisenden Aufseher genießen, muss man sagen, dass
sie weitaus mehr Autorität haben als Geistliche. Ist
der rein formale Unterschied noch von Belang? Warum
beschreibt das Buch nicht die Wirklichkeit, sondern führt
die Leser daran vorbei?
S. 57:
Keineswegs ist für ein Bibelstudium die Neue-Welt-Übersetzung
der Zeugen oder ein Buch, das von der
Wachtturm-Gesellschaft herausgegeben wurde, die
Voraussetzung. Richtig, aber warum wird nicht gesagt,
dass eine solche Buchbetrachtung unbedingt angestrebt
wird, ja dass jemand nicht zur Taufe zugelassen werden
soll, wenn er nicht ein bestimmtes Buch ,studiert' hat?
Und warum wird nicht gesagt, dass in den Zusammenkünften
praktisch keine andere Bibelübersetzung mehr gebraucht
wird? Ist das ehrlich?
S. 61:
Die Abgabe der Literatur ... erfolgt kostenlos.
Ehrlicherweise sollte man aber hinzufügen, dass dies
erst seit Anfang der neunziger Jahre der Fall ist, und
dass es in der dritten Welt immer noch Länder gibt, in
denen die Literatur verkauft wird. Auch die Nennung von
Hintergründen würde der Offenheit dienen.
S. 64:
Bezüglich des Vorwurfs der ,Bibelfälschung' wird
gesagt: ...ohne Beweis ist das einfach eine falsche
Behauptung. Es gibt Veröffentlichungen genug, die
konkrete Angaben machen; das ist so einfach
nachzuvollziehen - obwohl man natürlich über den
Ausdruck ,Fälschungen' streiten kann - dass ich hier
nicht weiter darauf eingehen will. Nur eines: das
Einsetzen des Namens ,Jehova' im Neuen Testament an so
vielen Stellen, an denen in a l l e n Texten, die man
aus der Frühzeit des Christentums besitzt, nur Kyrios
steht, und die sich in nicht wenigen Fällen auf Jesus
beziehen, wird zu Recht als eine Textveränderung
bezeichnet; manche sagen Fälschung, denn es gibt keine
Schriften des NT (unter mehr als 4 000), die das
Tetragrammaton oder dessen Übersetzung enthalten.
Diesen Vorwurf müssen wir uns gefallen lassen. Eine so
lapidare Abfertigung wie in Hartmanns Buch wird der
Sachlage nicht gerecht.
S. 106:
Würde ein Glaubensbruder hingehen...die Einheit der
Versammlung antasten... Das ist sicher verständlich;
aber es müsste auch gesagt werden, dass dies schon
zutrifft, wenn er in Lehrpunkten anderer Meinung ist
und dies laut sagt oder vertritt. Das führt zur
,letzten Konsequenz'.
S. 113:
die Ausführungen über Geburtstage sind zwar
umfangreich, aber für das Problem wenig hilfreich. Wir
haben bis Ende der zwanziger Jahre immer Geburtstage
gefeiert. Die Frage ist nicht, ob und warum die WTG
ihre Auffassung geändert hat - oder ihr damaliger Präsident
-, sondern ob jemand das Recht hat, in dieser Frage
selbst zu entscheiden; das ist nicht der Fall. Wer
regelmäßig Geburtstag feiert, muss seinem Ausschluss
rechnen, wenn es herauskommt.
S. 122:
hier wird die Gemeinschaft der Grade für die große
Volksmenge besprochen, die unter dieser Gemeinschaft
stehen wie auch die 144 000. Das von der WTG
herausgegebene Buch ,Ewiges Leben in der Freiheit der Söhne
Gottes' schreibt auf den Seiten 386/387: Die ,große
Volksmenge' ... wird dann auf dem besten Wege sein,
absolute Gerechtigkeit und Vollkommenheit im Fleische
zu erlangen. ... Aus diesem Grund werden sie nicht,
weder jetzt noch zukünftig, gerechtfertigt oder
gerecht gesprochen wie die 144 000 himmlischen
Miterben, die gerecht gesprochen worden sind, während
sie noch im Fleische sind. ... Nicht zugerechnete
menschliche Vollkommenheit durch Glauben an Christi
Blut, sondern wirkliche menschliche Vollkommenheit im
Fleische durch die emporhebende, reinigende Hilfe des
messianischen Königreiches Gottes - das ist es, was
die "große Volksmenge" benötigt... . Ein WT
aus den achtziger Jahren schrieb, dass die 144 000 Söhne
Gottes, die Glieder der großen Volksmenge nur Freunde
Gottes seien. Ob man hier nun von der Gemeinschaft der
Grade sprechen will oder nicht: die Unterschiede sind
erheblich. Das wird von dem Autor völlig verschwiegen.
Ist das ehrlich?
S. 143:
Hier wird über das Todeswerkzeug Christi gesprochen.
Es stimmt, wir meinen, es sei ein einfacher Pfahl
gewesen. Es wird jedoch in der Besprechung der Eindruck
erweckt, als seien sowohl die Gelehrten wie auch die
sprachlichen Gegebenheiten entscheidend für diese
Meinung. Wir haben bis in die dreißiger Jahre selbst
das Kreuz anerkannt. Auf die Funde der Archäologen über
die römischen Hinrichtungsmethoden wie auch über
Spottzeichnungen der Antike gegen die frühen Christen
wird nicht eingegangen. Es wird ein Eindruck der
Eindeutigkeit hervorgerufen; diese ist aber nicht
vorhanden. Den Eindruck einer offenen und ehrlichen
Untersuchung erweckt das Buch hier nicht.
S. 144:
Hier wird darauf hingewiesen, dass auch andere Gruppen
in der Vergangenheit schon irrige chronologische
Berechnungen erstellt hätten. Das ist richtig; die
wesentliche Frage für interessierte Personen ist
jedoch, warum ein Glaubenszwang für diese Lehren
besteht, bis sie von der Organisation selbst geändert
werden. Das war eben bei anderen nicht der Fall. Hier
ist aber Kritik nicht erwünscht, ja nicht erlaubt. Im
WT vom 15.06.1996 wird auf Seite 21 gesagt: ,Das Murren
und Klagen kann bei ihnen sogar so weit gehen, dass sie
die Veröffentlichungen des ,treuen Sklaven'
kritisieren... -doch was wäre, wenn wir eine negative
Einstellung entwickeln würden, die in kritischen
Diskussionen im engsten Freundeskreis zum Ausdruck käme?
'Hier wird in dem Buch zwar die Wahrheit gesagt, aber
nicht die ganze!
S. 146:
Hier wird von dem Jahr 607 v.u.Z. als dem Jahr der
Zerstörung Jerusalems gesprochen und von den
bestimmten Zeiten als den von Daniel erwähnten sieben
Zeiten. Das ist unsere Lehre, ja. Aber von einem
ehrlichen Buch würde ich erwarten, dass auch erwähnt
wird, dass alle Historiker und Archäologen -
jedenfalls kenne ich keine Ausnahme - hier das Jahr
586/587 v.u.Z. ansetzen, die gleichen Historiker, deren
für den Fall Babylons errechnetes Jahr 539 v.u.Z. von
der WTG anerkannt wird. Auch wird in keiner Weise erläutert,
was denn die sieben Zeiten des Wahnsinns Nebukadnezars
in Daniel 4, die sich an ihm erfüllten, mit den
bestimmten Zeiten, die Jesus erwähnt, zu tun haben! Es
wird hier nur eine Behauptung aufgestellt. Das ist
nicht seriös.
S.
153/154: Die Aussage und der Schluss bezüglich 1975
erscheint mir seltsam. Natürlich wurde nie das Ende
der Menschheitsgeschichte angekündigt, denn wir
erhoffen ja ewiges Leben; die Menschheitsgeschichte ist
also unendlich! Was aber deutlich verkündigt wurde,
das war das Ende des heutigen Weltsystems mit
Harmagedon als Gottes Krieg und danach das Königreich
Gottes nach dem Ende von 6 000 Jahren
Menschheitsgeschichte. Hier kann ich mich des Gefühls
einer bewusst täuschenden Formulierung nicht erwehren!
S. 156:
... dass die Leitende Körperschaft der Zeugen Jehovas
über ihre Publikationen den Rat erteilen will: `Hört
auf zu rechnen...` Diese Aussage finde ich beleidigend
für alle ,kleinen' Zeugen! Wer hat denn Berechnungen
angestellt, Rechnungen aufgestellt und Aussagen verkünden
lassen? Die ,Kleinen'? Wieder mal die Kleinen! Das
klingt wie ,Haltet den Dieb!'
S. 160:
Es gibt kein Mitgliederverzeichnis der Zeugen Jehovas
und keine Liste der getauften Zeugen. Es gibt in jeder
Versammlung für jeden getauften und jeden verkündigenden
Zeugen eine Verkündigerkarte; wo ist da der
Unterschied zu einer Liste oder einem Verzeichnis? Es
gibt sogar Nachweise über ehemalige und
ausgeschlossene Zeugen. Die Aussage des Buches
erscheint mir unter diesen Umständen geradezu
heuchlerisch!
S. 179:
...dass nur in ihrer Organisation Gott herrscht. Dies
wird verneint, weil Gott der Herr der ganzen Schöpfung
ist. Richtig! Aber gemeint war ja wohl, ob Gott nur mit
dieser Organisation heute arbeitet, und das i s t
unsere Auffassung; der ,Sklave' ist Gottes Kanal und
Sprachrohr, die Organisation ist Gottes irdische
Organisation, wir sind Gottes Volk. Alle anderen stehen
unter der Herrschaft des Widersachers. Eben deshalb müssen
ja die Menschen zu dieser Organisation gebracht werden,
in das alleinige Rettungsboot. Wie demnach eine solche
Aussage wie in Hartmanns Buch möglich und wie sie zu
beurteilen ist, mag jeder selbst empfinden.
S. 180:
...der leitenden Körperschaft untergeordnet... Gewiss
nach den Grundsätzen der Bibel, aber so, wie sie die
leitende Körperschaft auslegt, und nicht etwa nach dem
eigenen Verständnis des Lesers. Das ist eine
Voraussetzung der Einheit. Personen die sich nicht einfügen,
müssen mit dem Gemeinschaftsentzug rechnen. Ob dies
von einigen als Gewaltherrschaft empfunden wird, hängt
oft sehr von persönlichen Erfahrungen ab.
S. 189:
hier wird von den zahlreichen Kirchenaustritten
gesprochen; das ist sicher zutreffend. Der Autor erwähnt
aber nicht, dass prozentual gesehen die ,Austritte' bei
Jehovas Zeugen erheblich höher liegen. Die Besorgnis
darüber hat die WTG sogar veranlasst, diesem Problem
im WT vom 15.07.1999 - ganz aktuell - einen eigenen
Artikel zu widmen. Diese Tatsachen verschweigt das
Buch. Wie man sagt: .,Wer im Glashaus sitzt,...'.
S. 203:
hier wird von Abtrünnigen gesprochen und von ihren
Motiven. Es gibt natürlich Motive, die im Gegensatz zu
biblischen Grundsätzen stehen. Aber es ist - wieder
einmal - nur die halbe Wahrheit. Es gibt auch viele,
die aus Gewissensgründen wegbleiben. Da es nicht üblich
ist, die Gründe eines Wegbleibenden oder die Gründe für
einen Ausschluss zu nennen, und da wir als Zeugen mit
solchen Personen nicht mehr sprechen dürfen, kommen
oft natürlich Gerüchte in Umlauf, die bis zur Rufschädigung
gehen können. Dass auch ,Abtrünnige' ehrlich,
aufrichtig und gläubig sein können, wird nicht einmal
erwähnt. Das grenzt an Polemik und Verleumdung. Das
gilt auch für Seite 204; es werden für Abtrünnige
nur zwei negative Gründe angeführt, die keineswegs
der Vielzahl der Fälle entsprechen, es sei denn, ein
Bestehen auf seiner Meinung sei schon Stolz und Überheblichkeit.
Auch die im letzen Absatz der Seit erwähnte Sünde und
das Verharren darin lässt nicht einfach an die
zahlreichen denken, deren Sünde in Kritik an der
Organisation bestand.
Liebe
Familie, ich will zu Ende kommen. Vielleicht können
Sie mir nachvollziehen, warum ich dieses Buch nicht
guten Gewissens empfehlen kann. Dem Vernehmen nach soll
der Autor inzwischen ein weiteres Werk veröffentlichen.
Wenn das zutrifft - nach dieser Lektüre möchte ich es
gar nicht lesen.
Ich
danke Ihnen jedenfalls für die Geduld, mit der Sie
meine Ausführungen gelesen haben, wenn Sie diese
Stelle erreicht haben. Bitte behalten Sie meinen Namen
und Anschrift vertraulich. Ich möchte nicht gern - bei
der Sorge um die Einheit - auf die ,Abschussliste'
geraten. Ich grüße Sie herzlich
Ihr.........
Der
Verfasser ist uns bekannt KIDS e.V.
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